Gemeindebüro

Blücherstraße 15-19

55422 Bacharach

06743 965773

vierthaeler@ekir.de

________________________Das Gemeindebüro hat  mittwochs von 9-11 Uhr und freitags von 8-10 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

 

Evangelische Kirchengemeinde Vierthäler
Evangelische Kirchengemeinde Vierthäler

Predigtarchiv

Reminiscere 2021

Predigt: Jesaja 5, 1 – 7

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft, die der Heilige Geist schafft, sei mit uns allen. AMEN

 

Liebe Gemeinde,

viele von uns kennen die Arbeit im Weinberg.

Der Rebschnitt zu Beginn des Jahres ist äußerst wichtig, er bringt die wildwachsenden Triebe der Rebe in eine Ordnung und in ein Gleichgewicht von Wachstum, Ertrag und Qualität.

 
Die Arbeit im Wingert, wie der Weinberg hier am Mittelrhein heißt, ist Knochenarbeit.

Sie beginnt im Januar und endet im Herbst mit der Weinlese.

Diese intensive und sorgfältige Arbeit ist die Voraussetzung für gute Trauben und noch besseren Wein.

 

Schon im alten Israel galt der Weinbau als eine fordernde Herzensangelegenheit und der Weinberg war auch Sinnbild für Menschen und ihre innigen Beziehungen. Im Hohelied  Salomos wird er als der Ort bezeichnet, an dem sich die Liebenden treffen. (Hld. 7,13).

Der Weinberg gilt in den biblischen Texten auch als Symbol für Wohlstand.

Wer einen Weinberg besaß galt als reich, weil er immer das Ergebnis kräftezehrender Arbeit und Pflege ist.

Der Weinberg ist aber auch ein Beispiel für friedliche Zeiten.

So kündigt der Prophet Micha in seiner berühmten Vision an:

Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken.  (Micha 4,3-4)

 

Was für eine Aussicht! Im Weinberg sitzen und das Leben genießen.

 

Solche Bilder hatten die Menschen wohl auch vor Augen als das Weinberglied im Buch des Propheten Jesaja entstand.

Es gilt als poetisches Glanzstück der Bibel und erinnert an ein großes Orchesterwerk.

 

Da beginnt einer ein Liebeslied zu singen, über die wunderbare Beziehung zwischen einem Weinbergbesitzer und seinem Weinberg.

Man sieht geradezu wie der Weinbergbesitzer voller Stolz in seinem Weinberg von Rebe zu Rebe geht und sich von Herzen daran freut.

 

Dann wechselt das Lied den Ton.

Es wird besungen, was der Weingärtner alles in diesen Weinberg an Arbeit und Mühe hineingesteckt hat. Er hat umgegraben, entstein, gepflanzt,

eine Mauer, einen Turm und eine Traubenpresse gebaut, um dann mit Geduld zu warten, dass sich gute Trauben entwickeln.

 

Es ist wie im richtigen Leben.

Jede Liebe will auch kultiviert, bearbeitet und gepflegt werden.

Die Verbindung, die wir zu anderen haben ist kein Selbstläufer. Mit den Menschen, die uns lieb sind, müssen wir auch Zeit verbringen.

Wer nicht mehr miteinander spricht, sich nicht mehr sieht, der verliert den Faden zueinander.

So gilt etwa bei Paaren als der größte Beziehungskiller: zu wenig Zeit füreinander.

Leider merken die meisten das erst, wenn es bereits zu spät ist.

 

Der Weinbergbesitzer hat sein Möglichstes getan. Man könnte meinen, dass er nun auch ernten kann, was er bearbeitet hat.

Aber es kommt der Paukenschlag: nichts als schlechte Trauben!

Enttäuschung und blinde Wut folgen.

 

Wer kennt sie nicht, solche extremen Gefühle,

wenn die Dinge nicht so laufen wie wir es uns gewünscht haben.

Wenn wir enttäuscht sind, dass jemand nicht Wort gehalten hat oder man sich auf eine Absprache nicht verlassen konnte.

Die kleinen und großen Enttäuschungen, Verärgerungen und Niederlagen prägen unseren Alltag.

Dabei gibt es unterschiedliche Arten, ihnen zu begegnen. Jeder von uns reagiert auf seine eigene Art.

 

Der Weinbergbesitzer im Weinberglied des Jesaja ist außer sich. In der 3. Strophe weiß er ein donnerndes Lied zu singen in dem er all seinem Ärger Luft macht.

Nun möchte er alles dem Erdboden gleich machen. Einreißen, zertreten, brach liegen lassen.

Sogar die Wolken sollen auf diesen Acker nie mehr regnen.

 

Wer sich so vergisst, vor dem nimmt man lieber Reißaus. Denn das kann ungemütlich werden und eine Weile dauern, bis es sich beruhigt.

Ja, wenn man enttäuscht ist, kann es passieren,

dass solch eine Wut aufkommt. Da knallen dann schon einmal Türen oder Teller zerspringen.

 

Das Überraschende bei Jesaja ist: Er spricht nicht von Menschen – der Weinbergbesitzer, so löst er es in der letzten Strophe des Liedes auf, ist Gott selbst.

 

Und dieser Gott singt nun zornig ein Klagelied über die Menschen, die er liebt und die er gehegt und gepflegt hat, wie ein Winzer seinen Weinstock.

 

Am Weinberglied des Jesaja merken wir, wie weh ihm das tut, wenn wir keine Frucht bringen,

wenn unser Glaube brachliegt und unsere Hoffnung verkümmert. Es tut Gott weh, wenn hier jeder nur für sich lebt, innerlich tot und ohne Liebe für den anderen.

Es macht Gott Kummer, wenn sein Wort keine Frucht trägt, wenn seine Güte ohne Folgen bleibt, seine Vergebung sich nicht weiter sagt.

Gott ist traurig, wenn wir einander ignorieren und uns um die Schwachen und Hungernden in der Gesellschaft nicht kümmern.

Gott leidet, wenn wir Not und Gewalt in unserer Welt nicht sehen wollen und dem Elenden unsere Türen und unsere Herzen verschließen.

 

Der Glaube, die Beziehung zu Gott erfordert echte Arbeit. Aber es deckt sich mit dem, was das Weinberglied auf seine Weise mit den guten Früchten ausdrückt.

 

Beziehungen brauchen Nährstoffe, wollen beackert werden, müssen sich entwickeln und brauchen Zeit. Glaube geht nicht schnell und billig. Aber es lohnt sich, dafür braucht es aber ein gutes Maß an Praxis: besondere Orte oder Zeiten um sich in den Glauben einzuüben.

 

Aber es gibt auch besondere Zeiten für den Glauben – die Fasten- und Passionszeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag zum Beispiel.

Die Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland, steht in diesem Jahr unter dem herausfordernden Motto:

„Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden“.

 

Besonders in einer Zeit, die einen sowieso schon ausbremst, eine spannende Aufgabe.

Jede und jeder ist in seinem Radius eingeschränkt –kein Sport, kein Kino, kein Stöbern im Buchladen.

Das Krankenhaus lässt keine Besucher:innen hinein.

Die Gastwirte dürfen ihr Lokal nicht öffnen.

 

In dieser Fastenzeit soll der Blick gehoben werden, um mehr zu sehen als nur die verschlossenen Türen.

Daher ruft das diesjährige Motto dazu auf, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und neue Wege entdecken. Die Türen zur virtuellen Welt sind offen. Dort eröffnet sich ein neuer Raum, ein großer Spielraum.

 

Liebe Gemeinde,

mit seinem Weinberglied will Jesaja uns wachrütteln: Nehmt wahr, was ihr tut!

Gott möchte, dass wir wachsen und blühen und dass wir eines Tages Frucht bringen.

 

Gott will, dass der Weinberg gute Trauben bringt und Leben wächst. Gott will, dass es in der Welt gerecht zugeht und die Menschen gut miteinander umgehen.

Gott will, dass Menschen einander helfen und auf den rechten Weg bringen.

Gott will, dass Ihr Jugendlichen Euch in der Welt zu recht findet und Ihr Eure Begabungen umsetzen könnt.

Denn: Gott will das Leben. – Amen.
Und der Friede Gottes, der weiter reicht, als wir es fassen können, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen.

 

 

Predigttext
28.02.2021
Predigt. Reminiscere 2021.pdf
PDF-Dokument [95.1 KB]

Predigt

für den So. Invocavit (21.02.21)

zu Joh 13,21-30

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Moritz in Oberdiebach.

Der folgende Predigttext aus Joh 13,21-30 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.“ Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: „Herr, wer ist's?“ Jesus antwortete: „Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe.“ Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: „Was du tust, das tue bald!“ Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: „Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!“, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als Judas nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

 

 

Liebe Gemeinde! Judas ist wohl die tragischste Figur der ganzen Bibel. Sein Name ist zum Synonym für Verräter geworden. Dabei hatte Jesus ihn genauso berufen wie die anderen elf Jünger. Er gehörte zum engsten Freundeskreis und trug sogar besondere Verantwortung. „Er hatte den Beutel“, lässt Johannes uns im Predigttext wissen. Genau gesagt, den Geldbeutel. Judas war der Kassenwart. Ausgerechnet er wird zum Verräter.

 

Es ist der letzte Abend, bevor Jesus gekreuzigt wird. Gründonnerstag quasi. Während Jesus mit Seinen Jüngern das Passamahl feiert, durchzuckt es Ihn. Auf einmal wird Ihm so richtig bewusst, was Ihm bevorsteht - und wie es dazu kommt. Dass die religiöse Führungsriege in Seinem Volk Ihn aus dem Weg räumen wollte, wusste Er. Er wusste aber auch, dass sie feige waren. Sie wollten auf keinen Fall, dass das Volk davon Wind bekommt und auf die Barrikaden geht. Eine Gefangennahme konnte also nur bei Nacht und Nebel von statten gehen. Das wiederum bedeutete, dass die Gegner Jesu auf vertrauliche Informationen angewiesen waren, wo Er sich aufhielt, wenn Er nicht von Menschen umgeben war. Solche „sachdienlichen Hinweise“ konnte nur jemand liefern, der nah genug an Ihm dran war.

 

„Einer von Euch“, sagt Jesus. „Einer unter Euch wird mich verraten.“ Schlagartig ist es mit der Feststimmung vorbei. Den Jüngern „wurde bange, von wem er wohl redete“, schreibt der Evangelist Johannes. Ich kann mir das richtig vorstellen - die bedrückte Stimmung. Die Verunsicherung, die auf einmal im Raum liegt. Die verstohlenen Blicke. Die Angst verdächtigt zu werden. „Ob Jesus mir sowas zutraut?“ Und dann das Misstrauen gegen die anderen. „Mensch, wir haben einen Maulwurf in unseren Reihen! Aber wer? Wen meint Jesus?“ Keiner traut sich so richtig zu fragen. Selbst Petrus, der sonst immer mit seinem Mundwerk vorweg war, getraut sich nicht, quer über den Tisch zu fragen: „Komm Jesus, tu Butter bei die Fische: Wer ist es?“ Stattdessen schickt er Johannes vor, der seinen Platz strategisch günstig neben Jesus hat. Er winkt ihm und gibt ihm zu verstehen: „Ey, frag Du mal!“ Johannes fragt, und Jesus antwortet: „Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.“ Bei Matthäus und Markus wird an der Stelle nur berichtet, dass Jesus sagt: „Es ist einer von den Zwölfen, der mit mir den Bissen in die Schüssel taucht.“ So oder so heißt das ganz klar: Judas ist dabei bei dieser Mahlfeier! Er isst mit Jesus und den anderen am selben Tisch. Jesus hat gewusst, wer es ist. Jeder andere hätte Judas achtkantig rausgeschmissen. Aber bei Jesus wird selbst der Verräter nicht ausgeschlossen. Johannes spitzt das nochmal zu mit dem Hinweis, dass Jesus dem Judas das Mahl reicht. Heißt: Auch Judas hört - so berichten es Matthäus, Markus und Lukas -, wie Jesus das Passamahl auf sich deutet. Auch Judas hört Jesus sagen: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ Und: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung aller eurer Sünden.“ Auch Judas, von dem Johannes dann schreibt. „Nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn.“ Die Formulierung ist sprichwörtlich geworden. Wie oft kommt es vor, dass wir sagen oder denken: „In die oder den ist wohl der Teufel gefahren!“ Oder manchmal auch selbstkritisch sagen: „Ich weiß auch nicht, welcher Teufel mich da geritten hat!“

 

Kann Judas am Ende gar nichts dafür? Hat Jesus den Verrat vielleicht sogar veranlasst oder ausgelöst dadurch, dass Er ihm den Bissen über den Tisch gereicht hat? Welche Rolle spielt Gott bei der ganzen Sache? Geschieht der Verrat gegen Gottes Willen? Geschieht er sozusagen mit Gottes „Genehmigung“? Oder geschieht er sogar auf aktives Betreiben Gottes hin? Wir wissen es nicht. Das bleibt im biblischen Befund schillernd, liebe Gemeinde. Gerade weil das so ist, würden wir es uns zu einfach machen, wollten wir in Judas einfach nur den sprichwörtlich Bösen sehen, den es nur ein einziges Mal gab. Zu einfach aus zwei Gründen:

 

1. Das Zeug zum Verrat haben wir alle. Es kommt immer und immer wieder vor, dass Menschen sich gegenseitig ans Messer liefern. Dass sie das verraten, was ihnen eigentlich lieb und wichtig ist. Dass der Teufel in sie fährt und sie in einem Zustand geistiger Umnachtung unfassbaren Mist machen. (Nicht umsonst endet der Predigttext mit der Anmerkung: „Und es war Nacht.“) Und

 

2. würden wir es uns zu einfach machen, weil zumindest so viel klar ist: Judas hat, indem er Jesus verraten hat, eine entscheidende Rolle in der Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen übernommen. Irgendeiner musste die Drecksarbeit machen. Ohne Verrat keine Kreuzigung. Und ohne Kreuzigung keine Erlösung.

 

Übrigens: Das Wort im Predigttext, das mit „verraten“ übersetzt wird - paradidwmi auf Griechisch - heißt eigentlich „übergeben“, „ausliefern“. Dasselbe Wort wird im Neuen Testament verwendet um zu beschreiben, was Gott mit Jesus in der Kreuzigungsgeschichte tut. „Wegen unserer Verfehlungen hat Gott Jesus für uns alle hingegeben“. So wird dasselbe Wort bei Paulus in Röm 4,25 übersetzt. Mit anderen Worten: Judas tut nichts anderes als Gott selbst. Judas gibt Seinen Freund hin - aus welchen Gründen auch immer. Gott gibt Seinen Sohn hin - und in Ihm sich selbst! Das ist Gottes Antwort auf die abgrundtiefe Schuld, die Judas auf sich geladen hat – und wie er so viele Menschen.

 

Am Anfang der Geschichte findet sich die Formulierung, dass Jesus „bezeugte und sprach: Einer von euch wird mich verraten.“ Das griechische Wort, das Luther mit „bezeugen“ übersetzt, lautet: emarturhsen. Da steckt unser Wort „Märtyrer“ drin. Ein Märtyrer ist jemand, der etwas bezeugt und dafür mit seinem Leben einsteht. Jesus bezeugt an der Stelle, dass einer Seiner besten Freunde Ihn verraten wird. Er bezeugt damit, dass so etwas möglich ist, dass Menschen einander verraten, hingeben und ans Messer liefern. Menschen, von denen man sowas nie gedacht hätte. Wenige Stunden später wird Jesus in Folge dieses Verrates hingerichtet. Sein Kreuz wird zum Zeugnis menschlicher Schuld. Aber das ist nur das Eine. Jesus steht am Kreuz nicht nur für die abgrundtiefe Schuld der Menschen ein. Er bezeugt dort - mit Seinem Leben - die um ein Unendliches abgrundtiefere Liebe Gottes. Die Liebe, die ausnahmslos jedem gilt. Trotz aller Schuld. Auch der tragischsten Figur der ganzen Bibel. Amen.

 

 

Predigttext 21.02.21
für Sie
Online-Gottesdienst 2021-02-21 Predigtma[...]
PDF-Dokument [16.5 KB]

Predigt

für den So. Estomihi (So. 14.02.21)

zu Jes 58,1-9a

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Anna in Steeg.

Der folgende Predigttext aus Jes 58,1-9a liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Der Herr sagt: „Rufe, so laut du kannst! Lass deine Stimme erschallen wie eine Posaune! Halte meinem Volk, den Nachkommen Jakobs, ihr Unrecht und ihre Vergehen vor! Sie fragen mich Tag für Tag, warum ich sie solche Wege führe. Wie ein Volk, das sich an das Recht hält und meine Gebote befolgt, fordern sie von mir, dass ich zu ihrer Rettung eingreife, und wünschen sich, dass ich ihnen nahe bin. „Was für einen Sinn hat es“, jammern sie, „dass wir Fasttage abhalten und deinetwegen Entbehrungen auf uns nehmen? Du beachtest es ja gar nicht!“ Darauf sage ich, der Herr: „Seht doch, was ihr an euren Fasttagen tut! Ihr geht euren Geschäften nach und beutet eure Arbeiter aus. Ihr fastet zwar, aber ihr seid zugleich streitsüchtig und schlagt sofort mit der Faust drein. Darum kann euer Gebet nicht zu mir gelangen. Ist das vielleicht ein Fasttag, wie ich ihn liebe, wenn ihr auf Essen und Trinken verzichtet, euren Kopf hängen lasst und euch im Sack in die Asche setzt? Nennt ihr das ein Fasten, das mir gefällt? Nein, ein Fasten, wie ich es haben will, sieht anders aus! Löst die Fesseln der Gefangenen, nehmt das drückende Joch von ihrem Hals, gebt den Misshandelten die Freiheit und macht jeder Unterdrückung ein Ende! Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen! Dann strahlt euer Glück auf wie die Sonne am Morgen und eure Wunden heilen schnell; eure guten Taten gehen euch voran und meine Herrlichkeit folgt euch als starker Schutz. Dann werdet ihr zu mir rufen und ich werde euch antworten; wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: „Hier bin ich!““

 

 

Liebe Gemeinde! Der Glaube an Gott kommt am Mitmenschen nicht vorbei. Ob uns das passt oder nicht. Glaube hat nicht nur eine vertikale Dimension, also den persönlichen „Draht“ nach oben. Er hat auch eine horizontale Dimension. So wie das Kreuz nicht nur einen Längsbalken hat, sondern auch einen Querbalken. Die Beziehung zu Gott ist nicht zu haben, ohne dass das Folgen hat für unsere Beziehung zu den Menschen. Unser Glaube hat also immer auch eine soziale Dimension. In unserer Gesellschaft wird Glaube als Privatsache gehandelt. Aber Gott lässt keinen Zweifel daran, dass es Ihm mit dieser sozialen Dimension des Glaubens ernst ist. Wir haben das eben in der Lesung gehört. Angesprochen war damals die judäische Oberschicht rund 500 Jahre vor Christus. Klingt lange her, hat aber an Aktualität nichts verloren.

 

Die Situation war folgendermaßen: 586 vor Christus hatte der babylonische König Nebukadnezar Jerusalem und das umliegende judäische Land erobert und weite Teile der Bevölkerung nach Babylon verschleppt. Rund 50 Jahre später übernahmen die Perser die Macht im Vorderen Orient und besiegten das Babylonische Reich. Die Juden durften in ihre Heimat zurückkehren. Aber die persischen Befreier verlangten immense Steuern. Opfer dieser Steuerpolitik waren die Kleinbauern, die reihenweise Pleite gingen. Des Einen Leid ist des anderen Freud: Die Oberschicht profitierte von der Entwicklung, weil die Reichen den zahlungsunfähigen Bauern Geld liehen. Wenn die ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten, fiel das Land an den Gläubiger. Und nicht nur das Land: der Schuldner wanderte mitsamt seiner Familie in die Schuldsklaverei. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft drohte komplett einzugehen. Immer mehr Land geriet in die Hände einiger weniger Reicher, die genau darauf spekulierten. So wird man Monopolist und kann die Preise diktieren. Und während eben diese Leute ganze Bevölkerungsschichten in die Armut schickten, pflegten sie in ihrem Privatleben ihre Frömmigkeit. „Sorry, aber das geht gar nicht!“ lässt Gott ihnen durch den Propheten ausrichten. „Einerseits macht hier einen auf fromm, und auf der anderen Seite lasst Ihr’ s Euch gut gehen auf Kosten anderer. Spart Euch Euer frommes Getue! Nehmt den Gefangenen die Fesseln ab, gebt den Misshandelten die Freiheit zurück und macht Schluss mit der Unterdrückung! Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in Euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen rumlaufen, was zum Anziehen und helft allen, die Hilfe brauchen!“ Solidarität – das ist es, was Gott fordert. Fürsorge statt Ausbeutung. Der Glaube lässt sich nicht vom Alltag trennen! Was wir für Menschen tun oder nicht tun, tun wir für Gott - oder tun es nicht.

 

Was würde der Prophet uns wohl heute sagen? Die Schuldsklaverei ist zum Glück abgeschafft. Hat sich die Sache damit erledigt? Ich fürchte, ganz so einfach würde uns der Prophet nicht aus der Pflicht entlassen. Auch für unseren Lebensstandard zahlen andere. Bleiben wir nur mal beim Beispiel kleinbäuerliche Landwirtschaft. Die droht nämlich auch bei uns komplett einzugehen - wie damals in Judäa. Die Preise für Butter und Milch sind heute niedriger als in den 50er Jahren. Obwohl sonst in den 70 Jahren seitdem so ziemlich alles teurer geworden ist. Die großen Lebensmitteldiscounter zahlen den Bauern für ihre Arbeit zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig. Vor ein paar Wochen haben Landwirte mit ihren Traktoren die Zufahrten zu mehreren Aldi-Zentrallagern blockiert, weil Aldi angekündigt hatte, den Preis für Butter weiter zu senken. Kann ich verstehen. Aber einfach nur in die Hände klatschen und sagen: „Richtig so!“ und dann trotzdem weiter in den Werbeprospekten auf Jagd gehen nach den billigsten Angeboten, hilft den Bauern nicht weiter.

 

Die Corona-Krise hat letztes Jahr die eklatanten Ungerechtigkeiten unseres „Hauptsache billig“ Wirtschaftens offengelegt, als die Skandale in Schlachthöfen ans Licht kamen, wo die Mitarbeiter ähnlich zusammengepfercht leben wie die Schweine, die sie schlachten. Mit dem Erfolg, dass Schlachthöfe zu Corona-Hotspots geworden sind. Alles nur, damit Fleisch zu Dumpingpreisen über die Ladentheke geht. Vielleicht ist es das, was der Prophet uns ins Stammbuch schreiben würde: „Verabschiedet Euch endlich von Eurer zerstörerischen „Geiz-ist-geil-Mentalität“! Wir hier in Deutschland geben im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn den geringsten Teil unseres Einkommens für Lebensmittel aus. Heißt: Das, was für unser irdisches Leben im Prinzip am wichtigsten ist, lassen wir uns am wenigsten kosten. Und ausbaden müssen das unsere Landwirte - und die Natur. Die AfD beschimpft die Grünen als „Totengräber der Bauern“, weil sie sich gegen den Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel stark machen. Ob das zukunftsweisend ist, den Schutz der Bauern gegen den Artenschutz auszuspielen, sei dahingestellt. Ohne Insekten, speziell ohne Bienen wächst auf unseren Feldern und Bäumen irgendwann auch nichts mehr. Nicht der Artenschutz ist das Problem, sondern unser Konsumverhalten. Es sind nicht nur „die da oben“, die was ändern müssen. Wir müssen den Bewusstseinswandel hinkriegen, dass wir mit unserer Versessenheit auf Billigangebote vor die Wand fahren. Billig ist nicht das Beste. Jedenfalls nicht, wenn man mal über den Augenblick hinaus denkt.

 

„Entziehe dich nicht deinem Fleisch und Blut“, sagt der Prophet. Mit anderen Worten: „Ihr lebt auf dieser Erde, und darum habt Ihr auch Verantwortung für diese Erde – und für das Leben, das darauf ist.“ Wenn alle Menschen auf der Erde so leben würden wie wir, wäre die Erde heute schon am Ende. Am Mittwoch beginnt die Passionszeit. Die Zeit, in der wir daran denken, was Jesus für uns getan hat. Jesus hat für uns auf Sein Gott-Sein verzichtet. Er hat sich absolut mit uns solidarisch erklärt und sich an unsere Seite gestellt, hat unser Leben gelebt und ist unse-ren Tod gestorben. Unser Heil hatte Er im Blick, als Er das gemacht hat. Nicht Sein eigenes. Vielleicht kann das ja ein Anreiz sein, mal drüber nachzudenken, wo wir in unserem Leben auf etwas verzichten können, damit andere nicht den Preis dafür zahlen müssen. Wenn wir die soziale Dimension unseres Glaubens ernst nehmen, „dann“, so lässt Gott uns im Predigttext sagen, „strahlt euer Glück auf wie die Sonne am Morgen und eure Wunden heilen schnell“. Gott will unser Glück und unser Heil. Dafür hat Er alles gegeben. Aber gerade darum können wir es nicht an uns reißen und für uns allein haben wollen. Es erstrahlt erst richtig, wenn es in die Breite wirken kann. Gebe Gott uns die Kraft, gegen unseren inneren Schweinehund anzugehen und ernst zu nehmen, dass der Glaube an unseren Mitmenschen nicht vorbei kommt. Amen.

 

 

Predigtmanuskript vom 14.02.2021
Online-Gottesdienst 2021-02-14 Predigtma[...]
PDF-Dokument [19.0 KB]

Predigt

für den So. Sexagesimae (07.02.21)

zu Lk 8,4-15

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Peter in Bacharach.

Der folgende Predigttext aus Lukas 8,4-15 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Als eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu Jesus eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. Er aber sprach: Euch ist's gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern aber ist's gegeben in Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen. Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

 

 

Liebe Gemeinde! „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.“ Das wird sich der Bauer in der Geschichte vorhin auch gedacht haben, als er mit der Hand in die Tasche griff und die Samenkörner großzügig auf seien Acker schleuderte - buchstäblich ohne Rücksicht auf Verluste. „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt!“ Das Gleichnis ist eine Steilvorlage für eine schöne Matheaufgabe: Wie hoch ist der Ernteertrag des Bauern, wenn 75% seines Saatgutes verloren gehen, die restlichen 25% aber 100fachen Ertrag bringen? Wer weiß es? - Genau. Auf das eingesetzte Saatgut gerechnet hat der Bauer den 25fachen Ertrag. Das ist doch was, oder?

 

Wir haben eine ausgeprägte Aversion gegen Fehlinvestitionen. Wenn wir was investieren an Geld, Zeit oder Kraft, dann soll sich das lohnen. Wir haben Angst, dass was daneben geht oder für die Katz ist. Eben diese Angst will Jesus uns mit Seinem Gleichnis vom Sämann nehmen. Hätte der Bauer gesagt: „Ich will nicht, dass von meinem Saatgut was verloren geht!“ und hätte pienzig den Wegesrand ausgespart, jedes Steinchen ausgegraben und anderthalb Meter Abstand gehalten von jeder Dorne, dann hätte er nicht so viel geerntet.

 

Jesus erzählt das Gleichnis, als „eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu Jesus eilten“. Er war also gerade auf dem Höhepunkt Seiner Karriere. Ich stelle mir vor, wie Seine Jünger abends mit Ihm zusammensitzen und total begeistert sind. Jesus ist zum Star geworden. Die Zahl Seiner "Follower“ steigt täglich. Und sie als Jünger, als Seine engsten Freunde sind mittendrin. Muss ein geiles Gefühl sein, keine Frage. Klar, dass man dann denkt: „Das soll immer so weiter gehen!“ „Wird es aber nicht“, sagt Jesus. „Denkt nicht, dass die alle dabei bleiben, die mir heute zugejubelt haben.“ Als diese Geschichte gut 40 Jahre später aufgeschrieben wurde, da kannten die jungen christlichen Gemeinden längst die Erfahrung, dass Menschen sich auch wieder abwenden. Enttäuschung machte sich breit. Frust. Wie kann das sein, dass das Wort Gottes ohne Wirkung bleibt? Eine Frage, die wir uns auch stellen. Der Frust über Fehlinvestitionen ist uns wahrlich nicht fremd. Da tut und macht man, aber es kommt oft wenig dabei rum. Im Gottesdienst bleiben viele Plätze leer (nicht erst seit Corona). Leute, die sich engagiert haben, bleiben irgendwann weg und andere treten ganz aus der Kirche aus. Da fragt man sich schon manchmal: Was machen wir falsch? Sicher dürfen wir diese selbstkritische Frage nicht einfach beiseite schieben. Aber es bringt auch nichts, in blinden Aktionismus zu verfallen. Jesus gibt uns mit dem Gleichnis vom Sämann ein gutes Stück Gelassenheit: Ja, in der Kirche geht viel daneben. Das lässt sich nicht wegoptimieren. Da kommt es vor, dass das Wort, das wir verkündigen, ungehört verhallt. Dass die Leute achtlos drüber weggehen oder dass manche sich schnell was rauspicken und mitnehmen ('ne schöne Trauung zum Beispiel) und dann nicht mehr gesehen werden. Da gibt es manches Strohfeuer, wo Leute für eine gewisse Zeit begeistert dabei sind, und dann auf einmal flaut das ab und sie sind fott. Da kommt es vor - und das wird vielen von uns selbst vertraut sein -, dass die Sorgen des Alltags einen einholen und so viele Kräfte binden, dass die Begeisterung für das Evangelium darunter erstickt wird. Ja, sagt Jesus. Das kommt alles vor. Und trotzdem ist Euer Einsatz nicht vergebens. Es lohnt sich zu säen. Gottes Wort trägt Früchte, auch wenn es vielleicht erstmal nicht danach aussieht.

 

Anfang der 90er Jahre hatten wir in meiner Heimatgemeinde in Lüttringhausen eine Phase, wo der Jugendkreis, der sich jeden Mittwoch traf, auf einmal wie wild anfing zu boomen. Aus einem kleinen Grüppchen wurde ein großer Treff mit zu Spitzenzeiten an die 50 Jugendlichen. Das hielt ein gutes Jahr lang an, und dann bröckelte es. Einer nach dem anderen verschwand wieder in der Versenkung. Ich habe mich damals gefragt: „War’s das jetzt? Alles nur ein Strohfeuer? Die ganze Saat eingegangen?“ Jahre später traf ich eins von den Mädels wieder, die damals dabei waren. Mittlerweile war sie eine junge Frau von 22 / 23 Jahren. Wir kamen auf die Jugendgruppe zu sprechen, und da sagte sie: „Das war die schönste und wichtigste Zeit in meinem Leben. Ohne unsere Treffen damals wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin.“ Ich war ziemlich geplättet. Und irgendwie auch beschämt über meinen Kleinglauben. Gottes Invest fruchtet. Auch wenn wir das ganz oft nicht mitbekommen. Ob und, wenn ja, wann, wie und wo der Same aufgeht, liegt nicht in unserer Hand, liebe Gemeinde. Aber den Samen, den hat Gott uns in die Hand gegeben. Mit der Maßgabe, dass wir ihn einsetzen. Wer großzügig ernten will, muss auch großzügig säen. Auch wenn erstmal drei Viertel fehlinvestiert zu sein scheinen. Das ist keine Katastrophe. Es ist ja genug da. Wir müssen mit Gottes Wort nicht sparen, sondern sollen beherzt damit um uns werfen. Und das ist nicht nur die Aufgabe von Menschen ist, die bei der Kirche angestellt sind. Wir sind als Christen alle kleine Sämänner und Säfrauen.

 

Jetzt werden sich wahrscheinlich manche von Euch / von Ihnen fragen: „Ja toll, und wie mache ich das? Wie soll ich bitte schön Gottes Wort unters Volk bringen?“ Das hängt nicht so hoch, wie es sich erstmal anhört. Es geht ganz einfach darum, dass wir zu unserem Glauben stehen und sagen: „Ja, ich glaube an Gott. Ich lebe mein Leben mit Ihm, weil bei Ihm der Wert meiner Person nicht von dem abhängt, was ich leiste. Ich weiß, dass ich ein Kind Gottes bin und dass Er mich lieb hat und bei mir ist in allen Erfolgen und Misserfolgen meines Lebens. Ich lebe mein Leben mit Jesus, der dafür gesorgt hat, dass dieses Leben mehr ist als ein sinnfreier Dauerlauf zwischen Kreißsaal und Friedhofskapelle. Er hat danach noch was im Petto. Ein Leben 2.0. Unterschied zur Vorgängerversion: Es ist ein Leben ohne Leid, ohne Not und ohne Ende. Und ich lebe mein Leben mit dem Heiligen Geist, der mir sagt: „Der Schlüssel zum Glück liegt nicht in Eigensinn, Hass, Missgunst und Geiz, sondern in der Liebe.“

 

Wenn wir mit der Haltung und der Botschaft den Menschen unserer Zeit begegnen, wird Gott Seinen Segen dazu geben. Wir müssen nur wegkommen von der Angst vor Fehlinvestitionen. „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.“

 

Manchmal sind wir geneigt im Blick auf bestimmte Menschen zu sagen: „Bei der oder bei dem sind Hopfen und Malz verloren! Da brauchst Du gar nicht erst anzufangen!“ Als wüssten wir, welche Menschen die sind, bei denen der Same auf den Weg, auf Fels oder unter die Dornen fällt. Das steht uns nicht zu. Wir sollen einfach nur säen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Bei Gott gibt es keine Fehlinvestition. Bei Ihm ist Scheitern keine Schande. Als Jesus Mensch wurde, hat Er sich auch gesagt: „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt!“ Gut, dass Er’s getan hat. Sonst säßen wir jetzt nicht hier. Amen.

 

 

Predigttext 07.02.21
Online-Gottesdienst 2021-02-07 Predigtma[...]
PDF-Dokument [17.5 KB]

Predigt 31.01.2021

Zu Mt 17, 1-9 und 2. Petr 1, 16-19

 

Soundso war hier! Bestimmt haben Sie auch schon einmal irgendwo diesen Satz gelesen oder vielleicht sogar selber irgendwo hingeschrieben. Vor allem in Jugendherbergsbetten, aber auch in Holzbretter auf Kirchtürmen und sonstigen Denkmälern sind diese Wort meist samt Datum eingeritzt. Häufig denke ich mir dann: Na und? Der Besuch einer Jugendherberge oder eines Kirchturms ist zwar bestimmt etwas, woran man sich noch einige Jahre später erinnert, aber nichts wobei man sich für die Ewigkeit dort verewigen muss, oder?

Ich war hier und ich war dabei! Das ist wohl ein Satz, den wir auch eher über gute Dinge in unserem Leben sagen. Abi 2014 ich war dabei!

Jugendfreizeit ich war dabei! Das klingt weitaus besser als Corona- Pandemie 2020/21 ich war dabei!

 

 

An Dinge, bei denen wir selber dabei waren, erinnern wir uns auch meist viel besser. Ich kann mich besser an meine letzte Geburtstagsfeier erinnern, als an irgendeine komplizierte Mathegleichung. Die Hochzeit meines besten Freundes ist mir eher im Gedächtnis geblieben, als die Grobgliederung des Matthäusevangeliums, die ich irgendwann in meinem Studium mal lernen musste. Und auch in unserem Predigttext, dem zweiten Petrusbrief,  heißt  es:

16 Wir haben euch ja angekündigt, dass unser Herr Jesus Christus machtvoll wiederkommen wird. Und dabei haben wir uns

nicht auf ausgeklügelte, erfundene Geschichten gestützt. Sondern wir haben mit eigenen Augen seine wahre Größe gesehen.

17 Von Gott, dem Vater, empfing er seine Ehre und Herrlichkeit aus der majestätischen Herrlichkeit Gottes kam eine Stimme zu ihm, die sagte

»Das ist mein geliebter Sohn an ihm habe ich Freude.« 18 Diese Stimme haben wir selbst gehört. Sie kam vom Himmel her, als wir mit Jesus auf dem heiligen Berg waren.

 

 

Ich war dabei!", schreibt Petrus hier also. Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen und mit meinen eigenen Ohren gehört! Ich war dabei! Weswegen für ihn ganz klar ist, wer Jesus ist und war.

 

 

Das fällt uns dagegen wohl nicht immer ganz so leicht. An manchen Tagen finde ich ähnelt Gott eher einer dieser undurchsichtigen mathematischen Gleichungen, die ich nie durchschaut habe. Da wirft mein Glaube mehr Fragen auf, als das er beantwortet. Da wird es ganz dunkel um mich. So dunkel, dass ich mein Vertrauen verlieren könnte. Es gibt Tage, da erscheint die Welt als ein einziger dunkler Fleck. Da will nichts so recht klappen, da möchte man sich am liebsten einfach nur ins Bett legen, die Decke über den Kopf ziehen und den Tag vergessen. Vielleicht kennen Sie das ja auch… Da vertraut man sich nicht mal mehr selbst. Da hinterfragt man alles und damit auch sich.

Plötzlich kann man Dinge nicht, will sie nicht mehr oder traut sie sich auch einfach nicht mehr.

Schauen wir uns einmal kurz an, an wen Petrus als vermeintlicher Verfasser diese Zeilen schreibt. Er schreibt an eine Gemeinde, die etabliert zu sein scheint, die einige Schriften kennt und auch die Geschichte der Verklärung Jesu, die wir heute in der Lesung gehört haben. Sie kennt die Berichte, dass Jesus bald wiederkehren wird und das endzeitliche Gericht nicht mehr fern ist….Und nun? Wir schreiben das Jahr 2020 und von endzeitlichem Gericht sind wir zumindest aus

 

meiner Sicht noch um einiges entfernt. Das Warten darauf ist aber in unserer heutigen Verkündigung auch in den Hintergrund gerückt, zu Recht, wie ich finde. Aber natürlich führt das damals zu Spannungen und zu Unruhe. Wie glaubwürdig sind diese Anhänger:innen und Verkündiger:innen Jesu? So stellt Petrus also in diesem Brief noch einmal klar: Ich war dabei! Ich habe es selber gesehen und selber gehört!

Und was genau meint er? Petrus meint damit, dass Gott Mensch wurde und auf die Erde kam. Das Licht kommt an Weihnachten in die Dunkelheit. In alle Zweifel, in alle Fragen und in alle Ferne. Gott will dabei sein! Gott will hier sein! Ohne seine Namen irgendwo hinzuschreiben oder einzuritzen, sondern um ihn wahrzumachen:

„Gott ist der, ich bin da!“ Nicht immer wird uns dieser Zusage aus unserer eigenen Dunkelheit holen können oder von ein auf die andere Minute alles wieder vollkommen in Ordnung bringen. Dennoch dürfen wir uns immer wieder daran erinnern: „Gott ist da! Gott will hier sein, jeden Tag.

 

 

Amen.

 

Predigttext 31.01.2021
Predigt 31.01.2021.pdf
PDF-Dokument [37.4 KB]

Predigt

für den 3. So. n. Epiphanias (23./24.01.21)

zu Rut 1,1-19a

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Oswald in Manubach. Der folgende Predigttext aus Rut 1,1-19a liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte.

 

Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen.

 

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

 

 

Liebe Gemeinde! Wenn das keine Liebeserklärung ist: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.“ Es kommt nicht von ungefähr, dass diese Worte aus Rut 1 gerne als Trauspruch genommen werden. Einziger Schönheitsfehler an der Sache: Hier spricht nicht etwa der Bräutigam zur Braut oder die Braut zum Bräutigam, sondern - die Schwiegertochter zur Schwiegermutter. Gemeinhin gilt unter den vielfältigen Formen menschlicher Beziehungen gerade diese Variante nicht unbedingt als die einfachste... Aber dem Klischee von der bösen Schwiegermutter scheint Noomi in der Geschichte, die wir vorhin gehört haben, nicht zu entsprechen.

 

Noomi ist in einer denkbar bescheidenen Situation. Mit ihrem Mann Elimelech und den Söhnen Machlon und Kiljon war sie aus der Heimat Judäa geflohen, weil es dort nichts mehr zu essen gab. Dann starb dort in der Fremde erst ihr Mann und nur zehn Jahre später dann auch noch ihre beiden inzwischen verheirateten Söhne. Noomi war völlig aufgeschmissen. Grundsicherung, ALG II oder Witwenrente gab es nicht. So beschließt Noomi, in ihre Heimat Judäa zurückzukehren. Durch die Not zusammengeschweißt, machen sich die Schwiegertöchter Orpa und Rut mit auf den Weg. Doch Noomi hat kein gutes Gefühl dabei. Sie weiß, dass es für die beiden besser wäre, in ihrer eigenen Heimat, in Moab zu bleiben. Deswegen sagt sie: „Geht lieber zurück! Ihr braucht neue Männer, die Euch versorgen können. Keine Schwiegermutter, die selbst von der Hand in den Mund lebt.“ Orpa lässt sich umstimmen, nimmt unter Tränen Abschied, und geht wieder zurück. Anders Rut. Sie ist fest entschlossen, ihre Schwiegermutter in ihrer bescheidenen Situation nicht allein zu lassen, obwohl sie dafür selbst alle verbliebenen Sicherheiten aufgeben muss. „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“

 

Kann das überhaupt gut gehen, wenn ein Mensch alles aufgibt für jemand anderen? Damit bin ich gedanklich auch nochmal bei meinen Brautpaaren bzw. bei Partnerschaften allgemein: Kann das gut gehen, wenn ein Mensch alles aufgibt für jemand anderen? Wenn man verliebt ist und dann gesagt bekommt: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen“, dann geht das natürlich erstmal runter wie Öl. Wie gesagt: Wenn das keine Liebeserklärung ist! Aber das kann auch umschlagen und total erdrückend werden. Das gibt dem, der angesprochen ist, ja eine quasi göttliche Rolle. Im Prinzip wird ihm / wird ihr angetragen: „Du bist jetzt mein Lebensinhalt!“ Was in der rosaroten Phase ohne Ende Endorphine ausschüttet, kann einem - wenn die erste Ernüchterung kommt - die Luft zum Atmen nehmen.

 

Wenn ich über diesen Trauspruch predige, sag ich den Brautpaaren: Das Wichtigste steht kurz vor der Mitte Eures Trauspruchs: „Dein Gott ist mein Gott.“ Gemeinsamen an Gott zu glauben, ist der beste Schutz davor, dass eine Beziehung aus dem Lot gerät und ein Mensch den anderen Menschen zu seinem Gott erklärt - oder sich zum Gott über den anderen macht. Diese Rolle bekommt uns Menschen nicht. Da gibt es einen, der hat das besser drauf. Das ist für mich der Mehrwert der kirchlichen Trauung gegenüber der standesamtlichen: Dass die Bindung, die zwei Menschen mit der Ehe eingehen, eingebettet wird in eine größere Bindung, die die beiden umschließt. Der Glaube an Gott ist die Größe, die uns hilft, auf gesunde Weise mit der Abhängigkeit umzugehen, die eine Bindung mit sich bringt. Dann wird aus der Partnerschaft eine Weggemeinschaft unter der Leitung Gottes.

 

Auch wenn wir es bei Rut und Noomi nicht mit einer Partnerschaft zu tun haben - eine Weggemeinschaft unter Gottes Leitung ist auch diese Beziehung. Rut hat erkannt, dass das ihr Weg ist. Besser gesagt: Gottes Weg mit ihr. Mit ihrem Entschluss, an der Seite ihrer Schwiegermutter zu bleiben, wird die Ausländerin Rut  Teil der Heilsgeschichte des Gottes Israels mit Seinen Menschen. Der Predigttext endet mit den Worten: „So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.“ Da war doch was? Bethlehem? Weihnachtsbaum? Krippe? Sie müssen zuhause mal nachlesen, wie die Geschichte von Rut weitergeht. Das ist echt spannend. Dauert auch nicht lang. Das Buch Rut hat nur vier Kapitel, das schaffen Sie in zwanzig Minuten.

 

Ich spoilere Sie jetzt mal ein bisschen: Rut lernt in Bethlehem einen Verwandten ihrer Schwiegermutter und ihres verstorbenen Mannes kennen, heiratet ihn und bekommt mit ihm einen Sohn. Obed. Der ist der Vater von Isai. Und Isai ist der Vater von David. Von König David. Aus dem Hause und Geschlechte Davids wiederum war auch ein gewisser Josef, der wegen einer Volkszählung in seine Heimatstadt ging - nach Bethlehem. Dort bekam Maria, seine Verlobte, ihren ersten Sohn, Jesus. In diesem Kind kam niemand Geringeres zur Welt als der lebendige Gott höchstpersönlich. In Seiner Geburt in Bethlehem sagt Gott zu uns, zu Dir und zu mir: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.“ Gott hat - im Prinzip wie Rut für Noomi- alles hinter sich gelassen, um unser Leben zu teilen. Hat den Himmel eingetauscht gegen die Erde, die Vollkommenheit gegen Not und Schmerz, die Unsterblichkeit gegen den Tod.

 

Kann das gut gehen? Vordergründig: Nein. Jesus wird verfolgt, gequält und hingerichtet. Das ist die vordergründige Sicht, die sagt: „Nee, kann nicht gut gehen!“ Die tiefere Sicht sagt: „Dadurch, dass Jesus diesen Weg gegangen ist und alles drangegeben hat für uns, wird alles gut - für uns.“ Denn an einer entscheidenden Stelle unterscheidet sich Seine Aktion von der von Rut. Rut sagt zu ihrer Schwiegermutter: „Nur der Tod wird mich und dich scheiden.“ Jesus zeigt uns: „Nicht einmal der Tod wird mich und dich scheiden.“

 

Diesen geballten Einschlag der Liebe Gottes hat der Tod nicht überlebt. Jesus ist auferstanden. Mir gibt dieses Wissen unglaublich viel Kraft, liebe Gemeinde, gerade auch jetzt in dieser mehr als bedrückenden Zeit. Wir haben den an unserer Seite, der in der ausweglosesten Situation bei uns ist und weiter hilft und uns verspricht: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.“ Oder, um es im O-Ton Jesu zu sagen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Wenn das keine Liebeserklärung ist! Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

 

Predigt 24.01.2021
Online-Gottesdienst 2021-01-24 Predigtma[...]
PDF-Dokument [20.5 KB]

Predigt

für den 2. So. n. Epiphanias (17.01.21)

zu Joh 2,1-11

(Online-) Gottesdienst aus Steeg

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Anna in Steeg. Der folgende Predigttext aus Joh 2,1-11 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Jesus spricht zu ihr: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Seine Mutter spricht zu den Dienern: „Was er euch sagt, das tut.“ Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: „Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!“ Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: „Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister!“ Und sie brachten's ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten's, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: „Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.“ Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

 

 

Liebe Gemeinde! „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!“ sagt man - zumindest, wenn nicht gerade Corona ist. „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!“ Das hat sich Jesus offenbar auch gedacht, als Er die Einladung bekam zu jener legendären Hochzeit zu Kana. Nun hat Jesus nicht unbedingt den Ruf, voll der Partytiger zu sein. Viele kämen gar nicht auf den Gedanken, Ihn mit ausgelassener Feierlaune in Verbindung zu bringen. Zu Unrecht, wie diese Geschichte zeigt. Jesus geht nicht nur hin zu diesem Fest – er rettet es sogar, als es mit einem peinlichen Eklat zu enden droht.

 

So eine altorientalische Hochzeit war ein Riesending. Sieben Tage lang wurde gefeiert – mit Essen vom Feinsten und gutem Wein, dessen Beschaffung in den Zuständigkeitsbereich des Bräutigams fiel. Der Bräutigam von Kana hat entweder die Zahl oder die Trinklust seiner Gäste unterschätzt. Jedenfalls reichte der Wein nicht. Das war der absolute Gau. Peinlich hoch drei. Man versucht das erstmal zu vertuschen, aber die Mutter von Jesus hat irgendwie Wind bekommen und geht zu ihrem Sohn und sagt: „Die haben keinen Wein mehr.“ Sie spricht es zwar nicht aus, aber Jesus hört in diesen Worten die glasklare Aufforderung: „Tu was!“ Daraufhin geht Er Seine Mutter ziemlich schroff an: „Was hab ich mit dir zu schaffen, Frau?“ Aber Maria bleibt unbeirrt. Sie dreht sich rum, geht zu den Dienern und sagt denen: „Tut, was Jesus euch sagt!“ Das Vertrauen in ihren Sohn ist ungebrochen. Als wisse sie genau, dass Er doch helfen wird.

 

Darin ist Maria für mich ein Vorbild im Glauben: Vertrauen, auch wenn der Herr sich schon mal hart stellt. Unbeirrt auf Seine Möglichkeiten hoffen. Gelassen bleiben. Das ist nicht immer leicht, aber man hat’s leichter, wenn man das versucht. Auf den Herrn vertrauen, auch wenn Er sich hart stellt. Und hier gibt Jesus sich hart: „Was hab ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

 

Dieses Ereignis bei der Hochzeit zu Kana markiert den Moment, wo Jesus, der Sohn Gottes, aus der Unauffälligkeit heraustritt und mit Seiner öffentlichen Wirksamkeit beginnt. Eine ganz entscheidende Schaltstelle im Leben Jesu. Insofern wirkt es auf mich irgendwo auch sehr menschlich, dass Jesus zögert und sich nicht pushen lassen will. Aber am Ende tut Er dann doch, was Mama sagt, und rettet das Fest. Johannes betont: Das ist das erste Zeichen, das Jesus öffentlich tut. Sein Coming Out als Sohn Gottes. Und das besteht darin, dass Er ein Fest rettet. Nicht einen Kranken heilt oder Hungernde satt macht, sondern eine Hochzeit rettet. Indem Er da hilft, bekennt Jesus sich zur Liebe und zum Feiern. Sonst wäre das direkt mal der erste große Stresstest für das junge Paar geworden. Garantiert hätte die Braut Sprüche zu hören bekommen wie: „Was hast Du Dir denn da für einen Vollpfosten geangelt, wenn der noch nicht mal im Stande ist, dafür zu sorgen, dass bei seiner Hochzeit keiner auf dem Trockenen sitzt?!“

 

Johannes macht hier schon deutlich, worum es Jesus geht und was Er im weiteren Verlauf Seines Wirkens so ausdrückt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genügen haben sollen.“ Das gilt nicht erst nach dem Tod, liebe Gemeinde. Leben und volle Genüge - damit fängt Jesus auf der Erde schon an. Jesus ist keine Spaßbremse, der von den Seinen verlangt, dass sie allen irdischen Freuden entsagen. Er gibt den Leuten einen Vorgeschmack gibt auf das, was kommt. Auf das Heil im Reich Gottes. Dem Evangelisten Johannes ist es ganz wichtig zu zeigen: Diese Heil vollzieht sich in Ansätzen schon hier und jetzt. Manchmal sogar sehr handfest oder rachengängig. Wo Jesus ist, ist Freude und Feiern angesagt. Dafür setzt Er bei der Hochzeit zu Kana ein Zeichen. Wie Er das gemacht hat mit dem Wein, das wird nicht erklärt. Die Diener sollen sechs Krüge mit Wasser füllen, die da stehen; insgesamt dürften das so zwischen 70 und 100 Litern gewesen sein. Die Krüge waren eigentlich dafür da, Wasser bereitzustellen, damit die Leute sich waschen und frisch machen konnten. Als die Diener auf Geheiß von Jesus die Krüge mit Wasser füllen und dem Speisemeister anschließend eine Kostprobe entnehmen, zeigt sich, dass aus dem Wasser nicht nur Wein geworden ist. Er ist offenbar auch qualitativ ziemlich gelungen. Ein „Zeichen“ nennt Johannes das. Das griechische Wort shmeion bedeutet so viel wie „Anzeichen“ oder „Vorzeichen“. Was Jesus in Kana tut, ist ein Anzeichen, ein Vorzeichen für das, was uns im Reich Gottes erwartet: Leben und volle Genüge.

 

Wohlgemerkt: Dass das Heil, das Jesus bringt, sich schon hier und jetzt vollzieht, geschieht nur zeichenhaft. Punktuell. Noch nicht durchgängig. Das wäre die Vollendung. Die ist noch nicht da. Das merken wir im Moment allzu gut, wo so viele ihre Feste nicht feiern können, wie sie fallen. Auch an dem Tag, an dem Jesus jenem Brautpaar in Kana so wunderbar aus der Patsche geholfen hat, sind anderswo Leute gestorben.

 

Natürlich kann man da fragen: „Hat Jesus denn nichts Besseres zu tun, als Wasser zu Wein zu machen?“ Die Zusammenschau unseres Lebens und dieses Predigttextes sagt mir: Es ist schlimm genug, dass das Leben pha-senweise so schwer ist. Wir brauchen es uns nicht noch schwerer zu machen, indem wir uns in guten Zeiten die Freude versagen und miesepetrig durch die Gegend laufen. Wenn es Grund zum Feiern gibt, dann darf auch gefeiert werden. Jesus ist gekommen, um uns Leben und volle Genüge zu bringen. Deswegen dürfen wir das Leben feiern, unser Leben hier auf dieser Erde, wo immer das geht. Wir dürfen die guten Zeiten, die Hoch-zeiten unseres Lebens als Vorgeschmack, als Vorweg-Zeichen auf das Reich Gottes sehen - und genießen. Und in den Phasen, wo das nicht geht, dürfen wir’s halten wie Maria: Gelassen bleiben und auf den Herrn vertrauen, auch wenn Er sich hart stellt.

 

Johannes sagt: Das Weinwunder von Kana war das erste große Zeichen, das Jesus öffentlich getan hat. Und deutet gleich auf das letzte hin: Auf die Auferstehung. Die Geschichte beginnt mit den Worten: „Am dritten Tage war eine Hochzeit…“ Johannes arbeitet ganz viel mit Zahlensymbolik. Am dritten Tag – da war nicht nur eine Hochzeit. „Am dritten Tage auferstanden von den Toten“, heißt es im Glaubens-bekenntnis. Das ist kein Zufall, liebe Gemeinde. Der Sieg über Sorge und Entsetzen, über Trauer und Tod, der ist in diesem ganz diesseitigen Zeichen schon angedeutet, das Jesus da in Kana gesetzt hat. Mir ist das sehr sympathisch, dass Jesus so anfängt mit Seinem Wirken. „Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.“ Darum dürfen wir guten Gewissens um Gottes willen sagen: „Man soll die Feste feiern, wie sie fallen!“ Und wenn wir wieder dürfen, dann lasst es uns auch tun. Amen.

 

 

Predigt vom 17.01.21
Online-Gottesdienst 2021-01-17 Predigtma[...]
PDF-Dokument [16.9 KB]

Predigt

für den 1. So. n. Epiphanias (10.01.21)

zu Röm 12,1-2

(Online-) Gottesdienst aus Bacharach

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Peter in Bacharach. Der folgende Predigttext aus Röm 2,1-2 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Ich ermahne euch, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

 

 

 

Liebe Gemeinde! Lassen Sie sich gerne ermahnen? Die meisten Leute reagieren allergisch darauf, wenn Ihnen jemand mit einer kritischen Bemerkung zu nah tritt. Irgendwann ist man aus dem Alter raus, wo man ständig irgendwelche Gardinenpredigten von Eltern oder Lehrern über sich hergehen lassen muss. Gleichwohl gibt es Dinge, an die man auch als Erwachsener bei allem gebotenen Respekt von Zeit zu Zeit dezent erinnert werden muss. Zum Beispiel daran, dass Glauben und Leben zusammengehören und dass der Glaube - zumindest der christliche - keine Privatsache ist. Deswegen beginnt Paulus unseren heutigen Predigttext mit den Worten: „Ich ermahne euch…!“

 

„Ich ermahne euch, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer“. Zack, das nächste Wort, das manchen Zeitgenossen den Kamm schwellen lässt. Sich selbst für etwas zu „opfern“, ist mindestens genauso unmodern wie „ermahnen“. Dabei ist es auch in diesem Fall so: Ohne dass Menschen Opfer bringen - jetzt mal egal, ob man das so nennt oder nicht - ohne dass Menschen Opfer bringen, würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Man denke zum Beispiel an die Bereitschaft von Müttern und Vätern, sich selbst hintenan zu stellen, um ihre Kinder ins Leben zu begleiten. Oder an die vielen pflegenden Angehörigen, die oft über Jahre hinweg kaum ein eigenes Leben haben, weil sie sich um einen nahestehenden Menschen kümmern. Und im Moment werden uns allen Opfer abverlangt. Wir müssen auf vieles, was uns lieb und wichtig ist, verzichten, um ein kleines aber gemeines Virus so gut es geht daran zu hindern, sich weiter auszubreiten.

 

Was Paulus schreibt, geht in diese Richtung. Die genannten Beispiele sind konkrete Umsetzungen davon, Glauben zu leben. Allerdings geht Paulus darüber noch hinaus, wenn er sagt, dass wir Gott unseren Leib hingeben sollen als ein Opfer. Um jeglichem Missverständnis von vornherein vorzubeugen: Das ist kein Aufruf, sich zum Selbstmordattentäter zu machen und das dann als „heiligen Krieg“ zu bezeichnen. Das wäre weder lebendig, noch heilig noch Gott wohlgefällig. Wohl aber geht es darum, sein ganzes Leben in den Dienst Gottes zu stellen. Paulus nennt das einen „vernünftigen Gottesdienst“. Glaube und Vernunft schließen sich entgegen landläufiger Vorurteile nicht aus. Aber wir können unsere Zeitgenossen davon nur überzeugen, wenn sie unseren Glauben an unserem Leben ablesen können. Wenn sie merken: Das ist authentisch. Die glauben das wirklich, dass Gott an ihrer Seite ist. Die sind getragen von Vertrauen - und erfüllt von Liebe.

 

Wenn Paulus uns aufruft, unseren Leib als Opfer zu geben, dann geht es um Hingabe. Darum, dass wir uns mit Leib und Seele, mit unserem Tun und Lassen Jesus hingeben und Ihn an uns und durch uns wirken lassen. Uns sozusagen für Ihn als Airbase zur Verfügung stellen, als Bodenstation in dieser oft so bekloppten Welt. Dass Paulus dabei explizit von unserem Leib spricht, von unserer physischen Existenz, liegt daran, dass es damals wie heute die Tendenz gibt, Glauben als etwas rein Innerliches zu betrachten, das nur das persönliche Seelenheil betrifft, als wäre alles andere drum herum egal. So nach dem Motto: „Ich hab’ meinen Glauben. Aber was hat der mit meinem Geld zu tun? Oder mit der Politik? Oder damit, wie ich mit meinen Angestellten umgehe?“ Wir trennen das ganz gern. Aber so eine Trennung der Lebensbereiche ist mit Jesus nicht zu haben. Der will uns ganz.

 

Doch was heißt das konkret? Wie kommt man dahin? Paulus nennt drei Schritte: 1. Indem man in kritische Distanz zur Welt geht und nicht unreflektiert ihre Maßstäbe und Gepflogenheiten übernimmt. 2. Indem man in kritische Distanz zu sich selbst geht, sich hinterfragt und bereit ist für positive Veränderungen - Änderungen durch „Erneuerung unseres Sinnes“, sagt Paulus. Und 3. indem wir prüfen, was Gottes Wille ist.

 

Jetzt ist das mit den positiven Veränderungen und der „Erneuerung unseres Sinnes“ ja so eine Sache… Vielleicht sagen Sie: „Ich hab’s so oft schon versucht. So oft bin ich mit meinen guten Vorsätzen gescheitert. Mein persönlicher IS terrorisiert mich (IS steht in diesem Fall für „innerer Schweinehund"). Immer erweist er sich als stärker.“ Mag sein, dass das so ist, liebe Gemeinde. Mag sein, dass Ihr persönlicher IS nicht auf Sie hört. Aber vielleicht hört er auf Gott. Geben Sie ihm einfach die Chance, Gott zu hören. Setzen Sie ihn Seinem Wort aus. Mit jedem Gottesdienst, mit jedem Lesen in der Bibel, mit jedem Gebet schwächen Sie Ihren IS. Fragen Sie Gott jeden Tag neu: „Herr, was möchtest Du heute von mir? Was ist Dein Wille für mich für diesen Tag?“ Ihr innerer Schweinehund wird Ihnen erhalten bleiben. Aber Sie werden sehen: Auch der störrischste Hund kann lernen auf „Sitz!“ oder „Patz!“ oder „Aus!“ zu hören! Ein Hund braucht kurze und klare Ansagen. Das gilt auch für den inneren Schweinehund. Jesus hat da was für uns. Die Jahreslosung für 2021 aus Lk 6,26. Da sagt Er: „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist!“

 

Das ist kurz und knapp der Wille Gottes für uns. Wer’s ein bisschen länger braucht: Lasst euch berühren vom Schicksal anderer, so wie Gott sich hat berühren lassen von eurem Schicksal. Sonst wäre Er nicht Mensch geworden. Tut es Ihm nach. Werdet auch Ihr Menschen. Und geht entsprechend miteinander um. Auch da, wo Euch vielleicht mal jemand zu nah getreten ist. Wo Euch Unrecht zugefügt wurde. Seid barmherzig. Barmherzig sein heißt nicht, alles für egal zu erklären. Wenn sich jemand bei uns für irgendwas entschuldigt, sagen wir ganz oft: „Ach, ist nicht so schlimm!“ Mag in den meisten Fällen auch stimmen. Aber es gibt Sachen, die sind schlimm. Trotzdem ist Barmherzigkeit geboten. Gnade. Denn von der leben auch wir. Tag für Tag. Vergebung ist etwas anderes, als Schuld wegzureden. Vergebung macht Schuld nicht ungeschehen, aber sie ermöglicht einen Neustart. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ heißt, dass wir uns und andere nicht um diese Möglichkeit eines Neustarts berauben sollen.

 

„Wie Gott mir, so ich Dir!“ Nach dieser Devise zu leben, heißt, Gottes Willen zu tun. Sich von der Liebe beseelen lassen. Nach der Predigt singt Bärbel Weinert einen Song von "Frankie Goes to Hollywood“ mit dem Titel "The Power of Love“. „Die Macht der Liebe.“ Darin heißt es: „Läutere deine Seele und setze alles auf Liebe! Die Macht der Liebe ist eine Kraft aus dem Himmel, die meine Seele reinigt.“ Alles auf die Liebe setzen - das geht, weil Gott es längst getan hat. Er sagt: „Ich bin bei dir […]. Mit meiner unsterblichen, dem Tod trotzenden Liebe für dich.“ Auch das ein Zitat aus dem Song.

 

Ich kann jeden verstehen, der sich nicht gerne ermahnen lässt. Aber - bei allem gebotenen Respekt - es hat etwas Heilsames, wenn wir bei Bedarf gesagt bekommen: „Denk dran: Leb’ nach dem Motto: „Wie Gott mir, so ich Dir!“ Amen.

 

 

Predigttext vom 10.01.2021
für Sie zum Download
Online-Gottesdienst 2021-01-10 Predigtma[...]
PDF-Dokument [17.6 KB]

Predigt

für Silvester (31.12.20)

zu Ex 13,20-22

Online-Gottesdienst aus Oberdiebach

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der Online-Gottesdienst zu Silvester kommt aus der Kirche St. Moritz in Oberdiebach. Der folgende Predigttext aus 2. Mose 13,20-22 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Die Israeliten zogen aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

 

 

Liebe Gemeinde! In den letzten Wochen hab ich oft den Satz gehört: „Ich bin froh, wenn das Jahr rum ist!“ In der Tat wird die Zahl derer, die 2020 hinterher weinen, überschaubar sein. Dieses Jahr hat so ziemlich alles auf den Kopf gestellt und entlässt uns mit der Frage: Wo mag die Reise hingehen?

 

Das werden sich die Israeliten auch gefragt haben, als sie sich - wie im Predigttext gehört - „lagerten am Rande der Wüste“. Nach 430 Jahre Sklaverei in Ägypten hatte Gott die Israeliten aus der Hand ihrer Peiniger befreit. Mit der Aussicht auf ein Leben in Freiheit im eigenen, gelobten Land waren sie aus dem Land der Knechtschaft ausgezogen. Doch schon bald zeigte sich, dass der Weg in die Freiheit kein Sonntagsspaziergang ist. „Sie lagerten sich am Rande der Wüste“… Die Wüste wird in der Bibel ambivalent wahrgenommen. Einerseits ist sie Ort der Besinnung, des Neuanfangs in der Beziehung zu Gott, aber andererseits eben auch ein absolut lebensfeindlicher Ort.

 

Mit der aktuellen Krise ist das ähnlich. In gewisser Weise kann man sagen, dass der Lockdown über Weihnachten und Silvester einem „sich Lagern am Rande der Wüste“ vergleichbar ist. Die einen haben die verordnete Ruhe über die Feiertage genossen. Endlich mal ein Weihnachtsfest ohne den Stress, alle unter einen Hut kriegen zu müssen, von einer Oma zur anderen hoppen, zwischendurch noch bei Tante Fienchen vorbeischauen, den Sohn zur Freundin bringen und und und - sondern tatsächlich mal Zeit haben, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Für die anderen aber trägt das Ganze eher das zerstörerische Potenzial von „Wüste“ in sich. Die erleben in diesen Tagen eine elende Leere, leiden unter der Eintönigkeit und haben Angst, seelisch zu verdursten. Man darf nicht groß feiern, kann nirgendwo Essen gehen, kein Urlaub, keine Kultur. Auf das alles verzichten zu müssen, ist für viele eine Grenzerfahrung - wie ein Aufenthalt in der Wüste. Besonders hart trifft es die, die in diesen Bereichen arbeiten. Die sind existenziell von der Krise betroffen. Wobei existenziell mehr ist als der materielle Lebensunterhalt, der wegbricht für die vielen Gastronomen, Künstler und Musiker. Existenziell ist auch der seelische „Lebensunterhalt“, der da mit dran hängt. Wer zum Beispiel vom Musikmachen lebt, lebt auch für die Musik. Musikmachen ist für sie kein Job, den man notgedrungen ausübt, um sich seine Brötchen zu verdienen, sondern Be-ruf. Wenn man das, wozu man sich berufen weiß und wofür man angetreten ist, plötzlich nicht mehr leben darf, dann geht das ans Eingemachte. Dann geht es um Lebensinhalt, um Sinn, um die eigene Identität.

 

Wir lagern im Moment „am Rande der Wüste“, liebe Gemeinde. Aber die Plätze sind unterschiedlich. Einige sitzen schon auf dem Trockenen, während andere noch voll im Saft stehen. So eine Situation ist gefährlich. Wir müssen aufpassen, dass unsere Gesellschaft darüber nicht auseinanderbricht. Unsere Situation am Ende dieses Corona-Jahres ist nur bedingt vergleichbar mit der Situation Israels im Predigttext. Die meisten werden die Pandemie kaum als Auszug aus der Sklaverei empfinden, sondern eher als Vertreibung aus dem Paradies. Gleichwohl lohnt es sich zu fragen, aus welchen Abhängigkeiten Gott uns mit dieser Krise befreien will. Wo sind wir  Sklaven geworden - Sklaven unseres Lebensstils und unserer Ansprüche? Sklaven unseres Wohlstands und unserer Erwartung, dass es immer so weiter geht? Wo ist gnädige Befreiung aus gottlosen Bindungen möglich und nötig?

 

Was auf jeden Fall vergleichbar ist: Wir müssen uns persönlich und gesellschaftlich neu aufstellen. Das wird die Aufgabe des Jahres 2021 sein. Ich bin gewiss, dass Gott uns durch diese Wüste hindurchführen wird, wie Er es damals mit Israel getan hat. „Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten“. Wolke und Feuer sind in der Bibel Symbole für die unsichtbare Gegenwart Gottes. Das Feuer kommt ganz am Anfang der Exodusgeschichte schon einmal vor, als Mose noch die Schafe seines Schwiegervaters hütete. Da entdeckt er plötzlich einen Dornbusch, der brennt, aber nicht verbrennt. Als er der Sache auf den Grund gehen will, spricht Gott zu ihm aus dem brennenden Busch und sagt: „Ich habe die Not meines Volks in Ägpyten gesehen. Ich weiß, was sie durchmachen. Damit ist jetzt Schluss. Ich hole sie da raus. Und Du nimmst die Sache in die Hand!“ Mose ist mit diesem unerwarteten Auftrag leicht überfordert und sagt: „Tut mir leid, Gott, das kann ich nicht. Niemand wird auf mich hören. Was soll ich meinen Volksgenossen denn sagen, wer du bist? Wer mich geschickt hat?“ Daraufhin verrät Gott dem Mose Seinen Namen und sagt: „Ich bin der „Ich bin da!““ „Ich bin da!“ Das ist Gottes Name. Und der ist Programm. Gott ist da, wo Menschen leiden. Und Er solidarisiert sich, kommt herab, teilt das Leid und durchbricht es damit. Das hat Er damals in Ägypten getan und rund 1400 Jahre später in Bethlehem, als Er einer von uns wurde. „Siehe, siehe, meine Seele, wie dein Heiland kommt zu dir, brennt in Liebe für und für“, haben wir eben gesungen. Das klingt für mich mit, wenn in der Exodusgeschichte von der Feuersäule die Rede ist, in der Gott das Volk durch seine Nächte begleitet.

 

Und dann ist da noch die Wolke. Aus der spricht Gott nach dieser Geschichte vom Auszug aus Ägypten zu Mose, als Er ihm die Zehn Gebote übergibt. Regeln, die uns dran erinnern, dass wirkliche Freiheit nur in der Rückbindung an Gott möglich ist und dort ihre Grenzen hat, wo die Lebensbedürfnisse der anderen tangiert sind. Das bedeutet: Ein christliches Leben als ein Leben in von Gott geschenkter Freiheit ist ein Leben in Solidarität. Das kann die Notwendigkeit mit einschließen, Verzicht zu üben zum Wohle anderer. Im Moment wird uns abverlangt, auf vieles zu verzichten, was uns lieb und wichtig ist, um Leben zu schützen. Das bringt unser gesellschaftliches Leben an den Rand einer Wüste. Und die Plätze sind - wie gesagt - höchst unterschiedlich verteilt. Wir dürfen diejenigen, die der verordnete Verzicht auf Normalität existenziell trifft, jetzt nicht auf dem Trockenen sitzen lassen. Wie genau das jenseits materieller Hilfen gehen kann, weiß ich auch noch nicht so genau. Ich glaube aber, dass, wenn wir uns von dem an die Hand nehmen lassen, der in Liebe für uns brennt, und Ihm - Jesus - in unserem Miteinander Raum geben, dass Er uns dann den Weg zeigen wird. „Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.“ Gott gibt uns Sein Wort und Seinen Namen. Sein „Ich bin da!“ leuchtet in unseren Nächten. Und Sein Gebot setzt uns Wegweiser und Leitplanken. Wir müssen diese Situation nicht alleine wuppen.

 

So froh manch einer sein mag, dass dieses Jahr jetzt Geschichte ist - auch 2020 war ein Jahr des Herrn. Und 2021 wird es auch sein. Gebe Gott, dass in einem Jahr nicht so viele Menschen sagen müssen: „Gut, dass es rum ist!“ Amen.

 

 

Predigttext 31.12.20
für Sie mit den besten Wünschen für 2021!
Online-Gottesdienst 2020-12-31 Predigtma[...]
PDF-Dokument [16.1 KB]

Predigt für den 1. Sonntag nach dem Christfest, (27.12.2020) (Lukas 2, 25 – 38)

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater,

und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

stellen Sie sich vor, Sie erleben einen sonntäglichen Gottesdienst, so wie an diesem Morgen. Bei der Begrüßung durch den Liturgen erfahren Sie, dass in diesem Gottesdienst ein Kind getauft werden soll.

Doch bevor der Gottesdienst so richtig begonnen hat, stehen zwei Gottesdienstbesucher auf und bezeugen, dass das zu taufende Kind der Retter und Erlöser dieser Welt ist! Dass mit dem Täufling Jesus Christus zurückgekehrt ist, um endlich Gericht zu halten!

Was würden Sie in einem solchen Moment denken?

 

Halten Sie diese beiden Menschen für egozentrisch, oder gar verrückt?

Sind Sie empört ob dieser fraglichen Störung des Gottesdienstes?

Springen Sie auf, und gebieten verbal Einhalt?

 

Auf jeden Fall erleben Sie diese Situation mit Sicherheit als befremdlich!

Und nicht nur Sie!

Alle, oder zumindest die Meisten, werden ein Gefühl von „befremdet sein“ spüren, wenn Ihnen ganz plötzlich der Messias präsentiert wird.

 

Und die Eltern des Täuflings?

Auch die werden in diesem Moment von einer Menge Fragezeichen umtanzt werden, weil sie nicht so recht wissen, wie sie das jetzt einschätzen sollen.

 

Genau aber das, liebe Gemeinde, beinhaltet unser heutiger Predigttext:

Simeon und Hanna bezeugen im Tempel zu Jerusalem unabhängig voneinander, dass der Säugling Jesus der erwartete Messias ist.

Und die Eltern, Josef und Maria, wundern sich über das Gesagte.

Hören Sie selbst: LESUNG LUKAS 2, 25 – 38:

 

Und siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser Mann war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der heilige Geist war mit ihm. Und ihm war ein Wort zuteil geworden von dem Heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:

„Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“

Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: „Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen, damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden.“

Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels, aus dem Stamm Asser, die war hochbetagt. Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt, nachdem sie geheiratet hatte, und war nun eine Witwe an die vierundachtzig Jahre; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

 

Auch vor zweitausend Jahren werden sich die Tempelbesucher fragend angeschaut haben, werden den Kopf geschüttelt, zumindest aber mit den Schultern gezuckt haben:

Ein hilfloser Säugling, den niemand kennt, als Retter der Welt? Na ja!

Dieses „na ja“ verwenden auch wir gerne, wenn uns Dinge widerfahren oder erzählt werden, die nicht in unser Schema passen, die all unserer Erfahrung widersprechen.

 

Und mal ehrlich: Wie soll das auch funktionieren?

Wie soll denn ein Kind die Welt retten. Selbst dann, wenn es im Erwachsenenalter stark und mächtig wird:

Die Welt retten, das kann doch niemand!

 

Die Welt retten kann niemand?

Nein, ein Mensch kann das wohl nicht.

Gottes Sohn aber schon!

 

Nur: Damals wie heute gab es unter den Menschen die Zweifel. Zweifel an Gesagtem, Zweifel an der Interpretation von Erlebtem, Zweifel am und im Glauben.

 

Bis zum heutigen Tage plagen auch uns als gläubige Christinnen und Christen immer wieder Zweifel. Kann das wirklich sein, was uns die Bibel, die Evangelien erzählen?

Können wir uns den Worten, dem Leben und Sterben Jesu Christi, wirklich bedingungslos anschließen?

 

Zweifel, liebe Gemeinde, gehören fest zum Glauben dazu. Denn es sind die Zweifel, die uns eine permanente Beschäftigung mit unserem Glauben garantieren.

Wäre alles klar, alles einwandfrei belegbar und nachzuweisen, würden wir die ganze Sache relativ schnell als erledigt ad acta legen.

So aber bleiben wir in dauerndem Zwiegespräch mit Gott, halten Kontakt zu unserem Schöpfer und Retter.

 

Wir haben den Vorteil gegenüber den Zeitzeugen von damals, dass wir die ganze Geschichte kennen. Wir wissen um den Lebenslauf Jesu bis zu seinem Kreuzestod.

Und dieser Kreuzestod ist sogar durch den römischen Geschichtsschreiber Tacitus einwandfrei belegt.

Also zumindest doch ein Beweis für das irdische Leben Jesu aus unabhängiger Quelle.

Dennoch bleiben Fragen unbeantwortet.

 

Die Menschen vor zweitausend Jahren hatten es aber noch einen Tick schwerer. Sie kannten den weiteren Verlauf der Geschichte ja nicht.

Wie eingangs beschrieben:

Ein Säugling als Retter der Welt? Na ja!

 

Vielleicht aber auch: Na klar!

Wer, wenn nicht ein neugeborenes Kind?

 

Die Verknüpfung von „neu“ und Unschuld ist uns nirgends so innerlich, wie angesichts eines hilflosen Säuglings.

Eines in die Welt entlassenen Menschenkindes, dass noch nichts alleine kann, noch nichts weiß, aber dennoch das absolute Wunder entstandenen Lebens verkörpert.

Des Lebens, das Gott uns Menschen schenkt.

Des ewigen Lebens, das Gott uns mit Jesus Christus geschenkt hat.

 

Die Zeitzeugen Simeon und Hanna haben damals, im Tempel von Jerusalem, erkannt und kundgetan, welches Kind dort in den Tempel getragen wurde.

Sie haben Unglauben und Erstaunen hervorgerufen mit ihrer Aussage, waren sich aber absolut sicher.

Und: Sie haben recht behalten!

 

Ich gebe zu: Auch ich kann mir nur schwer vorstellen, wäre ich im Jerusalemer Tempel mit dabei gewesen, dass ich Simeon und Hanna sofort geglaubt hätte.

Genau wie ich auch hier und jetzt die Augenbraue heben würde, wenn ich den zurückgekehrten Messias vorgestellt bekäme.

 

Aber Wunder sind – noch mehr in unseren durch Wissenschaft und Beweispflicht geprägten Zeiten, als vor Jahrhunderten und Jahrtausenden – oft nur äußerst schwer verdaulich.

 

Es wird immer wieder gerne diskutiert, warum heute keine wirklichen Wunder mehr geschehen.

Ist es nicht so, dass unsere aufgeklärte Welt einfach alles negieren muss, was sich in keiner mathematisch-physikalischen Formel abbilden lässt?

 

Andererseits: Gerade unsere permanente Suche nach wissenschaftlichen Beweisen hat dazu geführt, dass wir viel von dem verloren haben, was uns durch Spiritualität und Intuition möglich ist.

 

Spiritualität und Intuition sind im Prinzip andere Augen und Ohren.

So, wie wir als Kinder lernen, mit den Augen optische Eindrücke und mit den Ohren Geräusche zu unterscheiden, so müssen wir auch unsere spirituellen und intuitiven Sinne schulen und trainieren.

 

Gott spricht zu uns gerne in einer Sprache, die wir ein wenig verlernt haben, obwohl sie uns angeboren ist.

 

Mit ein wenig Übung kann es uns gelingen, unser Umfeld und unsere Umwelt auch mit geistlichen Sinnen wahrzunehmen. Beispielsweise durch ein sehr konzentriertes Gebet.

 

Wir haben dann noch einmal einen anderen Zugang zu alledem, was uns umgibt.

Simeon und Hanna, unseren Protagonisten aus dem Tempel, war das noch selbstverständlich.

Indem wir uns mit wirklich allen Sinnen öffnen, erweitern wir auch die Wahrnehmung und den Horizont für unser eigenes Leben.

Für unser eigenes Leben, und für die vielen kleinen Wunder, die uns tagtäglich umgeben.

 

Vor wenigen Tagen haben wir mit dem Weihnachtsfest die Geburt unseres Herrn Jesus Christus gefeiert.

Wir haben daran erinnert, dass Gottes Sohn als Mensch geboren wurde, um uns von unseren Sünden zu befreien, um uns zu retten, um uns das ewige Leben zu schenken.

 

Der heutige Predigttext bestätigt mit dem glaubensstarken Simeon und der Prophetin Hanna, dass Jesus wirklich derjenige ist, auf den die Menschheit gewartet hat.

 

Was vor langer Zeit geschehen ist, wird vermutlich so, liebe Gemeinde, nicht noch einmal geschehen.

Wenn Jesus zurückkommt, um Gericht zu halten, werden wir das, so denke ich, sehr deutlich merken.

 

Wichtig, so finde ich, ist aber, dass wir unsere Sinne schärfen.

Das wir unsere Sinne schärfen nicht nur für das Unglaubliche, was uns Gott mit seinem Sohn Jesus Christus geschenkt hat.

Sondern auch für all das, was uns jeden Tag aufs Neue an Gutem zuteil wird von dem, der uns unendlich liebt.

Ich glaube an Gott und an seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus.

Ich glaube aber auch an die vielen kleinen und großen Wunder des Lebens.

 

Schärfen wir also unsere Sinne und lassen uns einladen zu sehen und zu hören, aber auch zu spüren und zu staunen,

was Gott der Herr für uns bereithält.

Leihen wir uns Simeons und Hannas ganz besondere Augen und Ohren.

 

Sie werden sich wundern!

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete, besinnliche und weiterhin spannende Weihnachtszeit.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Predigttext 27.12.2020
für Sie
Predigt 2020-12-27.pdf
PDF-Dokument [82.0 KB]

Predigt 24.12.2020 Henschhausen

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

4Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, 5auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe die war schwanger. 6Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

 

 

Na, kommen Ihnen diese Worte bekannt vor? Können sie vielleicht sogar ein paar tze davon mitsprechen? Jedes Jahr am Heiligen Abend werden diese Verse in den meisten Gottesdiensten gelesen oder in einem Krippenspiel vorgeführt. Jedes Jahr, auch dieses Jahr haben wir sie in der Lesung gehört. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich, war es irgendwann immer so, dass ich sie abgenickt habe. Lukasevangelium Kapitel 2, ja halt die Weihnachtsgeschichte, wie Gott Mensch wird. Jedes Jahr sind es doch dieselben Worte mit der derselben Bedeutung. Dieselben hoffnungsvollen Zeilen, die seit fast  2000 Jahren immer noch soviele Menschen weltweit berühren.

Auch dieses Jahr, obwohl wir ja ein anderes, komisches und besonderes Weihnachten. Das Weihnachten 2020… Das habe ich in

 

den letzten Wochen pausenlos gehört, gelesen oder selber gesagt. Aber wenn ich so genau darüber nachdenke, war Weihnachten denn nicht schon immer komisch, anders und besonders? Ein Kaiser  möchte, dass alle in ihre Heimatstadt bzw. In die Heimatstadt ihres Anvertrauten gehen, um sich schätzen zu lassen. Also macht sich Joseph mit Maria, die ein Kind in sich trägt, was nicht von Joseph ist, sondern vom heiligen Geist, ebenfalls auf den Weg. Für mich zumindest klingt das auch nicht gerade nach einer ganz normalen Lebenssituation. Weil sie keinen Platz in einer Herberge finden, muss Maria ihr Kind in einem Stall zur Welt bringen…ja, damals waren Hausgeburten wohl häufiger als heutzutage, aber in einem Stall zwischen Tieren und inmitten von Stroh, weg von zu Hause…ich kann mir kaum vorstellen, dass Maria sich so die Geburt ihres Kindes oder Gottes Sohn vorgestellt hat. Und dann wären da noch die Hirten, die angelaufen kommen, weil sie von Engeln benachrichtigt werden und die drei Weisen, die einem Stern folgen. Diese Geschichte hat zumindest für mich alle Anzeichen von komisch, anders und besonders. Und trotzdem macht es die Geschichte ja nicht wenig schöner oder mindert ihre Bedeutung. „Fürchte euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Nur weil Ereignisse komisch und anders wirken, sind sie meist nicht nur besonders, sondern gerade auch besonders schön. Es kommt auf die Betrachtungsweise an. Natürlich würde ich gerne

 

heute mit Ihnen zusammen Gottesdienst feiern, egal ob draußen oder in der Kirche, aber ich hoffe, dass Sie trotzdem ein schönes Weihnachten haben. Nutzen Sie die vielfältigen Wege um in dieser  Zeit Nähe zu suchen, rufen Sie ihre Lieben an und machen Sie es sich selbst besonders schön an diesem Weihnachten 2020. Weihnachten  ist schon immer ein komisches, anderes, aber besonderes Fest gewesen, denn wäre ist das nicht, dann würden wir wohl heute kaum jedes Jahr die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2 lesen. Dann könnten nicht gewiss sein, dass Gott die Nähe zu uns in seinem Sohn Jesus Christus gesucht hat. Weihnachten 2020 ist wie jedes Weihnachten ein komisches, anderes und besonderes, aber auch schönes Weihnachten.

Amen.

Predigt 24.12.20
aus Henschhausen
Predigt Henschhausen 24.12.20.pdf
PDF-Dokument [98.4 KB]

Predigt

für Heiligabend (Do. 24.12.20)

zu Lk 2,10-11

Christvesper für zuhause in Oberdiebach

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

 

Die folgende Predigt wurde am Heiligen Abend bei einem Gottesdienst in Oberdiebach gehalten, bei dem die Dorfbewohner/innen die Möglichkeit hatten, vom Balkon, von der Terasse oder vor dem Haus mitzufeiern. Die Botschaft kam dank der Unterstützung des MMMCD durch drei große Beschallungsanlagen aus den Weinbergen. Die Botschaft des Engels aus der Weihnachtsgeschichte (Lk 2,10-11) liegt der Predigt zugrunde:

 

 

 

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

 

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde! „Alles wird gut!“ Der Satz klingt dieses Jahr Weihnachten noch mal ganz anders… Manchen tut er gut; bei anderen regt sich Widerstand, so nach dem Motto: „Gar nichts ist gut! Ich kann Weihnachten nicht feiern, wie ich will, und jetzt muss ich für die Kerch auch noch hier draußen stehen und mir einen abfrieren!

 

Hätte uns vor einem Jahr jemand gesagt, dass wir den Weihnachtsgottesdienst 2020 auf dem Balkon oder vor dem Haus feiern würden, hätten wir gesagt: „Das ist absurd!“ Stimmt. Aber Weihnachten an sich ist absurd. Dass Gott Mensch wird, ist absurd. Und dann passt es irgendwie wieder. Denn genau diese Absurdität ist der Grund dafür, dass wir mit Fug und Recht sagen können: „Alles wird gut!“ Weil Gott uns mit den Absurditäten unseres Lebens nicht allein lässt.

 

Jesus ist der Immanuel. Der Gott-mit-uns. Nichts Menschliches ist Ihm fern. Für nichts war Er sich zu schade. Jesus ist die totale Solidarität Gottes mit uns. Es wird nicht auf Knopfdruck alles gut an Weihnachten. Aber Weihnachten markiert den Wendepunkt. Gott wird Mensch. Himmel trifft Erde. Und alles kann gut werden, wenn wir uns treffen lassen. Mach’s wie Gott: Werde Mensch. Lass dich berühren von dem, was andere erleben und erleiden.

 

Ich glaube, dass 2021 besser wird. Aber der Weg wird anstrengend werden. Wir müssen uns als Gesellschaft den Problemen stellen, in denen wir stecken und die noch auf uns zukommen. Und das geht nur zusammen. Es wird nicht alles gut, wenn jeder nur an sich denkt. Wenn jeder nur seinen eigenen Wohlstand retten will, koste es die anderen, was es wolle. Solidarität ist geboten, damit nicht in einem Jahr bei den einen wieder alles in bester Ordnung ist, als wäre nie etwas gewesen, und bei den anderen nie mehr etwas so sein wird, wie es mal war - weil sie einen lieben Menschen an Covid 19 verloren haben, oder weil sie ihren Job verloren haben und ihre Existenzgrundlage. Rücksicht ist gefragt - der Gesunden gegenüber den Kranken, der gut Situierten gegenüber den sozial Schwachen, der Jüngeren gegenüber den Älteren.

 

Hinter vorgehaltener Hand hört man immer wieder: „Corona betrifft doch nur Alte und Kranke. Die meisten von denen wären sowieso ein paar Monate später gestorben!“ Was ist das für ein Argument, liebe Gemeinde?! Wenn eine 90jährige Frau überfahren wird, glauben Sie, die Polizei sagt dann zu dem Unfallverursacher: „Ach, wissen Sie was? Fahren Sie weiter! Ist nicht so schlimm, die hätte et eh nicht mehr lange gemacht!“? Und wenn es so wäre, liebe Gemeinde, es macht einen Unterschied. Spätestens in dem Moment, wo es die eigene Mutter oder Oma ist.

 

Probleme löst man nicht, indem man sie von sich wegschiebt. Und erst recht nicht, indem man sie leugnet. Sondern indem man sich ihnen stellt. Und da ist die Botschaft von Weihnachten: „Das braucht Ihr nicht allein zu tun! „Fürchtet euch nicht!““ Gott ist in Jesus an unserer Seite. Er hat sich unseren Problemen gestellt. Nötig gehabt hätte Er das nicht. Aber dadurch, dass Er es getan hat, haben unsere Probleme nun ein Problem mit Gott.

 

Das größte Problem der Menschheit - der Tod - hat mit diesem Menschen, der da in Bethlehem zur Welt kam, ein massives Problem gekriegt. Der hat ihn nämlich seiner Endgültigkeit beraubt. Mit Seiner Auferstehung hat Jesus den Tod zu etwas Vorläufigem degradiert. Wenn das für den Tod als Endstufe aller Probleme gilt, dann gilt das auch für Corona inklusive aller Begleiterscheinungen.

 

Je mehr wir Gott in unserem Handeln zum Zug kommen lassen und es machen wie Er - Mensch werden -, umso größer wird das Problem, das Corona mit uns bekommt - und durch uns mit Gott.

 

Weil Gott Mensch wurde, können wir uns unseren Problemen stellen. Wir brauchen es nicht allein zu tun. Wir haben Gott im Rücken und an unserer Seite. Vertrauen wir auf Ihn und probieren wir’s aus. Dann wird alles gut! Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

Predigt

für Heiligabend (Do. 24.12.20)

zu Lk 2,10-11

Christvesper für zuhause in Oberdiebach

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

 

Die folgende Predigt wurde am Heiligen Abend bei einem Gottesdienst in Oberdiebach gehalten, bei dem die Dorfbewohner/innen die Möglichkeit hatten, vom Balkon, von der Terasse oder vor dem Haus mitzufeiern. Die Botschaft kam dank der Unterstützung des MMMCD durch drei große Beschallungsanlagen aus den Weinbergen. Die Botschaft des Engels aus der Weihnachtsgeschichte (Lk 2,10-11) liegt der Predigt zugrunde:

 

 

 

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

 

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde! „Alles wird gut!“ Der Satz klingt dieses Jahr Weihnachten noch mal ganz anders… Manchen tut er gut; bei anderen regt sich Widerstand, so nach dem Motto: „Gar nichts ist gut! Ich kann Weihnachten nicht feiern, wie ich will, und jetzt muss ich für die Kerch auch noch hier draußen stehen und mir einen abfrieren!

 

Hätte uns vor einem Jahr jemand gesagt, dass wir den Weihnachtsgottesdienst 2020 auf dem Balkon oder vor dem Haus feiern würden, hätten wir gesagt: „Das ist absurd!“ Stimmt. Aber Weihnachten an sich ist absurd. Dass Gott Mensch wird, ist absurd. Und dann passt es irgendwie wieder. Denn genau diese Absurdität ist der Grund dafür, dass wir mit Fug und Recht sagen können: „Alles wird gut!“ Weil Gott uns mit den Absurditäten unseres Lebens nicht allein lässt.

 

Jesus ist der Immanuel. Der Gott-mit-uns. Nichts Menschliches ist Ihm fern. Für nichts war Er sich zu schade. Jesus ist die totale Solidarität Gottes mit uns. Es wird nicht auf Knopfdruck alles gut an Weihnachten. Aber Weihnachten markiert den Wendepunkt. Gott wird Mensch. Himmel trifft Erde. Und alles kann gut werden, wenn wir uns treffen lassen. Mach’s wie Gott: Werde Mensch. Lass dich berühren von dem, was andere erleben und erleiden.

 

Ich glaube, dass 2021 besser wird. Aber der Weg wird anstrengend werden. Wir müssen uns als Gesellschaft den Problemen stellen, in denen wir stecken und die noch auf uns zukommen. Und das geht nur zusammen. Es wird nicht alles gut, wenn jeder nur an sich denkt. Wenn jeder nur seinen eigenen Wohlstand retten will, koste es die anderen, was es wolle. Solidarität ist geboten, damit nicht in einem Jahr bei den einen wieder alles in bester Ordnung ist, als wäre nie etwas gewesen, und bei den anderen nie mehr etwas so sein wird, wie es mal war - weil sie einen lieben Menschen an Covid 19 verloren haben, oder weil sie ihren Job verloren haben und ihre Existenzgrundlage. Rücksicht ist gefragt - der Gesunden gegenüber den Kranken, der gut Situierten gegenüber den sozial Schwachen, der Jüngeren gegenüber den Älteren.

 

Hinter vorgehaltener Hand hört man immer wieder: „Corona betrifft doch nur Alte und Kranke. Die meisten von denen wären sowieso ein paar Monate später gestorben!“ Was ist das für ein Argument, liebe Gemeinde?! Wenn eine 90jährige Frau überfahren wird, glauben Sie, die Polizei sagt dann zu dem Unfallverursacher: „Ach, wissen Sie was? Fahren Sie weiter! Ist nicht so schlimm, die hätte et eh nicht mehr lange gemacht!“? Und wenn es so wäre, liebe Gemeinde, es macht einen Unterschied. Spätestens in dem Moment, wo es die eigene Mutter oder Oma ist.

 

Probleme löst man nicht, indem man sie von sich wegschiebt. Und erst recht nicht, indem man sie leugnet. Sondern indem man sich ihnen stellt. Und da ist die Botschaft von Weihnachten: „Das braucht Ihr nicht allein zu tun! „Fürchtet euch nicht!““ Gott ist in Jesus an unserer Seite. Er hat sich unseren Problemen gestellt. Nötig gehabt hätte Er das nicht. Aber dadurch, dass Er es getan hat, haben unsere Probleme nun ein Problem mit Gott.

 

Das größte Problem der Menschheit - der Tod - hat mit diesem Menschen, der da in Bethlehem zur Welt kam, ein massives Problem gekriegt. Der hat ihn nämlich seiner Endgültigkeit beraubt. Mit Seiner Auferstehung hat Jesus den Tod zu etwas Vorläufigem degradiert. Wenn das für den Tod als Endstufe aller Probleme gilt, dann gilt das auch für Corona inklusive aller Begleiterscheinungen.

 

Je mehr wir Gott in unserem Handeln zum Zug kommen lassen und es machen wie Er - Mensch werden -, umso größer wird das Problem, das Corona mit uns bekommt - und durch uns mit Gott.

 

Weil Gott Mensch wurde, können wir uns unseren Problemen stellen. Wir brauchen es nicht allein zu tun. Wir haben Gott im Rücken und an unserer Seite. Vertrauen wir auf Ihn und probieren wir’s aus. Dann wird alles gut! Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

Predigt 24.12.20
Oberdiebach
Predigtmanuskript 24.12.2020 Oberdiebach[...]
PDF-Dokument [104.7 KB]

Predigt

für Heiligabend (Do. 24.12.20)

zu Jes 11,1-10

Online-Christvesper aus der St. Oswald Kirche Manubach

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der Online-Gottesdienst zum Heiligen Abend kommt aus der Kirche St. Oswald in Manubach. Die folgende Messiasverheißung aus Jesaja 11,1-10l iegt der Predigt zugrunde:

 

 

Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören, sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften. Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten. Kuh und Bärin werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein kleines Kind wird seine Hand ausstrecken zur Höhle der Natter. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt. Und es wird geschehen zu der Zeit, dass die Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden die Völker fragen, und die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein.

 

 

Liebe Gemeinde! „Alles wird gut!“ Der Satz klingt dieses Jahr Weihnachten noch mal ganz anders… Manch einem tut er gut; bei jemand anderem regt sich vielleicht Widerstand, so nach dem Motto: „Gar nichts ist gut! Ich kann Weihnachten nicht feiern wie sonst, und selbst die Kerch muss ich mir im Internet angucken!“ Es ist nicht zu leugnen, dass da eine gewisse Spannung besteht zwischen Wirklichkeit und Weihnachtsbotschaft - zumal in der Fassung des Propheten Jesaja, die wir gerade gehört haben. Tatsächlich wirken seine Ankündigungen leicht Fakenews-verdächtig. Dass Wolf und Lamm zusammen eine WG gründen zum Beispiel. Klar, dass dem Wolf dieses Wohnmodell gefallen dürfte, ist unbenommen. Allerdings wäre das Zimmer seines Mitbewohners vermutlich ziemlich schnell wieder frei… Ähnlich dürfte es bei der anderen Zweier-WG sein, die Jesaja erwähnt, aus Panther und Böcklein. Die Vorstellung, dass sich das Kalb mit dem Löwen sowie die Kuh mit der Bärin eine Weide teilen, wirft die Frage auf, ob hier eher die Idealisten angesprochen sind, oder die Sadisten. Na ja, und dass der Löwe unter die Veganer geht, setzt dem Ganzen die Krone auf.

 

Andererseits - mal Hand auf’s Herz: Wer würde sich denn nicht wünschen, dass das endlich aufhört mit dem Fressen und Gefressen werden? Mit Rang- und Hackordnungen, die auf der Angst der Schwächeren vor den Stärkeren fußen? Wer sehnt sich denn bitte schön nicht nach Frieden und einem Leben ohne Angst?! Keine Bosheit mehr. Kein Schaden, wie Jesaja sagt. Weder aus Dösigkeit noch aus Vorsatz, weder aus Schlamperei noch aus Unfähigkeit; noch nicht einmal als Kolateralschaden einer Pandemie. Weihnachten ist deshalb emotional so aufgeladen, weil es diese Bilder von einer heilen Welt in sich trägt. Deshalb reagieren wir so empfindlich, wenn uns da was drankommt. Weil wir uns mit und an diesem Fest ein letztes Stück heile Welt bewahren wollen. Die Messiasverheißung aus Jes 11 bedient diese Sehnsucht. Die Spannung zwischen Wirklichkeit und Weihnachtsbotschaft ist unverkennbar, wie gesagt. Trotzdem würden wir es uns zu einfach machen (oder zu schwer, je nachdem, wie man’s sieht), wenn wir das, was der Prophet Jesaja hier sagt, als schwachsinnig abtun.

 

Es gibt einen Unterschied zwischen Fakenews und Visionen. Fakenews sind gezielte Falschmeldungen, mit denen Menschen hinter’s Licht geführt werden. Visionen sind Hoffnungsbilder, die Menschen ins Licht führen. Hoffnungsbilder von einer Welt, die noch nicht offen-sichtlich ist, die aber um Gottes willen werden kann und werden wird. Es gibt einen Unterschied zwischen Fakenews und Visionen. Und Weihnachten macht genau diesen Unterschied, liebe Gemeinde. Gott kommt und spricht in unsere Wirklichkeit hinein. Der, der mit Seinem Wort die Welt aus dem Nichts ins Dasein gerufen hat, der spricht in dieser Nacht erneut. Er projiziert Hoffnungsbilder an unseren Horizont, die sich nicht mit unserer Erfahrung decken, die aber das Potenzial haben, zur Erfahrung zu werden. Der Glaube sieht in dem Kind in der Krippe den Retter der Welt.

 

Normalerweise wird, wenn’s Probleme gibt, der Ruf nach einem starken Mann laut. Der soll’ s richten, soll Ruhe ins Chaos bringen, Zucht und Ordnung herstellen. „Es muss halt einen geben, der sagt, wo’s lang geht!“ heißt es dann. Die Amerikaner haben ihren „starken Mann“ inzwischen wieder abgewählt, weil sie gemerkt haben, dass das doch nicht so’ n tolles Erfolgsmodell ist. Der letzte „starke Mann“, den wir hier in Deutschland hatten, hat 50 Millionen Menschenleben gekostet, Europa in eine Trümmerwüste verwandelt und posthum dafür gesorgt, dass das von ihm ach so beschworene „Deutschland, einig Vaterland!“ für über 40 Jahre in zwei Zeile zerrissen wurde, was bis heute nachwirkt.

 

Ein herzliches „Nein, Danke!“ meinerseits zu jeglicher Form von Wiederholung einer solchen „Lösung“ von politischen und gesellschaftlichen Problemen, liebe Gemeinde. Und ich bitte Sie: Bleiben Sie standhaft. Egal, was Covid 19 uns noch an gesellschaftlichen und politischen Problemen beschert greifen Sie bitte nicht zu „Lösungs“-Modellen dieses Typs.

 

Jesus ist das Gegenteil zum „starken Mann“. Als in Windeln gewickeltes und in Ermangelung einer Wiege in einen Futtertrog gelegtes Kind einer jüdischen Mutter taugt er nicht als Führer. Aber als Heiland  schon. Weihnachten ist der Anfang. Ein kleiner Anfang, aber anders kann es gar nicht sein. Die Bilder einer heilen Welt, einer ge-heilten Welt, wie wir sie im Predigttext hören, lassen sich nicht mit der Keule von oben durchboxen. Dann zerbrechen sie. Sie wachsen still, abseits des Weltgetümmels, dort, wo Menschen sich im Dunkel ihres Alltags, im Dunkel ihrer Nächte sagen lassen: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

 

Weihnachten ist der Anfang. Die Spannung zwischen Wirklichkeit und Weihnachten bleibt. Aber an einer Stelle hat sich die Verheißung von Jesaja schon erfüllt. Jesaja schreibt: „…es wird geschehen zu der Zeit, dass die Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden Völker fragen, und die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein.“ Die Völker fragen nach Ihm. Vielleicht nicht alle. Und auch nicht alle in allen Völkern. Aber zumindest an diesem einen Abend im Jahr bekommt Er Aufmerksamkeit, der Spross aus dem Stamm Isais. Genannt Jesus. Selbst im türkischen Istanbul ist eine der Hauptgeschäftstraßen weihnachtlich geschmückt, liebe Gemeinde. Mein Großcousin lebt dort und hat Fotos geschickt. Selbst in Istanbul ist eine der Hauptgeschäftsstraßen weihnachtlich geschmückt, weil man sich selbst in Erdogans Reich dem Geschehen dieses Abends nicht ganz entziehen kann. Dieses Geschehens damals in Bethlehem, in der Stadt Davids, an das wir uns Jahr für Jahr erinnern, das für uns ganz viele Hoffnungsbilder in sich trägt.

 

Jesajas Verheißung endet mit den Worten: „…die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein.“ Das ist der Punkt, wo Sie Einfluss haben, liebe Gemeinde: Probieren Sie es aus. Lassen Sie Jesus bei sich wohnen. Dann kann Ihre Wohnung heute Abend zu einem herrlichen Ort werden. Und wenn Sie Ihm Dauerwohnrecht geben, wird dieser Zustand anhalten. Noch besser: Geben Sie Ihm Wohnrecht auf Lebenszeit. Das heißt in Seinem Fall: auf ewig. Dann wird Er diese Lebenserwartung mit Ihnen teilen. Probieren Sie es aus. Lassen Sie Ihn bei sich wohnen. Lassen Sie sich anstecken von der Vision einer geheilten Welt. Und die Gewissheit wird sich verfestigen: „Alles wird gut!“ Amen.

 

 

Predigt Heiligabend 2020
Frohe Weihnachten!
Online-Gottesdienst 2020-12-24 Predigtma[...]
PDF-Dokument [22.7 KB]

Predigt

für den 4. Advent (So. 20.12.20)

zu 1 Kor 1,27-29

(Online-) Gottesdienst in der St. Oswald Kirche Manubach

(mit Krippenspieleinspielung)

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst ist eine Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche St. Oswald in Manubach. Der Predigt geht die Einspielung einer von Konfirmandinnen und Konfirmanden aufgezeichneten Weihnachtserzählung von Saskia Awad und Uwe Hausy (Referent für Spiel und Theater, Zentrum Verkündigung der EKHN) zugrunde. Besonderheit dieser Weihnachtserzählung: Der Verkündigungsengel hat seine Flügel verlegt. Er findet sie nicht rechtzeitig vor seinem großen Auftritt und muss ohne Flügel hinaus zu den Hirten auf dem Feld bei Bethlehem.

 

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde! Ein Engel, der seine Flügel vergessen hat! Vielleicht hat Sie dieses Detail an der eingespielten Weihnachtserzählung vorhin ähnlich irritiert wie mich. Das hat man aus der Weihnachtsgeschichte so nicht unbedingt im Ohr. Da steht, dass die Hirten sich fürchteten, als ihnen der Engel erschien. Dass da ein fahriger Engel ohne Flügel angelatscht kommt und die Hirten ihn für irgendeinen Deppen halten, der ihnen das Feld zertrampelt, steht da nicht. Erst recht nicht, dass sie den Störenfried verjagen wollen.

 

Außerdem ist Schusseligkeit keine Eigenschaft, die man jetzt nicht unbedingt mit einem Engel in Verbindung bringen würde. Mag sein, dass die eine oder der andere unter uns sich da ertappt fühlt und sich sowas zutraut. Leute, die jetzt schon wissen, dass sie, wenn der Lockdown vorbei ist, frustriert feststellen werden, dass sie nichts von dem geschafft haben, was sie sich für diese Zeit vorgenommen hatten. Die ahnen wahrscheinlich, dass sie’ s auch dann nicht gebacken kriegen würden, wenn sie 500 Jahre Zeit hätten… Menschen passiert sowas. Aber doch keinem Engel! Die sind doch vollkommen!

 

Ganz ehrlich, liebe Gemeinde, ich fand die Szene so schräg, dass ich nach dem ersten Lesen drauf und dran war sie wegzulassen. Aber nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen hatte, fiel mir auf: theologisch ist das echt stimmig. Sicher ist die Geschichte an der Stelle etwas frei interpretiert, aber eigentlich liegt sie ganz auf der Linie von Weihnachten. Dass Gott Mensch wird, passt genauso wenig, wie dass ein Engel seine Flügel verschlampt.

 

Wir Menschen stehen auf Heldengeschichten. Auf Leute, die’ s drauf haben. Die ihre Sache niemals vor die Wand fahren würden, sondern gekonnt und furchtlos zu einem guten Ende bringen - am besten noch irgendjemanden retten. Keine Kitschsendung im Fernsehen kommt ohne solche Typen aus. Gott schon. Seine Heldengeschichte gehen anders. „Er ist auf Erden kommen arm, dass er unser sich erbarm“, hieß es in dem Weihnachtslied „Gelobet seist du, Jesu Christ…“ gerade eben. Gott macht sich klein. Das ist Weihnachten, liebe Gemeinde. Gott macht sich klein und stellt sich damit an die Seite derer, die nie groß rauskommen. An die Seite der Normalos, die ihre Aussetzer haben und ihre Totalausfälle. Gott hat ein Herz für die Verpeilten. Für die, nichts auf die Kette kriegen. Mit Vollpfosten und Loosern hat sich Jesus als Erwachsener umgeben.

 

Man muss sich mal anschauen, wen Er zu Seinen Jüngern gemacht hat. Simon Petrus zum Beispiel. Jesus hatte ihm einen Sonderstatus unter den Aposteln gegeben mit den Worten: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen!“ Der kritische Betrachter würde sagen: „Ausgerechnet der. Große Klappe, nichts dahinter“. In der Tat - wer die Geschichte kennt, der weiß, dass eben dieser Petrus beim letzten Abendmahl großspurig ankündigen wird: „Jesus, auch wenn Dich alle im Stich lassen - ich nicht! Ich bin bereit, mit Dir in den Tod zu gehen!“ Als ein paar Stunden später im Morgengrauen der Hahn kräht, hat Petrus Jesus drei Mal verleugnet. Ein Unternehmer oder Politiker hätte so einem Mitarbeiter fristlos gekündigt wegen mangelnder Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber.

 

Dann ist da der „ungläubige Thomas“. Ein geistlicher Wackeldackel, an dem Ostern irgendwie vorbeigezogen ist. Er war nicht da, als Jesus den anderen nach Seiner Auferstehung zum ersten Mal begegnet ist. Als die ihm von ihrer Erfahrung erzählen, sagt Thomas: „Leute, Ihr habt sie nicht alle! Veralbern kann ich mich selbst. Solange ich Jesus nicht mit eigenen Augen gesehen habe, glaube ich hier mal gar nichts!“ Sein Vertrauen in die Lebendigkeit Seines Herrn und in die Glaubwürdigkeit Seiner Mit-Zeugen ist nicht wahnsinnig ausgeprägt.

 

Na ja, und zu Judas brauche ich nicht viel zu sagen. Der Maulwurf unter den Aposteln. Sein Name ist zum Synonym geworden für „Verräter“.

 

Mit solchen Leuten geht Jesus an den Start. Sie sollen Vorboten des Himmelreichs sein. Jeder Personalberater hätte die Hände über’m Kopf zusammengeschlagen. Jeder Wahlkampfmanager hätte gesagt: „Vergiss es, Jesus. Mit dem Chaotenhaufen ist kein Staat zu machen.“ Aber mit diesem semi-professionellen Kompetenzteam baut Jesus Seine Kirche.

 

 

„…was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt […] was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt […] und was gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt“,

 

 

wird der Apostel Paulus später dazu schreiben im 1. Kapitel seines Briefes an die Gemeinde in Korinth.

 

Was töricht ist, was schwach, was gering und was verachtet ist vor der Welt, das hat Gott erwählt - und damit unser Wertesystem auf den Kopf gestellt. Gott sei Dank! Denn das heißt: Jede und jeder darf zur Krippe kommen. Selbst der Engel, der seine Flügel verschludert hat und in der heiligen Nacht zu Fuß zu den Hirten auf’s Feld raus muss, wird seines Amtes nicht enthoben. (Nebenbei bemerkt: Die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2 gibt das her. Da steht nämlich: „…und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen…“. Da steht nicht: „…des Herrn Engel flog zu ihnen“.)

 

Will sagen: Auch wir haben eine reelle Chance, im Zusammenhang mit der frohen Botschaft von Weihnachten eine Rolle spielen zu dürfen - obwohl wir, wie’ s aussieht, alle unsere Flügel vergessen haben. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Predigt 20.12.2020
zum Download
Online-Gottesdienst 2020-12-20 Predigtma[...]
PDF-Dokument [15.5 KB]

Predigt

für den 3. Advent (13.12.20)

zu Lk 1,67-79

(Online-) Gottesdienst in Oberdiebach

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst ist eine Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche St. Moritz in Oberdiebach. Der so genannte Lobgesang des Zacharias aus Lk 1,67-79 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David – wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten –, dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund, an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, dass wir, erlöst aus der Hand der Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen. Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

 

 

Liebe Gemeinde! Neun Monate lang war Zacharias zum Schweigen verurteilt. Er hatte es einfach nicht glauben können, dass seine Frau doch noch ein Kind bekommen sollte – nach jahrelangem vergeblichen Hoffen und Warten. Zacharias arbeitete als Priester am Jerusalemer Tempel. Mitten im Gottesdienst, als er gerade allein im Allerheiligsten war und das Opfer darbrachte, war ihm der Engel Gabriel erschienen und hatte ihm angekündigt: „Zacharias, Gott hat Eure Gebete erhört. Du wirst Papa!“ Damit war der arme Zacharias überfordert. „Bei aller Liebe“, hat er gesagt, „ich bin alt, und meine Frau ist längst jenseits von gut und böse. Das gibt nix mehr.“ „Du wirst sehen!“, hatte der Engel geantwortet. „Und damit Du Zeit hast, das zu verdauen, bist Du jetzt erstmal still – bis das Kind da ist.“ Neun Monate – die ganze Schwangerschaft also, war Zacharias stumm. Neun Monate. Die Schwangerschaft für den Mann, sozusagen. Zeit um zu realisieren, welche Rolle Gott in seinem Leben und im Leben dieser Welt wirklich spielt. Er war zwar schon lange Priester. Aber auf einmal erlebt er noch mal ganz neu: Mit Gott hab ich es nicht nur dienstlich zu tun, sondern höchstpersönlich. Mitten in meinem Leben kommt Er auf mich zu.

 

„Gott hat besucht und erlöst sein Volk.“ Das ist die Kernbotschaft seines Loblieds. Dieser Besuch von Gott ist keine Stippvisite, so nach dem Motto: „Ich steck mal eben den Kopf durch die Tür, sag’ „Hallo“, und bin wieder weg.“ Das Wort, das hier im Griechischen für „besuchen“ steht, meint mehr. Das heißt so viel wie „nachsehen, wie es einem geht“. Gott sieht nach uns. Er kümmert sich um uns. Advent heißt, dass Gott ankommt und in unser Leben tritt. Das Lied von Celine Dion, das Denise vorhin gesungen hat, passt irgendwie zu diesem Predigttext: "Then You Look at Me“. „Dann schaust Du mich an“, heißt es da, oder man könnte auch übersetzen: „Dann schaust Du nach mir, und ich sehe, wonach ich immer gesucht habe. Ich bin so verloren […]. Aber du siehst mich an, und meine Verlorenheit ist vorbei. […] Du schaust mich an, und Leben kommt von Dir.“

 

Die Anwesenheit Gottes in seinem Leben ist für Zacharias die Erlösung von allem Kummer, aller Ohnmacht, die ihn gequält hat. Kinderlos zu sein war damals eine echte Schmach. Im Volksglauben galt man (bzw. frau) als verflucht oder von Gott verstoßen, wenn man keine Kinder bekommen konnte. Auch heute ist ungewollte Kinderlosigkeit für viele Paare ein großes Thema. Neben der Trauer über den geplatzten Lebensentwurf kommen oft genug echt saudoofe Sprüche von außen. So nach dem Motto: „Wollt Ihr nicht, oder seid Ihr zu blöd dafür? Muss ich Euch zeigen, wie’ s geht?“ Mich wundert es nicht, dass Zacharias in seinem Lobgesang dankbar davon spricht, dass Gott kommt um uns zu erretten „aus der Hand aller, die uns hassen“. Wer weiß, wen er bei dem Satz vor Augen hatte…

 

Was Menschen anderen Menschen an den Kopf werfen oder über sie sagen - oder schreiben (im Internet), da ist der Gehässigkeit anscheinend keine Grenze gesetzt. Mir wird schlecht, wenn ich höre oder lese, wie an sich intelligente Menschen Corona als Lüge abtun und behaupten, Angela Merkel wolle mit dem Impfstoff Millionen von Deutschen umbringen. Ich finde den Hass, der da zum Vorschein kommt, einfach nur beängstigend. Der grassiert besonders im Internet, es gibt ihn durchaus aber auch in der „realen“ Welt. Immer dann zum Beispiel, wenn auf dem Schulhöfen der Satz zu hören ist: „Boah, ich hasse Dich!“ Selbst wenn es nur so dahergesagt ist - bei dem, dem der Satz gilt, sitzt das. Das geht tief rein und tut lange weh. Und es kostet viel Kraft, cool zu bleiben und nicht zurückzuschießen, sondern sich klarzumachen, dass das nicht hilft. Das gibt vielleicht eine kurzfristige Genugtuung. Aber zu einem nachhaltigen inneren Frieden führt ist das nicht. Das einzige, was hilft, ist ein wirksames Gegengewicht. Jemand, der einem glaubwürdig die gegenteilige Botschaft vermittelt: „Ich find Dich klasse! Ich will mit Dir zu tun haben. Und niemand hat das Recht Dir so zuzusetzen, Dich fertigzumachen und Deine Würde in den Dreck zu ziehen. Deswegen komme ich zu Dir um Dich zu besuchen!“, sagt Gott. Und ist da und sieht uns an und erlöst uns von dem elenden Gefühl, nichts wert zu sein.

 

Zacharias nennt seinen Sohn Johannes - zu deutsch: „Gott ist gnädig“. Gott ist gnädig. Der Name ist Programm. Durch Johannes den Täufer sollen die Menschen vorbereitet werden auf den kommenden Gott, auf die Ankunft Jesu. Von ihm, von Johannes, sollen sie lernen und erfahren, was Heil ist: Nämlich das Geschenk, um Gottes willen angstfrei leben zu dürfen. Mit dieser Botschaft ist Johannes der Täufer als Erwachsener unter die Menschen gegangen: „Gott schenkt Euch einen neuen Anfang! Er kommt zu Euch! Macht Ihm Bahn und lasst Ihn in Euer Leben. Dann kann alles heil werden.“ Manchmal lässt Gottes Heil auf sich warten. Elisabeth und Zacharias haben lange damit leben müssen, dass Gebete unerhört bleiben, Wünsche unerfüllt, dass alles Bemühen – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht fruchtet. Erst, als es nach biologischem Ermessen längst zu spät dafür war, ist der Kinderwunsch der beiden doch noch erfüllt worden. Wer wollte es Zacharias krumm nehmen, dass er sich schwer tat das zu glauben? Die Ankündigung des Engels, dass es so kommen würde, ließ ihn erstmal verstummen. Vielleicht gibt es auch in Ihrem Leben Dinge, die Ihnen die Sprache verschlagen. Womit Sie erstmal schwanger gehen müssen. Manchmal haben wir - wie Zacharias - Ladehemmungen, wenn es darum geht, den Verheißungen Gottes zu vertrauen. Gott zuzutrauen, dass Er die Dinge zum Guten wendet - auch in dieser Zeit. Das ist zugegebenermaßen nicht leicht in diesen Tagen, wo die Infektionszahlen wegrennen und es nicht mehr auszuschließen ist, dass Weihnachten 2020 genauso baden geht wie Ostern. Klar wird Corona irgendwann vorbei sein. Die Frage ist nur: Wann? Und wie viele Schäden wird dieses Virus bis dahin noch angerichtet haben - physischer, psychischer, wirtschaftlicher, sozialer und politischer Art? Manchmal steht Gottes Versprechen sich um uns zu kümmern arg im Widerspruch zu dem, was sich vor unseren Augen abspielt. Wenn das so ist, wenn Sie sagen: „Ich weiß nicht, ich kann mir das alles nicht so richtig vorstellen“, dann sind Sie in guter Gesellschaft. Hat Zacharias auch gesagt. Aber am Ende hat er gesungen. Ein Loblied auf Gott, der uns zwar manchmal warten aber nie im Stich lässt. Der manchmal die Kontrolle verloren zu haben scheint, aber letztlich doch zu Seiner Zeit Unmögliches möglich macht. Amen.

 

 

Predigt 13.12.2020
3. Advent
Online-Gottesdienst 2020-12-13 Predigtma[...]
PDF-Dokument [16.5 KB]

2.Adv.2020                                      10.45 Steeg              

                                                           Lk21

 

Gnade sei mit uns

 

".. Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres ...

 

Liebe Gemeinde,

 

manch einer, der das letzte Buch der Bibel aufschlägt, der klappt sie nach diesem Vers erschrocken oder auch verärgert wieder zu. Hier hätte er oder sie etwas anderes erwartet.

 

Da kann man nur sagen: Die Bibel ist kein "Wohlfühl-Buch"! Hier geht es um die Geschichte des großen treuen Gottes mit den kleinen wankelmütigen Menschen, die ihm trotzdem so kostbar sind, dass er seinen eingeborenen Sohn zu ihrer Errettung einsetzt.

 

Also sollte man erst einmal weiterlesen. Vielleicht kommt das Wichtigste ja noch. Und so ist das hier in Jesu Worten, die Lukas im viertletzten Kapitel seines Buches überliefert. Der heutige Abschnitt schließt mit den Worten:

 

"Wenn aber dieses anfängt zu geschehen,

dann seht auf und erhebt eure Häupter,

weil sich eure Erlösung naht."

Wir haben es also hier bei Lukas wirklich mit einem Advents-Thema zu tun; denn unter dem Begriff Advent versteht die Christenheit ja die dreimalige Ankunft des Herrn:

1.   Seine Geburt in Bethlehem als Heiland der Menschen

2.   Jesu Einzug in Jerusalem, wo er am Kreuz um die ganze Welt ringt als unser Erlöser

3.   Jesu Wiederkunft als Weltenrichter am Ende der Zeit,

      am letzten Advent.

 

Wie sind wir 2020 darauf vorbereitet?

Die Zeitungen sind voll von Katastrophen-Meldungen, die ich hier nicht aufzählen will. Dazu kommt die Corona-Pandemie.

 

Viele Menschen leugnen den Ernst der Lage. Sie sind ent-weder blind oder tragen die „Rosa“ Brille, die alles verschönt.  Aber die Jesus-Worte, die heute Gehör finden wollen, die nehmen uns die rosa Brille weg. Unser Herr will, dass wir uns keine heile Welt vortäuschen lassen, sondern wachsam blei-ben.

 

Der Tages-Text gehört zu den so genannten "Reden Jesu  über die Endzeit". Damit hat unser Herr ein ähnliches Sze-

nario beschrieben wie es Jahrhunderte vorher aus Prophe-tenmund schon erklang. Aber durch Jesu Worte bekommen die alten Prophezeiungen ihr göttliches Siegel:

Es werden Zeichen geschehen an den Gestirnen .. verzagen werden die Menschen vor dem alles verzehrenden Meer .. das ganze Universum gerät aus den Fugen ..

Ja, vor so viel Veränderungen, vor dem Zusammenbruch der

Naturgesetze können wir nur zittern. Da ist nichts mehr, wie es war. Das Chaos wie vor der Erschaffung der Welt scheint sich vor ihrem Ende zu wiederholen.

 

Wer jetzt aber die Bibel zuschlägt, der versäumt das Para-dies: Denn wenn diese furchtbaren Ereignisse eingetreten sind, dann kommt der Menschensohn wieder, der, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden! So wie er einst vor den Augen seiner Jünger in die unsichtbare Welt Gottes aufgenommen wurde, so kommt er wieder mit großer Kraft und Herrlichkeit. In einer Wolke, so hat es Lukas festgehalten.

 

Das ist keine Verschleierungstaktik; im Gegenteil: die Wolke ist das Zeichen für die Gegenwart des Allmächtigen Gottes, die wir sonst gar nicht ertragen könnten. Die Wolke macht es möglich, dass wir dann nicht die Augen schließen müssen vor Schmerz. Geschützt durch die Wolke können wir aufsehen! Wir sollen, wenn die Not um uns her am größten ist, unseren Retter kommen sehen!

 

Es sind schlimme Bilder, die der Evangelist Lukas da mit Worten gemalt hat. Er hat sich das nicht selbst ausgedacht; es sind Jesu Reden über die Endzeit. Bei Jesus ist nicht nur vom weltweiten Klimawandel die Rede - er kennt sogar das Ende des ganzen Universums.

 

Wie oft fragen wir selber beim Hören von Verbrechen oder anderen Katastrophen: Wohin soll das alles führen? Für die Bosheit der Menschen ist die Erde schon fast zu klein. Was Menschen einander Böses antun, das ist oft kaum mehr zu überbieten. Es fängt ja schon in den Schulen an. Und wie sehr schmerzt das alles unseren Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, den Liebhaber der Menschen, die er nach seinem Bilde schuf. Muss er dem nicht ein Ende setzen?

 

.. seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Das ist Jesu Antwort - Gottes Reich kommt. Und damit das Ende für viele und ein seliger Neuanfang für die, die sich auf Gott verlassen. Wir haben durch Jesus ein "Frühwarn-system", wie es keine Wissenschaft erfinden kann. Wir haben durch Jesus, den Menschensohn, den jenigen, der nach seinem Einzug in Jerusalem durch alle Bosheit der Menschen und sogar den Tod hindurch gedrungen ist, um uns den Rettungs-weg zu bahnen.

 

In der Parallel-Stelle bei Markus steht noch ein wunderbares Jesus-Wort, das Lukas nicht kannte. Markus zitierte den Herrn, als er vom Weltenrichter sprach so: ... Und dann wird er die Engel senden und wird seine Auserwählten versammeln von den vier Winden, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.

 

Er wird die Engel senden! Das erinnert uns an die Geburt des Gottessohnes in der Welt, an die Hirten auf dem Felde bei Bethlehem. Mit Zittern und Zagen sahen die Ärmsten der Armen, denen immer das Wasser am Halse stand, das "Himmelsbeben", den "Weltenbrand" und das "Gericht" auf sich zukommen. Die Wogen der Angst schlugen über ihren Köpfen zusammen und nahmen ihnen fast den Atem. Sie fühlten sich allein und verloren ...

 

Aber sie erhoben die Häupter, sie hielten sich die Ohren nicht zu, und so drang ihnen die Gute Botschaft bis ins Herz: Fürchtet euch nicht. Sie durften Engel sehen, die sonst in Gottes Unsichtbarkeit sind - die aber in Erfüllung ihres Auftrags - für Menschen Gestalt annehmen: Fürchtet euch nicht.

Halten wir fest: Es gibt nicht nur die Botschaft des unaus-weichlichen Endes allen Lebens! Es gibt die Verheißung des neuen Lebens, des geretteten und erlösten Menschen! Und in diesem letzten Advent werden die Engel ausgesandt in alle Himmelsrichtungen, um die treu gebliebenen zu sammeln. Es gibt keine Entfernungen mehr, es gibt nur noch Gottes Nähe in seinem Sohn. Darum: Seht auf! All das Tosen und Vergehen darf euch nicht ängstigen oder gar verzweifeln lassen.

 

Liebe Gemeinde, 

uns wird auch dieses Jahr wieder verkündet, dass Gott in seinem Sohn hernieder kam und den Sund, die sonst unüber-windliche Kluft zwischen Himmel und Erde überwand. Der Gottessohn sucht in unserem Leben einen Platz, nur grade mal so groß wie eine Krippe, damit wir durch ihn ein Stück Himmel haben - nicht erst am Ende der Zeiten, sondern jetzt im Advent 2020 schon.

 

Wenn die Welt in unseren Tagen auch schlimm aussieht und wir uns als Einzelne machtlos fühlen: Wir haben als Christen den Stärksten in Rufweite, den, der Mensch wurde, um die Liebe des Vaters zu dieser Welt zu bezeugen. Wir müssen für alle, die ihn nicht wahrnehmen, die Frühwarner sein, nicht die ängstlichen Duckmäuser sondern die Auf-Seher! Wir müssen für die anderen mit glauben und mit beten! Und damit sind wir nicht auf verlorenem Posten. 

 

Denn unser Herr Jesus Christus hat bei seinem Abschied aus dem Sichtbaren versprochen: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende! Advent - unser Herr kommt!

Amen

 

Predigt

für den 1. Advent (29.11.20)

zu Sach 9,9-10

Online-Gottesdienst aus Steeg und Gottesdienst in Bacharach

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde! „Tochter Zion“ ist das am meisten gesungene Adventslied in unserer Gemeinde. Das Lied geht auf einen Bibeltext zurück, der heute als Predigttext vorgeschlagen ist. Ich lese aus Sach 9,9-10:

 

 

„Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.“

 

 

Liebe Gemeinde, Lieder, die man lange kennt, singt man oft einfach so mit, ohne groß drüber nachzudenken, was man da eigentlich singt. Mein kleiner Bruder lag mit vier Jahren abends im Bett und sang lauthals „Doktor Zion“ - weil er sich auf „Tochter Zion“ keinen Reim machen konnte. Stellt sich die Frage: Wer ist dies Lady, die da besungen wird? Zion ist der Tempelberg in Jerusalem. Und „Tochter Zion“ ist ein Synonym für Jerusalem und seine Einwohner. Aber - warum „Tochter“? In einer männerzentrierten Gesellschaft würde es naheliegen, dass man sich eher für den „Sohn“ entschieden hätte. Töchter gehörten zu den schwächsten Gliedern der Gesellschaft. Vielleicht gerade deshalb, liebe Gemeinde. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Mädchen und junge Frauen im Falle eines Krieges zum besonders gefährdeten Personenkreis gehörten und gehören. Die technischen Waffen haben sich im Laufe der Jahrtausende verändert - Vergewaltigung als Mittel der Kriegsführung gibt es so lange, wie es Kriege gibt.

 

Jerusalem ist im Laufe seiner Geschichte immer wieder Opfer kriegerischer Gewalt geworden. Immer wieder wurde die Zionsstadt zur Zielscheibe der Großmächte, wurde mehrfach erobert, oft für lange Zeit besetzt und zweimal komplett zerstört. Die Menschen in Israel haben sich einfach nur nach Frieden gesehnt, nach Sicherheit und Ruhe, nach Unversehrtheit. In diese Sehnsucht hinein verkündet Gott die Ankunft eines neuen Königs. Die Tochter Zion soll sich freuen über einen Herrscher, der seine Macht nicht missbraucht. Der keine Willkür mit ihr treibt, bei dem Frauen und Mädchen nicht willkommene Beute am Rande des Feldzugs sind. Der Friedenskönig reitet auf einem Esel. Er kommt nicht hoch zu Ross daher, wie es sonst der Mächtigen Art ist. Auf dem Lasttier der kleinen Leute kommt er angetrappelt. (Das ist ungefähr so, wie wenn die Bundeskanzlerin in einem Opel Corsa vorfahren würde.) Er ist arm, heißt es weiter, hat keine Lobby hinter sich, die ihn mit Geld ausstaffiert; ist keiner von der Sorte, die ihr sechsstelliges Gehalt als „gehobenes mittleres Einkommen“ bezeichnen. Als ein „Gerechter und ein Helfer“ wird er im Predigttext bezeichnet. Also jemand, dem es um gleiche Lebenschancen für alle Menschen geht und dem das Schicksal der ihm Anvertrauten nicht knapp sonst wo vorbeigeht.

 

Was hier nicht angekündigt ist, was aber später oft in diese Messiaserwartung hineingelesen wurde, ist ein König, der mit Waffengewalt die Fremdherrscher aus dem Land jagt und nationale Interessen an die Spitze seiner Agenda setzt. Kein „starker Mann“ vom Typ „America first!“ Gott sei Dank hat sich das ja jetzt erstmal erledigt, liebe Gemeinde. Aber es gibt ja noch mehr Machthaber von diesem Kaliber und Länder, in denen die Mehrheit der Wahlberechtigten abfährt auf solche Typen, die mit markigen Sprüchen, Fakenews, trampeligem Auftreten und populistischen Entscheidungen Politik machen.

 

Der in Sach 9 angekündigte Friedenskönig ist der komplette Gegenentwurf dazu. Demütig statt arrogant. Einfühlsam statt ignorant. Vertreter der Wahrheit statt Verbreiter „alternativer Fakten“. „Ich will die Waffen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden“, sagt Gott durch den Propheten. Das heißt, der von Ihm gesandte Herrscher steht für totale Abrüstung. Das Aus für den Krieg. Keine gute Partie für die, die mit Waffenverkäufen ihre Geschäfte machen. „Er wird Frieden gebieten den Völkern“ und die Weltherrschaft einnehmen.

 

Ist er gekommen, dieser Friedenskönig, liebe Gemeinde? Das ist jetzt eine spannende Frage für uns Christen. Denn von Anfang an wurde in der christlichen Kirche diese Messiasverheißung aus Sacharja 9 auf Jesus gedeutet. Ja, da kam einer auf einem Esel geritten. Wir haben es im Evangelium gehört. Besonders reich war er nicht, der Sohn von Zimmermanns Jupp aus Nazareth. Er hat die Gerechtigkeit Gottes verkündigt und gelebt, hat von Gott erzählt wie von einem Vater, der seinen verlorenen Sohn ohne Wenn und Aber wieder aufnimmt, wie von einem Weinbergsbesitzer, der Tagelöhnern, die nur eine Stunde in seinem Weinberg gearbeitet haben, vollen Lohn zahlt, damit deren Kinder nicht hungrig ins Bett gehen mussten. Ja, da kam einer, der hat den Menschen geholfen. Hat Blinden die Augen geöffnet, Verstummten die Zunge gelöst, Tauben Gehör geschenkt und denen, die am Boden lagen, auf die Beine geholfen. Gewaltlos war er auch. Als Ihn bei Seiner Verhaftung einer Seiner Freunde mit dem Schwert verteidigen will, sagt Er: „Ey, Petrus, tu das Ding weg! Das ist nicht meine Art Konflikte zu lösen.“ Aber totale Abrüstung und Weltherrschaft stehen wohl noch aus.

 

Die Verheißung aus Sacharja 9 ist nur teilweise eingelöst. Es ist ein adventlicher Text, weil Er in der Spannung steht zwischen „Schon jetzt“ und „Noch nicht“. Schon jetzt ist Jesus der Herr der Welt, weil Er den ärgsten Feind der Menschen besiegt hat: den Tod. Aber Seine Herrschaft ist noch nicht sichtbar. Natürlich kann man fragen, ob die Messiasverheißung aus Sacharja 9 überhaupt geschichtlich-politisch zu verstehen ist oder ob Jesus als Erfüller dieser Verheißung nicht einfach nur der „König unserer Herzen“ ist. Für mich nimmt das dem Text seine Spitze und Jesus das Anliegen Seiner Sendung. Der Glaube an den Messias ist zutiefst politisch, liebe Gemeinde. Er bleibt eine Herausforderung und eine Anfrage an unsere Einstellungen, unser Handeln und unser Verhalten.

 

Wer „Tochter Zion“ singt, kann nicht mit den Wölfen heulen. Er kann Frauen und Mädchen - überhaupt andere Menschen - nicht als Objekte zur Erfüllung seiner sexuellen Gelüste missbrauchen. Wer „Tochter Zion“ singt, kann nicht seinen Judenhass pflegen, weil der Friedefürst, den wir da besingen, aus diesem Volk stammt und uns an es bindet. Wer „Tochter Zion“ singt, kann nicht guten Gewissens einer verbalen oder militärischen Aufrüstung das Wort reden. Er wird am unerlösten Zustand dieser Welt und an ihrem Widerspruch gegen die Werte des Evangeliums leiden. Aber - wer „Tochter Zion“ singt, wird nie die Hoffnung aufgeben, sondern wird sich in seinem eigenen Denken und Handeln leiten lassen von dem Wort und dem Geist dessen, der da kommt in dem Namen des Herrn. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

Predigttext 29.11.2020
für Sie zum Download!
Online-Gottesdienst 2020-11-29.pdf
PDF-Dokument [14.8 KB]

Predigt

für den Ewigkeitssonntag (22.11.20)

zu Mk 9,24

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Moritz in Oberdiebach.

 

 

 

Liebe Gemeinde! „Ich würde das ja gerne glauben mit der Auferstehung und so, aber…“

 

Kommt Ihnen dieser Gedanke bekannt vor? Oft sind die Zweifel größer. Dabei wäre es so schön, in der Überzeugung zu leben, dass die Toten nicht einfach weg sind. Dass von ihnen mehr bleibt als ein paar Säcke voll Kleidung und die Erinnerungen derer, die sie kannten. Dass wir sie wiedersehen - bei Gott. Was kann man gegen den Zweifel tun? Gibt es ein Antimittel gegen die Skepsis?

 

Ja, liebe Gemeinde, das gibt es tatsächlich. Beten. Kontakt aufnehmen mit dem, bei dem unsere Verstorbenen jetzt sind. Zum Beispiel mit den Worten der Jahreslosung, die da lautet:

 

 

„Ich glaube;

hilf meinem Unglauben!“

Mk 9,24

 

 

Zweifel und Skepsis gehören dazu beim Glauben. Aber Jesus bietet uns an, sich mit der Seite in uns, die glauben will, zu verbünden gegen die andere Seite, die sagt: „Vergiss es! Das kann doch alles gar nicht sein!“ Dazu braucht es aber den Kontakt mit Ihm. Man kommt dem Zweifel, dem Unglauben selten durch Argumente bei. Glaube ist kein kognitiver Akt, nichts, das man durch angestrengtes Denken produzieren könnte. Glaube ist eine Beziehungssache. Und Beziehungen wollen geknüpft und gepflegt werden.

 

„Glauben“ heißt für die meisten Menschen einfach nur, etwas für wahr halten. Aber das reicht nicht. Ich kann etwas für wahr halten, ohne dass das irgendeine Relevanz für mein Leben hat. Das Wort Pistis, das in unseren deutschen Bibelausgaben mit „Glauben“ übersetzt wird, heißt eigentlich „Vertrauen“. Darum geht es.

 

Gott lässt sich nicht von der Zuschauertribüne aus aus sicherer Entfernung beobachten. So nach dem Motto: „Ich schau mir erstmal an, was der da abliefert, und dann überlege ich mir, ob ich an Ihn glaube.“ Man muss sich schon selbst auf das Spielfeld des Lebens begeben, um Gott zu begegnen. Glaube ist etwas, auf das man sich einlassen muss.

 

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“, hieß es eben in der Lesung aus dem Hebräerbrief. Im Grunde ist es das, liebe Gemeinde: Einfach mal davon ausgehen, dass es Gott gibt und dass Er mehr drauf hat als das, was wir sehen, verstehen und beweisen können.

 

Den Gedanken wagen, dass unser Leben kein sinnfreier Dauerlauf zwischen Kreißsaal und Friedhofskapelle ist, sondern auf ein Ziel zuläuft, das unsere Vorstellungskraft und unseren Erfahrungshorizont und sprengt. Und in dieser Haltung den Kontakt suchen. Zu Gott. Beten. Dran bleiben. Auch dann, wenn es uns schwer fällt. Wenn wir enttäuscht sind oder verzweifelt, wenn wir Gott nicht verstehen oder Er uns fern scheint und der Zweifel an uns nagt. Dann können wir mit Ps 73 beten: „Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“

 

Dennoch an Gott dranbleiben. Man kann Ihm zum Beispiel sagen: „Herr, sieh das, was bei mir an Glauben da ist. Sieh, meinen Wunsch glauben zu können. Sieh auch das, was dem entgegensteht, die Kräfte in mir, die in die andere Richtung ziehen, und hilf mir, sie zu überwinden. Hilf mir, mich auf Dich zu focussieren, damit ich das glauben kann: Dass Du stärker bist als der Tod, dass das stimmt mit der Auferstehung und dem ewigen Leben. Auch für die Menschen, die der Tod mir genommen hat. Herr, das möchte ich glauben - ohne dieses zerstörerische Aber.“

 

Probieren Sie es aus, liebe Gemeinde. Der Kontakt zu Gott stärkt den Glauben und schwächt das Aber. Selbst wenn die meist gesprochenen Worte dabei wären: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Amen.

 

 

Predigttext 22.11.20
Ewigkeitssonntag
Online-Gottesdienst 2020-11-22 Predigtma[...]
PDF-Dokument [10.8 KB]

Predigt am 15.11.2020 (Volkstrauertag) in Manubach

ü/ Römer 8, 18-25

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

der November mit seinen oft so trüben Tagen nimmt uns wieder gefangen. Dazu kommen die vielen Feiertage mit einem doch oft schwermütigem Hintergrund.

Allerheiligen und Allerseelen bei den Katholiken, Buß- und Bettag und Ewigkeits-Sonntag bei uns. Und heute der Volkstrauertag. Alles Tage, die uns sehr nachdenklich stimmen. In keinem anderen Monat des Jahres kommt uns unsere menschliche Vergänglichkeit so nahe wie im November. Wir denken nach über letzte Dinge. Auch über unser eigenes Leben und unseren Tod.

Jetzt im zu Ende gehenden Herbst sieht man, dass nicht nur der Mensch vergänglich ist, die Natur ist es auch.

Der Predigttext aus dem Römerbrief nimmt diese Gedanken auf. Ich lese aus dem 8. Kapitel die Verse 18-25:

Der Apostel Paulus schreibt: Ich bin überzeugt, die künftige Herrlichkeit, die Gott für uns bereithält, ist so groß, dass alles, was wir jetzt leiden müssen, in gar keinem Verhältnis dazu steht. Alle Geschöpfe warten sehnsüchtig darauf, dass Gott seine Kinder vor aller Welt mit dieser Herrlichkeit ausstattet. Er hat ja die ganze Schöpfung der Vergänglichkeit preisgegeben, nicht weil sie selbst schuldig geworden war, sondern weil er sie in das Strafgericht über den Menschen miteinbezogen hat.

Er hat aber seinen Geschöpfen die Hoffnung gegeben, dass sie eines Tages vom Fluch der Vergänglichkeit erlöst werden. Sie sollen dann nicht mehr Sklaven des Todes sein, sondern am befreiten Leben der Kinder Gottes teilhaben.

Wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis jetzt noch vor Schmerzen stöhnt wie eine Frau bei der Geburt. Aber auch wir, denen Gott doch schon als Anfang des neuen Lebens –gleichsam als Anzahlung- seinen Geist geschenkt hat, warten sehnsüchtig darauf, dass Gott uns als seine Kinder bei sich aufnimmt und uns vom Fluch der Vergänglichkeit befreit.

In der Hoffnung ist unsere Hoffnung schon vollendet –aber nur in der Hoffnung.

Wenn wir schon hätten, worauf wir warten, brauchten wir nicht mehr zu hoffen. Wer hofft denn schon auf etwas, das schon da ist? Also hoffen wir auf das, was wir noch nicht sehen, und warten geduldig darauf. -.-.-.-.

Liebe Gemeinde,

dieser Text ist überschrieben mit den Worten: Die große Hoffnung! Und damit hat man den Kern der Botschaft voll und ganz erfasst. Ja, es ist die Hoffnung der Menschen, die Jesus Christus von Herzen nachfolgen und seinen Worten Vertrauen schenken.

Ja, die Not auf unserer Erde wird immer größer, da muss man nicht schwarz malen. Allein die schon seit Monaten anhaltende Corona-Pandemie. Dazu an vielen Stellen der Erde Kriege, Hungersnöte, Naturkatastrophen, Klimawandel, Flüchtlingselend, nicht zu vergessen die vielen terroristischen Anschläge, auch in Europa und selbst in unserem Land. Man sollte meinen, nach dem 1 und erst recht nach dem 2. Weltkrieg wären die Menschen schlauer geworden. Aber weit gefehlt .Mord und Totschlag gehen unvermindert weiter. Nichts haben wir dazu gelernt. Viele Menschen, besonders auch in unserem Land, sind heute wesentlich gebildeter als noch vor 50/60 Jahren. Aber wird das Leben heute deswegen besser gemeistert als früher? Hat unser Wohlstand doch keine größere Zufriedenheit gebracht?

Wenn dieser Zustand, liebe Gemeinde, unsere kaputte Welt, die ich gerade beschrieben habe, endgültig wäre, wenn das alles wäre, dann hätte ich keinen Grund von Hoffnung zu sprechen. Dann würde ich nicht hier stehen. Wenn Leid, Krankheit, Schmerzen und Tod, Krieg und Terror, ja, wenn die Vergänglichkeit das letzte Wort hätten, dann bräuchten wir uns heute hier nicht zu treffen. Dann hätte der Glaube keine Bedeutung.

Gewiss, wir Menschen sind selbst unvollständig, wir sind gefallene Kinder der Schöpfung, die Gott einmal so herrlich hervorgebracht hat. Ja, oft leiden wir selbst an unserer Unvollkommenheit. Unser Leben ist vollgestopft mit Verpflichtungen und Vorgaben, und wenn wir noch so alt werden, finden wir unsere Lebenszeit oft als zu kurz. Von dem, was wir alles leisten oder verwirklichen wollten, bleibt vieles unerledigt oder nur Stückwerk.

So ergeht es auch der Natur. Auch sie ist unerlöst und vergänglich. Dieses Schauspiel können wir jedes Jahr erleben. Jetzt im Spätherbst wird alles kahler und die Natur immer öder; man denkt, die Natur stirbt. Aber im Frühjahr kommt neues Leben in Form von Blüten und Blättern. Der Kreislauf beginnt von vorne, Jahr um Jahr. Aber auch in der Natur ist vieles ins Wanken gekommen. Oft auch deswegen, weil wir Menschen mehr als notwendig eingegriffen haben. Aber auch hier, wie bei uns Menschen, soll nicht alles so bleiben wie es ist.

Angesichts dieser Unzulänglichkeiten resignieren viele Menschen und sagen: „Damit muss man sich halt abfinden, da kann man sowieso nichts machen.“ Heute will man leben. Die Menschen wollen auf ihre Kosten kommen, das Leben muss ausgekostet werden bis zum letzten Atemzug, denken viele. Abwechslung ist angesagt. Die Wertvorstellungen für unser Leben sind total durcheinander geraten.

Und die Frage nach Gott? Was willst Du Gott, das ich tue? Welchen Weg, Herr, möchtest du mich führen? Wo werden diese Fragen noch gestellt? Und die Verkündigung des Evangeliums, der froh en Botschaft, wo wird sie gehört, erlebt und erfahren? Der christliche Glaube gehört in unserer westlichen Welt zunehmend der Vergangenheit an. Beliebige exotische Glaubenslehren und Zaubereien faszinieren heute mehr.

Der Physiker und Atomforscher Werner Heisenbeck sagte schon vor ca. 65 Jahren: „Die Welt von heute gleicht einem wunderbaren Ozeandampfer. Die kompliziertesten Maschinen funktionieren gut, die Passagiere tanzen zur Bordmusik. In den Küchen wird ausgezeichnet gebraten und gekocht, alle sind vergnügt. Das Ganze ist großartig. Nur der Anker fehlt und der Kompass geht nicht. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann das Schiff an einem Eisberg zerschellen wird.

Liebe Gemeinde, umso erstaunlicher ist es, dass Gott sich nicht von uns Menschen abwendet. Er hat uns in seinem Wort versprochen, dass er einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird. Und Gott hält sein Wort. Auch dann, wenn wir Menschen ihn immer wieder enttäuschen.

Wir wissen doch, dass dieses unser Leben nur vorläufig ist, und das alles, auch das Schwere im Leben, das, was wir nicht verstehen, nicht das Letzte ist. Auch die Corona-Krise ist nicht das Ende. Es fällt uns nur so schwer, es auch von Herzen zu glauben. Gott der Herr ist und bleibt der Schöpfer der Welt und auch unseres kleinen menschlichen Lebens. Denken Sie, ihm wäre unsere Unvollkommenheit und unsere Sehnsucht nach erlöst sein von allem Schweren und Leidvollen, unbekannt?

Gott hat uns doch nicht mit unserem Schicksal, und wenn es noch so schwer ist, allein gelassen. Er hat uns doch Jesus Christus geschickt. Wir dürfen nicht meinen, Jesus, das ist schon lange her. Sein Kommen in unsere Welt hat auch heute noch Auswirkungen auf unser Leben. Wir müssen es nur wollen und zulassen. Durch Jesus werden wir mit Hoffnung und Zuversicht ausgestattet. Er, Jesus Christus ist unser Retter und Erlöser. Das, liebe Gemeinde, gilt heute noch genau so, wie vor rund 2000 Jahren. Auch, wenn die meisten Menschen hierzulande darüber lächeln. Denn Gottes Wort unterliegt keinem Verfallsdatum.

Wir müssen uns nicht mit allem abgeben, was in unserem Leben und unserer Welt passiert. Aber, das, was wir nicht zu ändern vermögen, daran müssen wir nicht verzweifeln. Und alles verstehen müssen und können wir auch nicht. Und das brauchen wir auch nicht.

Wir dürfen aber in unserer Unvollkommenheit und Vorläufigkeit trotzdem froh und dankbar unseren Weg gehen. Denn wir wissen, wer mit uns geht und wo wir hingehen. Lassen sie andere Menschen an unserer Hoffnung teilhaben. Und wenn wir gefragt werden, wie es denn einmal ist, nach unserem Tode, sollten wir mit unserer Hoffnung nicht hinter dem Berg halten. Wie das genau sein wird weiß ich nicht, das ist auch nicht so wichtig.

Ich weiß und glaube dass sich unsere Hoffnung erfüllt und weiß wer mich erwartet. Und das ist die Hauptsache! Darauf kommt es an. Mehr braucht es nicht für ein hoffnungsvolles Leben.

Ein kleines Beispiel: Sicherlich sind einige Menschen von Ihnen schon einmal in einem fremden Land gewesen. Dort, wo sie Niemanden kennen. Dann kommt ein banges Gefühl auf, denn die Sprache kennen sie auch nicht. Wie sollen sie einkaufen, wo wohnen, alles ist so ganz anders, als bisher gewöhnt. Da kommt Angst auf.

Aber sie haben dort einen Freund, den sie sehr gut kennen. Und der wird sie am Flughafen abholen und ihnen alles erklären. Durch diesen einen, mir vertrauten Menschen, ist mir das fremde Land nicht mehr fremd. Die Angst fällt von uns ab.

Auch die zukünftige Welt Gottes ist uns fremd und lässt eventuell Zweifel aufkommen. Was erwartet mich? Wie wird das alles sein?

Aber wenn wir dort einen Freund haben, einen dem wir hier in unserem Leben schon Vertrauen geschenkt haben, unseren Herrn Jesus Christus, den wir kennen und der uns kennt, dann wird uns diese neue Welt nicht fremd sein.

Diese neue Welt Gottes, das ist unsere große Hoffnung, unsere wirklich neue und ewige Heimat, in der wir einst in der Geborgenheit und im Frieden Jesu Christi leben dürfen.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

Predigttext 15.11.2020
für Sie
Predigt am 15.11.2020.pdf
PDF-Dokument [81.1 KB]

Predigt/ 1. Thessalonischer 5, 1-11

Steeg, 8.11.2020

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

die Predigttexte für die letzten Sonntage im Kirchenjahr sind keine leichte Kost. Hier geht es um das Ende der Welt, das Kommen Jesu zum jüngsten Gericht und letztendlich um unsere Verantwortung vor dem Richterstuhl Christi. Alles Themen, denen wir, wenn wir ehrlich sind, gerne aus dem Weg gehen. Nicht nur wir, auch unsere offizielle Kirche. Denn es wird lieber Gottes Güte und Gnade, seine Liebe und Barmherzigkeit verkündigt, als über letzte Dinge gesprochen.

Diesen Themenbereich besetzen überwiegend die Zeugen Jehovas. Sie berechnen oft alles genau auf Zeit und Stunde, was wir Menschen weder sollen noch können. Aber sie lassen sich von den Endzeitthemen unter keinen Umständen abbringen.

So wie unser Leben endlich ist, ist auch unsere Erde endlich. Es heißt doch in der Bibel: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine -als Jesu Worte- nicht. Wir Menschen denken gerne, es geht immer so weiter. Am liebsten immer besser, immer schneller, immer weiter, immer höher.

Aber bereits seit März dieses Jahres werden wir gelehrt, wir haben bei aller Raffinesse und bei aller Klugheit unser Leben letztendlich nicht selbst in der Hand. Seit Corona haben doch viele Menschen wieder einen ernsteren Blick für viele Dinge, besonders auch das eigene Leben. Derzeit ist vieles ganz anders, als wir es bisher gewohnt waren. Und wenn man den Virologen Glauben schenkt, müssen wir uns wohl oder übel noch über einen längeren Zeitraum darauf einstellen.

Und in diese Ernsthaftigkeit komme ich heute mit dem eben gehörten Predigttext aus dem Thessalonicher Brief. Dieser Textabschnitt ist überschrieben mit den Worten: Jederzeit bereit sein!

Es geht also in unserem Predigttext um die Wiederkunft Jesu. Es heißt: Über den Zeitpunkt, wann das geschehen wird, brauchen wir euch nichts zu schreiben. Denn ihr wisst, dass der Tag des Herrn kommen wird, wie ein Dieb in der Nacht.

Alles berechnen und kalkulieren, auch das der Zeugen Jehovas, ist zum Scheitern verurteilt. Wir sollen aber auch nicht denken, das alles ist noch in weiter Ferne. Es heißt, wir sollen bereit sein. Das bedeutet, wer in seinem Leben mit Jesus Christus unterwegs ist, wer seine Liebe lebt und dankbar weitergibt, der ist bereit. Wenn er unser guter Hirte ist, nicht nur die eine Stunde im Gottesdienst am Sonntagmorgen, sondern auch im Alltag unseres Lebens, dann können wir diesem letzten Tag getrost entgegengehen.

Die Bibel beschreibt uns, wie es sein wird in den letzten Tagen, also in der letzten Zeit. Kriege hin und her, Naturkatastrophen, dass die Liebe in vielen Menschen erkalten wird, dass der Unglaube überhand nehmen wird. Das sind in der Tat Merkmale, die wir heute schon sehr ausgeprägt sehen. Unter Berücksichtigung all dieser Punkte könnte man zu der Überzeugung kommen, das Ende ist bald da.

Auf der anderen Seite sind wir durch die Medien heute auch genauestens über alles informiert, was weltweit vor sich geht und was alles passiert. Vor 100 Jahren wussten die Menschen oft nicht, was nur ein paar Dörfer von ihnen entfernt passiert ist. Deswegen weiß ich nicht, ob heute alles schlechter ist, wie es früher war.

Liebe Gemeinde, verstehen sie mich bitte nicht falsch. Ich möchte sie nicht beeinflussen, so nach dem Motto: Alles halb so schlimm. Es gilt nach wie vor die Überschrift unseres Predigttextes: Jederzeit bereit sind!

Was mich persönlich sehr entmutigt, ja sehr traurig macht, ist die Tatsache, dass die große Mehrheit auch der getauften Menschen in der westlichen Welt, also auch gerade hier bei uns, mit dem Ende der Welt oder der Wiederkunft Jesu herzlich wenig anfangen können. Solche Aussagen werden nicht für voll genommen, man lacht darüber oder es ist einem völlig gleichgültig. Das kann einem aber dann auch zum Verhängnis werden.

Wir planen schon einige Urlaube voraus- jetzt bei Corona aber fast unmöglich-.Wir legen schon fest, wie einmal unser Grabstein aussehen soll. Dabei ist der Grabstein kein Schlussstein. Alles Mögliche und unmögliche wird geplant. Wir richten uns ein, als ob wir ewig leben würden. Aber Alter, Krankheiten und die Konsequenzen daraus, ein mögliches Testament, Patientenverfügung werden verdrängt, in der Hoffnung, es geht alles noch recht lange so weiter wie bisher.

Wenn uns vor einem Jahr jemand gesagt hätte, was in 2020 mit Corona auf uns zukommt, hätten wir ihn für verrückt erklärt. Weil diese Situation, wie wir sie derzeit haben, hat noch niemand unter uns so oder auch nur so ähnlich erlebt.

Gott will uns doch mit den sogenannten Endzeitthemen keine Angst einjagen, er will doch letztendlich unser aller Heil. Er, Jesus, der gute Hirte, wird uns am letzten aller Tage zur Seite stehen, wie er das unser ganzes Leben lang tut.

Er ist unser rettender Anker, ihn zu ergreifen, ist das Gebot der Stunde. Es schadet nicht, wenn wir uns ab und zu mit Themen befassen, wo es ums Ganze geht. Wo es auch darum geht, wie wir die Wiederkunft Jesu erwarten. Mit Angst und Sorgen oder mit Hoffnung und Freude. Aber gerade das ist ja der Haken. Um durch Jesus gerettet zu werden muss ich wissen, dass ich ohne ihn verloren bin. Wenn ich davon ausgehe, ich komme alleine klar, dann stehe ich auch einmal alleine vor Gott –ohne Jesus, der für mich in die Bresche springt.

Warum fällt es uns Menschen oft so schwer, Jesu Rettungstat anzunehmen. Er hat doch unsere Schuld am Kreuz bezahlt. Schämen wir uns, seine Hilfe zu beanspruchen? Mir haben schon Menschen gesagt, ich habe in meinem Leben keine großen Fehler gemacht, ich habe Niemanden umgebracht, niemanden bewusst betrogen, immer gearbeitet. Ich kann getrost vor Gott treten. Bei mir ist alles in Ordnung.

Im Johannes Evangelium heißt es aber von Jesus: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Auch wenn wir vermeintlich noch so gut und gerecht leben, bleiben wir doch immer fehlerhafte Menschen. Ohne Jesus sind wir verloren. Wir können uns nicht an ihm vorbei mogeln. Diese Erkenntnis fällt den heutigen modernen Menschen sehr schwer. Man will nicht als sündiger Mensch dastehen, der Hilfe benötigt. Diese Haltung ist falscher Stolz. Für wen und was ist denn Jesus am Kreuz gestorben? Doch für dich und mich, deine und meine Schuld. Doch nur darum, um uns Menschen für Zeit und Ewigkeit zu retten. Wenn wir mit dankbarem Herzen Jesu Angebot annehmen, dann sind wir für seine Wiederkunft bereit.

Es geht nicht um das genaue Wissen der Zeit, wann genau das Ende kommt, sondern die stete Bereitschaft wird von uns gefordert. Wenn wir in dieser Bereitschaft leben, nehmen wir vieles in unserem Leben geduldiger hin. Weil wir wissen, dieses Leben ist nicht alles, was Gott für uns bestimmt hat. Ich muss nicht unbedingt alles bis zum Letzten auskosten.

Mit den sogenannten letzten Dingen soll uns doch keine Angst gemacht werden. Wir sollen doch nicht unter den Zeichen der Zeit, der Vergänglichkeit der Welt und unseres eigenen Lebens leiden oder gar verzweifeln. Es heißt doch bei Lukas, wenn ihr alle die Zeichen seht, die dem Ende der Welt vorausgehen, dann erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Unsere Erlösung, liebe Gemeinde, nicht unsere Vernichtung.

Die Christen werden als Kinder des Lichts bezeichnet. Wir sollen nicht schlafen, sondern wachen. Will heißen: Achtet die Zeichen der Zeit, nehmt Jesus Christus als euren Retter an und lebt so, dass ihr bereit seid, ihn, egal wann er kommt, zu empfangen. In den letzten Versen unseres Predigttextes heißt es: Gott hat uns nicht dazu bestimmt, dass wir seinem Strafgericht verfallen, sondern dass wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, gerettet werden.

Christus ist für uns gestorben, damit wir zusammen mit ihm das Leben erlangen. Das gilt in jedem Fall, ob wir noch leben, wenn er kommt, oder ob wir schon vorher gestorben sind. Das sind Mut machende Worte, liebe Gemeinde.

Mit der Weltvollendung und der Wiederkunft Jesu geht die Sehnsucht der Menschheit endlich in Erfüllung. Gott selbst wird diesen Termin festsetzen. Dann wird das Wort aus dem Philipperbrief in Erfüllung gehen: Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, das Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters. Das ist die Zukunft, der wir entgegengehen dürfen. Das ist die Hoffnung, von der wir heute schon leben dürfen. Und das ist die Gewissheit, einmal Bürger in der Neuen Welt Gottes sein zu dürfen.

Mit diesen hoffnungsvollen Worten können wir dem kommenden Herrn getrost entgegengehen. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

Predigttext 8. November 2020
zum Download
Predigt für den 8.11.2020.pdf
PDF-Dokument [74.2 KB]

Predigt

für das Reformationsfest (Sa. 31.10. / So. 01.11.20)

zu Mt 10,26-33

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst ist eine Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche St. Peter in Bacharach. Folgender Text aus Mt 10,26-33 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Jesus sagt: „Fürchtet euch nicht vor den Menschen. Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid kostbarer als viele Sperlinge. Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater im Himmel.

 

 

Liebe Gemeinde! Bismarck soll mal gesagt haben: „Wir Deutschen fürchten Gott - und sonst nichts auf der Welt.“ Ob das zu Bismarcks Zeiten (etwa vor 150 Jahren) gestimmt hat, kann ich nicht beurteilen. Heute hab’ ich allerdings eher den Eindruck, wir Deutschen fürchten inzwischen so ziemlich alles auf der Welt - außer Gott. Der große Angstmacher des Jahres 2020 hat uns in diesen Tagen wieder fest im Griff. Die einen fürchten das Virus selbst, die anderen seine gesellschaftlichen Auswirkungen. Im heutigen Predigttext geht es auch um Furcht. Allerdings ist der Schwerpunkt ein anderer. Es geht dort um eine Angst, die es schon vor Corona gab, die auch neben Corona her viele quält, und die es auch nach Corona noch geben wird: Die Angst vor anderen Menschen.

 

„Menschenfurcht und Gottesfurcht“ – so ist der Bibelabschnitt überschrieben, den wir im Evangelium gehört haben. Für viele ist die Angst vor den bösen Blicken, den spitzen Zungen und den bissigen Kommentaren anderer ein alltäglicher Begleiter. Sie trauen sich nicht, zu sagen, was sie denken, aus Angst anzuecken oder aufzufallen; haben Angst, sie selbst zu sein, weil man sich dann nicht mehr hinter anderen verstecken kann. Es gab und gibt aber immer wieder auch Menschen, die diese Furcht über Bord werfen. Einer davon ist Martin Luther. Wenn es in der Geschichte unserer Kirche nicht Menschen gegeben hätte, die wie er bereit waren mit Leib und Leben einzustehen für das, was sie glauben, dann gäbe es keine Kirche mehr. Luther ist aber nicht der einzige. Um das Jahr 100 herum gab es unter dem Kaiser Trajan eine der schlimmsten Christenverfolgungen im römischen Reich. Aus dieser Zeit ist ein Brief des Statthalters Plinius von Bithynien erhalten. Darin berichtet er dem Kaiser, wie er in seinem Zuständigkeitsbereich gegen die Christen vorging: Von anonymen Informanten erfuhr er, welche Leute Christen waren. Er ließ sie vorladen und bot ihnen an, sich von ihrem Glauben loszusagen. Sie sollten die römischen Götter anbeten, vor dem Standbild des Kaisers ein Opfer bringen und den Namen Jesu Christi verfluchen. Ratlos stellt Plinius in seinem Brief an den Chef fest: „Keiner von denen, die wirklich Christen sind, lässt sich zu diesen Handlungen zwingen, selbst dann nicht, wenn ihnen dafür der Tod droht.“ Was hat den Menschen damals diesen Mut, diese Freiheit gegeben? Bei Luther war das ähnlich: Er hatte ziemlich viel Kritisches über den Papst und die Kirche seiner Zeit geschrieben. Er wurde vorgeladen und sollte auf dem Reichstag zu Worms 1521 seine Schriften widerrufen. Stattdessen hat er da vor der versammelten Mannschaft aus Kaiser, Bischöfen und Fürsten gesagt: „Nein, das mache ich nicht!“ „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“ Wir zeigen uns in weniger dramatischen Situationen schon wesentlich flexibler: „Hier stehe ich ... zufällig ... gerade. Aber - ich kann auch anders!“ Vielleicht hatten Leute wie Luther oder die Märtyrer der frühen Kirche jene Worte Jesu aus unserem Predigttext im Ohr: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.“ Es geht um die Frage: „Wer oder was hat eigentlich das Recht, uns Angst zu machen?“ Und die Antwort, die Jesus da gibt, lässt sich denkbar kurz zusammenfassen: „Nichts und niemand!“ Denn: Nur Gott kann über den Menschen in seiner Ganzheit aus Leib und Seele verfügen. Das, was einen Menschen in seinem Kern ausmacht – seine Person, seine Würde als Ebenbild des lebendigen Gottes, kann keine Guillotine, kein Erschießungskommando und keine Gaskammer töten. Gott  hat den Menschen ins Dasein gerufen, und nur Er entscheidet, wann es mit einem Menschen zu Ende ist und was aus ihm wird, wenn seine irdische Daseinszeit vorbei ist. „Das gilt schon für die Spatzen“, sagt Jesus. Die kriegte man damals auf jedem Basar für ‘nen Appel und ‘n Ei hinterher geworfen. „Glaubt nicht, dass einer von denen tot zu Boden fällt, ohne dass Gott das mitkriegt. Um wie viel mehr wird Er wissen, wie es um euch steht! Es fällt euch kein Haar vom Kopf, ohne dass Gott das wüsste. Es geschieht nichts, was nicht sozusagen über Seinen Schreibtisch gegangen wäre.“

 

Das glaube ich auch jetzt, liebe Gemeinde, und denke dabei noch mal an die aktuelle Situation. Die Kraft dieser Worte liegt darin, dass Jesus kein romantisches Bild vom lieben Gott und einer heilen Welt malt, sondern ein ganz realistisches. Spatzen fallen tot zu Boden. Jünger Jesu werden verfolgt und getötet. Seuchen breiten sich aus und legen unsere hoch technisierte Welt lahm. Und Jesus behauptet nicht, dass das eine Lappalie sei. Was er aber behauptet, ist, dass Gott Gott ist. Und dass Er Glück und Unglück, Heil und Unheil in Seiner Hand hat. Jesus kann das sagen, weil Er es selbst erlebt hat – am eigenen Leib. Und durch Ihn, durch Seinen Weg durch Kreuz, Tod und Auferstehung bekommen diese Worte für uns ihren tröstenden Gehalt: Gott ist der Vater, der weiß, was mit Seinen Kindern los ist, der ihr Leben in Seiner Hand hält, und noch hinter dem Tod mit der Fülle des Lebens auf uns wartet. „Darum fürchtet euch nicht!“ sagt Jesus. „Euer Leben ist in guten Händen.“ Leuten wie Martin Luther und den Märtyrern der frühen Christenheit hat das die Freiheit gegeben, geradeheraus zu sagen, wer der Herr der Welt ist, auch wenn die jeweils aktuellen Herren das gar nicht gerne hörten. Gott braucht Menschen, die sagen, was zu sagen ist. Nicht bloß hinter vorgehaltener Hand, nicht nur im geschützten Rahmen, sondern offen heraus und laut in aller Öffentlichkeit. Wir brauchen, wenn wir das tun, nicht um unser Leben zu fürchten. Aber zu sagen gibt es trotzdem etwas. Denn dass Gott Gott ist, das bleibt auch und gerade in unserer Zeit eine Wahrheit, die ausgesprochen werden muss um all derer willen, die von irgendwelchen selbsternannten Mächten gebeugt und gepeinigt werden. Das kann Corona sein. Das kann eine Lehrerin sein oder ein Mitschüler. Das können die sein, die die aktuelle Situation ausnutzen, um mit hahnebüchenem Schwachsinn Angst zu schüren.

 

Das Bekenntnis zu Jesus macht ein Fragezeichen hinter jede Autorität und fragt, ob sie es wert sei, Angst vor ihr zu haben. Im Zweifelsfall lautet die Antwort: Nein, sie ist es nicht. Nichts und niemand hat das Recht, uns Angst zu machen. Furcht verdient letztlich nur einer: Gott. Allerdings nicht Furcht im Sinne von Angst und Panik, sondern im Sinne von Ehr-furcht, von einem Respekt, der sich bewusst ist, dass wir es mit dem Herrn über Leben und Tod zu tun haben. Furcht in diesem Sinne heißt darum immer zugleich auch Vertrauen. Sich völlig auszurichten auf den, der Seinen Kindern Vater sein will. Und der an Jesus gezeigt hat, was das heißt: Nämlich dass Er Zukunft gibt über den Tod hinaus.

 

Dass in unserem Land wieder etwas mehr Gottesfurcht in diesem Sinne sich ausbreiten und den vielen vielen Ängsten, die Menschen quälen, eine Grenze setzen möge, das wünsche ich uns. Amen.

 

 

 

Predigttext 01.11.2020
für Sie zum Download
Predigtmanuskript 2020-11-01.pdf
PDF-Dokument [91.9 KB]

Erntedank 25.10.2020

und

25-jähriges Ordinationsjubiläum Gerdi Eberhard

                                                                                                                             

Liebe Festgemeinde,

 

Erntedank! Wofür haben wir in diesem schwierigen Jahr zu danken? Besonders wohl dafür, dass wir und die Menschen, die uns lieb sind, vor dem Corona-Virus verschont blieben! Damit unsere Grund-Versorgung während der Ausgangsbeschränkung gesichert war, haben viele für uns den Kopf hingehalten: Beschäftigte in Großmärkten, Ärzte und medizinisches Personal, Polizei, Feuerwehr, Busse, Bahnen und viele andere mehr arbeiteten ununterbrochen. Das fordert Menschen gegenüber schon Dankbarkeit; die kann man zum Teil mit dem Geldbeutel beweisen. Doch über alle dem sollen wir Gott danken, aber womit? Da wird es schwierig mit dem Dank!

 

In einem Gedicht von Friedrich Hebbel (1837) mit dem Titel „Adams Opfer“, heißt es:

 

                        Die schönsten Früchte, frisch gepflückt,

                        trägt er zum grünen Festaltar,

                        und bringt, mit Blumen reich geschmückt,

                        ie fromm als Morgenopfer dar.

 

                        Erst blickt er froh, dann wird er still:

                        O Herr, wie arm erschein' ich mir!

                        Wenn ich den Dank dir bringen will,

                        so borge ich selbst den von dir!

 

Bei Adam war es nur das Dank-Opfer für den laufenden Tag.

.............................................................................................................................................

 

Wir haben aus dem Markus-Evangelium von der Speisung der 4000 mitten in der Wüste gehört. Wie viele sich wohl für dieses Wunder, die himmlische Mahlzeit mit Brot und Fisch bedankten? Haben sie sich an Gottes Bewahrung erinnert, als ihre Vorfahren aus Ägypten auszogen und Wachteln in der Wüste für sie „vom Himmel“ fielen und Manna von den Tamarisken-Büschen. Und sie wurden jetzt mit Brot und Fisch gespeist! Markus schreibt nichts von einem Loblied ...

 

Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten,

rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn

sie haben nun drei Tage bei mir ausgeharrt und haben nichts zu essen. Und

wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmach-

ten; denn einige sind von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm:

Wie kann sie jemand hier in der Wüste mit Brot sättigen? Und er fragte sie:

Wieviel Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich

auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie

und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie austeilten, und sie teilten sie unter

das Volk aus. Und sie hatten auch einige Fische, und er dankte und ließ auch

diese austeilen. Sie aßen aber und wurden satt und sammelten die übrigen

Brocken auf, sieben Körbe voll.                             Markus 8, 1-9            

 

***

 

Wir leben im Vergleich zu den Menschen um Jesus herum wie im Schlaraffenland. Vieles nehmen wir als selbstverständlich hin. Die Versorgung auf fast allen Gebieten des Lebens, im Vater unser das Tägliche Brot“ genannt, ist in unserem Land ziemlich gesichert (Luthers Erklärung zum Täglichen Brot bezieht sogar „gutes Regiment“ mit ein).  

 

Wir haben 2020 aber auch reichlich Grund zur Klage: Wir sorgen uns um die Einheit in Europa, den Frieden in der Welt, die Flüchtlings-Tragödien, die Corona-Pandemie, die drastischen Klima-Veränderungen, die sich hier in der gros-sen Trockenheit bemerkbar machen, anderswo in sintflutartigem Regen, der alles mitreißt. Aber wir haben für manch anderes zu danken als Adam!

 

2020 wird sicher als das „Corona-Jahr“ in die Geschichte eingehen. Unser Bundespräsident sagte: Der Corona-Tod ist ein einsamer Tod! Aber bei uns mussten keine Transporte zur Einäscherung von Corona-Toten durch die Bundeswehr übernommen werden. Keine Insel wurde zum Seuchen-Friedhof gemacht. Wir durften uns von unseren Toten unter Gottes Wort verabschieden, wenn auch im kleinen Kreis. Keiner von uns musste seiner alten Ehepartnerin vom Hof eines Pflegeheims aus mit Trompete o.ä. ein Lied spielen, weil der tägliche Besuch am Bett verboten war. Die Liste dessen, wovor wir verschont blieben, ist noch viel länger. Die Brand-Katastrophe im Flüchtlingslager Moria kann uns auch an unseren guten Lebensstandard erinnern, für den es zu danken gilt. Es muss noch lange gekämpft werden mit den Folgen der Pandemie: Auftragsrückgänge, Geschäftsschließungen, Verlust von Arbeitsplätzen und vielem, vielem mehr.

 

Doch auch Neues ist in der Corona-Zeit entstanden: Um einen Notbetrieb in Produktion und Handel in Gang zu halten, war Heim-Arbeit durch die Vernetzung am PC für viele Beru-fe möglich; Schulunterricht wurde digital erteilt. Durch das Internet können unsere Gottesdienste zu Hause mitgefeiert werden. Es haben mehr Menschen die homepage unserer Kirchengemeinde angeklickt, als normalerweise zum Gottesdienst kommen!

 

Bei der Gelegenheit möchte ich am Erntedank Herrn Pfarrer Harder, den kirchlichen Mitarbeitern, dem Presbyterium und all denen danken, die alles tun, um wieder zu einem geregelten Gemeindeleben für alle Altersgruppen zu kommen. Lieber Timm, gib meinen Dank bitte weiter.         

***

Danken, liebe Gemeinde, unterscheidet sich nur um einen Buchstaben vom Denken! Beide sind nur menschliche Eigenschaften. Ausgeglichene Ernährung und Bewegung ist wichtig für unseren Körper; denken und Gott danken ist notwendig für unsere Seele!

 

Die Lebens-Grundlagen stellt Gott uns auf der Erde zur Verfügung, gratis: Deshalb sollen wir der Erde Hüter sein und keine Ausbeuter. Dazu gehört, dass wir unsere Ansprüche auch mal bisschen runterschrauben nach dem Motto: Es muss nicht immer Kaviar sein! Landwirtschaftliche Produkte, mit Rücksicht auf Tier und Natur erzeugt, müssen ihren Preis haben, auch Waren aus armen Ländern. Letzteres zu akzeptieren ist Erntedank gegenüber Menschen. Aber wie danken wir Gott?

 

Unser Gott will keine Opfergaben: ER will unser Herz gewinnen! Im achtsamen Umgang mit allen Gottesgaben steckt schon der Dank an ihren Geber drin!

              

***

Ich selbst habe heute von ganzem Herzen dafür zu danken, dass ich schon 25 Jahre als Prädikantin über Berg und Tal unterwegs sein darf. Es macht mir immer Freude, mich in Gottes Wort reinzuknien, der Gemeinde die Bibeltexte nahe zu bringen und den Bezug zum Heute herzustellen. Das ist nicht immer leicht. Aber Prädikanten sind bevorzugt: Pfarrer müssen neben ihrem Amt die unsäglich vielen Verwaltungsaufgaben und Baumaßnahmen stemmen: Danke! Prädikanten haben dagegen das „Sahne-Häubchen“ - die Verkündigung.  

 

Es begann mit einem Anruf: Wenn Sie am Sonntag nicht nach Breitscheid gehen, dann muss der Gottesdienst dort ausfallen. Das konnte ich nicht verantworten. Ich ging.

 

Drei Goldene Worte, nämlich „Mit Gottes Hilfe“ und die Vorbereitungshefte zum Kindergottesdienst waren mein erstes Rüstzeug (danke allen KiGoMitstreitern)!

Es war kein Sprung ins eiskalte Wasser! Ich war von langer Hand darauf vorbereitet: Durch die Anna-Spatzen, den Singkreis! Im Singkreis habe ich Jahre früher schon gelernt, vor der Gemeinde den Mund aufzumachen! Wie oft haben mir die Anna-Spatzen seitdem in Gottesdiensten den Rücken gestärkt! Dass uns zur Zeit das Singen untersagt ist, fällt mir schwer, aber Anna-Spatzen horchen in sich hinein und da klingt es ja immer! Danke, liebe Sangesschwestern!

 

Dass unsere jeweiligen Pfarrer mir Predigt-Vertretung zutrauten, der freundliche Willkommensgruß der Küster in jeder Kirche, die Begleitung durch unsere Organisten, Lektoren und die feiernde Gemeinde, alles verdient meinen Dank.  

 

Aber etwas war und ist unbedingt notwendig – der Segen! Im Neukirchener Kalender stand kürzlich: Ein alter Mann ist vollkommen taub, geht aber jeden Sonntag zum Gottesdienst. Als ihn jemand fragt, warum er das tut, obwohl er kein Wort versteht, antwortet er gestikulierend: „Der Segen!“ Der Segen wurde mir bei der Ordination spürbar zugesprochen  und in jedem Gottesdienst wieder – zum Weitergeben. Das ist himmlischer Treibstoff, Wasser oder Wind auf die Mühle.

 

Segen hilft durchzuhalten, wenn ein Bibeltext Sieben Siegel hat, nur schwer zu öffnen, aber auch bei ganz banalen Dingen wie Heizungsausfall, als die Temperatur hier drinnen grade noch 3 Grad plus betrug: Der Gottesdienst sollte nicht ausfallen: Wir sangen je Lied nur eine Strophe, es wurde schneller gepredigt. Und niemand ging weg. Ein Segen. Aber der kürzeste Gottesdienst bisher bestand aus nur 12 Namen! Beim Augenarzt saß voriges Jahr eine Mutter mit Kind neben mir, ein Formular in der Hand. Sie schien nervös. Plötzlich fragte sie: Kennen Sie einen Sohn von Jakob? Ja: Ruben. Und die anderen: Levi, Simeon, Juda, Dan, Sebulon, Issachar, Gad, Naftali, Asser, die Söhne der Lea, Josef und Benjamin die Söhne von Rahel. Die Mutter konnte ihr Formular (Kommunion-Vorbereitung) ausfüllen und ihr Kind freute sich. Die Frage war abgehakt. Hoffentlich zum Segen!

 

Aber eine sehr ernste Frage aus den Prädikanten-Kursen begleitet mich seit 25 Jahren: Wann wusste Jesus, dass er Gottes Sohn ist? Damit kommen wir zurück zum Speisungs-wunder aus dem Markus-Evangelium. Markus beantwortet nicht das „Wann“, aber wie sich Jesu Wissen um seine Gottessohnschaft zeigte:

 

Jesus zieht Brot und Fisch nicht wie ein Magier aus dem „Ärmel“! Umringt von hungrigen 4000 dankt unser Herr dem Geber aller Gaben, er hält IHM das Wenige hin! Und Gott hat dem Sohn auf Vater-Weise geantwortet, ihn den Menschen gegenüber damals bestätigt und uns heute wie-der. Jesus hat ja nicht nur den 4000 das Leben über den Tag hinaus gerettet! Er gab sich selber, um der Menschheit das Ewige Leben zu erringen!

 

Wie danken wir?

Unser Gott will keine Opfergaben: ER will unser Herz gewinnen zum Mittun! ER beschenkt uns ja mit viel mehr als irdischen Gaben! Daran sollten wir uns nicht nur am Erntedank erinnern: Sein Christus hat die seit Adam gerissene Verbindung zum Vater wieder hergestellt. Und wäre Adam unser Dorf- und Zeitgenosse, könnte sein Gebet zum Erntedank so lauten:   

                                 

                     Danke, HERR, für alle Gaben,

     die du mir bereitgestellt:

     Deine Erde darf ich haben, 

     Licht, Luft, Wasser, Himmelszelt.

 

     Dank für Menschen, die ich liebe,

     für Dein Nahesein, Dein Wort.

     Dass ich nicht verloren bliebe,

     nahm Dein Sohn die Sünden fort.

 

     Danke für die Vater-Sorge,

     die Du mir durch IHN gewährst,

     mit den Gaben, die ich borge,

     Leib und Seele mir ernährst.  

     Soweit Adam.

 

     Und ich füge an:

     Danke für die Wegbegleiter,

     die Du mir geliehen hast,

     für die stillen Teufelsstreiter -

     sie erleichtern mir die Last.

 

     Danke, dass in den Vierthälern

     ich noch von Dir reden kann.

     Es soll Deinen Ruhm nicht schmälern.

     Fülle mich mit Segen an! 

                                         Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen

 

 

Predigt 25.10.20 Erntedankgottesdienst
und Ordinationsjubiläum Gerdi Eberhard
Erntedank2020.pdf
PDF-Dokument [95.0 KB]

Predigt

für den 18. So. n. Trinitatis (11.10.20)

zu Dtn 30,11-14

Gottesdienst in Steeg

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Klare Worte sind das, liebe Gemeinde: „Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist.“ (EG 412, 8) Genauso klar wie der Wochenspruch aus 1 Joh 4,21, wo es heißt: „Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ Da gibt es eigentlich nichts zu deuteln. Glaube und Nächstenliebe gehören zusammen. Auch wenn wir das manchmal nicht so richtig wahrhaben wollen.

 

Da sitzt die Familie sonntags am Mittagstisch. Irgendwie kommt die Sprache auf den Nachbarn, mit dem der Vater seit Jahren im Clinch liegt. Kaum fällt der Name, da geht der Vater ab wie eine Rakete, redet sich immer mehr in Rage, bis er irgendwann vor Wut fast platzt und sagt: „Bei passender Gelegenheit werde ich es diesem Mistkerl mal so richtig zeigen!“ Als er kurz Luft holen muss, sagt die erwachsene Tochter: „Sag mal, Papa, Du warst doch heute Morgen in der Kirche. Ist das Vater unser heute ausgefallen?“ „Hä, wieso?!“ „War da nicht irgendwas so von wegen „…vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“?!“ Dem Vater fällt die Kinnlade runter. Dann schnauzt er die Tochter an: „Hör mir auf! Das ist was ganz anderes. Mit meinem Glauben hat das nichts zu tun!“

 

Genau das ist das Problem, liebe Gemeinde. Dieses „Mit meinem Glauben hat das nichts zu tun!“ Wir trennen schon mal ganz gerne zwischen unserem Kirchgänger-Ich und unserem Alltagsdasein. Der Glaube und das Wort Gottes für den Sonntag, aber in den alltäglichen Konflikten setzen wir die Spielregeln lieber selbst… So nach dem Motto eben: „Was hat mein Glaube mit den Nachbarn zu tun? Oder mit meinem Geld? Oder mit der Politik?“ Jesus hat allerdings keinen Zweifel daran gelassen, dass so eine Trennung der Lebensbereiche mit Ihm nicht zu haben ist. „Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ Klare Worte, wie gesagt. Das Wort Gottes will alltagsrelevant werden. Und - wenn man mal ehrlich ist - die Themen, die in den Zehn Geboten angesprochen werden, sind jeden Tag in unserem Alltag relevant. Sie sind weder abgehoben noch weltfremd. Im heutigen Predigttext aus 5 Mose 30,11-14 heißt es:

 

 

„Das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.“

 

 

Gott ist mit Seinem Wort ganz nah bei uns, liebe Gemeinde - bei unseren Bedürfnissen, unseren Sorgen und Nöten. Keiner möchte gerne umgebracht werden. Keiner will seine Partnerin / seinen Partner mit jemand anderem im Bett erwischen. Keiner klatscht freudig in die Hände, wenn ihm auf dem Wochenmarkt die Handtasche geklaut wird. Wir finden es alle ätzend, wenn andere hinter unserem Rücken über uns herziehen und lästern. Und dass andere einem das eigene Glück neiden, fühlt sich auch nicht so prickelnd an. Alles Dinge, die wir nicht erleben wollen. Gottes Wort ist da ganz nah bei uns. Es will uns schützen. Schützen vor der Feindseligkeit und der Boshaftigkeit anderer. Da ist Gott mit Seinem Wort ganz bei uns. Deshalb gibt es die Gebote, damit sowas nicht passiert. Setzt allerdings voraus, dass sich alle dran halten. Das braucht auch unser Mittun.

 

„Was Du nicht willst, das man dir tue, das füg auch keinem anderen zu“, sagt der Volksmund. Das ist eine Umkehrung der so genannten Goldenen Regel, die Jesus uns in Mt 7,12 mit auf den Weg gegeben hat. Da sagt Er: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ Im Grunde ist das ganz simpel. Klare Worte eben. Es geht bei Gottes Wort und Gebot um unser Leben. Um es zu schützen, fordert Gott nicht mehr von uns als einen Perspektivwechsel. Die Gebote leiten uns dazu an und fordern uns dazu heraus, uns in andere hineinzuversetzen und uns zu fragen: „Wie würde ich mich fühlen, wenn ich Du wäre?“

 

Gott hat in dieser Sache vorgelegt, und wir sollen es Ihm nachtun. Die Zehn Gebote - wir haben sie ja eben nochmal gehört - beginnen mit einer Selbstvorstellung Gottes: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.“ Das steht allem anderen voran. Erst danach kommt: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ Gott hat sich in die Menschen hineinversetzt. Die Geschichte von der Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten fängt damit an, dass Gott zu Mose sagt: „Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen, und ihr Geschrei über ihre Bedränger habe ich gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette“. (Ex 3,7-8) Gott nimmt die Not Seiner Menschen wahr und lässt sie sich was angehen und sagt: „So nicht!“ Am Anfang steht das Mitgefühl, die Empathie Gottes, Sein Einfühlungsvermögen. Und die Zehn Gebote beginnen mit einer Erinnerung daran. Das Volk soll nicht vergessen: Gott hat uns da rausgeholt. Und Er hat gesagt: „Nie wieder!“ Nach Gottes Willen soll nie wieder ein Mensch eines anderen Menschen Sklave sein, sein Eigentum, Verfügungsmasse, Objekt seiner Begierde oder was auch immer. Im Neuen Testament liest sich das so: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ (Gal 5,1)

 

Gott hat sich herabgebeugt. Damals, als Er Mose geschickt hat, um Israel aus Ägypten zu holen. Und noch einmal ganz neu, als in Bethlehem eine blutjunge Mutter ihren frisch geborenen Säugling in Ermangelung einer Wiege in eine Futterkrippe gelegt hat. Da ist Gott in unsere Haut geschlüpft. Hat zu 100% unsere Perspektive eingenommen. Und wir sollen es Ihm nachmachen. Sollen uns in andere hineinversetzen, sozusagen in deren Haut schlüpfen, uns ihre Nöte und Sorgen und Bedürfnisse etwas angehen lassen und ihnen nach unseren Kräften und Möglichkeiten helfen und nicht das Leben noch zusätzlich schwer machen. Gottes Wort ist Zuspruch und Anspruch zugleich. Es spricht uns zu: „Du stehst unter Gottes Schutz! Was mit Dir ist, macht Gott sich zur Chefsache!“ Und es begegnet uns mit dem Anspruch: „Achte und schütze Du das Leben, die Würde und das Recht der Anderen!“

 

Das Wort Gottes hat das Potenzial, die Welt zu verändern. Aber dazu braucht es Menschen, die es nicht nur hören, nicht nur im Munde führen, sondern es sich auch zu Herzen nehmen und es leben. Menschen, die barmherzig sind mit anderen - so wie Gott mit uns barmherzig ist. „Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.“ Klare Worte sind das. Gebe Gott, dass daraus klares Handeln wird. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

Der Predigttext
zum Downloanden
Predigtmanuskript 2020-10-11.pdf
PDF-Dokument [16.1 KB]
Predigt für den 18. Sonntag nach Trinitatis
Predigtmanuskript 2020-10-11.pdf
PDF-Dokument [16.1 KB]
Der Predigttext
für Sie
Online-Gottesdienst 2020-10-04 Predigtma[...]
PDF-Dokument [19.1 KB]
Predigt Online-Konfirmationsgottestdienst
vom 20.09.2020 für Sie
Online-Gottesdienst 2020-09-20 Konfirmat[...]
PDF-Dokument [17.3 KB]
Predigt für den 13. Sonntag nach Trinitatis (06.09.2020)
Online-Gottesdienst 2020-09-06 Predigtma[...]
PDF-Dokument [18.1 KB]
Predigt 30.08.20
für Sie
Online-Gottesdienst 2020-08-30 Predigtma[...]
PDF-Dokument [17.7 KB]
Predigt 22./23.08.20
zum Download
Online-Gottesdienst 2020-08-23 Predigtma[...]
PDF-Dokument [17.7 KB]
Predigt 16.08.2020
zum Download
Online-Gottesdienst 2020-08-16 Predigtma[...]
PDF-Dokument [25.8 KB]
Predigt vom 26.07.2020
für Sie.
200726GDPredigt.pdf
PDF-Dokument [61.5 KB]
Predigt 12.07.20
für Sie zum Download.
Predigt zum 12.07.2020 in Oberdiebach.pd[...]
PDF-Dokument [91.5 KB]
Predigtmanuskript 05.07.20
für Sie zum Download
Online-Gottesdienst 2020-07-05 Predigtma[...]
PDF-Dokument [16.4 KB]
Predigt zum Download
für Sie
Predigt über Micha 7, 18-20.pdf
PDF-Dokument [75.7 KB]
Predigt für den 2. Sonntag nach Trinitatis
Online-Gottesdienst 2020-06-21 Predigtma[...]
PDF-Dokument [16.6 KB]
Predigt für den 1. So. n. Trinitatis
Online-Gottesdienst 2020-06-14 Predigtma[...]
PDF-Dokument [16.5 KB]
Predigt für den Sonntag Trinitatis
Online-Gottesdienst 2020-06-07 Predigtma[...]
PDF-Dokument [16.7 KB]
Predigt 31.05.2020 Pfingsten
für Sie zum Herunterladen.
Online-Gottesdienst 2020-05-31 Predigtma[...]
PDF-Dokument [23.8 KB]
Die Predigt
für Sie zum Download.
Online-Gottesdienst 2020-05-24 Predigtm[...]
PDF-Dokument [16.8 KB]
Predigtmanuskript
zum Download für Sie.
Online-Gottesdienst 2020-05-21 Predigtma[...]
PDF-Dokument [17.9 KB]
Predigt 17.05.20
zum Download für Sie
Online-Gottesdienst 2020-05-17 Predigtma[...]
PDF-Dokument [17.1 KB]
Predigtmanuskript 10.05.2020
für Sie zum Download
Online-Gottesdienst 2020-05-10 Predigtma[...]
PDF-Dokument [18.5 KB]
Predigt
für Sie zum Download
Predigtmanuskript 2020-05-03 .pdf
PDF-Dokument [19.3 KB]
Predigt 19.04.2020
zum Download für Sie
Online-Gottesdienst 2020-04-19 Predigt.p[...]
PDF-Dokument [22.1 KB]
Predigtmanuskript 13.04.20
zum Download
Online-Gottesdienst 2020-04-13 ökumenisc[...]
PDF-Dokument [46.2 KB]
Predigtmanuskript 12.04.20
zum Download
Online-Gottesdienst 2020-04-12 Predigtma[...]
PDF-Dokument [18.7 KB]
Predigtmanuskript 10.04.20
zum Download
Online-Gottesdienst 2020-04-10 Predigtma[...]
PDF-Dokument [23.8 KB]
Predigtmanuskript 05.04.2020
zum Download
Online-Gottesdienst 2020-04-05 Predigtma[...]
PDF-Dokument [89.7 KB]
Predigtmanuskript 2020-03-29
zum Download
Online-Gottesdienst 2020-03-29 Predigtma[...]
PDF-Dokument [130.0 KB]
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Kirchengemeinde Vierthäler