Gemeindebüro

Blücherstraße 15-19

55422 Bacharach

06743 965773

vierthaeler@ekir.de

________________________Das Gemeindebüro hat dienstags von 9-11 Uhr und freitags 8-10 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet.

 

An(ge)dacht

Glaubst Du das?

 

„Du kommst zu spät!“ Marta konnte den vorwurfsvollen Unterton in ihrer Stimme nicht unterdrücken. Vielleicht wollte sie es auch gar nicht. Sie war enttäuscht. Schließlich hatten ihre Schwester Maria und sie Jesus sofort rufen lassen, nachdem der Arzt ihnen eröffnet hatte, wie ernst es um ihren Bruder stand. Aber nun, wo Jesus endlich eintraf, war Lazarus schon vier Tage tot.

 

„Herr, wärst Du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben“, fuhr sie fort. „Dein Bruder wird auferstehen, Marta!“ erwiderte Jesus. „Ja, ich weiß, dass er auferstehen wirdbei der Auferstehung am Jüngsten Tag.“ Ohne diese Hoffnung wäre die Situation für sie gänzlich unerträglich gewesen. Die elende Krankheit hatte ihren Bruder mitten aus dem Leben gerissen. Nichts war mehr, wie es war. Er wird auferstehen. Ja. Aber irgendwie erschien ihr das so abstrakt. Und viel zu weit weg. Statt „am Jüngsten Tag“ hätte sie lieber „am Sankt Nimmerleinstag“ gesagt. Als könnte er ihre Gedanken lesen, sagte Jesus (Joh 11,25-26):

 

„Ich bin die Auferstehung und das Leben.

Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt;

und wer da lebt und glaubt an mich,

der wird nimmermehr sterben.“

 

„Glaubst Du das?“

An dieser Stelle der Geschichte ist mir, als würde Marta zur Seite treten und die Frage geradewegs an uns durchreichen, liebe Leserinnen und Leser. „Glaubst Du das?“

Der Glaube an die Auferstehung Jesu ist der Dreh- und Angelpunkt unseres christlichen Glaubens. Ohne ihn ist unser Glaube hinfällig. Aber wie kann, wie soll man das glauben? Marta antwortete damals diplomatisch:

„Ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.“

 

Auf den ersten Blick erscheint die Antwort ausweichend. Aber eigentlich ist damit alles gesagt. In Jesus ist der lebendige Gott persönlich zur Welt gekommen. Der, der am Anfang gesagt hat: „Es werde Licht!“ Und? Es ward Licht.

 

Der Schöpfer selbst hat in Jesus von Nazareth Hand und Fuß bekommen und ist unsere Erdenwege gegangen. In der Nacht von Gethsemane und am Kreuz von Golgatha hat Jesus die Angst vor und die Ohnmacht gegenüber dem Tod am eigenen Leibe erfahren. Aus Liebe zu seinen Geschöpfen ist der lebendige Gott in den Tod gegangen. Das hat der Tod nicht überlebt. Seit Ostern ist er eine gebrochene Existenz, ein Auslaufmodell. Wir müssen eines Tages sterben, ja. Aber um Jesu willen trägt nun nicht mehr nur unser Leben, sondern auch unser Tod ein Verfallsdatum. Dem Leben schaffenden Wort des Schöpfers wird er nicht mehr ewig trotzen können. Was Marta damals an ihrem Bruder erleben durfte, ist wie ein Trailer von dem, was Jesus mit uns noch vor hat.

 

„Lazarus, komm heraus!“ rief Jesus mit lauter Stimme in das Dunkel des Felsengrabes, in das sie seinen Freund Lazarus hineingelegt hatten. Und? Lazarus kam heraus. Bei Jesus gibt es kein zu spät.

 

Mit den besten Wünschen für eine gesegnete und glaubensfrohe Passions- und Osterzeit,

 

Ihr Pfarrer Timm Harder

 

P.S.: Die ganze Geschichte finden Sie im Johannesevangelium im 11. Kapitel.

Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,

ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

(EG 97, 1)

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Kirchengemeinde Vierthäler