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Evangelische Kirchengemeinde Vierthäler
Evangelische Kirchengemeinde Vierthäler

Predigtarchiv

Predigt

für Christi Himmelfahrt (Do. 13.05.21)

zu Apg 1,3-4.8-11 i.V.m. Mt 28,16-20

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der St. Georgskapelle Winzberg.

Der Predigt liegen foglende Texte aus Apostelgeschichte 1 und Matthäus 28 zugrunde:

 

 

Jesus zeigte sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt. Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.                               (Apg 1,3-4.8-11)

 

Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.                                                                              (Mt 28,16-20)

 

 

Liebe Gemeinde! Irgendwie ist das heute buchstäblich ein ziemlich abgefahrenes Fest: Christi Himmelfahrt. Manche Zeitgenossen wittern darin eine Kampfansage an den gesunden Menschenverstand und sagen: „Dass Jesus „in den Himmel aufgefahren“ sein soll, geht ja wohl gar nicht! Wer das glaubt, hat sie nicht alle am Christbaum!“ Jetzt ist es aber so, dass drei der vier Evangelien in der Bibel und der Apostel Paulus gar nichts von einer Himmelfahrt berichten. Einzig der Evangelist Lukas hat diese Geschichte aufgeschrieben. Der aber dafür gleich zweimal. Eine Version haben wir gerade gehört, in der ersten Lesung aus Apg 1. Die andere Version steht am Ende des Lukasevangeliums. Die beiden Fassungen sind so unterschiedlich, dass auf der Hand liegt: Es geht dem guten Lukas nicht darum zu sagen: „Genau so ist es gewesen!“ Die Kernaussage von Himmelfahrt ist nicht, dass Jesus der Firma Kone Konkurrenz macht, indem Er Wolken in Aufzüge verwandelt. Himmelfahrt bedeutet: Die Zeit, wo Jesus sichtbar auf der Erde war, ist zu Ende. Jesus ist zurück gekehrt in die Welt Gottes. Dafür steht in der Himmelfahrtsgeschichte die Wolke. Die Wolke ist in der Bibel ein Zeichen für die unsichtbare Gegenwart Gottes. Eine Wolke verstellt den Blick auf etwas, das trotzdem da ist.

 

Wenn ich bei schlechtem Wetter bei uns in Oberdiebach aus dem Fenster gucke, kann ich manchmal vor lauter tief hängenden Wolken nicht bis zum Kräuterberg gucken. Jemand, der bei so einem Wetter zum ersten Mal bei mir im Arbeitszimmer sitzt und rausguckt, der kann sich überhaupt nicht vorstellen, wie es auf der anderen Seite vom Tal aussieht. Der würde vielleicht gar nicht vermuten, dass da ein Berg ist. Trotzdem ist der da, der Kräuterberg. Und so ähnlich ist das mit Jesus auch. Wir können Ihn nicht sehen, und trotzdem ist Er da. Dafür steht – wie gesagt – als Symbol die Wolke in der Himmelfahrtsgeschichte. Die ersten Leser der Apostelgeschichte haben das gewusst.

 

Manchmal kann man die Bibel besser verstehen, wenn man sich ein bisschen über die Hintergründe schlau macht. Es gibt da nämlich noch was: Damals, zur Zeit Jesu, war die Vorstellung, dass herausragende Persönlichkeiten in den Himmel entrückt wurden, total verbreitet. Wenn z.B. ein römischer Kaiser starb, wurde gesagt: „Er ist in den Himmel aufgefahren“. Damit wurde diesem Kaiser bescheinigt, dass er mehr war als ein normaler Mensch. Der wurde dann als Gott verehrt. Wenn man das weiß, dann wird deutlich: Das war damals die totale Provokation, zu sagen: „Jesus ist in den Himmel aufgefahren!“ Keine Kampfansage an den gesunden Menschenverstand, aber eine Kampfansage an den totalitären Kaiserkult. Das hieß nämlich im Klartext: Nicht der Kaiser in Rom wird von Gott zum Weltherrscher ernannt, sondern ein gekreuzigter Wanderprediger aus dem Provinznest Nazareth! Er ist der Herr! Das ist die Kernaussage der Himmelfahrtsgeschichte: Jesus ist der Herr! Und der ist nicht weg, sondern da!

 

Ich glaube, das muss man einfach wissen, um mit diesem Tag heute was anfangen zu können. Nochmal: Das Motiv „Himmelfahrt“ war im Römischen Reich verbreitet und sagte: „Dieser Mensch hat göttlichen Rang. Er ist der Herr!“ Und das Motiv der „Wolke“ steht für die unsichtbare Welt Gottes. Wir sagen zu dieser unsichtbaren Welt Gottes „Himmel“. Nicht zu verwechseln mit dem Himmel, den wir sehen. Wir haben da als Deutsche ein sprachliches Problem. Die Engländer haben’s einfacher als wir. Die benutzen für diese beiden völlig verschiedenen Himmel zwei verschiedene Wörter: "Sky" und "heaven".

 

"Sky", das ist das Blaue da oben, wo Flugzeuge fliegen, wo wir nachts die Sterne sehen, wo Juri Gagarin vor 60 Jahren den ersten bemannten Weltraumflug gemacht hat. "Heaven", das ist die unsichtbare Wirklichkeit Gottes. Ein Himmel, der nicht weit weg ist, sondern uns umgibt, der sowohl da oben ist als auch hier unten, um uns rum und sogar in uns drin. Manchmal merken wir das auch. Wenn man verliebt ist, sagt man: „Ich bin im siebten Himmel!“ Damit meint man ja auch nicht, dass man plötzlich irgendwo hinter’m Jupiter sitzt. Sondern dass man das Gefühl hat, vor lauter Glück bald abzuheben. Das, wohin Jesus bei Seiner „Himmelfahrt“ „aufgefahren“ ist, ist nicht der sichtbare Himmel, nicht "sky", sondern "heaven", die unsichtbare Welt Gottes.

 

„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Mit diesen Worten verabschiedet sich Jesus im Matthäusevangelium von den Jüngern. Will heißen: „Ich bin immer und überall für Euch da!“ Wäre Jesus Mensch geblieben, wäre das nicht gegangen. Ein Mensch ist an Raum und Zeit gebunden. Er kann immer nur an einem Ort gleichzeitig sein. Gott ist nicht an Raum und Zeit gebunden. Er ist immer und überall da, weil Er keine Grenzen hat. Der Preis dafür ist, dass man Ihn nicht sehen kann. Wenn Lukas sagt, Jesus ist in den Himmel aufgefahren, dann heißt das: Jesus ist jetzt wieder ganz bei Gott. Und Er ist wieder ganz wie Gott – nämlich immer und überall da. Nicht mehr sichtbar, aber dafür auch nicht mehr begrenzt.

 

Bevor Jesus sich von Seinen Jüngern verabschiedet, verspricht Er ihnen mehrmals: „Ich schicke Euch den Heiligen Geist!“ Der Heilige Geist ist diese unsichtbare und grenzenlose Gegenwart Jesu. Hat nichts mit Gespenstern zu tun, sondern der Heilige Geist ist der Geist, von dem es in 2 Tim 1,7 heißt: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Der Geist, der uns hilft, wenn wir morgens nicht aus dem Bett kommen, wenn wir denken: „Hilfe, ich pack das nicht!“ Der uns Kraft gibt und uns sagt: „Du schaffst das!“ Der Geist, der uns hilft, liebe-voll mit anderen umzugehen und nicht zum Schreckgespenst für andere zu werden. Der Geist, der uns besonnen macht, uns von Zeit zu Zeit dran erinnert, dass es ganz hilfreich ist, wenn man erst das Hirn einschaltet und dann erst den Mund aufmacht. Und der uns dran erinnert, dass wir nie allein sind, sondern uns drauf verlassen können: Jesus ist bei uns.

 

Also: „Himmelfahrt“ hat nichts mit Raumfahrt ohne Rakete zu tun, sondern Himmelfahrt ist ein Anti-Alleinfühl-Fest. Keine Kampfansage an unseren gesunden Menschenverstand. Sondern eine Kampfansage an unsere Angst vor Einsamkeit. Jesus sagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!“ Das gilt. Ganz gleich, wie abgefahren dieses Fest manch einem vorkommen mag. Amen.

 

 

Predigt Christi Himmelfahrt
13.05.21
Online-Gottesdienst 2021-05-13 Predigtma[...]
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Christi Himmilefahrt 13.05.21
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Predigt

für den So. Rogate (09.05.21)

zu Sirach 35,16-22a

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus dem Kirchsaal in Neurath.

Der Predigt liegt foglender Text aus Sirach 35,16-22a zugrunde:

 

 

Gott hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten. Er verachtet das Flehen der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt. Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter, und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt? Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, und sein Gebet reicht bis in die Wolken. Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken, doch bis es dort ist, bleibt er ohne Trost, und er lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt und den Gerechten ihr Recht zuspricht und Gericht hält.

 

 

Liebe Gemeinde! Gott lässt sich durch Beten bewegen. Jesus hat das mit dem Gleichnis von der Witwe deutlich gemacht, die in einem Rechtsstreit den ansonsten offenbar sehr unbeweglichen Richter so lange bearbeitet, bis der sich der Sache endlich annimmt. Und Er folgert daraus (Lk 18,7): „Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen“? Und der Predigttext aus Sirach 35, den wir davor gehört haben, beginnt mit den Worten: „Gott hilft…!“

 

Vielleicht haben Sie eben gedacht: „Jesus Sirach? Von dem habe ich noch nie gehört! Hab ich da was verpasst?“ Das kann gut sein, liebe Gemeinde. Jesus Sirach gehört zu den so genannten Spätschriften des Alten Testaments. Im eigentlichen AT, in der hebräischen Bibel, sucht man vergeblich danach und deshalb ebenso in den meisten Ausgaben der Lutherbibel. Diese Spätschriften, die in der Fachsprache auch Apokryphen genannt werden, finden sich nur in der griechischen Version des Alten Testament, der so genannten Septuaginta. Es handelt sich dabei um Geschichts- und Weisheitsbücher wie eben dieses Buch Jesus Sirach. Luther hat über diese Schriften gesagt: „Das sind Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind.“

 

Wo er Recht hat, hat er Recht: In der Tat ist es nützlich und gut zu lesen, dass Gott sich durch Beten bewegen lässt. „Gott hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten. Er verachtet das Flehen der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt.“ Arme, Unterdrückte, Waisen und Witwen. Alles Leute in einer denkbar miserablen Lage. Als um 190-180 v. Christus das Sirachbuch entstand, gab es keine Witwen- oder Waisenrente, keine Grundsicherung, kein Hart IV. Wer von einer persönlichen Tragödie getroffen wurde, litt nicht nur emotional, sondern hatte obendrein auch noch übelste Existenzsorgen.

 

Wie die Not auch im Einzelnen konkret aussehen mag - Gott lässt das nicht kalt, sagt Sirach im Predigttext. Wobei damals wie heute galt: Ein Gebet funktioniert nicht wie der Kaffeeautomat auf der Arbeit: Geld rein, Kaffee raus. Gebet gesprochen, Not vorbei. So einfach geht’s nicht. Die „Bearbeitungsdauer“ ist zuweilen etwas länger. Und - so ehrlich muss man sein: Nicht immer kommt eins zu eins das dabei raus, das wir uns wünschen. Allerdings - und das ist wiederum tröstlich: Das Ergebnis unseres Betens hängt nicht davon ab, wer da spricht. „Gott hilft dem Armen ohne Ansehen der Person.“ Bei Gott entscheidet nicht der Name oder die Stellung über „Annahme“ oder „Ablehnung“ eines Anliegens oder über dessen „Bearbeitungszeit“. Bei Ihm geht’s nicht zu wie in manchen Arztpraxen, wo man, wenn man da anruft, als Erstes mal gefragt wird: „Wo sind Sie denn versichert?“ Und die Antwort entscheidet dann darüber, ob man den Termin spätestens in zwei Wochen oder frühestens in drei Monaten bekommt.

 

Gott sieht die Not, hört das Gebet, das Flehen und die Klage derer, die keine Lobby haben. Er hat einen ausgeprägten Fable für die Unterprivilegierten, für die, die sich als ohnmächtig erleben. Auch wenn das für die Betroffenen oft erstmal gar nicht spürbar ist. Wenn sie sich von Gott und der Welt verlassen fühlen. Sirach malt uns das Bild einer Frau vor Augen, die ihren Mann verloren hat. „Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter, und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt?“ Hier wird nichts beschönigt. Die Witwe schreit gegen den, der die Tränen fließen lässt. Gegen Gott, der Herr ist über Leben und Tod und dessen Entscheiden und Handeln ihr soeben den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Aber indem sie gegen Gott schreit, hat ihr Schreien immer noch eine Richtung, ihre Klage eine Adresse. Und das ist so wichtig am Beten, dass wir nicht verstummen. Gott nicht aus der Verantwortung entlassen, sondern Ihn bei Seinem Gott-Sein behaften und sagen: „Herr, hilf mir! Lass mich nicht im Stich! Reiß mich raus aus diesem Elend!“

 

Manchmal erscheint Gott weit weg. Da verstellen uns dunkle Wolken am Firmament unseres Lebens den Blick zu Ihm. Beinahe so, dass man sich fragt, ob da oben überhaupt noch einer ist. Aber, so ist sich Sirach sicher: „Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken.“ Bei aller von uns erlebten Distanz bleibt Gott für uns erreichbar. Manchmal fehlt die Rückmeldung, ob’s angekommen ist. Das ist, wie wenn Sie auf 'ne Whatsapp keine Lesebestätigung kriegen. Kann auch quälend sein, je nachdem, wem man da was geschrieben hat… „Bis es dort ist (das Gebet), bleibt er (der Beter) ohne Trost“, sagt Sirach. Solche Trost-losen Zeiten gibt es, liebe Gemeinde. Und sie sind schwer zu ertragen. Aber, so geht es im Predigttext weiter: „er (der Beter) lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt und den Gerechten ihr Recht zuspricht und Gericht hält“. Genau das Gleiche hat Jesus ja auch gesagt: Gott lässt die Seinen nicht ewig zappeln. „Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze“, sagt Er.

 

Gott bringt zu-recht. Das bedeutet Gericht bei Gott, liebe Gemeinde, dass die Menschen und die Dinge zurecht gebracht werden. Das kann man klein und zusammen und groß und auseinander schreiben. Einmal so, einmal so. Man muss es sogar. Das Eine geht nicht ohne das Andere. Menschen können erst dann wieder zurecht kommen, wenn sie zu ihrem Recht kommen. Damit meine ich jetzt nicht, dass sie mit Hilfe ihres Anwalts noch ein paar Euro mehr bei der Versicherung des Unfallgegners rausschlagen. Hier geht es um Elementareres. Um das Recht auf Leben, auf ein würdiges Dasein. Ziel ist der Schalom. Der alles umfassende Friede, in dem Menschen sein können. Ganz sein können. Heil sein können. Das ist Gottes Ziel für uns: Dass alles heil wird. Darum dürfen wir Ihn bitten, und wir können sicher sein, dass Er sich durch Beten bewegen lässt.

 

Allerdings: Wenn Gott sich bewegen lässt, kommen die Dinge in Bewegung. Das stellt uns vor die Frage, ob wir bereit sind, uns bewegen zu lassen. Wenn wir Gott bitten, die Dinge zurecht zu bringen, kommen wir nicht drum rum, uns selbstkritisch zu fragen: Wo stehe ich? Stehe ich an der Seite der Armen, an der Seite derer, die in Not sind und keine Lobby haben? Oder stehe ich auf der anderen Seite? Weine ich mit den Weinenden, oder bin ich Teil der Ursache ihrer Tränen, weil ich die Strukturen der Ungerechtigkeit in dieser Welt für einen Umstand halte, der leider nicht zu ändern ist?

 

Gott liefert nicht immer gleich die fertige Lösung für unsere Probleme, wenn wir zu Ihm beten. Manchmal will Er uns an der Problemlösung beteiligen. Gott lässt sich durch Beten bewegen. Gebe Er, dass wir es auch tun. Amen.

 

 

Predigt
09. Mai 2021
Online-Gottesdienst 2021-05-09 Predigtma[...]
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09.05.21 Kirchsaal Neurath
Predigt vom 09.05.21 Neurath zum Anhören[...]
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Predigt

für den So. Kantate (02.05.21)

zu Lk 19,35-40

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt anlässlich des dortigen Kirchweihfestes aus der Kirche St. Moritz in Oberdiebach. Der Predigt liegt foglender Text aus Lukas 19,35-40 zugrunde:

 

 

Und die Jünger brachten das Eselsfüllen zu Jesus und warfen ihre Kleider auf das Füllen und setzten Jesus darauf. Als er nun hinzog, breiteten sie ihre Kleider auf den Weg. Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: „Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“ Er antwortete und sprach: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“

 

 

Liebe Gemeinde! Wie reagieren Sie, wenn andere so richtig abgehen vor Freude? Lassen Sie sich anstecken, oder sind Sie eher angenervt? Bestimmt haben Sie umgekehrt  beides schon mal erlebt: Dass andere mit Ihnen gejubelt haben über das bestandene Abi oder die Führerscheinprüfung, aber auch, dass andere so gar nicht empfänglich waren für Ihre Euphorie, sondern alles drangesetzt haben, irgendein Haar in der Suppe zu finden, Ihnen Wasser in den Wein zu gießen und Ihnen Ihre gute Laune zu vermiesen. Es gibt so Spaßbremsen. Auch im heutigen Predigttext. Die weitaus meisten in dieser Geschichte gehören jedoch zu der anderen Fraktion. Der Evangelist Lukas schreibt von einer Menge Menschen, die bei der spontanen Straßenparty am Ölberg mitmachen (war halt vor Corona…). Sie legen ihre Klamotten auf den Weg, weil ein roter Teppich so kurzfristig nicht zur Hand ist, und jubeln Jesus zu: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn!“

 

Doch wie gesagt, nicht bei allen springt der Funke über. Auch das gibt es ja, dass man sieht, wie andere Spaß haben und man selbst schüttelt innerlich nur den Kopf. Das kann einem zum Beispiel passieren, wenn man (in Corona freien Jahren) zu spät auf die Kerb kommt. Die anderen haben schon ordentlich vorgeglüht, man selbst ist dummerweise noch stocknüchtern. Dann kann es schon mal schwerfallen, sich auch nur ein müdes Lächeln abzuringen für einen Spruch, über den die anderen sich Minuten lang abrollen können vor Lachen. Aber wir haben es hier am Ölberg nicht mit dem Gejohle von Besoffenen zu tun, sondern mit dem Gejubel von Betroffenen. Das ist keine spirituös erzeugte Heiterkeit, sondern eine spirituell bedingte, zugleich aber tief geerdete Fröhlichkeit. Die Menschen, die da jubeln, wissen, wie das ist, wenn man nicht zu Feierlaune aufgelegt ist. Wenn einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Von ein paar Leuten aus dem Gefolge Jesu ist bekannt, aus was für unglücklichen Situationen Jesus sie rausgeholt hat.

 

Simon Petrus und Andreas zum Beispiel, die beiden Berufsfischer, hatten die ganze Nacht vergeblich geangelt. Nicht ein Fisch war ihnen ins Netz gegangen. Das ein paar Nächte hintereinander, und sie waren wirtschaftlich ruiniert. Und dann stand da dieser Prediger aus Nazareth am Ufer und sagte: „Probiert’s noch mal auf der anderen Seite vom Boot.“ Das war zwar gegen alle Vernunft; die Sonne schien schon, das Boot warf Schatten, aber in der Not ihrer Verzweiflung taten sie, was Jesus gesagt hatte. Das Netz war so voll, dass sie es nicht mehr alleine hoch bekamen.

 

Oder Martha aus Bethanien. Sie hatte Jesus rufen lassen, weil ihr Bruder sterbenskrank war. Als Jesus endlich in Bethanien eintrudelte, war Lazarus schon vier Tag tot. „Herr, wärst Du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben!“, hatte sie gesagt. „Dein Bruder wird auferstehen“, erwiderte Jesus. „Ja, ich weiß, dass er auferstehen wird - bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.“ „Nein, Martha“, sagte Jesus daraufhin. „Nicht am Sankt Nimmerleinstag. Guck mal, wen Du vor Dir hast! Ich bin die Auferstehung und das Leben!“ Keine halbe Stunde später hatte sie ihren Bruder wieder.

 

Geschichten, die zu schön sind um wahr zu sein? Für die Menschen, die da am Ölberg in ihrer ausgelassenen Freude jubeln, waren das keine Märchen. Sie haben es erlebt. Deswegen rufen Sie: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn!“ Sie erkennen in Jesus den Messias. Den Retter der Welt. Leider hat der Evangelist Lukas ein Detail weggelassen. Bei den anderen Evangelisten ruft die Menge noch mehr: „Hosianna!“ Vielleicht hat Lukas gedacht: „Ich schreibe an den Griechen Theophilus. Der kann eh kein Hebräisch. Was soll ich ihn da mit hebräischen Vokabeln belasten?!“ Ich bin froh, dass Matthäus, Markus und Johannes das „Hosianna!“ drin gelassen haben. Das ist nämlich ein spannendes Wort. Es ist Huldigungsruf und Bitte in einem: „Herr, hilf!“ Auch wenn das erstmal nur wie eine Aufforderung klingt, schwingt da ganz viel Vertrauen mit: „Wir wissen, dass Du’ s kannst, darum bitten wir Dich, dass Du’ s tust! Herr, hilf! Heile diese Welt!“ Oder um es mit Michael Jackson zu sagen: "Heal The World!“ Wir werden diesen Song nach der Predigt hören, gesungen von den S(w)inging People - 19 Leute von zuhause aus mit Playback, zusammen gefügt von Thomas Staßen zu einem Musikvideo. Chorgesang mitten in der Pandemie, wo gemeinsames Singen seit Monaten verboten ist. "Heal The World!“ Heile diese Welt. Mache einen besseren Ort daraus. Lass uns aufhören zu existieren und anfangen zu leben.

 

Warum nehmen einige Pharisäer Anstoß an dem Jubel der Jünger? Wichtig ist: Es sind nicht die Pharisäer. Lukas schreibt: einige. Bei uns ist das Wort „Pharisäer“ fast ein Schimpfwort. Aber das wird diesen Menschen nicht gerecht. Das waren Leute, die es ernst meinten mit ihrem Glauben. Einigen von ihnen ist die ausgelassene Freude suspekt, weil sie Jesus gilt, der in unverschämter Freiheit und Vollmacht von Gott erzählt, als wär’ er dessen Sohn J. Das untergräbt ihre Autorität. Und noch mehr als das. Diese ausgelassene Freude und die anbändige Hoffnung setzen Kräfte frei, die das Potenzial haben, die Gesellschaft zu verändern. Und das wollen sie nicht. Sie wissen um die fragile Balance aus Angst und Kalkül, die den Frieden mit den Römern sicherte. Die regierten mit harter Hand, aber hatten den Juden immerhin ihren Tempel und ihre Religion gelassen. Und die Vertreter der jüdischen Religionsgemeinschaften verfuhren nach dem Motto: „Erhaltet Ihr uns unseren Einfluss, dann schützen wir Euch Eure Macht!“ Angst und Kalkül machen aus diesen frommen Menschen geistliche Spaßbremsen. Sie gehen zu Jesus und sagen: „Ey, Jesus, jetzt pfeif Deine Jungs mal zurück und sag ihnen, sie sollen ein bisschen leise machen!“ Die Antwort Jesu ist tiefsinnig: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Heißt: Wo das Lob Gottes und die Freude an Ihm unterbunden werden, kommt es zur Katastrophe. Angst und Kalkül sind nicht geeignet, wirklichen Frieden zu sichern. Himmlischer Friede, der Friede Gottes geht anders. Der beruht nicht auf Angst, sondern auf Vertrauen, nicht auf Berechnung, sondern auf Liebe.

 

Michael Jackson hat vielleicht nicht unbedingt an Jesus gedacht, als er "Heal The World“ geschrieben hat. Der Song ist eine Aufforderung an uns Menschen, für eine bessere Welt zu kämpfen. Das sollen wir auch. Aber nicht einfach nur mit der Haltung: „Wir schaffen das!“, sondern unter Hinzuziehung des Hosianna: „Herr, hilf! Wir wissen, dass Du’ s kannst, darum bitten wir Dich, dass Du’ s tust! Und im Rahmen unserer Möglichkeiten lass uns unseren Teil dazu beitragen.“ Letzteres wird uns leichter fallen, wenn wir aufhören, immerzu Wasser in den Wein zu schütten, das Haar in der Suppe zu suchen und die ewig Angenervten abzugeben, und uns stattdessen anstecken lassen von der ausgelassenen Freude über den, der da kommt in dem Namen des Herrn. Amen.

 

 

Predigttext 02.05.2021
Online-Gottesdienst 2021-05-02 Predigtma[...]
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Predigt Oberdiebacher Kerb
02.05.2021 zum Anhören
St. Moritz Kirche - Online-Gottesdienst,[...]
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Predigt

für den So. Jubilate (25.04.21)

zu Apg 17,22-34

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Anna in Steeg.

Der Predigt liegt foglender Text aus Apostelgeschichte 17,22-34 zugrunde:

 

 

Paulus stellte sich vor alle, die auf dem Areopag versammelt waren, und rief: „Ihr Athener! Mir ist aufgefallen, dass ihr euren Göttern mit großer Hingabe dient; denn als ich durch eure Stadt ging und mir eure Heiligtümer ansah, da habe ich sogar einen Altar gefunden, auf dem stand: ›Für einen unbekannten Gott.‹ Diesen Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, möchte ich euch nun bekannt machen. Es ist der Gott, der die Welt und alles, was in ihr ist, geschaffen hat. Dieser Herr des Himmels und der Erde wohnt nicht in Tempeln, die Menschen gebaut haben. Er braucht auch nicht die Hilfe und Unterstützung irgendeines Menschen; schließlich ist er es, der allen das Leben gibt und was zum Leben notwendig ist. Aus dem einen Menschen, den er geschaffen hat, ließ er die ganze Menschheit hervorgehen, damit sie die Erde bevölkert. Er hat auch bestimmt, wie lange jedes Volk bestehen und in welchen Grenzen es leben soll. Das alles hat er getan, weil er wollte, dass die Menschen ihn suchen. Sie sollen mit ihm in Berührung kommen und ihn finden können. Und wirklich, er ist jedem von uns ja so nahe! Durch ihn allein leben und handeln wir, ja, ihm verdanken wir alles, was wir sind. So wie es einige eurer Dichter gesagt haben: ›Wir sind seine Kinder.‹ Weil wir nun von Gott abstammen, ist es doch unsinnig zu glauben, dass wir Gott in Statuen aus Gold, Silber oder behauenen Steinen darstellen könnten. Diese sind doch nur Gebilde unserer Kunst und unserer Vorstellungen. Bisher haben die Menschen das nicht erkannt, und Gott hatte Geduld mit ihnen. Aber jetzt befiehlt er allen Menschen auf der ganzen Welt, zu ihm umzukehren. Denn der Tag ist schon festgesetzt, an dem Gott alle Menschen richten wird; ja, er wird ein gerechtes Urteil sprechen, und zwar durch einen Mann, den er selbst dazu bestimmt hat. Er hat ihn darin bestätigt, indem er ihn von den Toten auferweckte.“ Als Paulus von der Auferstehung der Toten sprach, begannen einige zu spotten, andere aber meinten: „Darüber wollen wir später noch mehr von dir hören.“ Als Paulus darauf die Versammlung verließ, schlossen sich ihm ein paar Männer an und kamen zum Glauben, darunter Dionysius, der dem Rat angehörte, außerdem eine Frau namens Damaris.

 

 

Liebe Gemeinde! Als ich mich vor 16 Jahren hier im Vierthälergebiet beworben habe, wurde ich gebeten, einen Gesprächsabend zu gestalten zum Thema: „Mit Kindern über Gott reden“. Zugegebener Maßen war ich erstmal etwas ratlos. Ich dachte: „Jetzt hast Du Jahre lang Theologie studiert. Aber was sagst Du da?!“ Wie geht das: Mit Kindern über Gott reden? Mittlerweile ist das für mich nicht mehr nur eine dienstliche Frage, sondern auch eine private. Wenn man seine Kinder taufen lässt, dann verspricht man, sie im christlichen Glauben zu erziehen. Und das ist ja noch ein bisschen mehr, als 'nem Kind zu sagen: „Sei immer schön nett zu den anderen!“ „Im christlichen Glauben erziehen“ heißt, diesen Glauben weiterzugeben. Nicht nur die Moral. Dem Kind von Gott zu erzählen. Und von Jesus. Und davon, was Er für uns getan hat und was Er mit unserem Leben zu tun hat. Aber wie? Wir tun uns schwer damit, von unserem Glauben zu reden, weil uns dafür irgendwie die Sprache fehlt. Mit Erwachsenen ist das noch 'ne Ecke schwerer als mit Kindern. Dann denkt man: „Ich weiß nicht, wie ich mich ausdrücken soll.“ Und sicher ist da auch die Angst im Spiel, sich zu blamieren oder lächerlich gemacht zu werden. Umso mehr beeindruckt mich das, was Paulus da macht. Der rennt von Stadt zu Stadt und erzählt Leuten, die zum größten Teil noch nie was davon gehört haben, von Jesus Christus. Wir haben eben in der Lesung gehört, wie der Apostel Paulus nach Athen kam. Und ich glaube, dass wir uns bei ihm was abgucken können – auch für die Frage: „Wie sage ich’s meinem Kinde?“ Manchmal weiß man ja gar keinen Anfang zu kriegen. Das Kind vor sich stellen und sagen: „So, und heute erzähle ich Dir vom lieben Gott!“ – ist wahrscheinlich nur in den seltensten Fällen von Erfolg gekrönt. Viel leichter geht es, wenn man an etwas anknüpfen kann. Paulus macht das. Auch bei seinem erwachsenen Publikum ist das hilfreich. Er fällt nicht mit der Tür ins Haus, sondern sieht sich erstmal um. Geht durch die Stadt, besucht die Tempel und die öffentlichen Plätze und guckt: Wie ticken die hier? Was beschäftigt die? Was glauben die hier in Athen? Und dann findet er einen Altar mit der Aufschrift: „Dem unbekannten Gott.“ Dazu muss man wissen: In Athen wimmelte es nur so von Tempeln und Altären. Da herrschte absolute Vielgötterei. Vielleicht verdankte sich die Existenz dieses Altares „für den unbekannten Gott“ der Angst, einen vergessen zu haben. Vielleicht war es aber auch mehr: Die Ahnung nämlich, dass Gott sich nicht in irgendwelchen Putten oder Statuen dingfest machen lässt, sondern dass Er mehr ist. Dass Er unseren Augen entzogen und daher unbekannt ist. Da knüpft Paulus an und sagt: „So, und dazu kann ich Euch was sagen!“

 

Kinder fragen auch nach diesem Unbekannten. Irgendwann kommt das: „Mama (oder Papa), woher kommen eigentlich die Blumen? Wer macht das, dass es regnet?“ Oder - wie jetzt bei uns aus aktuellem Anlass: „Was ist mit dem Opa, jetzt, wo er tot ist?“ Kinder wollen Antworten. Die Menschen unserer Zeit wollen Antworten. Und die merken, ob wir zu den Fragen des Lebens was zu sagen haben. Das heißt nicht, dass wir auf jede Frage eine Antwort haben müssen. Im Zweifelsfall (buchstäblich: im Zweifelsfall) ist es besser zu sagen: „Du, ganz ehrlich, darauf weiß ich auch keine Antwort.“ Auch auf die Gefahr hin, dass man sich dann von seinem siebenjährigen Sohn sagen lassen muss: „Also, Papa, es sind nicht gerade wenige Dinge, von denen Du keine Ahnung hast!“ So geschehen im Hause Harder, als unser Sohn in dem Alter war. Aber trotz aller offenen Fragen – wir haben doch was zu sagen, wenn es um die Frage nach dem Woher und Wohin geht. „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“, heißt es in 1 Petr 3,15. Bei dem Versprechen, die Kinder im christlichen Glauben zu erziehen, geht es um mehr als um reine Wissensvermittlung. Das ist das eine, dass wir die Geschichten der Bibel erzählen. Dass wir das Glaubens-Wissen aus dem Reli- und Konfi-Unterricht weitergeben. Aber der Auftrag ist noch größer: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ Hier sind wir wirklich als Person gefragt. Existenziell. Gefragt nach dem, was uns trägt. Was uns in unserem Leben Sinn gibt. Ob Kind oder Erwachsener – unser Gegenüber ist vielmehr an unseren Erfahrungen interessiert als an theoretischen Antworten. Insofern – finde ich – sind die Fragen der Kinder auch eine Riesenchance, sich noch mal selbst mit dem Glauben auseinanderzusetzen und zu fragen: „Was glaube ich eigentlich?“ Und welche Folgen hat das, was ich von Gott, von Jesus weiß, für mein Leben? Und dafür dann Worte zu finden. Erstmal für sich selbst, und dann in einem zweiten Schritt auch, um den Kindern Antwort zu geben auf ihre Fragen.

 

Ich will das mal konkret machen an dem Beispiel von eben. Ich weiß nicht, wie oft unsere Jüngste (fünf Jahre al) in den letzten Wochen gefragt hat: „Warum musste der Opa sterben? Was ist jetzt mit dem?“ Meine Frau und ich haben ihr dann gesagt: „Du, der liebe Gott hat den Opa ganz doll lieb. Deswegen hat Er ihn zu sich geholt. Du und ich, wir können ihn jetzt nicht mehr sehen. Aber er ist nicht einfach weg. Er ist beim lieben Gott. Und irgendwann sehen wir uns wieder.“ Einem älteren Kind oder einem Erwachsenen würde ich sagen: „Ich glaube, dass das Leben Deines Opas kein Zufall war. Das war von Gott gewollt. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass dieses Leben jetzt im Nichts des Todes verschwindet. Dafür hat Gott zu viel Liebe da reingesteckt. Er hat mit ihm noch was vor! Wie das sein wird, weiß ich nicht. Aber ich glaube, dass bei Gott nichts unmöglich ist. So wie Er Jesus auferweckt hat, will Er auch Deinem Opa neues Leben geben, und Dir und mir, wenn es soweit ist.“ Zustimmung ist nicht garantiert. Dessen sollte man sich bewusst sein. Als Paulus in Athen von der Auferstehung der Toten spricht, erntet er ein geteiltes Echo. Die einen lachen ihn aus, die anderen sind ein bisschen höflicher und sagen: „Ein andermal gern mehr!“ Und ein paar Leute schließen sich ihm an. Wir können Glauben in anderen nicht machen. Auch nicht in den eigenen Kindern. Das kann wehtun, wenn man merkt: Das, was mir wichtig ist, kommt da nicht an. Aber das kann kein Grund sein, es gar nicht erst zu versuchen. Wer gibt uns das Recht, anderen den Grund unserer Hoffnung zu verschweigen? Kinder brauchen Hoffnung. Alle Menschen brauchen Hoffnung - gerade in Zeiten wie diesen... Deswegen ist es so wichtig, dass wir mit ihnen über Gott reden. Selbst wenn wir im ersten Moment etwas ratlos sind. Amen.

 

 

Predigtmanuskript
25.04.2021
Online-Gottesdienst 2021-04-25 Predigtma[...]
PDF-Dokument [23.9 KB]
Mit Kindern über Gott reden
Predigt vom 25.04.21 zum Anhören
St. Anna Kirche - Online-Gottesdienst_25[...]
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Predigt

für Misericordias Domini (So. 18.04.21)

zu Joh 10,11-15.27-30

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Moritz in Oberdiebach.

Der Predigt liegt das Sonntagsevangelium aus Joh10,11-15.27-30 zugrunde:

 

 

Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte ist bereit, für seine Schafe zu sterben. Einer, dem die Schafe nicht selbst gehören, ist kein richtiger Hirte. Darum lässt er sie im Stich, wenn er den Wolf kommen sieht, und läuft davon. Dann stürzt sich der Wolf auf die Schafe und jagt die Herde auseinander. Wer die Schafe nur gegen Lohn hütet, läuft davon; denn die Schafe sind ihm gleichgültig. Ich bin der gute Hirte. Ich kenne meine Schafe und sie kennen mich, so wie der Vater mich kennt und ich ihn kenne. Ich bin bereit, für sie zu sterben. Meine Schafe hören auf mich. Ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden niemals umkommen. Niemand kann sie mir aus den Händen reißen, weil niemand sie aus den Händen meines Vaters reißen kann. Er schützt die, die er mir gegeben hat; denn er ist mächtiger als alle. Der Vater und ich sind untrennbar eins.“

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde! Man kann die Pfade, auf denen wir aktuell unterwegs sind, durchaus als „raue Wege“ bezeichnen. Von solchen haben wir gerade gesungen: „Führst Du uns durch raue Wege, gib uns auch die nöt’ge Pflege.“ Lange war Corona weit weg. Die Pandemie existierte in den Nachrichten, in Infektionszahlen, in Ministerpräsidentenkonferenzen, Corona-Maßnahmen und endlosen Diskussionen darüber. Jetzt ist das Virus in unserer Gemeinde angekommen. Mit Macht. Unsere KiTa hier in Oberdiebach ist zu, Kinder und Mitarbeiterinnen sind in Quarantäne. In mehreren Dörfern sind Menschen an Corona erkrankt oder sitzen zuhause fest, weil sie zu Erkrankten Kontakt hatten. Bis hinein in die Verwaltung unserer Kirchengemeinde. Und dann gibt es ja auch noch die, bei denen Corona trotz der aktuellen Situation vollkommen in den Hintergrund gerückt ist, weil der Tod eines lieben Menschen für sie alles auf den Kopf gestellt hat.

 

So oder so - da bekommt das Bild vom „guten Hirten“ Kratzer. Irgendwie meint man ja doch, dass das mit einem guten Hirten nicht passieren dürfte. Dass Gott, wenn Er denn der gute, der liebe Gott ist, sowas gar nicht zulassen dürfte. Manchmal  ist es schwer, sich einzuklinken in die alt vertrauten Worte aus Ps 23 und zu sehen, dass da nicht steht: „Ich werde nicht wandern im finstern Tal…“, sondern: „…und ob ich schon wanderte im finstern Tal…“. Also: selbst dann „...fürchte ich kein Unglück, denn du bis bei mir“! Das Unangenehme an unseren dunklen Tälern ist, - abgesehen davon, dass sie dunkel sind -, dass wir nicht wissen, wann wir rauskommen und wo wir rauskommen. Dass wir uns im Blick auf die anhaltende Ausnahmesituation der Pandemie wie im Blick auf die Ausnahmesituation persönlicher Trauer permanent fragen: „Herr, wie lange? Was hast Du mit mir vor? Wo werde ich stehen, wenn ich aus dem Gröbsten raus bin? Wer werde ich sein, wenn das vorbei ist?“ Im Moment leben wir mit vielen offenen Fragen. Und das ist anstrengend.

 

Und dann dieses Bild vom guten Hirten - fremd und vertraut zugleich. Fremd, insofern umherziehende Schäfer mit ihren Herden nicht mehr unbedingt zum alltäglichen Anblick gehören. Trotzdem irgendwie vertraut, weil das Bild des Hirten mit seinem Stab in der Hand eins der populärsten Bilder ist, die die Bibel in diese Welt gebracht hat. Noch heute hängt es über manchem Bett. Was mag so ein Schaf denken, wenn der Hirte die Herde von der grünen Aue wegtreibt rein in das karge judäische Bergland, über Stock und vor allem über Stein, rein in eine düstere Schlucht, wo kaum ein Weg zu erkennen ist und sich nichts mehr findet, was Leib, Seele und Geist nährt? Ich weiß nicht, was ein Schaf zu denken im Stande ist. Dafür kenne ich die Leistungsfähigkeit des schäflichen Gehirns zu wenig. Ich weiß aber, was Menschen denken. Und ich weiß, dass wir an einem Punkt dem Schaf ähnlich sind. Nämlich darin, dass wir froh sind, wenn jemand da ist, wenn’s uns mies geht. Wenn wir Angst haben und wenn wir keinen Weg mehr sehen.

 

So sehr wir uns das wünschen - Gott begegnet uns in den schwierigen Phasen unseres Lebens nicht unbedingt als der Starke, der Omnipotente, der mal eben von oben eingreift und mit einem Handstreich das, was uns belastet, wegfegt. Gott bewahrt uns nicht vor den dunklen Tälern. Aber Er geht mit uns hindurch. Jesus hat das Bild vom guten Hirten auf sich bezogen und gesagt: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ Mit anderen Worten: „Egal, was kommt: Ich bin da! Ich lasse Euch nicht im Stich!“ Das qualifiziert Jesus als den guten Hirten: Dass Er nicht kneift. Dass Er sich nicht aus dem Staub macht, wenn es hart auf hart kommt. Den echten Hirten, sagt Jesus, erkenn man daran, dass er seine Schäfchen bis auf’ s Blut verteidigt. Dass er - wenn’s sein muss - den Kampf mit dem bösen Wolf aufnimmt. Ein Kamp auf Leben und Tod, den das Schaf, wenn es sich selbst überlassen ist, nur verlieren kann. Für Jesus ist Seine Rolle als Hirte mehr als ein Job, den man an den Nagel hängen kann, wenn es einem zu unbequem wird. Ihm ist das Hemd nicht näher als die Jacke.

 

Jesus kennt die Innenperspektive unserer Täler. Der Gekreuzigte weiß, wie sich das anfühlt. Wie schrecklich das ist, wenn sich alles gegen einen stellt, wenn plötzlich alle Sicherheiten wegbrechen und man dem Tod ins Auge blickt. Er hat ihm nicht nur ins Auge gesehen. Er hat sich ihm gestellt. Damit wir in keinem Tal unseres Lebens von Gott und der Welt verlassen sind. Auch nicht im Tal des Todes. Wir müssen das nicht schön finden, dass Gott uns schmerzvolle Erfahrungen nicht einfach erspart. Aber wenn Jesus an unserer Seite bleibt - bis ins Letzte -, und wenn Gott und Jesus eins sind, wie Jesus gesagt hat, dann gibt es keinen Ort mehr auf dieser Welt, keinen Zustand, wo Gott nicht bei uns wäre.

 

Und dann ist da noch was. Dieser gute Hirte mit den Namen Jesus ist der Ausstieg aus der Ausweglosigkeit. Jesus eröffnet uns eine neue Perspektive. Eine Perspektive auf Leben, dem der Tod nichts mehr anhaben kann. Vor zwei Wochen haben wir das gefeiert. Die unbändige Liebe Gottes war durch den Tod nicht aufzuhalten. Er, der den Weg Seiner Menschen bis ins Letzte mitgegangen ist, wälzt die Steine weg, die uns den Weg versperren. Er geht nicht nur mit uns hinein in das Tal des Todes. Er geht mit uns hindurch. Und führt uns auf der anderen Seite wieder raus. Mit Seinem Sterben und Auferstehen hat Er dafür gesorgt, dass das Tal des Todes nicht die Endstation unseres Lebens ist. Er hat die Sackgassenschilder weggeräumt, hat einen Durchbruch angelegt Richtung Zukunft.

 

„Ich gebe ihnen das ewige Leben!“ sagt Jesus, „und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins.“ So lauten die letzten Verse unseres Predigttextes in der Lutherübersetzung von 1984. Und in diesen paar Sätzen steckt so viel drin, liebe Gemeinde: 1. Egal, wie dunkel unsere Täler sind - es gibt ein Danach. 2. Egal, wie groß unsere Not ist - Gott ist immer noch größer.

 

„Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir“, sagt Jesus. Darauf kommt es jetzt an, liebe Gemeinde: Dass wir uns bewusst bleiben: Er kennt uns. Auch in diesen Zeiten, wo Er uns manchmal fremd wird. Und dass wir uns auf Seine Stimme konzentrieren, die sagt: „Ich bin da!“ Und nicht den Stimmen in uns Glauben schenken, die uns was anderes erzählen wollen. Und dass wir Ihm folgen. Vertrauensvoll unsere Hände in Seine legen. Jesus gibt uns eine Perspektive. Kein dunkles Tal ist ewig. Und die Ewigkeit ist kein dunkles Tal. Und bis wir da sind, ist Er bei uns. An unserer Seite. Das ist die nötige Pflege - auch für raue Wege. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

Predigtmanuskript
18.04.21
Online-Gottesdienst 2021-04-18 Predigtma[...]
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Predigt für den 1. Sonntag nach Ostern, Quasimodogeniti, 11.04.2021,

(Johannesevangelium 21, 1 - 14)

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater,

und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

der für den heutigen Sonntag vorgeschlagene Predigttext steht im 21. Kapitel des Johannesevangeliums.

Ich lese aus der Übersetzung nach Martin Luther:

 

Der Auferstandene am See Tiberias

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie aus und konnten es nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser. Die anderen Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch die Fische.

Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.

 

Vermutlich wären auch wir ganz froh und dankbar, wenn sich der Herr mal wieder zeigen würde. Nicht selten wünschen wir uns einen Beweis seiner Existenz, wenn wir in Situationen geraten, die unseren Glauben bis in die Grundfeste erschüttern.

Auch jetzt, nach über einem Jahr pandemisch bedingter Einschränkungen des täglichen Lebens, mag manch einer von uns denken, Gott möge dem Ganzen kurz und schmerzlos ein Ende bereiten.

Aber ausgerechnet dann, wenn unser ganzes Hoffen auf das Eingreifen des Herrn fokussiert ist, passiert allem Anschein nach überhaupt nichts.

 

Die Jünger Jesu waren so kurz nach dem Kreuzestod des Herrn auf einen handfesten Beweis seiner Auferstehung angewiesen, sollte all das unter den Menschen weiterleben, was er gesagt, getan und an Hoffnung geweckt hatte.

Aber die Jünger waren, geplagt von so manchem Zweifel, nicht in der Lage, im Moment der Offenbarung Jesus sofort zu erkennen.

Es brauchte ein wenig „Nachhilfe“ bis ihnen klar wurde, wer da vor ihnen steht.

Erst als einer sagt: „Es ist der Herr“, wird auch allen anderen Anwesenden diese Tatsache bewusst.

 

Manchmal denke ich, dass es uns nicht anders ergeht. Ich bin mir sicher, dass uns Jesus in unserem Leben schon mehr als einmal begegnet ist. Allein – wir haben ihn nicht erkannt, oder es ist uns viel später bewusst geworden, wem wir vermutlich gegenüber gestanden haben.

 

Wenn plötzlich etwas unmöglich Erscheinendes wahr wird, nach unserer Definition „ein Wunder geschieht“, sind wir bereit, jemandem „Glauben zu schenken“.

Das ist deshalb besonders interessant, weil es ja eigentlich genau umgekehrt ist:

Wir bekommen unseren Glauben von Gott geschenkt, wenn wir ihn darum bitten.

Wir „schenken Glauben“ nur dann, wenn wir einen handfesten Beweis erhalten. Damit wird aus dem „Glauben“ aber ein „Wissen“.

Das ist ein großer Unterschied:

Dem Ergebnis „10“ aus der mathematischen Rechenformel „2 x 5“ muss ich nicht glauben und vertrauen. Das weiß ich, und ich kann es beweisen.

Bei der Liebe verhält sich das anders. Ich kann Liebe vielleicht spüren. Letztendlich muss ich aber an sie glauben, auf  sie vertrauen. Im wissenschaftlichen Sinne beweisen lässt sie sich nicht.

 

Glauben setzt Vertrauen voraus. Die Beziehung zwischen  Gott und den Menschen basiert auf Liebe und Vertrauen. Glauben bedeutet manchmal auch, aufkeimende Zweifel zu bekämpfen, das Vertrauen zu Gott und seinen Zusagen in unseren Herzen zu erneuern.

 

Glauben und Wissen sind ein ungleiches Geschwisterpaar, das stets im Clinch miteinander liegt.

Und trotzdem ergänzen sie einander.

Glauben, so sagen manche, sei das bessere Wissen. Das stimmt in Bezug auf unser Verhältnis zu Gott in besonderem Maße.

Wenn ich vertraue, bin ich wissend, ohne der permanenten Last auf der Suche nach Beweisen ausgesetzt zu sein. Im Ergebnis werde ich von einer spürbaren Leichtigkeit getragen. Diese Leichtigkeit verlässt mich auch in sehr schweren Lebenssituationen niemals völlig. Mein Vertrauen in und zu Gott, mein Glauben also, trägt mich durch das ganze Leben, und macht viele Geschehnisse erträglicher.

 

Wenn die Jünger das volle Netz an Land ziehen ohne dass es reißt, dann bedeutet das für mich symbolisch, dass ihre Beziehung zu Jesus, und damit zu Gott nicht reißt.

Diese Beziehung ist jeder Last gewachsen.

Und es ist dieses Netz, das Sicherheit vermittelt, weil seine Maschen uns dann halten, wenn wir den Halt verlieren.

 

Kennen Sie, liebe Gemeinde den Begriff Resilienz?

Resilienz entstammt dem lateinischen Verb „resilire“‚ und bedeutet zurückspringen, oder abprallen. Resilienz beschreibt in wissenschaftlicher Definition die psychische Widerstandsfähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.

 

Vereinfacht ausgedrückt ist Resilienz nichts anderes als die Umschreibung einer inneren Kraft, die mich trotz mancher Rückschläge immer wieder nach vorne schauen lässt.

 

Diese innere Kraft ist nach meiner Überzeugung durch nichts besser zu erhalten und zu entfalten als durch  unseren Glauben: Das tiefe Vertrauen auf Gott und darauf, dass er es richten wird.

 

Ich weiß, dass das nicht immer einfach ist. In Abständen wird unser Glaube mitunter schwächer oder geht uns gar eine zeitlang verloren. Wenn uns schwere Zweifel quälen, stellen wir unser Verhältnis zu Gott in Frage.

In solchen Momenten keimt die Überlegung auf, ob Gott die Sache mit dem Glauben nicht hätte unkomplizierter gestalten können.

 

Unser Glaube bleibt aber nur dann tragfähig, wenn wir uns ständig mit ihm beschäftigen.

Wäre alles bewiesen und klar, dann würden wir wahrscheinlich die ganze Sache als gut aber erledigt ad acta legen, und uns nicht mehr weiter darum kümmern.

So, wie vielleicht bei einer Münzsammlung. Wenn diese komplett ist, freue ich mich kurze Zeit. Danach aber gerät sie mehr und mehr in Vergessenheit, weil sie im eigentlichen Sinne keiner Pflege mehr bedarf.

 

Insoweit ist der Zweifel als Anhängsel des Glaubens eine geschickte Einrichtung. Er sorgt dafür, dass unsere Gedanken nicht in bequemen Schlummer fallen, sondern sich aktiv mit Schöpfer und Schöpfung beschäftigen.

Ich muss meinen Glauben, meine Beziehung zu Gott pflegen. So, wie ich auch Freundschaften pflegen muss, um sie zu erhalten und auszubauen.

 

Man kann den Glauben auch mit dem Bau und der Einrichtung eines Hauses vergleichen.

Ist ein ordentliches Fundament gelegt, sind die Ecksteine und Mauern fachgerecht gesetzt, hält ein Haus ein Leben lang. Durch Renovierung, neuen Anstrich oder Änderungen im Einrichtungsstil ergeben sich in Nuancen neue Facetten und Ansichten. Im Kern aber bleibt es immer das ursprüngliche Haus, das uns Geborgenheit und Sicherheit schenkt.

 

Auch unser Glaube ändert sich im Laufe des Lebens, schlägt mal einen anderen Weg ein, zeigt sich in einem neuen Gewand.

Wenn aber Fundament und Ecksteine richtig verankert sind, bleibt er ein Leben lang unser Hort der Zuflucht, der Sicherheit und der Wärme.

Ein Fundament des Vertrauens, das und die Kraft gibt, die wir benötigen, um unser Leben frei von Depression und Angst gestalten zu können.

Auch dann, wenn wir einmal nicht ganz so rosige Zeiten durchlaufen.

 

Heute, eine Woche nach Ostern, ist uns das Drama um Jesu Tod und seine Auferstehung wieder besonders nah.

Die Geschichte um sein Sterben, aber auch um seinen Sieg über den Tod macht uns erneut Hoffnung.

Hoffnung darauf, dass er sein Versprechen hält, dass auch wir auferstehen werden, wenn wir an ihn glauben.

 

Das heißt einfach, liebe Gemeinde: Wenn wir ihm vertrauen!

 

Im Glaubensbekenntnis bekunden wir gemeinsam unser Vertrauen, unseren Glauben an Gott und seinen eingeborenen Sohn.

Ich denke, das können wir frohen Herzens tun.

 

Bereits vor zweitausend Jahren hatten die Jünger in ihrer Trauer um Jesu Tod Bedenken hinsichtlich der Wahrhaftigkeit seiner Auferstehung. Und das, obwohl sie ihn persönlich gekannt hatten.

 

Mit seiner mehrfachen Offenbarung nach der Auferstehung hat Jesus den Jüngern bestätigt, dass sie zu Recht alles Vertrauen in ihn setzen dürfen.

 

Und eben diese Offenbarungen strahlen bis zum heutigen Tage auch in unsere Herzen.

Die Offenbarungen Jesu sind sein werben um unser Vertrauen.

 

Jesus sagt: Vertraut mir. Ich lebe, und ihr sollt auch leben.

Festigen wir also unseren Glauben immer wieder aufs Neue, in dem wir den Herrn um Glauben bitten.

Pflegen wir also weiter unsere Beziehung zu Gott, in dem wir versuchen, uns seinen Geboten zu nähern.

Lassen Sie uns auf den Herrn vertrauen. Er wird es richten. Er wird alles zu einem guten Ende bringen.

 

Gott offenbart sich uns auch heute auf die vielfältigste Weise. Als ich die letzten Sätze zu dieser Predigt schrieb, war der Himmel mit Wolken verhangen.

In dem Moment aber, als meine Gedanken um das Vertrauen zu Gott kreisten, brach die Wolkendecke plötzlich auf, und gleißendes Sonnenlicht fiel in mein Arbeitszimmer.

Ein schöner Zufall, wird der eine oder andere denken.

Ich behaupte, das war kein Zufall, und wiederhole: Gott offenbart sich uns auch heute auf die vielfältigste Weise. Im Zweifel – in doppeltem Sinne - eher unspektakulär.

Wir müssen nur Augen und Ohren offen halten, unsere Sinne schärfen, für seine Art der Kommunikation.

 

Glauben Sie heute ausnahmsweise einmal mir:

Sie werden Gott spüren, wenn sie sich auf ihn einlassen, wenn Sie ihm vertrauen. Garantiert.

Amen

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Predigttext 11.04.21
210411GDPredigt.pdf
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Predigt

für Ostermontag (05.04.21)

zu Lk 24,1-11

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der Online-Gottesdienst zum Ostermontag kommt aus der Kirche St. Anna in Steeg.

Der Predigt liegt das Osterevangelium aus Lk 24,1-11 zugrunde:

 

 

Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. Und als sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer in glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war und sprach: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.“ Und sie gedachten an seine Worte. Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den Elf und allen andern Jüngern. Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern Frauen mit ihnen; die sagten das den Aposteln. Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär's Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.

 

 

Liebe Gemeinde! „Ich will mein altes Leben zurück!“ Ich hab’ nicht gezählt, wie oft ich diesen Satz in den letzten Monaten gehört oder gelesen habe. Ist ja auch nachvollziehbar - wo seit einem Jahr nichts mehr so ist, wie es vorher war. Am Anfang war’s ja noch ganz nett - Stichwort Entschleunigung. Aber mittlerweile vermissen viele die alte Normalität schmerzlich. Was waren das für Zeiten, wo man sich einfach mal ins Café setzen konnte. Wo man morgens zur Arbeit fuhr, die Kinder in der Schule waren oder in der Kita. Wo sich Schminken und Rasieren noch gelohnt haben… Stattdessen schlürft man seinen Kaffee jetzt zuhause, hievt neben dem Homeoffice die Kinder durchs Homeschooling und führt zwischendrin mal schnell sein der Natur überlassenes Gesicht gut versteckt hinter einer FFP 2 Maske zum Einkaufen aus.

 

„Ich will mein altes Leben zurück!“ Das wird wohl auch die Gefühlslage der Frauen gewesen sein, die in der Frühe des Ostermorgens auf dem Weg zum Grab waren. Was waren das für Zeiten, als sie mit Jesus von Dorf zu Dorf zogen und an Seinen Lippen hingen, wenn Er am Sabbat in der Synagoge aufstand, nach vorne ging und in der Ihm eigenen Vollmacht anfing von Gott zu erzählen wie von einem Vater. Was waren das für Zeiten, als die Leute in Scharen zu Ihm kamen. Als Lahme, die hergetragen werden mussten, auf Sein Wort hin leichten Fußes von dannen gingen oder Blinde zum ersten Mal in ihrem Leben das Gesicht eines anderen Menschen sehen konnten. Was waren das für Zeiten, als sie abends mit Jesus zusammen saßen und Er ihnen vom Reich Gottes erzählte. Stattdessen waren sie jetzt auf dem Weg zu Seinem Grab. Ihr Lebensinhalt lag begraben in einer Felshöhle hinter einem schweren Stein. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre dabei gewesen, dann hätte ich mich daher geschleppt mit Beinen wie aus Blei. Und ganz gewiss hätte ich gedacht: „Ich will mein altes Leben zurück!“

 

Das Grab war alles, was ihnen geblieben war. Die Gefäße mit den wohlriechenden Ölen in der Hand steuerten sie auf die Felshöhle zu, die Josef von Arimathäa für das Begräbnis Jesu zur Verfügung gestellt hatte. Einen letzten Liebeserweis wollten sie Jesus schenken und Seinen toten Körper einbalsamieren. Dazu war am Karfreitag keine Zeit mehr geblieben, weil mit Einbruch der Dunkelheit der Sabbat anfing. Und dann kommen sie um die Ecke und - siehe da: Stein weg, Grab leer. Statt der Leiche zwei Lichtgestalten - jedes Kind würde sie als Engel identifizieren -, die sagen zu ihnen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“

 

Was für ein Satz, liebe Gemeinde! „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war“. Stimmt, das hatte Er gesagt. Sogar mehrmals. Aber sie hatten es nicht kapiert. Die Frauen sind einem Denkfehler aufgesessen. Sie suchen den Lebenden bei den Toten, ihr Glück in der Vergangenheit. „Ich will mein altes Leben zurück!“ So sind wir, wir Menschen. Statt in die Zukunft zu sehen, salben wir die Vergangenheit. Statt das Leben zu feiern, huldigen wir dem Tod.

 

Ostern, das ist der Cut, den Gott setzt. Keine Rolle rückwärts zu dem, was war (frei nach dem Motto: „Früher war alles besser!“), sondern eine komplett neue Schöpfung. Die Vorstellung, dass einer von den Toten aufersteht, überfordert uns prinzipiell erstmal. Dass Gott das Potenzial hat, wirklich alles neu zu machen, Leben zu schaffen aus dem Tod, ist unvorstellbar. Die Jünger konnten’ s auch erstmal nicht glauben. Als die Frauen ankommen und ihnen erzählen, was sie erlebt haben, da „erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz“, schreibt Lukas. Aber irgendwie hat sich dieses „Geschwätz“ hartnäckig gehalten…

 

Nein, ihr altes Leben haben sie nicht zurückbekommen, weder die Frauen noch die Jünger. Stattdessen aber durften sie erleben, dass es um Gottes willen ein neues gibt. Ein paar Mal begegnete ihnen der Auferstandene, um sie dafür fit zu machen. Danach saß Er zwar nicht mehr sichtbar mit ihnen am Lagerfeuer, aber Er war da, wenn sie das Brot brachen und sich den Kelch reichten. Er war da, wenn nun sie in den Synagogen auf die Kanzel stiegen und den Anbruch der neuen Welt Gottes predigten. Und Er war auch da, wenn sie gelegentlich die Angst überfiel oder die Wehmut. Dann hörten sie Ihn sagen: „Weint nicht um euer altes Leben, sondern wagt das neue!“

 

Vielleicht ist es das, was Gott auch uns sagen will in diesen Wochen, wo Corona in die dritte Runde geht: „Weint nicht um euer altes Leben, sondern wagt das neue!“ Ich glaube, dass wir das Potenzial von Ostern für unser Leben und unsere Welt total unterschätzen. Vordergründig kann ich jeden verstehen, der sagt: „Ich will mein altes Leben zurück!“ Aber wäre das wirklich gut? Ich glaube, da geht mehr. Eine österlich qualifizierte gesellschaftliche Auferstehung aus der Corona-Krise ist mehr als eine bloße Rückkehr zum Leben von davor. Sowie Ostern nicht die Wiederherstellung des status quo ist, sondern etwas grundlegend Neues. Jesus wird nicht wiederbelebt, Er ersteht auf.

 

Vielleicht ist ja auch mehr drin als eine Gesellschaft, in der die einen drei Mal im Jahr auf Kreuzfahrt gehen, während die anderen aus Mülltonnen essen. In der die einen jetzt auf Malle unter Palmen sitzen, während die anderen nicht mal in ihre Ferienwohnung dürfen. In der die einen sich an der Pandemie doll und dusselig verdienen, während die anderen vor dem Trümmerhaufen ihres Lebenswerkes stehen. Wirklich viel gelernt haben wir nicht in diesem Jahr Pandemie. Wir versuchen immer noch krampfhaft, unser altes Leben zu retten. Es ist still geworden um die Hoffnung, die man vor Jahresfrist gelegentlich hören konnte: Dass in Corona eine Chance steckt für eine gesellschaftliche Veränderung hin zu mehr Rücksicht, zu mehr Bereitschaft zum Verzicht, zu mehr Nachhaltigkeit. Die Klimakrise wartet nicht, bis die Corona-Krise vorbei ist. Man schaue sich nur unsere Wälder an und die dörren Böden. Aber da tut sich nicht viel. Stattdessen werden mit Milliarden Euro Steuergeldern Fluggesellschaften gerettet und Reiseunternehmen. Wir suchen den Lebenden bei den Toten, liebe Gemeinde. Wir suchen unser Heil in der Vergangenheit, begegnen den Fragen von heute mit Antworten von gestern.

 

Wie gesagt, vordergründig kann ich jeden verstehen, der sagt: „Ich will mein altes Leben zurück!“ Aber zukunftsweisend ist das nicht. Und auch nicht österlich. Die Auferstehung Jesu hat Potenzial, das über das, was wir kennen, hinausgeht. Darum brauchen wir vor dem, was wir nicht kennen, keine Angst zu haben. Der Auferstandene ist da, wenn wir uns mit Ihm auf den Weg in die Zukunft machen. Und wenn wir Ihm vertrauen würden, dann könnten wir hören, wie Er uns sagt: „Weint nicht um euer altes Leben, sondern wagt das neue!“ Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem auferstandenen Herrn. Amen.

 

 

Predigttext 05.04.
Ostermontag
Online-Gottesdienst 2021-04-05 Predigtma[...]
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Predigt

für Ostern (04.04.21)

zu Mk 16,1-7

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der Online-Gottesdienst zum Ostersonntag kommt aus der Kirche St. Moritz in Oberdiebach.

Der Predigt liegt das Osterevangelium aus Markus 16,1-7 zugrunde:

 

 

Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und Jesus zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“ Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

 

 

Liebe Gemeinde! „Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war“. Dass sich das Problem mit dem Stein so leicht lösen würde, damit hatten die Frauen wahrscheinlich nicht unbedingt gerechnet. Was hatten sie sich für einen Kopf gemacht! Und dann kommen sie da an und sehen hin und werden gewahr, dass ihnen kein Stein mehr im Weg liegt.

 

Hinsehen und gewahr werden gehören zusammen. Um etwas wahrzunehmen, muss man hinsehen. Der Blick der Frauen ist auf das Grab gerichtet. Auf den Ort ihres Schmerzes, wo nicht nur Jesus begraben liegt, sondern mit Ihm alle ihre Hoffnungen, im Prinzip ihr Lebensinhalt. Sie sehen hin auf den Ort, wo sich Kummer und Trauer verdichten. Das ist kein schöner Anblick, und für viele auch kein leichter. Manchmal kostet es Kraft hinzusehen. Und trotzdem ist es so wichtig.

 

Die Frauen entdecken am Ort ihres Schmerzes eine neue Wahrheit. Von außen werden sie erstmal nur gewahr, dass der Stein weg ist. Aber sie gehen einen entscheidenden Schritt weiter. Sie gehen hinein in die Felshöhle, wagen den Blick in das Dunkel und erfahren dort, was ihr Leben verändert. Die Osterbotschaft erreicht sie im Grab. Es gibt Situationen, wo man erst an den Schmerz ran oder zugespitzt gesagt: in die Höhle der Trauer hineingehen muss, um offen zu werden für eine neue Wirklichkeit, die über Verzweiflung und Schmerz hinausgeht.

 

Man muss das nicht alleine schaffen. Die Frauen bekommen Hilfe. Ihr Anteil ist, dass sie hinsehen und hineingehen. Das allein kostet schon so viel Kraft und Überwindung. Aber sie sind sich und ihren Gefühlen nicht allein ausgesetzt in der Höhle des Grauens. Da drinnen sitzt einer und wartet auf sie. Ein Jüngling, wie Markus es sagt; jedes Kind würde ihn aufgrund seiner Beschreibung als Engel identifizieren. Dieser Gottesbote holt die Frauen dort ab, wo sie stehen. „Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten.“

 

Ja, genau. Den suchen sie. Diesen Menschen, der so viel Hoffnung in ihnen geweckt hatte. Und der sie nun mit so vielen Fragen zurückließ. War er wirklich der, für den sie Ihn die ganze Zeit gehalten hatten? War dieser Mann, mit dem sie so lange durch die Gegend gezogen waren, wirklich der, den sie zu kennen geglaubt hatten? Warum dann dieses Ende? Das wäre doch nicht nötig gewesen. Bei Seinen Ressourcen wäre es Ihm ein Leichtes gewesen, sich und ihnen einen solchen Abgang zu ersparen.

 

Trauer wird noch schmerzhafter, als sie eh schon ist, wenn die Umstände des Todes Fragen aufwerfen. Wenn posthum plötzlich Dinge aufplöppen, mit denen man im Lebtag nicht gerechnet hätte. So geht es diesen Frauen - den beiden Marias und Salome. Trotzdem sind sie da an diesem Morgen. An Seinem Grab. Weil sie nicht wissen, wo sie sonst suchen sollen.

 

Der Engel holt die Frauen da ab, wo sie stehen. Aber er bleibt nicht dabei stehen. „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten.“ Soweit klar. Aber was dann kommt, ist neu: „Er ist auferstanden, Er ist nicht hier!“ Zum Weiterleben ist die Grabhöhle, die Höhle der Trauer, nicht der Ort. Sie ist not-wendige Zwischenstation, aber nicht die Endstation. Jesus jedenfalls hat sie hinter sich gelassen. Tod - das war gestern und vorgestern. Die Wahrheit des Karfreitags. Die Wahrheit von Ostern heißt Leben. Der, der am Anfang Himmel und Erde geschaffen hat, der war in dieser Nacht erneut am Werk. Das Leben 2.0 ist geboren. Der Tod zum Auslaufmodell degradiert. Der Weg in die Zukunft ist frei. Nicht nur für Jesus. Auch für die Frauen, die in ihrer Trauer um Ihn gefangen waren.

 

Liebe Gemeinde, manche Steine in unserem Leben müssen wir selbst wegräumen. Bei anderen müssen wir nur gewahr werden, dass Gott sie schon weggeräumt hat. Ge-wahr werden. Das heißt wahr-nehmen. Die Wahrheit entdecken, dass das unmöglich Geglaubte möglich ist. Dass der Weg, von dem ich dachte, er sei mir versperrt, offensteht. Sowas gibt es. Auferstehung schon mitten im Leben. Ich denk da zum Beispiel an ein befreundetes Paar. Sie hatte sich schon als Jugendliche in ihn verliebt. Aber er war neun Jahre älter und hat sie damals überhaupt nicht registriert. Chancenlos. Mehr als zehns Jahre später waren die beiden zusammen als Teamer auf einer Kinderfreizeit. Und siehe da, da hat’s dann auch bei ihm gefunkt. Die beiden sind jetzt 27 Jahre verheiratet und haben vier Kinder.

 

Oder ich denke an eine Frau, die mir mal erzählt hat, dass sie als Arzthelferin in der Praxis, wo sie tätig war, todunglücklich war. Sie schrieb eine Bewerbung nach der anderen. Aber immer nur Absagen. Irgendwann war sie zu einer Routineuntersuchung bei ihrem Hausarzt. Da fragt der sie auf einmal: „Haben Sie eigentlich inzwischen eine neue Stelle?“ Daraufhin sie: „Woher wissen Sie das denn?“ Sagt er: „Drei Leute haben mir unabhängig voneinander von Ihnen erzählt. Wenn Sie mögen, können Sie nächste Woche mal Probe arbeiten kommen.“ Zum nächsten Quartalsanfang hatte sie die Stelle.

 

„Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war“. Der Anfang einer neuen Wahrheit. Manchmal braucht es einen „Engel“, um sie in Gänze zu erfassen. Einen, der da ist am Ort unseres Schmerzes. Der uns da abholt, wo wir stehen - mit unserer Verzweiflung, unserer Ohnmacht, unserer Ratlosigkeit, unserem Schmerz. Und der uns den Blick weitet für die Möglichkeiten Gottes. Es gibt solche Engel. Einige davon sitzen heute Morgen hier. Das müssen keine Jünglinge sein, und sie müssen auch kein langes weißes Gewand anhaben. Gott findet Seinen Weg, um uns in der Höhle unserer Trauer aufzusuchen und uns mit der neuen Wahrheit zu konfrontieren. Mit der Wahrheit von Ostern. Mit der Wahrheit vom Sieg des Lebens. Unser Part ist: hinsehen und gewahr werden. Dazu helfe uns Gott. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

Predigttext 04.04.21
Online-Gottesdienst 2021-04-04 Predigtma[...]
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Predigt Osternacht 03.04.2021

 

„Ostern, das haben wir uns verdient.“

 

Damit wirbt eine große Supermarktkette inklusive eigens neu aufgenommenen Song. Na dann können wir uns alle mal auf die Schulter klopfen.Warum wir uns das allerdings verdient haben und wie, bleibt offen.

 

Haben wir uns denn Ostern verdient? Vielleicht indem wir letztes Jahr Weihnachten „gerettet“ haben? Oder weil wir nun schon seit einem Jahr die Corona-Pandemie ertragen?

 

Bei den meisten ist wohl der anfängliche Tatendrang aus dem ersten Lockdown mittlerweile eher der Frustration gewichen. Ich sehe in meinem Freundeskreis kaum noch Bilder von selbstgebackenem Bananenbrot und Co. Wie viele von Ihren Lockdown-Ausweich-Hobbys sind noch erhalten geblieben? Und was mag Jesus wohl in den drei Tagen gemacht haben, bis zur Auferstehung? Ja klar, wie wir im Glaubensbekenntnis ja immer mitsprechen, war er wohl im Reich des Todes, aber die ganzen drei Tage? In einer dunkeln Höhle und ganz allein. Fühlen Sie sich nicht hin und wieder auch so in diesen Zeiten?

Natürlich wir sitzen im besten Falle in unseren Wohnungen und Häusern mit jede Menge Beschäftigungsmitteln, aber irgendwie hat das zumindest für mich langsam den Reiz verloren. Es ist immer schwerer sich neu für etwas zu begeistert oder an altem dranzubleiben.

 

Ich komme mir orientierungslos vor, weil ich genauso wie kein anderer Mensch weiß, wie lange es noch so weitergehen wird. Ich bin verzweifelt, weil diese Situation langsam an meinen Nerven zerrt, und will mir gar nicht ausmalen, wie das bei Homeschooling oder in Existenzängsten wäre. Ich bin müde, immer wieder Alternativen suchen zu müssen für Geburtstagsfeiern, Gottesdienste und anderes.

Zu langsames Impfen, Mutationen und steigende Zahlen scheinen uns immer wieder zurückzuwerfen.

 

„Ostern- das haben wir uns verdient.“

Verzweifelt und orientierungslos müssen damals auch die Menschen gewesen sein, die Jesus nachgefolgt sind. Die Menschen, die ihre Familien und ihre Heimat verlassen haben um diesem Mann ihr Leben zu widmen. Wir wissen ja heutzutage, wie die Geschichte ausgehen wird und müssen nicht 3 Tage in völliger Ungewissheit verharren.

 

Der Lebensmittelpunkt der Jünger:innen war weg. Was nun? Bestimmt gab es einige Diskussionen darum, ob Jesus den nun wirklich auferstehen wird, wie er es mal vorhergesagt hatte, oder es sich beim ihm doch nur um einen Hochstapler gehandelt hatte, der zwar einige interessante Zaubertricks draufhatte, aber nun mal nicht wirklich wie Gottes Sohn auch den Tod besiegen konnte.

 

Diese Unwissenheit kann ich zumindest in diesem Jahr noch einmal besonders nachvollziehen und auch die Verzweiflung. Zwar änderte sich das Leben letztes Jahr nicht unbedingt von ein auf den anderen Tag, sondern meist bannten sich Lockerungen und Verschärfungen ein bisschen an. Und trotzdem stehe ich nach einem Jahr immer noch mit jede Menge Unwissenheit dar und kann mir noch nicht ganz vorstellen, wie der Rest des Jahres werden wird.

 

In Mitten diese Situation laufen die Frauen, die den Auferstandenen schon getroen haben. „Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Stille. Ich stelle mir vor, dass einer der Jünger:innen noch einmal nachfragt: „Was?“ Und wieder wird geantwortet: „Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“

 

„Ostern, das haben wir uns verdient.“

Und wie haben sich die Jünger:innen damals das Osterfest verdient? Natürlich, sie sind Jesus nachgefolgt. Aber schaut man sich die Geschichten in den Evangelien einmal im Überblick an, dann erscheinen die Jünger:innen nicht als Vorzeigeschüler:innen. Judas verrät Jesus. Petrus verleugnet ihn nach der Verhandlung. Und auch die restlichen Jünger:innen sparen in den Geschichten nicht mit Skepsis und Misstrauen. Die Geschichte von Gott und den Menschen ist durchzogen von Murren, Zorn, Zweifel und Fehlern, die die Menschen begehen.

 

Die Frage bleibt also: „WIE haben wir uns Ostern denn nun plötzlich verdient?“

 

Und meine Antwort darauf lautet: „Gar nicht.“

Wir KÖNNEN uns Gottes Liebe und das ewige Leben nicht verdienen und vor allem MÜSSEN wir es nicht. Gott ist kein Gott der Ferne, kein Gott der Starken, kein Gott nur für Optimisten. Gott ist ein Gott der Menschen. Er möchte mitten in die Dunkelheit unserer Verzweiflung kommen. Mitten in unser müde sein und unser Unwissen, was in der nächsten Zeit kommen mag.

Gott ist ein Gott der Liebe, der uns liebt und annimmt wie wir sind. Ob wir es uns verdient haben oder nicht.

 

Die ganze Situation nun so ins hier und jetzt zu übertragen, dass gleich die Kirchentür auffliegen wird und jemand hereinrufen wird: „Die Pandemie ist vorbei. Sie ist wahrhaftig vorbei.“ Wäre natürlich viel zu naiv. Aber wir dürfen unsere Verzweiflung, unser einsam sein und alle anderen Teile unserer Dunkelheit in Gottes Licht legen. Wir dürfen uns immer bewusst sein, dass bei aller Dunkelheit auch Licht bei uns ist. Denn Jesus ist eben nicht mehr im Grab, sondern auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

 

Wir haben uns Ostern also nicht verdient- aber wir bekommen es trotzdem geschenkt.

 

Amen.

 

 

Predigtext Osternacht
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Predigt

für Karfreitag (02.04.21)

zu Jes 53,1-7.10b-12

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der Online-Gottesdienst zum Karfreitag kommt aus der Kirche St. Oswald in Manubach.

Der Predigt liegt folgender Text aus Jesaja 53 zugrunde:

 

 

Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des HERRN offenbart? Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des HERRN Plan wird durch ihn gelingen. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

 

 

Liebe Gemeinde! Ist Ihnen das auch schon mal passiert, dass Sie mit Ihrer Einschätzung eines anderen Menschen so richtig daneben gelegen haben? Es ist ja so: Wenn wir einem Menschen zum ersten Mal begegnen, verschaffen wir uns blitzschnell einen Eindruck: Wie ist der? Wie tickt der? Taugt der was, oder taugt der nix? Peinlich ist es, wenn man Letzteres denkt und dann irgendwann feststellen muss: „Ups, da hast Du Dich aber gewaltig geirrt!“ So wie der Hauptmann bei der Kreuzigung Jesu, der da steht und für eine reibungslose Hinrichtung sorgt. Der denkt, er hätte es mit drei nichtsnutzigen Verbrechern zu tun. Und am Ende, als er sieht, wie Jesus stirbt und was Seine letzten Worte sind, muss er eingestehen: „Wahrlich, dieser Mensch ist ein Gerechter gewesen!“

 

Jesus ist von einem Großteil Seiner Zeitgenossen verkannt worden. Dafür gab es sicher mehrere Gründe. Einer ist der, dass Er – man könnte sagen – den falschen Umgang hatte. Er aß mit den Ausgestoßenen und redete mit denen, mit denen sonst keiner redet. Mit Leuten, deren Lebensstil nicht mit den gängigen Moralvorstellungen harmonierte, um es vorsichtig zu sagen. Unvorsichtiger ausgedrückt: Jesus hat mit dem gesellschaftlichen Abschaum Seiner Zeit rumgehangen. Wenn man das tut, wird man schnell mit den entsprechenden Leuten in einen Topf geworfen. Bei denen, die das Sagen hatten, kam das jedenfalls gar nicht gut an. Kommt hinzu, dass Jesus selber aus einfachem Hause kam und noch dazu aus der Provinz. Damit war Er einfach zu unscheinbar und zu zwielichtig, um als Messias durchzukommen. Die Frommen und die Einflussreichen verkannten und verachteten Ihn. „Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. (…) Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.“ So haben wir es eben in der ersten Lesung vom sogenannten Gottesknecht gehört.

 

Der Text wurde rund 500 Jahre vor Jesu Kreuzigung geschrieben. Historisch lässt sich nicht mehr klären, was es mit diesem „Knecht Gottes“ auf sich hat, von dem im Buch des Propheten Jesaja die Rede ist. Aber die frühe Kirche hat das, was über ihn gesagt ist, auf Jesus gedeutet. Und es passt ja auch wie die Faust auf’s Auge. Jesus selber bezieht sich auf diesen Text Jes 53, als Er zweien von Seinen Jüngern nach Seiner Auferstehung erklärt, warum Er leiden und sterben musste. Die Jünger haben es ja auch nicht verstanden. Sie haben Ihn nicht verstanden. Und haben den Zusammenhang nicht verstanden zwischen ihrem Leben und Seinem Leiden. Diesen Zusammenhang, der sich in zwei Wörtern zusammenfassen lässt: „für uns“. „Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen“, schreibt der Prophet. „Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen.“

 

Was aussieht wie eine Gottesstrafe, ist in Wahrheit die radikale Solidarität Jesu mit den Menschen. Mehr noch: das ist Stellvertretung. Solidarität ist, wenn ich mich neben einen Menschen stelle und sage: „Ich halte zu Dir! Ich unterstütze Dich! Ich gehe mit Dir, und wenn’s nötig ist, leide ich mit Dir!“ Stellvertretung ist, wenn ich an die Stelle dieses Menschen trete und sage: „Lass nur, ich regle das für Dich!“ Aber ist das wirklich nötig? Warum muss Jesus für unsere Sünden sterben? Sind wir wirklich so schlimm? Ich bleibe mal bei unseren dramatischen Fehlurteilen über andere Menschen von eben. Mindestens damit hat jeder schon einem anderen Unrecht getan. Wie werden Menschen gerade in diesen Zeiten in Schubladen gesteckt. Wegen der Verfehlungen einiger wird über alle Politiker der Stab gebrochen und behauptet: „Die da oben sind doch eh alle korrupt!“ Wenn man es wagt, sich kritisch zu den Corona-Maßnah-men zu äußern, ist man sofort ein Querdenker. Und umgekehrt: Wenn man die Maßnahmen für gut heißt und sie verteidigt, kriegt man gesagt: „Aha, Du lässt Dich also auch von den Mainstream-Medien einlullen und glaubst treu doof, was die da oben Dir erzählen!“

 

Menschen verkennen und verachten sich gegenseitig. Wie damals bei Jesus. Das ist Alltag. Leider. Denn damit wird entsetzlich viel Unheil angerichtet. Unsere Gesellschaft droht daran zu zerbrechen, dass wir so einen Spaß dran haben, über andere zu Gericht zu sitzen, als wären wir der liebe Gott persönlich. Wer Menschen verkennt und verachtet, der verachtet den Schöpfer. Und wer über andere urteilt, setzt sich an die Stelle Gottes. Das ist Amtsanmaßung höchsten Ranges. Die Bibel nennt das „Sünde“. Wer sich an die Stelle Gottes setzt, setzt Gott ab. Wer Gott absetzt, setzt sich von der Quelle des Lebens ab. Und dass das nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand. An der Stelle springt Jesus für uns in die Bresche. Er haut uns raus aus dem Schlammassel.

 

Meine Frau und ich gucken gerne sonntags abends den „Tatort“. Da kommt es immer wieder vor, dass Menschen ein falsches Geständnis ablegen, um andere zu schützen, z.B. ihre Kinder. Damit die nicht bestraft werden, gehen sie lieber selbst in den Knast. Genau so macht es Jesus. Nur, dass es hier nicht bloß um eine Haftstrafe geht. „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Warum tut Er sich das an? Mit Logik ist das nicht zu erklären. Das ist Leidenschaft. Wir haben es ja hier mit niemand anderem zu tun als mit Gott selbst, der sich in Jesus für Seine Menschen hingibt. Ein leidenschaftlicher Vater, dem Seine Leidenschaft für Seine Kinder buchstäblich Leiden schafft. Es ist Ihm unerträglich, dass Seine Menschen, die Er in Liebe geschaffen hat, in Lieblosigkeit, Hass, Selbstgerechtigkeit und Schuld zugrunde gehen. Die Leidenschaft für uns lässt Jesus beten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ „Auf dass wir Frieden hätten“! hat Jesus alles gegeben. Für uns.

 

Wozu musste Jesus sterben? Wie gesagt, ich hoffe, mit dieser Frage werden wir nie fertig. Im heutigen Predigttext finde ich aber zwei Antworten: 1. Jesus stirbt aus Solidarität mit den Opfern. Denen, die von anderen verkannt und verachtet werden, sagt Er: „Du bist trotz allem nicht allein!“ 2. Jesus stirbt in Stellvertretung für die Täter. Denen sagt Er: „Du darfst trotz allem sein!“

 

Gott liegt in Seinem Urteil über uns nicht daneben. Er weiß, dass wir beides sind. Täter und Opfer. Er sieht uns so, wie wir sind: Als Menschen, die durchaus zu viel Gutem in der Lage sind, aber leider auch zu abgrundtiefem Unrecht. Er liebt uns trotzdem. Weil wir Seine Kinder sind, und die will Er nicht verlieren. Darum hat Er alles gegeben. Sich selbst. Für uns. Amen.

 

 

Predigtmanuskript 02.04.2021
Karfreitag
Online-Gottesdienst 2021-04-02 Predigtma[...]
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Predigt

für So. Palmarum (28.03.21)

zu Hebr 11,1-2.8-12; 12,1-3

mit Musik für Gesang und Gitarre

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Peter in Bacharach.

Der Predigt liegt folgender Predigttext aus Hebräer 11 und 12 zugrunde:

 

 

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Durch diesen Glauben haben die Vorfahren Gottes Zeugnis empfangen. Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Durch den Glauben empfing auch Sara, die unfruchtbar war, Kraft, Nachkommen hervorzubringen trotz ihres Alters; denn sie hielt den für treu, der es verheißen hatte. Darum sind auch von dem einen, dessen Kraft schon erstorben war, so viele gezeugt worden wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählbar ist. Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

 

 

Liebe Gemeinde! "More than Words can Say“. „Mehr als Worte sagen können“. So lautet der Titel des Liedes, das wir gerade gehört haben; ein Song der amerikanischen Band "Extreme“von 1989. Darin heißt es: „Ich will nicht die Worte “Ich liebe dich” von dir hören. Nicht, dass ich nicht möchte, dass du sie aussprichst, aber […] Tu's doch einfach, statt dass du’s nur sagst, da hab ich mehr davon […]. Statt es nur zu sagen, könntest du mir doch vielmehr zeigen, dass du mich wirklich liebst.“ Das dürfte so manch einem aus der Seele sprechen. Manchmal sind Worte zu wenig. Da sehnt man sich nach einem handfesten Liebesbeweis. Für ein routinemäßig dahergesagtes „Ich liebe Dich!“ kann man sich nicht viel kaufen. Schon gar nicht, wenn die Taten eine andere Sprache sprechen als die Worte. Trotzdem geht es in der Liebe nicht ohne Worte und nicht ohne das Vertrauen, dass diese Worte wahr sind. Belastbar.

 

Dass das bloße Wort nicht reicht, dass man lieber handfeste Beweise haben möchte, dieses Problem haben viele Menschen auch im Blick auf Gott. Manche sind enttäuscht, dass wir von Ihm „nur“ Sein Wort haben. (Und das auch noch schriftlich, sodass man’s selber lesen muss...) Wie gesagt, das ist manchen zu wenig. Gott soll sich zeigen, soll sich quasi selbst unter Beweis stellen. Nun lässt sich Gott aber nicht aus sicherer Entfernung beobachten, sozusagen von der Zuschauertribüne aus. So nach dem Motto: „Ich schau mir mal an, was der da abliefert, und dann überlege ich mir, ob ich an Ihn glaube.“ So wie Liebe nur dort ankommen kann, wo man sie glaubt, wo man vertraut, wo man davon ausgeht, dass sie echt ist, so stehen auch die Chancen, Gott zu erleben, deutlich besser, wenn man den Gedanken zulässt, dass Er da ist. Und dass Er echt an uns interessiert ist.

 

Liebe braucht den Glauben. Das gilt für die Liebe zwischen zwei Menschen und für die Liebe Gottes. Wobei Glaube mehr ist, als etwas für wahr zu halten. Man kann vieles für wahr halten, ohne dass das irgendeine Relevanz für das eigene Leben hat. Das Wort pistiV, das in unseren deutschen Bibelausgaben mit „Glauben“ übersetzt wird, heißt eigentlich „Vertrauen“. Darum geht es. Glaube ist eine Beziehungssache. Gott lässt sich nur erfahren, wenn wir uns auf Ihn einlassen. „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“, heißt es im ersten Satz des heutigen Predigttextes. Im Grunde ist es das, liebe Gemeinde: Einfach mal davon ausgehen, dass es Gott gibt und dass Er mehr drauf hat als das, was wir sehen, verstehen und beweisen können. Der Glaube rechnet damit, dass was, was jetzt ist, noch nicht alles ist. Gott lässt uns mit unserem Elend nicht im Regen stehen. Auch diese anscheinend nicht enden wollende Pandemie wird nicht ewig anhalten. Verzweiflung und Vereinsamung, Insolvenz und 7-Tage-Inzidenz, Not und Tod sind nicht die Endstation. Da geht noch was. Gott hat Zukunft für uns. Wie die genau aussieht und wie lang und wie mühsam der Weg dahin ist, weiß ich nicht. Gottes Wort fordert uns heraus zu einem Glauben gegen den Augenschein.

 

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Der Hebräerbrief ist an eine Gemeinde gerichtet, die ein Stück weit glaubensmüde geworden war. Sie war mit großer Euphorie gestartet. Man wartete darauf, dass Jesus ganz bald wiederkommt. Und dann tat sich nichts. Manche Gemeindeglieder kamen nicht mehr zum Gottesdienst, andere klinkten sich ganz aus. In diese Situation hinein schreibt der uns unbekannte Verfasser des Briefes: „Ey Leute, jetzt werft die Flinte nicht ins Korn! Bleibt dran an Gott und am Glauben! „Durch diesen Glauben haben die Vorfahren Gottes Zeugnis empfangen.““ Das heißt: Die, die uns im Glauben vorangegangen sind, haben die Erfahrung gemacht, dass Gottes Wort trägt. Dass Er meint, was Er sagt, und hält, was Er verspricht. Im Predigttext wird Abraham als Beispiel aus einer ganzen „Wolke von Zeugen“ herausgepickt. Auf Gottes bloßes Wort hin ließ Abraham alles stehen und liegen und zog in das Land Kanaan - mit nicht mehr in der Hand bzw. im Ohr als Gottes Verheißung. Gott hatte zu ihm gesagt (Gen 12,1-2): „…ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.“ Und dann kommt Abraham da an in diesem verheißenen Land, und keiner rollt ihm den roten Teppich aus. Er ist ein Fremder; das einzige Stück Land, das er am Ende sein Eigen nennen kann, ist eine Grabhöhle, die er gekauft hat. Und mit dem großen Volk das schien auch nichts zu geben. Seine Ehe mit Sarah war kinderlos. Erst als beide schon längst jenseits von gut und böse sind, kommt Isaak zur Welt - der so lange ersehnte Sohn.

 

Manchmal dauert es, bis Gott Seine Verheißungen wahr macht. Aber Sara und Abraham sind an Gott drangeblieben. Sara „hielt den für treu, der es verheißen hatte.“ Und der hat gehalten, was Er versprochen hat. Bis heute existiert dieses Volk. Israel. Allem Hass zum Trotz, der ihm noch immer entgegenschlägt, hat Gott dieses - Sein Volk gesegnet, hat es aus schlimmstem Elend gerettet und es für diese Welt zum Segen werden lassen. Denn aus der Nachkommenschaft Abrahams, Isaaks und Jakobs stammt noch ein anderer Sohn. In Ihm hat Gottes Wort  Hand und Fuß bekommen. „Das Wort ward Fleisch.“ So umschreibt der Evangelist Johannes die Geburt Jesu. Gott ist Mensch geworden. Und kommt damit allen entgegen, die sich nach etwas sehnen, das die Liebe und die Existenz Gottes stärker bezeugt als Worte. In Jesus, in Seiner Geschichte, hat Gott Seine Liebe dingfest gemacht.

 

Jesus hätte es leichter gehabt, wenn Er einfach oben geblieben wäre. Ist Er aber nicht. Stattdessen ist Er runtergekommen und einer von uns geworden. Mit den bekannten Konsequenzen: Spott und Hohn, Hass und Verachtung, Kreuzigung und Tod. Da, wo Menschen anderen Menschen ihr Leben zerstören, sie ihrer Freiheit berauben, ihnen ihre Würde nehmen und ihren Frieden, da guckt Jesus nicht weg, sondern stellt sich an ihre Seite.

 

Jetzt kann man natürlich sagen: „Na ja, ist ja nett von Ihm, aber für diese Form von Liebesbeweis kann ich mir auch nichts kaufen.“ Würde stimmen, wenn die Abwärtsbewegung, die Jesus da vollzogen hat, am tiefsten Punkt hängen geblieben wäre. Ist sie aber nicht. Die Kurve geht wieder nach oben. Erst von Ostern her gesehen wird ein Schuh draus aus der ganzen Sache. Mit Seiner Selbsthingabe hat Jesus uns nicht nur gezeigt, wie ernst es Gott mit uns ist, sondern auch, dass Seine Liebe stärker ist als der Tod. Der sich an den Tiefpunkten unseres Lebens neben uns stellt, sorgt dafür, dass auch unsere Kurve wieder nach oben geht. Darauf haben wir Sein Wort. Und das ist belastbar. Denn das, was Jesus für uns getan hat, ist wahrhaftig "More than Words can Say“ - mehr, als Worte sagen können. Amen.

 

 

Predigttext 28.03.21
Online-Gottesdienst 2021-03-28 Predigtma[...]
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21.03.2021 Judika                                                                                                                                                                                        09.15 Manubach

nach 12.11.2006                                                                                                                                                                                          10.45 Oberdiebach

                                                                                                                                                                Hiob2021.odt

Gnade sei mit uns

Liebe Gemeinde,

 

am Sonntag Judika werden wir mit einem schwierigen Abschnittaus dem Lehrbuch "Hiob",  der Weisheitsliteratur in der Bibel, konfrontiert.

 

Es ist Passionszeit und für uns zugleich Corona-Zeit. Das Virus hält sozusagen die ganze Welt in Quarantäne! Es ist schon fast ein Kriegszustand. Viele Fragen haben wir: Wer hat das verursacht? Ist es unsere Schuld? Haben wir das verdient? Wir sind am Ende mit unserer Weisheit und suchen nach Antworten!

 

So erging es auch Gottes Volk. Bei ihnen war es keine Pandemie, die sie so fragen ließ. Sie stellten nach der Heimkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft (vor Zweieinhalbtausend Jahren) auch die „Schuldfrage":

Warum hat Gott nicht die Schuldigen verurteilt, sondern uns alle „pauschal" den Feinden preisgegeben? Die Judäer hatten viel verloren durch das jahrzehntelange Exil in Babel, aber auch neue Gotteserfahrungen gemacht!

 

Und nun antwortet der Dichter des Hiob-Buches in Form eines "Gleichnisses". Ungefähr· so: Es war ein gerechter Mann, nennen wir ihn Hiob, der war dem Teufel ein Dorn im Auge. Eines Tages nun trat der Satan vor den Herrn - er hatte gerade die Welt gründlich inspiziert. Und Gott fragte ihn: Hast du auf meinen Knecht Hiob geachtet, den frommen, rechtschaffenen, gottesfürchtigen, der das Böse meidet? Der Satan antwortete spitz: Der Hiob hat ja auch allen Grund dazu, fromm zu sein! Du überhäufst ihn mit Segen. Aber nimm ihm das alles - dann lernst du den wahren Hiob kennen! Wollen wir wetten? Darauf sagte Gott: Ich gebe alles, was er hat, in deine Hand; nur an ihn selber darfst du nicht rühren.

 

Und nun traf ein Unglück nach dem anderen den Hiob! Aber er blieb treu, obwohl der Satan inzwischen auch ihn selber krank machen durfte! Nach der bisher geltenden Weisheitslehre Israels dürfte solch ein Verderben nur den schlimmsten Verbrecher als Strafe Gottes treffen. Freunde des Hiob kommen herbei, um mit ihm über seinen Zustand, über seine Schuld oder Unschuld an diesem Lebenslos zu diskutieren.

 

Wir haben ein Stück aus Hiobs großem „Klage-Lied" aus dem Gespräch mit seinen Freunden gehört, aber zugleich seinen großen Wunsch: Ach, dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach, dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel in Blei geschrieben, zu ewigem Gedächtnis in einen Fels gehauen! Die Erfüllung dieser Bitte haben wir schriftlich!

 

Liebe Gemeinde,

 

bleiben wir an dieser Stelle des "Gleichnisses vom armen Hiob" stehen und fragen wir uns selbst: Wie ist es mit unserer "Weisheit" über Gottes Fügungen bestellt, mit unserer Ansicht über Strafe oder Lohn? Haben die Sünder nicht gerechterweise Böses verdient? Und warum geht es dann vielen herzensguten Menschen so schlecht? Warum trocknet Gott die Sümpfe von Kriegstreibern, Attentätern, Rauschgifthändlern und anderen bösen Menschen nicht aus, warum macht er diese finsteren Mächte nicht ein für alle Male unschädlich? Warum sterben Kinder oder junge Erwachsene und nicht alle Menschen alt und lebenssatt?

 

Das Buch Hiob wurde wahrscheinlich von mehreren Generationen fortgeschrieben, je nachdem, wie sich das Geschick des Gottesvolkes und sein Gottesverhältnis darstellte. Der „Titel-Held" Hiob steht stellvertretend für alle, die sich sicher sind: Ich habe Gott keinen Grund zu solchen Strafen gegeben. Warum trifft gute Menschen grundlos das Unheil? Es ist eine "konstruierte" Lebenssituation, die uns da poetisch vorgestellt wird. Die Hiob-Dichter sind wohl alle Priester gewesen, die sich mit dem Wesen Gottes lebenslang beschäftigten, und mit dem Geschöpf Mensch, das Gott nach seinem Bilde geschaffen hat.

 

Wo wird das alles enden? Hat Leiden zu ertragen überhaupt einen Sinn? Ist es Torheit, Gott immer noch die Treue zu halten? Gibt es auch einen "ungerechten Gott", einen, den man nicht mehr begreifen kann?

 

Ihr Lieben,

wie sehr haben Menschen aller Zeiten sich bemüht, etwas von Gottes Tun und Walten zu verstehen. Hiob stellt einen Menschen dar, der auf Erlösung wartet! Sein "Erfinder" hat ihm nicht nur die Ahnung von dem großen Gegner des Satans ins Herz gelegt, dem Gottessohn, der die Sünde der Menschen auf sich ziehen und an ihrer Stelle am Kreuz sühnen wird! Hiob ahnt sogar schon die Entmachtung des Todes; denn er bekennt: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

 

Ich weiß nicht, was Euch allen einfällt in der Beispiel-Geschichte von Hiob. Mich erinnert sie an den Schächer, der neben Jesus auf Golgatha am Kreuz den Tod erleidet! Der bekennt: „Meine Strafe habe ich zu Recht bekommen. Ich habe das Kreuz "verdient". Das ist mein Karfreitag. " Aber dieser namenlose Sünder sieht schon über seinen schmählichen Tod hinaus: Jesus, gedenke mein, wenn du in dein Reich kommst! Und da wird ihm am Kreuz schon Vergebung erteilt und … ein Platz im Himmelreich zugesagt!

 

Es gibt nur einen wahrhaft schuldlosen Menschen auf der ganzen Gotteserde: Jesus von Nazareth. Um uns schwache Menschen, die der Teufel ständig anklagen könnte, zu retten, wurde er ein Mensch wie wir.

 

Er wandte sich solchen Geschlagenen wie der Gleichnis-Figur Hiob zu. Jesus stellte nie die Frage nach Schuld bei Kranken und Elenden - er vergab sie ihnen in göttlicher Vollmacht. Und selbst der Tod seines Freundes Lazarus aus Bethanien war nach Jesu Worten von Gott gewollt, um seine Macht über den Tod zu erweisen.

 

Das Weisheitsbuch Hiob weist für die Christenheit schon über den Karfreitag hinaus. Wir haben die Gute Botschaft, dass Jesus Christus die Sünden der Welt ans Kreuz getragen hat, um uns mit unserem Schöpfer zu versühnen.

 

Jesus Christus hat den Gott-Sünder-Kontrast verwandelt in eine Vater-Kind-Beziehung! Die gilt bis zum Ende aller

Zeiten. Und so können wir, wenn uns einmal alles über den Kopf zu wachsen scheint, wenn wir keine Antworten mehr finden, mit Hiob sagen:

 

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!

Amen

Und der Friede Gottes

 

 

Predigttext
Online-Gottesdienst 21.03.2021
Online-Gottesdienst 2021-03-21 Predigtma[...]
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Predigt

für den So. Laetare (14.03.21)

zu Jes 43,4 i.V.m. Eph 4,25-27.29-32

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Anna in Steeg.

Darin stellen sich unsere diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden vor.

Auf Teile des folgenden Lesungstextes aus Epheser 4,25-27.29-32

wird in der Predigt Bezug genommen:

 

 

Belügt einander also nicht länger, sondern sagt die Wahrheit. Wir sind doch als Christen die Glieder eines Leibes, der Gemeinde von Jesus. Wenn ihr zornig seid, dann ladet nicht Schuld auf euch, indem ihr unversöhnlich bleibt. Lasst die Sonne nicht untergehen ohne dass ihr einander vergeben habt. Gebt dem Teufel keine Gelegenheit, Unfrieden zu stiften. Redet nicht schelcht voneiandner, sondern habt ein gutes Wort für jeden, der es braucht. Was ihr sagt, soll hilfreich und ermutigend sein, eine Wohltat für alle. Tut nichts, was den Heiligen Geist traurig macht. Als Gott ihn euch schenkte, hat er euch sein Siegel aufgedrückt. Er ist doch euer Bürge dafür, dass der Tag der Erlösung kommt. Mit Bitterkeit, Wutausbrüchen und Zorn sollt ihr nichts mehr zu tun haben. Schreit einander nicht an, redet nicht schlecht über andere und vermeidet jede Feindseligkeit. Seid vielmehr freundlich und barmherzig und vergebt einander, so wie Gott euch durch Jesus Christus vergeben hat.

 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

 

Liebe Gemeinde! Eigentlich weiß das jeder, dass Wertschätzung gut tut. Trotzdem sind wir damit manchmal ziemlich sparsam. Tendenziell sagen wir uns eher das, was uns nicht gefällt. Z.B. die Mutter zum Kind: „Du hast Dein Zimmer ja immer noch nicht aufgeräumt!“ Obwohl sie vielleicht genauso gut sagen könnte: „Danke, dass Du den Müll schon raus getragen hast!“ Oder - ein Beispiel aus dem Leben vor Corona: Da sagt die 13jährige Tochter zu ihrer Mutter, die es gewagt hat, während ihrer Geburtstagsparty den Kopf zur Tür reinzustecken: „Oh Mama, Du bist sooo peinlich!“ Obwohl sie genauso gut hätte sagen können: „Hey, danke, dass Du mir die Muffins gebacken hast!“ Oder der Mann sagt am Mittagstisch zur Frau: „Die Kartoffeln sind wieder dermaßen salzig!“ Obwohl er genauso gut sagen könnte: „Danke, Schatz, dass Du trotz allem Stress noch was gekocht hast!“

 

Im Grunde seines Herzens sehnt sich jeder danach, gesehen zu werden - auf mindestens zwei Ebenen: 1. dass gesehen wird, was man tut, und 2. dass man als Mensch gesehen wird. Es ist ziemlich verletzend, wenn diese Sehnsucht enttäuscht wird. Wenn man das Gefühl hat: „Ich reiß mir hier den Allerwertesten auf, und kein Mensch sieht es!“ Oder wenn man sich insgesamt nicht wahrgenommen fühlt. So wie Fritzchen beim Arzt: „Herr Doktor, Herr Doktor! Keiner sieht mich!“ Und der Arzt sagt: „Der Nächste bitte!“ (Ich weiß, der hat so’ n Bart. Aber passt halt gerade…)

 

Die Sehnsucht nach jemandem, der einen wahrnimmt, kommt auch in dem Lied zum Ausdruck, das Hannah vorhin gesungen hat: "Use Somebody“. Da heißt es in der deutschen Übersetzung: „Du weißt, dass ich jemanden gebrauchen könnte. So jemanden wie dich.“ Dann redet der Songwriter (Anthony Caleb Followill) davon, was er nachts in seinen schlaflosen Träumen anstellt, um die Aufmerksamkeit dieses „Jemand“ zu ergattern. Und schließlich sagt er: „Ich hoffe, es lässt dich jemanden wie mich bemerken.“

 

Wir haben in den anderthalb Jahren Konfi-Unterricht versucht Euch zu zeigen, dass es jemanden gibt, der Euch bemerkt. Der sagt in Jes 43,4:

 

 

 

„Du bist wertvoll in meinen Augen und herrlich, denn ich habe dich lieb.“

 

 

Das ist der O-Ton des Schöpfers. Gott sieht Dich. Egal, was Du tust, egal, ob das, was Du tust, gelingt oder missrät. Er sieht, wie Du Dich abplagst mit Deinem Alltag, ob das die Herausforderungen von Corona sind, die Dir Mühe machen, oder die Härten Deiner aktuellen Lebensphase. Er teilt die komplette Palette Deiner Gefühlswelt - von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Er sieht, was in Dir steckt. Auch wenn Du’s gerade nicht zeigen, vielleicht nicht einmal selber sehen kannst. Er weiß, was Du einmal sein wirst, auch wenn Du aktuell noch keinen blassen Schimmer davon hast, wo die Reise hingeht. Er liebt Dich nicht für das, was Du leistest, sondern unabhängig davon. Er hat Dich schon geliebt, als Du noch gar nichts leisten konntest, und daran wird sich auch dann nichts ändern, wenn Du irgendwann einmal wieder an diesen Punkt kommen solltest. Er findet Dich nicht nur dann toll, wenn Du die perfekte Performance hinlegst, sondern konstant. Um Deiner selbst willen.

 

„Du bist wertvoll in meinen Augen und herrlich, denn ich habe dich lieb.“ Dein Wertkonto ist immer gedeckt. Und niemand kann Dir das wegnehmen, auslöschen oder zerstören. Deswegen darfst Du Dich selbst wertschätzen und - dasselbe auch mit anderen tun. Getreu dem Motto: „Wie Gott mir, so ich Dir!“ Das ist quasi die Kurzformel für christliches Verhalten. „Wie Gott mir, so ich Dir!“ Bestimmte Dinge gehen dann nicht mehr. Selbst, wenn uns einer dumm kommt und Dinge sagt, die - ich sag’s mal vorsichtig - weitgehend frei von Wertschätzung sind, selbst dann gilt nicht mehr die alte Regel: „Wie Du mir, so ich Dir!“ Sondern es bleibt bei: „Wie Gott mir, so ich Dir!“ Ja, es gibt Dinge, die können einen ganz schön verletzen. Und da packt einen ohne jede Frage auch schon mal die Wut. Wir sind aber nicht verpflichtet, diese Wut mit uns Grab zu nehmen. Manche Leute haben das ja richtig gut drauf, ihren Hass auf andere zu konservieren und immer schön am Köcheln zu halten. Mir ist allerdings noch keiner begegnet, den das glücklich gemacht hätte. In der Lesung vorhin war von der befreienden Wirkung von Vergebung die Rede. Vergebung macht nicht nur den frei, der sich schuldig gemacht hat, sondern auch den, dem Unrecht getan wurde. Wir sind nicht verpflichtet zur Unversöhnlichkeit, sondern befreit zur Vergebung. „Wie Gott mir, so ich Dir!“

 

Was auch nicht mehr geht, wenn man nach dieser Devise lebt, sind nach Epheser 4 so Sachen wie andere anschreien, schlecht über andere reden, lästern, hetzen und Hatespeach jeder Art. Stattdessen sagt der Apostel: „…habt ein gutes Wort für jeden, der es braucht.“

 

Da sind wir wieder bei der Wertschätzung. Wir brauchen Wertschätzung und Anerkennung, wie wir Essen und Trinken brauchen. Eine kleine freundliche Bemerkung kann einem den ganzen Tag versüßen. Wenn man morgens gesagt bekommt: „Wow, Du siehst toll aus!“, geht man beschwingter an die Arbeit, als wenn man gesagt kriegt: „Sag mal, hat Dein Friseur immer noch zu?!“ Positives Feedback ist wie ein kleines Tröpfchen Öl im Getriebe unserer Seele. Ein nettes Wort, und schon läuft alles wie geschmiert.

 

Wertschätzung ist eine Überlebensfrage - emotional für jeden einzelnen, und global für die Menschheit. Wir fahren vor die Wand, wenn wir damit rumgeizen. Wenn der Respekt vor anderen Menschen, aber auch vor dem Leben an sich weiter schwindet. Ihr habt das in Euren Statements zum Thema auch benannt: Wir können die Erde, von der wir leben, nicht länger mit Füßen treten. „Wie Gott mir, so ich Dir!“ Es ist an der Zeit, dass wir uns den wertschätzenden Blick, mit dem Gott auf uns blickt, aber eben auch auf die anderen und auf alles, was er ge-schaffen hat, zueigen machen.

 

Wertschätzung ist wichtig. Nicht nur, weil sie gut tut, sondern - wie Ihr gesagt habt - weil sonst das Leben nicht funktioniert. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

Predigttext 14.03.2021
Vorstellung Konfirmandinnen und Konfirmanten
Online-Gottesdienst 2021-03-14 Predigtma[...]
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Predigt für den 3. Sonntag der Passionszeit (Okuli), (07.03.2021)

(Epheser 5, 1 – 8 a)

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater,

und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

der für den heutigen Sonntag vorgeschlagene Predigttext steht im 5. Kapitel des Epheserbriefes.

Ich lese aus der „Guten Nachricht“:

 

Nehmt also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder! Euer ganzes Leben soll von der Liebe bestimmt sein. Denkt daran, wie Christus uns geliebt und sein Leben für uns gegeben hat, als eine Opfergabe, an der Gott Gefallen hatte.

Weil ihr Gottes heiliges Volk seid, schickt es sich nicht, dass bei euch von Unzucht, Ausschweifung und Habgier auch nur gesprochen wird. Es passt auch nicht zu euch, gemeine, dumme und schlüpfrige Reden zu führen. Benutzt eure Zunge lieber, um Gott zu danken! Ihr müsst wissen: Wer Unzucht treibt, ein ausschweifendes Leben führt oder von Habgier erfüllt ist – und Habgier ist eine Form von Götzendienst -, für den ist kein Platz in der neuen Welt, in der Christus zusammen mit Gott herrschen wird.

Lasst euch nicht durch leeres Geschwätz verführen! Genau diese Dinge sind es, mit denen die Menschen, die Gott nicht gehorchen wollen, sich sein Strafgericht zuziehen. Mit solchen Leuten dürft ihr nichts zu tun haben!

Auch ihr gehörtet einst zur Finsternis, ja, ihr wart selbst Finsternis, aber jetzt seid ihr Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid. Lebt nun auch als Menschen des Lichts!

 

Lebt nun auch als Menschen des Lichts!

 

Wenn wir uns Gott zum Vorbild nehmen, dann nehmen wir uns im wahrsten Sinne des Wortes eine Menge vor!

Im Prinzip wissen wir schon von Vornherein, dass all unsere Versuche, Gott gerecht zu werden, zum Scheitern verurteilt sind. Wir schaffen es als Menschen einfach nicht, trotz allen Mühens, im Denken und Handeln Gott auch nur ein kleines Stück nahe zu kommen.

Zu groß sind die Anforderungen, unerfüllbar.

 

Aber: Gott weiß das!

 

Der immer wieder ehrlich gemeinte Versuch, Gottes Liebe in unseren Alltag zu integrieren, diese Liebe an unsere Mitmenschen weiterzugeben, lässt uns näher an ihn heranrücken, als wir zu hoffen wagen.

Es ist die Liebe, die wir anderen entgegenbringen, die wir anderen schenken, die uns zu Menschen des Lichts macht.

 

Lebt nun auch als Menschen des Lichts!

 

Unzucht, Ausschweifungen und Habgier, schlüpfrige Reden. All das kritisiert Paulus in seinem Brief an die Gemeinde von Ephesus als unbotmäßig für einen Christen.

Würde Paulus heute seinen Brief an eine der vielen Kirchengemeinden in unserem Land richten, könnte er viele Passagen einfach so übernehmen.

 

Damals wie Heute haben Paulus’ Mahnungen ihre Gültigkeit. Wenn wir als Christen die Vorgaben Jesu ernst nehmen, dann dürfen, oder sollten wir zumindest so leben, dass wir die Schöpfung wahren, und unsere Mitmenschen nicht durch Taten und Worte verletzen.

Ein Leben auf Kosten von Ressourcen, ein Leben auf Kosten anderer, ist und bleibt ein Leben in Ungerechtigkeit, ein Leben in Unrecht.

Dazu gehören Kriege genau so, wie das weiterhin in Kauf nehmen einer sich immer weiter erwärmenden Erdatmosphäre durch permanente Umweltsünden, die künftigen Generationen die Lebensgrundlage entzieht.

 

Auch die Verbreitung von Hetze im Internet, und damit die Gefährdung friedlichen Zusammenlebens, gehört in diese Kategorie.

Nur wenn wir ein Leben unter Beachtung klarer Spielregeln vernünftigen Miteinanders führen, besteht die Chance, in das Licht des Herrn zu rücken.

Lebt nun auch als Menschen des Lichts!

 

Statt gemeiner Reden zu führen, sollen wir unsere Zunge besser benutzen, um Gott zu danken:

Gott immer wieder von Herzen zu danken vergessen wir allzu gern.

Vor allem für all das zu danken, was uns in unserer Alltäglichkeit als selbstverständlich erscheint, es in Wahrheit aber nicht ist:

Über scheinbar unerschöpfliche Mengen sauberen Trinkwassers zu verfügen, genug zu essen und ein Dach über dem Kopf zu haben, ein Leben führen zu können in Frieden und Freiheit, auch und gerade in diesen pandemischen Zeiten!

Alles Dinge, die dem größten Teil der weit über sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten nicht so ohne weiteres zugänglich sind!

Dankbarkeit macht froh, macht frei, lässt uns vieles in einem völlig neuen Licht erscheinen.

 

Lebt nun auch als Menschen des Lichts!

 

Wir müssen uns immer wieder korrigieren im Hinblick darauf, was uns als wesentlich und wichtig erscheint.

Wir müssen uns immer wieder fragen, was für unser Leben wirklich von Bedeutung ist.

 

 

Habgier als Form des Götzendienstes:

Wenn uns materieller Besitz und Reichtum so sehr beschäftigen, dass wir alles andere aus den Augen verlieren, was Leben ausmacht, dann erheben wir das zu einer Art „Gottersatz“, was in Wahrheit der Vergänglichkeit preisgegeben ist wie alles Dingliche auf dieser Welt.

Wenn wir unsere Gedanken und Energien allein in das Anhäufen von Gütern investieren, dann schränken wir uns in Wahrheit ein, verlieren unsere von Gott geschenkte Freiheit. Wir treten aus dem Licht in den Schatten.

 

Lebt nun auch als Menschen des Lichts!

 

Wir sollen uns nicht verführen lassen durch leeres Geschwätz, sollen Leute meiden die versuchen, uns durch falsche Versprechungen zu gewinnen.

Das ist beispielsweise übertragbar auf unsere Situation heute, eine Woche vor den Landtagswahlen.

Dort, wo uns, egal ob von extrem links oder rechts, einfache Lösungen für Probleme suggeriert werden, die eine ungeheure Kraftanstrengung eines gesamten Europas bedürfen, können wir getrost weghören.

Einfache Antworten auf komplizierte, komplexe Gegebenheiten und Zusammenhänge wie beispielsweise die Bekämpfung der Pandemie und die Verteilung der verfügbaren Impfstoffe gibt es nicht. Wer das behauptet, treibt Schindluder mit der Verantwortung für die Menschen und vor Gott.

Gut munkeln ist halt eben nur im Dunkeln!

Wir wollen aber genau das Gegenteil von Dunkelheit:

Lebt nun auch als Menschen des Lichts!

 

Wir, die mit dem Herrn verbunden sind, wir, die um seine Verheißung wissen, können selbstbewusst aus dem Schatten heraus ins Licht zu treten.

 

Das ist nicht immer einfach, manchmal eine echte Herausforderung, manchmal sogar eine absolute Zumutung!

 

Aber nur, wenn wir unsere eingeschlagene Richtung immer wieder überprüfen, unseren Lebensweg immer wieder abgleichen mit einer verlässlichen Karte – der Bibel, Gottes Wort – nur dann kann und wird unser Leben im Sinne Jesu gelingen.

 

Darum: Drücken Sie im Zweifelsfall lieber einmal mehr die berühmte „Reset-Taste“, und norden Sie sich neu ein.

Überprüfen Sie Ihre eingeschlagene Richtung, wagen Sie mit der Hilfe des Herrn einen Neuanfang.

 

Dann leben auch Sie als Menschen des Lichts!

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Predigt 07.03.21
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Reminiscere 2021

Predigt: Jesaja 5, 1 – 7

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft, die der Heilige Geist schafft, sei mit uns allen. AMEN

 

Liebe Gemeinde,

viele von uns kennen die Arbeit im Weinberg.

Der Rebschnitt zu Beginn des Jahres ist äußerst wichtig, er bringt die wildwachsenden Triebe der Rebe in eine Ordnung und in ein Gleichgewicht von Wachstum, Ertrag und Qualität.

 
Die Arbeit im Wingert, wie der Weinberg hier am Mittelrhein heißt, ist Knochenarbeit.

Sie beginnt im Januar und endet im Herbst mit der Weinlese.

Diese intensive und sorgfältige Arbeit ist die Voraussetzung für gute Trauben und noch besseren Wein.

 

Schon im alten Israel galt der Weinbau als eine fordernde Herzensangelegenheit und der Weinberg war auch Sinnbild für Menschen und ihre innigen Beziehungen. Im Hohelied  Salomos wird er als der Ort bezeichnet, an dem sich die Liebenden treffen. (Hld. 7,13).

Der Weinberg gilt in den biblischen Texten auch als Symbol für Wohlstand.

Wer einen Weinberg besaß galt als reich, weil er immer das Ergebnis kräftezehrender Arbeit und Pflege ist.

Der Weinberg ist aber auch ein Beispiel für friedliche Zeiten.

So kündigt der Prophet Micha in seiner berühmten Vision an:

Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken.  (Micha 4,3-4)

 

Was für eine Aussicht! Im Weinberg sitzen und das Leben genießen.

 

Solche Bilder hatten die Menschen wohl auch vor Augen als das Weinberglied im Buch des Propheten Jesaja entstand.

Es gilt als poetisches Glanzstück der Bibel und erinnert an ein großes Orchesterwerk.

 

Da beginnt einer ein Liebeslied zu singen, über die wunderbare Beziehung zwischen einem Weinbergbesitzer und seinem Weinberg.

Man sieht geradezu wie der Weinbergbesitzer voller Stolz in seinem Weinberg von Rebe zu Rebe geht und sich von Herzen daran freut.

 

Dann wechselt das Lied den Ton.

Es wird besungen, was der Weingärtner alles in diesen Weinberg an Arbeit und Mühe hineingesteckt hat. Er hat umgegraben, entstein, gepflanzt,

eine Mauer, einen Turm und eine Traubenpresse gebaut, um dann mit Geduld zu warten, dass sich gute Trauben entwickeln.

 

Es ist wie im richtigen Leben.

Jede Liebe will auch kultiviert, bearbeitet und gepflegt werden.

Die Verbindung, die wir zu anderen haben ist kein Selbstläufer. Mit den Menschen, die uns lieb sind, müssen wir auch Zeit verbringen.

Wer nicht mehr miteinander spricht, sich nicht mehr sieht, der verliert den Faden zueinander.

So gilt etwa bei Paaren als der größte Beziehungskiller: zu wenig Zeit füreinander.

Leider merken die meisten das erst, wenn es bereits zu spät ist.

 

Der Weinbergbesitzer hat sein Möglichstes getan. Man könnte meinen, dass er nun auch ernten kann, was er bearbeitet hat.

Aber es kommt der Paukenschlag: nichts als schlechte Trauben!

Enttäuschung und blinde Wut folgen.

 

Wer kennt sie nicht, solche extremen Gefühle,

wenn die Dinge nicht so laufen wie wir es uns gewünscht haben.

Wenn wir enttäuscht sind, dass jemand nicht Wort gehalten hat oder man sich auf eine Absprache nicht verlassen konnte.

Die kleinen und großen Enttäuschungen, Verärgerungen und Niederlagen prägen unseren Alltag.

Dabei gibt es unterschiedliche Arten, ihnen zu begegnen. Jeder von uns reagiert auf seine eigene Art.

 

Der Weinbergbesitzer im Weinberglied des Jesaja ist außer sich. In der 3. Strophe weiß er ein donnerndes Lied zu singen in dem er all seinem Ärger Luft macht.

Nun möchte er alles dem Erdboden gleich machen. Einreißen, zertreten, brach liegen lassen.

Sogar die Wolken sollen auf diesen Acker nie mehr regnen.

 

Wer sich so vergisst, vor dem nimmt man lieber Reißaus. Denn das kann ungemütlich werden und eine Weile dauern, bis es sich beruhigt.

Ja, wenn man enttäuscht ist, kann es passieren,

dass solch eine Wut aufkommt. Da knallen dann schon einmal Türen oder Teller zerspringen.

 

Das Überraschende bei Jesaja ist: Er spricht nicht von Menschen – der Weinbergbesitzer, so löst er es in der letzten Strophe des Liedes auf, ist Gott selbst.

 

Und dieser Gott singt nun zornig ein Klagelied über die Menschen, die er liebt und die er gehegt und gepflegt hat, wie ein Winzer seinen Weinstock.

 

Am Weinberglied des Jesaja merken wir, wie weh ihm das tut, wenn wir keine Frucht bringen,

wenn unser Glaube brachliegt und unsere Hoffnung verkümmert. Es tut Gott weh, wenn hier jeder nur für sich lebt, innerlich tot und ohne Liebe für den anderen.

Es macht Gott Kummer, wenn sein Wort keine Frucht trägt, wenn seine Güte ohne Folgen bleibt, seine Vergebung sich nicht weiter sagt.

Gott ist traurig, wenn wir einander ignorieren und uns um die Schwachen und Hungernden in der Gesellschaft nicht kümmern.

Gott leidet, wenn wir Not und Gewalt in unserer Welt nicht sehen wollen und dem Elenden unsere Türen und unsere Herzen verschließen.

 

Der Glaube, die Beziehung zu Gott erfordert echte Arbeit. Aber es deckt sich mit dem, was das Weinberglied auf seine Weise mit den guten Früchten ausdrückt.

 

Beziehungen brauchen Nährstoffe, wollen beackert werden, müssen sich entwickeln und brauchen Zeit. Glaube geht nicht schnell und billig. Aber es lohnt sich, dafür braucht es aber ein gutes Maß an Praxis: besondere Orte oder Zeiten um sich in den Glauben einzuüben.

 

Aber es gibt auch besondere Zeiten für den Glauben – die Fasten- und Passionszeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag zum Beispiel.

Die Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland, steht in diesem Jahr unter dem herausfordernden Motto:

„Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden“.

 

Besonders in einer Zeit, die einen sowieso schon ausbremst, eine spannende Aufgabe.

Jede und jeder ist in seinem Radius eingeschränkt –kein Sport, kein Kino, kein Stöbern im Buchladen.

Das Krankenhaus lässt keine Besucher:innen hinein.

Die Gastwirte dürfen ihr Lokal nicht öffnen.

 

In dieser Fastenzeit soll der Blick gehoben werden, um mehr zu sehen als nur die verschlossenen Türen.

Daher ruft das diesjährige Motto dazu auf, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und neue Wege entdecken. Die Türen zur virtuellen Welt sind offen. Dort eröffnet sich ein neuer Raum, ein großer Spielraum.

 

Liebe Gemeinde,

mit seinem Weinberglied will Jesaja uns wachrütteln: Nehmt wahr, was ihr tut!

Gott möchte, dass wir wachsen und blühen und dass wir eines Tages Frucht bringen.

 

Gott will, dass der Weinberg gute Trauben bringt und Leben wächst. Gott will, dass es in der Welt gerecht zugeht und die Menschen gut miteinander umgehen.

Gott will, dass Menschen einander helfen und auf den rechten Weg bringen.

Gott will, dass Ihr Jugendlichen Euch in der Welt zu recht findet und Ihr Eure Begabungen umsetzen könnt.

Denn: Gott will das Leben. – Amen.
Und der Friede Gottes, der weiter reicht, als wir es fassen können, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen.

 

 

Predigttext
28.02.2021
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Predigt

für den So. Invocavit (21.02.21)

zu Joh 13,21-30

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Moritz in Oberdiebach.

Der folgende Predigttext aus Joh 13,21-30 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.“ Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: „Herr, wer ist's?“ Jesus antwortete: „Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe.“ Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: „Was du tust, das tue bald!“ Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: „Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!“, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als Judas nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

 

 

Liebe Gemeinde! Judas ist wohl die tragischste Figur der ganzen Bibel. Sein Name ist zum Synonym für Verräter geworden. Dabei hatte Jesus ihn genauso berufen wie die anderen elf Jünger. Er gehörte zum engsten Freundeskreis und trug sogar besondere Verantwortung. „Er hatte den Beutel“, lässt Johannes uns im Predigttext wissen. Genau gesagt, den Geldbeutel. Judas war der Kassenwart. Ausgerechnet er wird zum Verräter.

 

Es ist der letzte Abend, bevor Jesus gekreuzigt wird. Gründonnerstag quasi. Während Jesus mit Seinen Jüngern das Passamahl feiert, durchzuckt es Ihn. Auf einmal wird Ihm so richtig bewusst, was Ihm bevorsteht - und wie es dazu kommt. Dass die religiöse Führungsriege in Seinem Volk Ihn aus dem Weg räumen wollte, wusste Er. Er wusste aber auch, dass sie feige waren. Sie wollten auf keinen Fall, dass das Volk davon Wind bekommt und auf die Barrikaden geht. Eine Gefangennahme konnte also nur bei Nacht und Nebel von statten gehen. Das wiederum bedeutete, dass die Gegner Jesu auf vertrauliche Informationen angewiesen waren, wo Er sich aufhielt, wenn Er nicht von Menschen umgeben war. Solche „sachdienlichen Hinweise“ konnte nur jemand liefern, der nah genug an Ihm dran war.

 

„Einer von Euch“, sagt Jesus. „Einer unter Euch wird mich verraten.“ Schlagartig ist es mit der Feststimmung vorbei. Den Jüngern „wurde bange, von wem er wohl redete“, schreibt der Evangelist Johannes. Ich kann mir das richtig vorstellen - die bedrückte Stimmung. Die Verunsicherung, die auf einmal im Raum liegt. Die verstohlenen Blicke. Die Angst verdächtigt zu werden. „Ob Jesus mir sowas zutraut?“ Und dann das Misstrauen gegen die anderen. „Mensch, wir haben einen Maulwurf in unseren Reihen! Aber wer? Wen meint Jesus?“ Keiner traut sich so richtig zu fragen. Selbst Petrus, der sonst immer mit seinem Mundwerk vorweg war, getraut sich nicht, quer über den Tisch zu fragen: „Komm Jesus, tu Butter bei die Fische: Wer ist es?“ Stattdessen schickt er Johannes vor, der seinen Platz strategisch günstig neben Jesus hat. Er winkt ihm und gibt ihm zu verstehen: „Ey, frag Du mal!“ Johannes fragt, und Jesus antwortet: „Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.“ Bei Matthäus und Markus wird an der Stelle nur berichtet, dass Jesus sagt: „Es ist einer von den Zwölfen, der mit mir den Bissen in die Schüssel taucht.“ So oder so heißt das ganz klar: Judas ist dabei bei dieser Mahlfeier! Er isst mit Jesus und den anderen am selben Tisch. Jesus hat gewusst, wer es ist. Jeder andere hätte Judas achtkantig rausgeschmissen. Aber bei Jesus wird selbst der Verräter nicht ausgeschlossen. Johannes spitzt das nochmal zu mit dem Hinweis, dass Jesus dem Judas das Mahl reicht. Heißt: Auch Judas hört - so berichten es Matthäus, Markus und Lukas -, wie Jesus das Passamahl auf sich deutet. Auch Judas hört Jesus sagen: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ Und: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung aller eurer Sünden.“ Auch Judas, von dem Johannes dann schreibt. „Nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn.“ Die Formulierung ist sprichwörtlich geworden. Wie oft kommt es vor, dass wir sagen oder denken: „In die oder den ist wohl der Teufel gefahren!“ Oder manchmal auch selbstkritisch sagen: „Ich weiß auch nicht, welcher Teufel mich da geritten hat!“

 

Kann Judas am Ende gar nichts dafür? Hat Jesus den Verrat vielleicht sogar veranlasst oder ausgelöst dadurch, dass Er ihm den Bissen über den Tisch gereicht hat? Welche Rolle spielt Gott bei der ganzen Sache? Geschieht der Verrat gegen Gottes Willen? Geschieht er sozusagen mit Gottes „Genehmigung“? Oder geschieht er sogar auf aktives Betreiben Gottes hin? Wir wissen es nicht. Das bleibt im biblischen Befund schillernd, liebe Gemeinde. Gerade weil das so ist, würden wir es uns zu einfach machen, wollten wir in Judas einfach nur den sprichwörtlich Bösen sehen, den es nur ein einziges Mal gab. Zu einfach aus zwei Gründen:

 

1. Das Zeug zum Verrat haben wir alle. Es kommt immer und immer wieder vor, dass Menschen sich gegenseitig ans Messer liefern. Dass sie das verraten, was ihnen eigentlich lieb und wichtig ist. Dass der Teufel in sie fährt und sie in einem Zustand geistiger Umnachtung unfassbaren Mist machen. (Nicht umsonst endet der Predigttext mit der Anmerkung: „Und es war Nacht.“) Und

 

2. würden wir es uns zu einfach machen, weil zumindest so viel klar ist: Judas hat, indem er Jesus verraten hat, eine entscheidende Rolle in der Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen übernommen. Irgendeiner musste die Drecksarbeit machen. Ohne Verrat keine Kreuzigung. Und ohne Kreuzigung keine Erlösung.

 

Übrigens: Das Wort im Predigttext, das mit „verraten“ übersetzt wird - paradidwmi auf Griechisch - heißt eigentlich „übergeben“, „ausliefern“. Dasselbe Wort wird im Neuen Testament verwendet um zu beschreiben, was Gott mit Jesus in der Kreuzigungsgeschichte tut. „Wegen unserer Verfehlungen hat Gott Jesus für uns alle hingegeben“. So wird dasselbe Wort bei Paulus in Röm 4,25 übersetzt. Mit anderen Worten: Judas tut nichts anderes als Gott selbst. Judas gibt Seinen Freund hin - aus welchen Gründen auch immer. Gott gibt Seinen Sohn hin - und in Ihm sich selbst! Das ist Gottes Antwort auf die abgrundtiefe Schuld, die Judas auf sich geladen hat – und wie er so viele Menschen.

 

Am Anfang der Geschichte findet sich die Formulierung, dass Jesus „bezeugte und sprach: Einer von euch wird mich verraten.“ Das griechische Wort, das Luther mit „bezeugen“ übersetzt, lautet: emarturhsen. Da steckt unser Wort „Märtyrer“ drin. Ein Märtyrer ist jemand, der etwas bezeugt und dafür mit seinem Leben einsteht. Jesus bezeugt an der Stelle, dass einer Seiner besten Freunde Ihn verraten wird. Er bezeugt damit, dass so etwas möglich ist, dass Menschen einander verraten, hingeben und ans Messer liefern. Menschen, von denen man sowas nie gedacht hätte. Wenige Stunden später wird Jesus in Folge dieses Verrates hingerichtet. Sein Kreuz wird zum Zeugnis menschlicher Schuld. Aber das ist nur das Eine. Jesus steht am Kreuz nicht nur für die abgrundtiefe Schuld der Menschen ein. Er bezeugt dort - mit Seinem Leben - die um ein Unendliches abgrundtiefere Liebe Gottes. Die Liebe, die ausnahmslos jedem gilt. Trotz aller Schuld. Auch der tragischsten Figur der ganzen Bibel. Amen.

 

 

Predigttext 21.02.21
für Sie
Online-Gottesdienst 2021-02-21 Predigtma[...]
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Predigt

für den So. Estomihi (So. 14.02.21)

zu Jes 58,1-9a

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Anna in Steeg.

Der folgende Predigttext aus Jes 58,1-9a liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Der Herr sagt: „Rufe, so laut du kannst! Lass deine Stimme erschallen wie eine Posaune! Halte meinem Volk, den Nachkommen Jakobs, ihr Unrecht und ihre Vergehen vor! Sie fragen mich Tag für Tag, warum ich sie solche Wege führe. Wie ein Volk, das sich an das Recht hält und meine Gebote befolgt, fordern sie von mir, dass ich zu ihrer Rettung eingreife, und wünschen sich, dass ich ihnen nahe bin. „Was für einen Sinn hat es“, jammern sie, „dass wir Fasttage abhalten und deinetwegen Entbehrungen auf uns nehmen? Du beachtest es ja gar nicht!“ Darauf sage ich, der Herr: „Seht doch, was ihr an euren Fasttagen tut! Ihr geht euren Geschäften nach und beutet eure Arbeiter aus. Ihr fastet zwar, aber ihr seid zugleich streitsüchtig und schlagt sofort mit der Faust drein. Darum kann euer Gebet nicht zu mir gelangen. Ist das vielleicht ein Fasttag, wie ich ihn liebe, wenn ihr auf Essen und Trinken verzichtet, euren Kopf hängen lasst und euch im Sack in die Asche setzt? Nennt ihr das ein Fasten, das mir gefällt? Nein, ein Fasten, wie ich es haben will, sieht anders aus! Löst die Fesseln der Gefangenen, nehmt das drückende Joch von ihrem Hals, gebt den Misshandelten die Freiheit und macht jeder Unterdrückung ein Ende! Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen! Dann strahlt euer Glück auf wie die Sonne am Morgen und eure Wunden heilen schnell; eure guten Taten gehen euch voran und meine Herrlichkeit folgt euch als starker Schutz. Dann werdet ihr zu mir rufen und ich werde euch antworten; wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: „Hier bin ich!““

 

 

Liebe Gemeinde! Der Glaube an Gott kommt am Mitmenschen nicht vorbei. Ob uns das passt oder nicht. Glaube hat nicht nur eine vertikale Dimension, also den persönlichen „Draht“ nach oben. Er hat auch eine horizontale Dimension. So wie das Kreuz nicht nur einen Längsbalken hat, sondern auch einen Querbalken. Die Beziehung zu Gott ist nicht zu haben, ohne dass das Folgen hat für unsere Beziehung zu den Menschen. Unser Glaube hat also immer auch eine soziale Dimension. In unserer Gesellschaft wird Glaube als Privatsache gehandelt. Aber Gott lässt keinen Zweifel daran, dass es Ihm mit dieser sozialen Dimension des Glaubens ernst ist. Wir haben das eben in der Lesung gehört. Angesprochen war damals die judäische Oberschicht rund 500 Jahre vor Christus. Klingt lange her, hat aber an Aktualität nichts verloren.

 

Die Situation war folgendermaßen: 586 vor Christus hatte der babylonische König Nebukadnezar Jerusalem und das umliegende judäische Land erobert und weite Teile der Bevölkerung nach Babylon verschleppt. Rund 50 Jahre später übernahmen die Perser die Macht im Vorderen Orient und besiegten das Babylonische Reich. Die Juden durften in ihre Heimat zurückkehren. Aber die persischen Befreier verlangten immense Steuern. Opfer dieser Steuerpolitik waren die Kleinbauern, die reihenweise Pleite gingen. Des Einen Leid ist des anderen Freud: Die Oberschicht profitierte von der Entwicklung, weil die Reichen den zahlungsunfähigen Bauern Geld liehen. Wenn die ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten, fiel das Land an den Gläubiger. Und nicht nur das Land: der Schuldner wanderte mitsamt seiner Familie in die Schuldsklaverei. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft drohte komplett einzugehen. Immer mehr Land geriet in die Hände einiger weniger Reicher, die genau darauf spekulierten. So wird man Monopolist und kann die Preise diktieren. Und während eben diese Leute ganze Bevölkerungsschichten in die Armut schickten, pflegten sie in ihrem Privatleben ihre Frömmigkeit. „Sorry, aber das geht gar nicht!“ lässt Gott ihnen durch den Propheten ausrichten. „Einerseits macht hier einen auf fromm, und auf der anderen Seite lasst Ihr’ s Euch gut gehen auf Kosten anderer. Spart Euch Euer frommes Getue! Nehmt den Gefangenen die Fesseln ab, gebt den Misshandelten die Freiheit zurück und macht Schluss mit der Unterdrückung! Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in Euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen rumlaufen, was zum Anziehen und helft allen, die Hilfe brauchen!“ Solidarität – das ist es, was Gott fordert. Fürsorge statt Ausbeutung. Der Glaube lässt sich nicht vom Alltag trennen! Was wir für Menschen tun oder nicht tun, tun wir für Gott - oder tun es nicht.

 

Was würde der Prophet uns wohl heute sagen? Die Schuldsklaverei ist zum Glück abgeschafft. Hat sich die Sache damit erledigt? Ich fürchte, ganz so einfach würde uns der Prophet nicht aus der Pflicht entlassen. Auch für unseren Lebensstandard zahlen andere. Bleiben wir nur mal beim Beispiel kleinbäuerliche Landwirtschaft. Die droht nämlich auch bei uns komplett einzugehen - wie damals in Judäa. Die Preise für Butter und Milch sind heute niedriger als in den 50er Jahren. Obwohl sonst in den 70 Jahren seitdem so ziemlich alles teurer geworden ist. Die großen Lebensmitteldiscounter zahlen den Bauern für ihre Arbeit zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig. Vor ein paar Wochen haben Landwirte mit ihren Traktoren die Zufahrten zu mehreren Aldi-Zentrallagern blockiert, weil Aldi angekündigt hatte, den Preis für Butter weiter zu senken. Kann ich verstehen. Aber einfach nur in die Hände klatschen und sagen: „Richtig so!“ und dann trotzdem weiter in den Werbeprospekten auf Jagd gehen nach den billigsten Angeboten, hilft den Bauern nicht weiter.

 

Die Corona-Krise hat letztes Jahr die eklatanten Ungerechtigkeiten unseres „Hauptsache billig“ Wirtschaftens offengelegt, als die Skandale in Schlachthöfen ans Licht kamen, wo die Mitarbeiter ähnlich zusammengepfercht leben wie die Schweine, die sie schlachten. Mit dem Erfolg, dass Schlachthöfe zu Corona-Hotspots geworden sind. Alles nur, damit Fleisch zu Dumpingpreisen über die Ladentheke geht. Vielleicht ist es das, was der Prophet uns ins Stammbuch schreiben würde: „Verabschiedet Euch endlich von Eurer zerstörerischen „Geiz-ist-geil-Mentalität“! Wir hier in Deutschland geben im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn den geringsten Teil unseres Einkommens für Lebensmittel aus. Heißt: Das, was für unser irdisches Leben im Prinzip am wichtigsten ist, lassen wir uns am wenigsten kosten. Und ausbaden müssen das unsere Landwirte - und die Natur. Die AfD beschimpft die Grünen als „Totengräber der Bauern“, weil sie sich gegen den Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel stark machen. Ob das zukunftsweisend ist, den Schutz der Bauern gegen den Artenschutz auszuspielen, sei dahingestellt. Ohne Insekten, speziell ohne Bienen wächst auf unseren Feldern und Bäumen irgendwann auch nichts mehr. Nicht der Artenschutz ist das Problem, sondern unser Konsumverhalten. Es sind nicht nur „die da oben“, die was ändern müssen. Wir müssen den Bewusstseinswandel hinkriegen, dass wir mit unserer Versessenheit auf Billigangebote vor die Wand fahren. Billig ist nicht das Beste. Jedenfalls nicht, wenn man mal über den Augenblick hinaus denkt.

 

„Entziehe dich nicht deinem Fleisch und Blut“, sagt der Prophet. Mit anderen Worten: „Ihr lebt auf dieser Erde, und darum habt Ihr auch Verantwortung für diese Erde – und für das Leben, das darauf ist.“ Wenn alle Menschen auf der Erde so leben würden wie wir, wäre die Erde heute schon am Ende. Am Mittwoch beginnt die Passionszeit. Die Zeit, in der wir daran denken, was Jesus für uns getan hat. Jesus hat für uns auf Sein Gott-Sein verzichtet. Er hat sich absolut mit uns solidarisch erklärt und sich an unsere Seite gestellt, hat unser Leben gelebt und ist unse-ren Tod gestorben. Unser Heil hatte Er im Blick, als Er das gemacht hat. Nicht Sein eigenes. Vielleicht kann das ja ein Anreiz sein, mal drüber nachzudenken, wo wir in unserem Leben auf etwas verzichten können, damit andere nicht den Preis dafür zahlen müssen. Wenn wir die soziale Dimension unseres Glaubens ernst nehmen, „dann“, so lässt Gott uns im Predigttext sagen, „strahlt euer Glück auf wie die Sonne am Morgen und eure Wunden heilen schnell“. Gott will unser Glück und unser Heil. Dafür hat Er alles gegeben. Aber gerade darum können wir es nicht an uns reißen und für uns allein haben wollen. Es erstrahlt erst richtig, wenn es in die Breite wirken kann. Gebe Gott uns die Kraft, gegen unseren inneren Schweinehund anzugehen und ernst zu nehmen, dass der Glaube an unseren Mitmenschen nicht vorbei kommt. Amen.

 

 

Predigtmanuskript vom 14.02.2021
Online-Gottesdienst 2021-02-14 Predigtma[...]
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Predigt

für den So. Sexagesimae (07.02.21)

zu Lk 8,4-15

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Peter in Bacharach.

Der folgende Predigttext aus Lukas 8,4-15 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Als eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu Jesus eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. Er aber sprach: Euch ist's gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern aber ist's gegeben in Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen. Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

 

 

Liebe Gemeinde! „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.“ Das wird sich der Bauer in der Geschichte vorhin auch gedacht haben, als er mit der Hand in die Tasche griff und die Samenkörner großzügig auf seien Acker schleuderte - buchstäblich ohne Rücksicht auf Verluste. „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt!“ Das Gleichnis ist eine Steilvorlage für eine schöne Matheaufgabe: Wie hoch ist der Ernteertrag des Bauern, wenn 75% seines Saatgutes verloren gehen, die restlichen 25% aber 100fachen Ertrag bringen? Wer weiß es? - Genau. Auf das eingesetzte Saatgut gerechnet hat der Bauer den 25fachen Ertrag. Das ist doch was, oder?

 

Wir haben eine ausgeprägte Aversion gegen Fehlinvestitionen. Wenn wir was investieren an Geld, Zeit oder Kraft, dann soll sich das lohnen. Wir haben Angst, dass was daneben geht oder für die Katz ist. Eben diese Angst will Jesus uns mit Seinem Gleichnis vom Sämann nehmen. Hätte der Bauer gesagt: „Ich will nicht, dass von meinem Saatgut was verloren geht!“ und hätte pienzig den Wegesrand ausgespart, jedes Steinchen ausgegraben und anderthalb Meter Abstand gehalten von jeder Dorne, dann hätte er nicht so viel geerntet.

 

Jesus erzählt das Gleichnis, als „eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu Jesus eilten“. Er war also gerade auf dem Höhepunkt Seiner Karriere. Ich stelle mir vor, wie Seine Jünger abends mit Ihm zusammensitzen und total begeistert sind. Jesus ist zum Star geworden. Die Zahl Seiner "Follower“ steigt täglich. Und sie als Jünger, als Seine engsten Freunde sind mittendrin. Muss ein geiles Gefühl sein, keine Frage. Klar, dass man dann denkt: „Das soll immer so weiter gehen!“ „Wird es aber nicht“, sagt Jesus. „Denkt nicht, dass die alle dabei bleiben, die mir heute zugejubelt haben.“ Als diese Geschichte gut 40 Jahre später aufgeschrieben wurde, da kannten die jungen christlichen Gemeinden längst die Erfahrung, dass Menschen sich auch wieder abwenden. Enttäuschung machte sich breit. Frust. Wie kann das sein, dass das Wort Gottes ohne Wirkung bleibt? Eine Frage, die wir uns auch stellen. Der Frust über Fehlinvestitionen ist uns wahrlich nicht fremd. Da tut und macht man, aber es kommt oft wenig dabei rum. Im Gottesdienst bleiben viele Plätze leer (nicht erst seit Corona). Leute, die sich engagiert haben, bleiben irgendwann weg und andere treten ganz aus der Kirche aus. Da fragt man sich schon manchmal: Was machen wir falsch? Sicher dürfen wir diese selbstkritische Frage nicht einfach beiseite schieben. Aber es bringt auch nichts, in blinden Aktionismus zu verfallen. Jesus gibt uns mit dem Gleichnis vom Sämann ein gutes Stück Gelassenheit: Ja, in der Kirche geht viel daneben. Das lässt sich nicht wegoptimieren. Da kommt es vor, dass das Wort, das wir verkündigen, ungehört verhallt. Dass die Leute achtlos drüber weggehen oder dass manche sich schnell was rauspicken und mitnehmen ('ne schöne Trauung zum Beispiel) und dann nicht mehr gesehen werden. Da gibt es manches Strohfeuer, wo Leute für eine gewisse Zeit begeistert dabei sind, und dann auf einmal flaut das ab und sie sind fott. Da kommt es vor - und das wird vielen von uns selbst vertraut sein -, dass die Sorgen des Alltags einen einholen und so viele Kräfte binden, dass die Begeisterung für das Evangelium darunter erstickt wird. Ja, sagt Jesus. Das kommt alles vor. Und trotzdem ist Euer Einsatz nicht vergebens. Es lohnt sich zu säen. Gottes Wort trägt Früchte, auch wenn es vielleicht erstmal nicht danach aussieht.

 

Anfang der 90er Jahre hatten wir in meiner Heimatgemeinde in Lüttringhausen eine Phase, wo der Jugendkreis, der sich jeden Mittwoch traf, auf einmal wie wild anfing zu boomen. Aus einem kleinen Grüppchen wurde ein großer Treff mit zu Spitzenzeiten an die 50 Jugendlichen. Das hielt ein gutes Jahr lang an, und dann bröckelte es. Einer nach dem anderen verschwand wieder in der Versenkung. Ich habe mich damals gefragt: „War’s das jetzt? Alles nur ein Strohfeuer? Die ganze Saat eingegangen?“ Jahre später traf ich eins von den Mädels wieder, die damals dabei waren. Mittlerweile war sie eine junge Frau von 22 / 23 Jahren. Wir kamen auf die Jugendgruppe zu sprechen, und da sagte sie: „Das war die schönste und wichtigste Zeit in meinem Leben. Ohne unsere Treffen damals wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin.“ Ich war ziemlich geplättet. Und irgendwie auch beschämt über meinen Kleinglauben. Gottes Invest fruchtet. Auch wenn wir das ganz oft nicht mitbekommen. Ob und, wenn ja, wann, wie und wo der Same aufgeht, liegt nicht in unserer Hand, liebe Gemeinde. Aber den Samen, den hat Gott uns in die Hand gegeben. Mit der Maßgabe, dass wir ihn einsetzen. Wer großzügig ernten will, muss auch großzügig säen. Auch wenn erstmal drei Viertel fehlinvestiert zu sein scheinen. Das ist keine Katastrophe. Es ist ja genug da. Wir müssen mit Gottes Wort nicht sparen, sondern sollen beherzt damit um uns werfen. Und das ist nicht nur die Aufgabe von Menschen ist, die bei der Kirche angestellt sind. Wir sind als Christen alle kleine Sämänner und Säfrauen.

 

Jetzt werden sich wahrscheinlich manche von Euch / von Ihnen fragen: „Ja toll, und wie mache ich das? Wie soll ich bitte schön Gottes Wort unters Volk bringen?“ Das hängt nicht so hoch, wie es sich erstmal anhört. Es geht ganz einfach darum, dass wir zu unserem Glauben stehen und sagen: „Ja, ich glaube an Gott. Ich lebe mein Leben mit Ihm, weil bei Ihm der Wert meiner Person nicht von dem abhängt, was ich leiste. Ich weiß, dass ich ein Kind Gottes bin und dass Er mich lieb hat und bei mir ist in allen Erfolgen und Misserfolgen meines Lebens. Ich lebe mein Leben mit Jesus, der dafür gesorgt hat, dass dieses Leben mehr ist als ein sinnfreier Dauerlauf zwischen Kreißsaal und Friedhofskapelle. Er hat danach noch was im Petto. Ein Leben 2.0. Unterschied zur Vorgängerversion: Es ist ein Leben ohne Leid, ohne Not und ohne Ende. Und ich lebe mein Leben mit dem Heiligen Geist, der mir sagt: „Der Schlüssel zum Glück liegt nicht in Eigensinn, Hass, Missgunst und Geiz, sondern in der Liebe.“

 

Wenn wir mit der Haltung und der Botschaft den Menschen unserer Zeit begegnen, wird Gott Seinen Segen dazu geben. Wir müssen nur wegkommen von der Angst vor Fehlinvestitionen. „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.“

 

Manchmal sind wir geneigt im Blick auf bestimmte Menschen zu sagen: „Bei der oder bei dem sind Hopfen und Malz verloren! Da brauchst Du gar nicht erst anzufangen!“ Als wüssten wir, welche Menschen die sind, bei denen der Same auf den Weg, auf Fels oder unter die Dornen fällt. Das steht uns nicht zu. Wir sollen einfach nur säen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Bei Gott gibt es keine Fehlinvestition. Bei Ihm ist Scheitern keine Schande. Als Jesus Mensch wurde, hat Er sich auch gesagt: „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt!“ Gut, dass Er’s getan hat. Sonst säßen wir jetzt nicht hier. Amen.

 

 

Predigttext 07.02.21
Online-Gottesdienst 2021-02-07 Predigtma[...]
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Predigt 31.01.2021

Zu Mt 17, 1-9 und 2. Petr 1, 16-19

 

Soundso war hier! Bestimmt haben Sie auch schon einmal irgendwo diesen Satz gelesen oder vielleicht sogar selber irgendwo hingeschrieben. Vor allem in Jugendherbergsbetten, aber auch in Holzbretter auf Kirchtürmen und sonstigen Denkmälern sind diese Wort meist samt Datum eingeritzt. Häufig denke ich mir dann: Na und? Der Besuch einer Jugendherberge oder eines Kirchturms ist zwar bestimmt etwas, woran man sich noch einige Jahre später erinnert, aber nichts wobei man sich für die Ewigkeit dort verewigen muss, oder?

Ich war hier und ich war dabei! Das ist wohl ein Satz, den wir auch eher über gute Dinge in unserem Leben sagen. Abi 2014 ich war dabei!

Jugendfreizeit ich war dabei! Das klingt weitaus besser als Corona- Pandemie 2020/21 ich war dabei!

 

 

An Dinge, bei denen wir selber dabei waren, erinnern wir uns auch meist viel besser. Ich kann mich besser an meine letzte Geburtstagsfeier erinnern, als an irgendeine komplizierte Mathegleichung. Die Hochzeit meines besten Freundes ist mir eher im Gedächtnis geblieben, als die Grobgliederung des Matthäusevangeliums, die ich irgendwann in meinem Studium mal lernen musste. Und auch in unserem Predigttext, dem zweiten Petrusbrief,  heißt  es:

16 Wir haben euch ja angekündigt, dass unser Herr Jesus Christus machtvoll wiederkommen wird. Und dabei haben wir uns

nicht auf ausgeklügelte, erfundene Geschichten gestützt. Sondern wir haben mit eigenen Augen seine wahre Größe gesehen.

17 Von Gott, dem Vater, empfing er seine Ehre und Herrlichkeit aus der majestätischen Herrlichkeit Gottes kam eine Stimme zu ihm, die sagte

»Das ist mein geliebter Sohn an ihm habe ich Freude.« 18 Diese Stimme haben wir selbst gehört. Sie kam vom Himmel her, als wir mit Jesus auf dem heiligen Berg waren.

 

 

Ich war dabei!", schreibt Petrus hier also. Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen und mit meinen eigenen Ohren gehört! Ich war dabei! Weswegen für ihn ganz klar ist, wer Jesus ist und war.

 

 

Das fällt uns dagegen wohl nicht immer ganz so leicht. An manchen Tagen finde ich ähnelt Gott eher einer dieser undurchsichtigen mathematischen Gleichungen, die ich nie durchschaut habe. Da wirft mein Glaube mehr Fragen auf, als das er beantwortet. Da wird es ganz dunkel um mich. So dunkel, dass ich mein Vertrauen verlieren könnte. Es gibt Tage, da erscheint die Welt als ein einziger dunkler Fleck. Da will nichts so recht klappen, da möchte man sich am liebsten einfach nur ins Bett legen, die Decke über den Kopf ziehen und den Tag vergessen. Vielleicht kennen Sie das ja auch… Da vertraut man sich nicht mal mehr selbst. Da hinterfragt man alles und damit auch sich.

Plötzlich kann man Dinge nicht, will sie nicht mehr oder traut sie sich auch einfach nicht mehr.

Schauen wir uns einmal kurz an, an wen Petrus als vermeintlicher Verfasser diese Zeilen schreibt. Er schreibt an eine Gemeinde, die etabliert zu sein scheint, die einige Schriften kennt und auch die Geschichte der Verklärung Jesu, die wir heute in der Lesung gehört haben. Sie kennt die Berichte, dass Jesus bald wiederkehren wird und das endzeitliche Gericht nicht mehr fern ist….Und nun? Wir schreiben das Jahr 2020 und von endzeitlichem Gericht sind wir zumindest aus

 

meiner Sicht noch um einiges entfernt. Das Warten darauf ist aber in unserer heutigen Verkündigung auch in den Hintergrund gerückt, zu Recht, wie ich finde. Aber natürlich führt das damals zu Spannungen und zu Unruhe. Wie glaubwürdig sind diese Anhänger:innen und Verkündiger:innen Jesu? So stellt Petrus also in diesem Brief noch einmal klar: Ich war dabei! Ich habe es selber gesehen und selber gehört!

Und was genau meint er? Petrus meint damit, dass Gott Mensch wurde und auf die Erde kam. Das Licht kommt an Weihnachten in die Dunkelheit. In alle Zweifel, in alle Fragen und in alle Ferne. Gott will dabei sein! Gott will hier sein! Ohne seine Namen irgendwo hinzuschreiben oder einzuritzen, sondern um ihn wahrzumachen:

„Gott ist der, ich bin da!“ Nicht immer wird uns dieser Zusage aus unserer eigenen Dunkelheit holen können oder von ein auf die andere Minute alles wieder vollkommen in Ordnung bringen. Dennoch dürfen wir uns immer wieder daran erinnern: „Gott ist da! Gott will hier sein, jeden Tag.

 

 

Amen.

 

Predigttext 31.01.2021
Predigt 31.01.2021.pdf
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Predigt

für den 3. So. n. Epiphanias (23./24.01.21)

zu Rut 1,1-19a

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Oswald in Manubach. Der folgende Predigttext aus Rut 1,1-19a liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte.

 

Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen.

 

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

 

 

Liebe Gemeinde! Wenn das keine Liebeserklärung ist: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.“ Es kommt nicht von ungefähr, dass diese Worte aus Rut 1 gerne als Trauspruch genommen werden. Einziger Schönheitsfehler an der Sache: Hier spricht nicht etwa der Bräutigam zur Braut oder die Braut zum Bräutigam, sondern - die Schwiegertochter zur Schwiegermutter. Gemeinhin gilt unter den vielfältigen Formen menschlicher Beziehungen gerade diese Variante nicht unbedingt als die einfachste... Aber dem Klischee von der bösen Schwiegermutter scheint Noomi in der Geschichte, die wir vorhin gehört haben, nicht zu entsprechen.

 

Noomi ist in einer denkbar bescheidenen Situation. Mit ihrem Mann Elimelech und den Söhnen Machlon und Kiljon war sie aus der Heimat Judäa geflohen, weil es dort nichts mehr zu essen gab. Dann starb dort in der Fremde erst ihr Mann und nur zehn Jahre später dann auch noch ihre beiden inzwischen verheirateten Söhne. Noomi war völlig aufgeschmissen. Grundsicherung, ALG II oder Witwenrente gab es nicht. So beschließt Noomi, in ihre Heimat Judäa zurückzukehren. Durch die Not zusammengeschweißt, machen sich die Schwiegertöchter Orpa und Rut mit auf den Weg. Doch Noomi hat kein gutes Gefühl dabei. Sie weiß, dass es für die beiden besser wäre, in ihrer eigenen Heimat, in Moab zu bleiben. Deswegen sagt sie: „Geht lieber zurück! Ihr braucht neue Männer, die Euch versorgen können. Keine Schwiegermutter, die selbst von der Hand in den Mund lebt.“ Orpa lässt sich umstimmen, nimmt unter Tränen Abschied, und geht wieder zurück. Anders Rut. Sie ist fest entschlossen, ihre Schwiegermutter in ihrer bescheidenen Situation nicht allein zu lassen, obwohl sie dafür selbst alle verbliebenen Sicherheiten aufgeben muss. „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“

 

Kann das überhaupt gut gehen, wenn ein Mensch alles aufgibt für jemand anderen? Damit bin ich gedanklich auch nochmal bei meinen Brautpaaren bzw. bei Partnerschaften allgemein: Kann das gut gehen, wenn ein Mensch alles aufgibt für jemand anderen? Wenn man verliebt ist und dann gesagt bekommt: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen“, dann geht das natürlich erstmal runter wie Öl. Wie gesagt: Wenn das keine Liebeserklärung ist! Aber das kann auch umschlagen und total erdrückend werden. Das gibt dem, der angesprochen ist, ja eine quasi göttliche Rolle. Im Prinzip wird ihm / wird ihr angetragen: „Du bist jetzt mein Lebensinhalt!“ Was in der rosaroten Phase ohne Ende Endorphine ausschüttet, kann einem - wenn die erste Ernüchterung kommt - die Luft zum Atmen nehmen.

 

Wenn ich über diesen Trauspruch predige, sag ich den Brautpaaren: Das Wichtigste steht kurz vor der Mitte Eures Trauspruchs: „Dein Gott ist mein Gott.“ Gemeinsamen an Gott zu glauben, ist der beste Schutz davor, dass eine Beziehung aus dem Lot gerät und ein Mensch den anderen Menschen zu seinem Gott erklärt - oder sich zum Gott über den anderen macht. Diese Rolle bekommt uns Menschen nicht. Da gibt es einen, der hat das besser drauf. Das ist für mich der Mehrwert der kirchlichen Trauung gegenüber der standesamtlichen: Dass die Bindung, die zwei Menschen mit der Ehe eingehen, eingebettet wird in eine größere Bindung, die die beiden umschließt. Der Glaube an Gott ist die Größe, die uns hilft, auf gesunde Weise mit der Abhängigkeit umzugehen, die eine Bindung mit sich bringt. Dann wird aus der Partnerschaft eine Weggemeinschaft unter der Leitung Gottes.

 

Auch wenn wir es bei Rut und Noomi nicht mit einer Partnerschaft zu tun haben - eine Weggemeinschaft unter Gottes Leitung ist auch diese Beziehung. Rut hat erkannt, dass das ihr Weg ist. Besser gesagt: Gottes Weg mit ihr. Mit ihrem Entschluss, an der Seite ihrer Schwiegermutter zu bleiben, wird die Ausländerin Rut  Teil der Heilsgeschichte des Gottes Israels mit Seinen Menschen. Der Predigttext endet mit den Worten: „So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.“ Da war doch was? Bethlehem? Weihnachtsbaum? Krippe? Sie müssen zuhause mal nachlesen, wie die Geschichte von Rut weitergeht. Das ist echt spannend. Dauert auch nicht lang. Das Buch Rut hat nur vier Kapitel, das schaffen Sie in zwanzig Minuten.

 

Ich spoilere Sie jetzt mal ein bisschen: Rut lernt in Bethlehem einen Verwandten ihrer Schwiegermutter und ihres verstorbenen Mannes kennen, heiratet ihn und bekommt mit ihm einen Sohn. Obed. Der ist der Vater von Isai. Und Isai ist der Vater von David. Von König David. Aus dem Hause und Geschlechte Davids wiederum war auch ein gewisser Josef, der wegen einer Volkszählung in seine Heimatstadt ging - nach Bethlehem. Dort bekam Maria, seine Verlobte, ihren ersten Sohn, Jesus. In diesem Kind kam niemand Geringeres zur Welt als der lebendige Gott höchstpersönlich. In Seiner Geburt in Bethlehem sagt Gott zu uns, zu Dir und zu mir: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.“ Gott hat - im Prinzip wie Rut für Noomi- alles hinter sich gelassen, um unser Leben zu teilen. Hat den Himmel eingetauscht gegen die Erde, die Vollkommenheit gegen Not und Schmerz, die Unsterblichkeit gegen den Tod.

 

Kann das gut gehen? Vordergründig: Nein. Jesus wird verfolgt, gequält und hingerichtet. Das ist die vordergründige Sicht, die sagt: „Nee, kann nicht gut gehen!“ Die tiefere Sicht sagt: „Dadurch, dass Jesus diesen Weg gegangen ist und alles drangegeben hat für uns, wird alles gut - für uns.“ Denn an einer entscheidenden Stelle unterscheidet sich Seine Aktion von der von Rut. Rut sagt zu ihrer Schwiegermutter: „Nur der Tod wird mich und dich scheiden.“ Jesus zeigt uns: „Nicht einmal der Tod wird mich und dich scheiden.“

 

Diesen geballten Einschlag der Liebe Gottes hat der Tod nicht überlebt. Jesus ist auferstanden. Mir gibt dieses Wissen unglaublich viel Kraft, liebe Gemeinde, gerade auch jetzt in dieser mehr als bedrückenden Zeit. Wir haben den an unserer Seite, der in der ausweglosesten Situation bei uns ist und weiter hilft und uns verspricht: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.“ Oder, um es im O-Ton Jesu zu sagen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Wenn das keine Liebeserklärung ist! Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

 

Predigt 24.01.2021
Online-Gottesdienst 2021-01-24 Predigtma[...]
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Predigt

für den 2. So. n. Epiphanias (17.01.21)

zu Joh 2,1-11

(Online-) Gottesdienst aus Steeg

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Anna in Steeg. Der folgende Predigttext aus Joh 2,1-11 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Jesus spricht zu ihr: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Seine Mutter spricht zu den Dienern: „Was er euch sagt, das tut.“ Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: „Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!“ Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: „Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister!“ Und sie brachten's ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten's, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: „Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.“ Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

 

 

Liebe Gemeinde! „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!“ sagt man - zumindest, wenn nicht gerade Corona ist. „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!“ Das hat sich Jesus offenbar auch gedacht, als Er die Einladung bekam zu jener legendären Hochzeit zu Kana. Nun hat Jesus nicht unbedingt den Ruf, voll der Partytiger zu sein. Viele kämen gar nicht auf den Gedanken, Ihn mit ausgelassener Feierlaune in Verbindung zu bringen. Zu Unrecht, wie diese Geschichte zeigt. Jesus geht nicht nur hin zu diesem Fest – er rettet es sogar, als es mit einem peinlichen Eklat zu enden droht.

 

So eine altorientalische Hochzeit war ein Riesending. Sieben Tage lang wurde gefeiert – mit Essen vom Feinsten und gutem Wein, dessen Beschaffung in den Zuständigkeitsbereich des Bräutigams fiel. Der Bräutigam von Kana hat entweder die Zahl oder die Trinklust seiner Gäste unterschätzt. Jedenfalls reichte der Wein nicht. Das war der absolute Gau. Peinlich hoch drei. Man versucht das erstmal zu vertuschen, aber die Mutter von Jesus hat irgendwie Wind bekommen und geht zu ihrem Sohn und sagt: „Die haben keinen Wein mehr.“ Sie spricht es zwar nicht aus, aber Jesus hört in diesen Worten die glasklare Aufforderung: „Tu was!“ Daraufhin geht Er Seine Mutter ziemlich schroff an: „Was hab ich mit dir zu schaffen, Frau?“ Aber Maria bleibt unbeirrt. Sie dreht sich rum, geht zu den Dienern und sagt denen: „Tut, was Jesus euch sagt!“ Das Vertrauen in ihren Sohn ist ungebrochen. Als wisse sie genau, dass Er doch helfen wird.

 

Darin ist Maria für mich ein Vorbild im Glauben: Vertrauen, auch wenn der Herr sich schon mal hart stellt. Unbeirrt auf Seine Möglichkeiten hoffen. Gelassen bleiben. Das ist nicht immer leicht, aber man hat’s leichter, wenn man das versucht. Auf den Herrn vertrauen, auch wenn Er sich hart stellt. Und hier gibt Jesus sich hart: „Was hab ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

 

Dieses Ereignis bei der Hochzeit zu Kana markiert den Moment, wo Jesus, der Sohn Gottes, aus der Unauffälligkeit heraustritt und mit Seiner öffentlichen Wirksamkeit beginnt. Eine ganz entscheidende Schaltstelle im Leben Jesu. Insofern wirkt es auf mich irgendwo auch sehr menschlich, dass Jesus zögert und sich nicht pushen lassen will. Aber am Ende tut Er dann doch, was Mama sagt, und rettet das Fest. Johannes betont: Das ist das erste Zeichen, das Jesus öffentlich tut. Sein Coming Out als Sohn Gottes. Und das besteht darin, dass Er ein Fest rettet. Nicht einen Kranken heilt oder Hungernde satt macht, sondern eine Hochzeit rettet. Indem Er da hilft, bekennt Jesus sich zur Liebe und zum Feiern. Sonst wäre das direkt mal der erste große Stresstest für das junge Paar geworden. Garantiert hätte die Braut Sprüche zu hören bekommen wie: „Was hast Du Dir denn da für einen Vollpfosten geangelt, wenn der noch nicht mal im Stande ist, dafür zu sorgen, dass bei seiner Hochzeit keiner auf dem Trockenen sitzt?!“

 

Johannes macht hier schon deutlich, worum es Jesus geht und was Er im weiteren Verlauf Seines Wirkens so ausdrückt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genügen haben sollen.“ Das gilt nicht erst nach dem Tod, liebe Gemeinde. Leben und volle Genüge - damit fängt Jesus auf der Erde schon an. Jesus ist keine Spaßbremse, der von den Seinen verlangt, dass sie allen irdischen Freuden entsagen. Er gibt den Leuten einen Vorgeschmack gibt auf das, was kommt. Auf das Heil im Reich Gottes. Dem Evangelisten Johannes ist es ganz wichtig zu zeigen: Diese Heil vollzieht sich in Ansätzen schon hier und jetzt. Manchmal sogar sehr handfest oder rachengängig. Wo Jesus ist, ist Freude und Feiern angesagt. Dafür setzt Er bei der Hochzeit zu Kana ein Zeichen. Wie Er das gemacht hat mit dem Wein, das wird nicht erklärt. Die Diener sollen sechs Krüge mit Wasser füllen, die da stehen; insgesamt dürften das so zwischen 70 und 100 Litern gewesen sein. Die Krüge waren eigentlich dafür da, Wasser bereitzustellen, damit die Leute sich waschen und frisch machen konnten. Als die Diener auf Geheiß von Jesus die Krüge mit Wasser füllen und dem Speisemeister anschließend eine Kostprobe entnehmen, zeigt sich, dass aus dem Wasser nicht nur Wein geworden ist. Er ist offenbar auch qualitativ ziemlich gelungen. Ein „Zeichen“ nennt Johannes das. Das griechische Wort shmeion bedeutet so viel wie „Anzeichen“ oder „Vorzeichen“. Was Jesus in Kana tut, ist ein Anzeichen, ein Vorzeichen für das, was uns im Reich Gottes erwartet: Leben und volle Genüge.

 

Wohlgemerkt: Dass das Heil, das Jesus bringt, sich schon hier und jetzt vollzieht, geschieht nur zeichenhaft. Punktuell. Noch nicht durchgängig. Das wäre die Vollendung. Die ist noch nicht da. Das merken wir im Moment allzu gut, wo so viele ihre Feste nicht feiern können, wie sie fallen. Auch an dem Tag, an dem Jesus jenem Brautpaar in Kana so wunderbar aus der Patsche geholfen hat, sind anderswo Leute gestorben.

 

Natürlich kann man da fragen: „Hat Jesus denn nichts Besseres zu tun, als Wasser zu Wein zu machen?“ Die Zusammenschau unseres Lebens und dieses Predigttextes sagt mir: Es ist schlimm genug, dass das Leben pha-senweise so schwer ist. Wir brauchen es uns nicht noch schwerer zu machen, indem wir uns in guten Zeiten die Freude versagen und miesepetrig durch die Gegend laufen. Wenn es Grund zum Feiern gibt, dann darf auch gefeiert werden. Jesus ist gekommen, um uns Leben und volle Genüge zu bringen. Deswegen dürfen wir das Leben feiern, unser Leben hier auf dieser Erde, wo immer das geht. Wir dürfen die guten Zeiten, die Hoch-zeiten unseres Lebens als Vorgeschmack, als Vorweg-Zeichen auf das Reich Gottes sehen - und genießen. Und in den Phasen, wo das nicht geht, dürfen wir’s halten wie Maria: Gelassen bleiben und auf den Herrn vertrauen, auch wenn Er sich hart stellt.

 

Johannes sagt: Das Weinwunder von Kana war das erste große Zeichen, das Jesus öffentlich getan hat. Und deutet gleich auf das letzte hin: Auf die Auferstehung. Die Geschichte beginnt mit den Worten: „Am dritten Tage war eine Hochzeit…“ Johannes arbeitet ganz viel mit Zahlensymbolik. Am dritten Tag – da war nicht nur eine Hochzeit. „Am dritten Tage auferstanden von den Toten“, heißt es im Glaubens-bekenntnis. Das ist kein Zufall, liebe Gemeinde. Der Sieg über Sorge und Entsetzen, über Trauer und Tod, der ist in diesem ganz diesseitigen Zeichen schon angedeutet, das Jesus da in Kana gesetzt hat. Mir ist das sehr sympathisch, dass Jesus so anfängt mit Seinem Wirken. „Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.“ Darum dürfen wir guten Gewissens um Gottes willen sagen: „Man soll die Feste feiern, wie sie fallen!“ Und wenn wir wieder dürfen, dann lasst es uns auch tun. Amen.

 

 

Predigt vom 17.01.21
Online-Gottesdienst 2021-01-17 Predigtma[...]
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Predigt

für den 1. So. n. Epiphanias (10.01.21)

zu Röm 12,1-2

(Online-) Gottesdienst aus Bacharach

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst kommt aus der Kirche St. Peter in Bacharach. Der folgende Predigttext aus Röm 2,1-2 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Ich ermahne euch, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

 

 

 

Liebe Gemeinde! Lassen Sie sich gerne ermahnen? Die meisten Leute reagieren allergisch darauf, wenn Ihnen jemand mit einer kritischen Bemerkung zu nah tritt. Irgendwann ist man aus dem Alter raus, wo man ständig irgendwelche Gardinenpredigten von Eltern oder Lehrern über sich hergehen lassen muss. Gleichwohl gibt es Dinge, an die man auch als Erwachsener bei allem gebotenen Respekt von Zeit zu Zeit dezent erinnert werden muss. Zum Beispiel daran, dass Glauben und Leben zusammengehören und dass der Glaube - zumindest der christliche - keine Privatsache ist. Deswegen beginnt Paulus unseren heutigen Predigttext mit den Worten: „Ich ermahne euch…!“

 

„Ich ermahne euch, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer“. Zack, das nächste Wort, das manchen Zeitgenossen den Kamm schwellen lässt. Sich selbst für etwas zu „opfern“, ist mindestens genauso unmodern wie „ermahnen“. Dabei ist es auch in diesem Fall so: Ohne dass Menschen Opfer bringen - jetzt mal egal, ob man das so nennt oder nicht - ohne dass Menschen Opfer bringen, würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Man denke zum Beispiel an die Bereitschaft von Müttern und Vätern, sich selbst hintenan zu stellen, um ihre Kinder ins Leben zu begleiten. Oder an die vielen pflegenden Angehörigen, die oft über Jahre hinweg kaum ein eigenes Leben haben, weil sie sich um einen nahestehenden Menschen kümmern. Und im Moment werden uns allen Opfer abverlangt. Wir müssen auf vieles, was uns lieb und wichtig ist, verzichten, um ein kleines aber gemeines Virus so gut es geht daran zu hindern, sich weiter auszubreiten.

 

Was Paulus schreibt, geht in diese Richtung. Die genannten Beispiele sind konkrete Umsetzungen davon, Glauben zu leben. Allerdings geht Paulus darüber noch hinaus, wenn er sagt, dass wir Gott unseren Leib hingeben sollen als ein Opfer. Um jeglichem Missverständnis von vornherein vorzubeugen: Das ist kein Aufruf, sich zum Selbstmordattentäter zu machen und das dann als „heiligen Krieg“ zu bezeichnen. Das wäre weder lebendig, noch heilig noch Gott wohlgefällig. Wohl aber geht es darum, sein ganzes Leben in den Dienst Gottes zu stellen. Paulus nennt das einen „vernünftigen Gottesdienst“. Glaube und Vernunft schließen sich entgegen landläufiger Vorurteile nicht aus. Aber wir können unsere Zeitgenossen davon nur überzeugen, wenn sie unseren Glauben an unserem Leben ablesen können. Wenn sie merken: Das ist authentisch. Die glauben das wirklich, dass Gott an ihrer Seite ist. Die sind getragen von Vertrauen - und erfüllt von Liebe.

 

Wenn Paulus uns aufruft, unseren Leib als Opfer zu geben, dann geht es um Hingabe. Darum, dass wir uns mit Leib und Seele, mit unserem Tun und Lassen Jesus hingeben und Ihn an uns und durch uns wirken lassen. Uns sozusagen für Ihn als Airbase zur Verfügung stellen, als Bodenstation in dieser oft so bekloppten Welt. Dass Paulus dabei explizit von unserem Leib spricht, von unserer physischen Existenz, liegt daran, dass es damals wie heute die Tendenz gibt, Glauben als etwas rein Innerliches zu betrachten, das nur das persönliche Seelenheil betrifft, als wäre alles andere drum herum egal. So nach dem Motto: „Ich hab’ meinen Glauben. Aber was hat der mit meinem Geld zu tun? Oder mit der Politik? Oder damit, wie ich mit meinen Angestellten umgehe?“ Wir trennen das ganz gern. Aber so eine Trennung der Lebensbereiche ist mit Jesus nicht zu haben. Der will uns ganz.

 

Doch was heißt das konkret? Wie kommt man dahin? Paulus nennt drei Schritte: 1. Indem man in kritische Distanz zur Welt geht und nicht unreflektiert ihre Maßstäbe und Gepflogenheiten übernimmt. 2. Indem man in kritische Distanz zu sich selbst geht, sich hinterfragt und bereit ist für positive Veränderungen - Änderungen durch „Erneuerung unseres Sinnes“, sagt Paulus. Und 3. indem wir prüfen, was Gottes Wille ist.

 

Jetzt ist das mit den positiven Veränderungen und der „Erneuerung unseres Sinnes“ ja so eine Sache… Vielleicht sagen Sie: „Ich hab’s so oft schon versucht. So oft bin ich mit meinen guten Vorsätzen gescheitert. Mein persönlicher IS terrorisiert mich (IS steht in diesem Fall für „innerer Schweinehund"). Immer erweist er sich als stärker.“ Mag sein, dass das so ist, liebe Gemeinde. Mag sein, dass Ihr persönlicher IS nicht auf Sie hört. Aber vielleicht hört er auf Gott. Geben Sie ihm einfach die Chance, Gott zu hören. Setzen Sie ihn Seinem Wort aus. Mit jedem Gottesdienst, mit jedem Lesen in der Bibel, mit jedem Gebet schwächen Sie Ihren IS. Fragen Sie Gott jeden Tag neu: „Herr, was möchtest Du heute von mir? Was ist Dein Wille für mich für diesen Tag?“ Ihr innerer Schweinehund wird Ihnen erhalten bleiben. Aber Sie werden sehen: Auch der störrischste Hund kann lernen auf „Sitz!“ oder „Patz!“ oder „Aus!“ zu hören! Ein Hund braucht kurze und klare Ansagen. Das gilt auch für den inneren Schweinehund. Jesus hat da was für uns. Die Jahreslosung für 2021 aus Lk 6,26. Da sagt Er: „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist!“

 

Das ist kurz und knapp der Wille Gottes für uns. Wer’s ein bisschen länger braucht: Lasst euch berühren vom Schicksal anderer, so wie Gott sich hat berühren lassen von eurem Schicksal. Sonst wäre Er nicht Mensch geworden. Tut es Ihm nach. Werdet auch Ihr Menschen. Und geht entsprechend miteinander um. Auch da, wo Euch vielleicht mal jemand zu nah getreten ist. Wo Euch Unrecht zugefügt wurde. Seid barmherzig. Barmherzig sein heißt nicht, alles für egal zu erklären. Wenn sich jemand bei uns für irgendwas entschuldigt, sagen wir ganz oft: „Ach, ist nicht so schlimm!“ Mag in den meisten Fällen auch stimmen. Aber es gibt Sachen, die sind schlimm. Trotzdem ist Barmherzigkeit geboten. Gnade. Denn von der leben auch wir. Tag für Tag. Vergebung ist etwas anderes, als Schuld wegzureden. Vergebung macht Schuld nicht ungeschehen, aber sie ermöglicht einen Neustart. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ heißt, dass wir uns und andere nicht um diese Möglichkeit eines Neustarts berauben sollen.

 

„Wie Gott mir, so ich Dir!“ Nach dieser Devise zu leben, heißt, Gottes Willen zu tun. Sich von der Liebe beseelen lassen. Nach der Predigt singt Bärbel Weinert einen Song von "Frankie Goes to Hollywood“ mit dem Titel "The Power of Love“. „Die Macht der Liebe.“ Darin heißt es: „Läutere deine Seele und setze alles auf Liebe! Die Macht der Liebe ist eine Kraft aus dem Himmel, die meine Seele reinigt.“ Alles auf die Liebe setzen - das geht, weil Gott es längst getan hat. Er sagt: „Ich bin bei dir […]. Mit meiner unsterblichen, dem Tod trotzenden Liebe für dich.“ Auch das ein Zitat aus dem Song.

 

Ich kann jeden verstehen, der sich nicht gerne ermahnen lässt. Aber - bei allem gebotenen Respekt - es hat etwas Heilsames, wenn wir bei Bedarf gesagt bekommen: „Denk dran: Leb’ nach dem Motto: „Wie Gott mir, so ich Dir!“ Amen.

 

 

Predigttext vom 10.01.2021
für Sie zum Download
Online-Gottesdienst 2021-01-10 Predigtma[...]
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Predigt

für Silvester (31.12.20)

zu Ex 13,20-22

Online-Gottesdienst aus Oberdiebach

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der Online-Gottesdienst zu Silvester kommt aus der Kirche St. Moritz in Oberdiebach. Der folgende Predigttext aus 2. Mose 13,20-22 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Die Israeliten zogen aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

 

 

Liebe Gemeinde! In den letzten Wochen hab ich oft den Satz gehört: „Ich bin froh, wenn das Jahr rum ist!“ In der Tat wird die Zahl derer, die 2020 hinterher weinen, überschaubar sein. Dieses Jahr hat so ziemlich alles auf den Kopf gestellt und entlässt uns mit der Frage: Wo mag die Reise hingehen?

 

Das werden sich die Israeliten auch gefragt haben, als sie sich - wie im Predigttext gehört - „lagerten am Rande der Wüste“. Nach 430 Jahre Sklaverei in Ägypten hatte Gott die Israeliten aus der Hand ihrer Peiniger befreit. Mit der Aussicht auf ein Leben in Freiheit im eigenen, gelobten Land waren sie aus dem Land der Knechtschaft ausgezogen. Doch schon bald zeigte sich, dass der Weg in die Freiheit kein Sonntagsspaziergang ist. „Sie lagerten sich am Rande der Wüste“… Die Wüste wird in der Bibel ambivalent wahrgenommen. Einerseits ist sie Ort der Besinnung, des Neuanfangs in der Beziehung zu Gott, aber andererseits eben auch ein absolut lebensfeindlicher Ort.

 

Mit der aktuellen Krise ist das ähnlich. In gewisser Weise kann man sagen, dass der Lockdown über Weihnachten und Silvester einem „sich Lagern am Rande der Wüste“ vergleichbar ist. Die einen haben die verordnete Ruhe über die Feiertage genossen. Endlich mal ein Weihnachtsfest ohne den Stress, alle unter einen Hut kriegen zu müssen, von einer Oma zur anderen hoppen, zwischendurch noch bei Tante Fienchen vorbeischauen, den Sohn zur Freundin bringen und und und - sondern tatsächlich mal Zeit haben, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Für die anderen aber trägt das Ganze eher das zerstörerische Potenzial von „Wüste“ in sich. Die erleben in diesen Tagen eine elende Leere, leiden unter der Eintönigkeit und haben Angst, seelisch zu verdursten. Man darf nicht groß feiern, kann nirgendwo Essen gehen, kein Urlaub, keine Kultur. Auf das alles verzichten zu müssen, ist für viele eine Grenzerfahrung - wie ein Aufenthalt in der Wüste. Besonders hart trifft es die, die in diesen Bereichen arbeiten. Die sind existenziell von der Krise betroffen. Wobei existenziell mehr ist als der materielle Lebensunterhalt, der wegbricht für die vielen Gastronomen, Künstler und Musiker. Existenziell ist auch der seelische „Lebensunterhalt“, der da mit dran hängt. Wer zum Beispiel vom Musikmachen lebt, lebt auch für die Musik. Musikmachen ist für sie kein Job, den man notgedrungen ausübt, um sich seine Brötchen zu verdienen, sondern Be-ruf. Wenn man das, wozu man sich berufen weiß und wofür man angetreten ist, plötzlich nicht mehr leben darf, dann geht das ans Eingemachte. Dann geht es um Lebensinhalt, um Sinn, um die eigene Identität.

 

Wir lagern im Moment „am Rande der Wüste“, liebe Gemeinde. Aber die Plätze sind unterschiedlich. Einige sitzen schon auf dem Trockenen, während andere noch voll im Saft stehen. So eine Situation ist gefährlich. Wir müssen aufpassen, dass unsere Gesellschaft darüber nicht auseinanderbricht. Unsere Situation am Ende dieses Corona-Jahres ist nur bedingt vergleichbar mit der Situation Israels im Predigttext. Die meisten werden die Pandemie kaum als Auszug aus der Sklaverei empfinden, sondern eher als Vertreibung aus dem Paradies. Gleichwohl lohnt es sich zu fragen, aus welchen Abhängigkeiten Gott uns mit dieser Krise befreien will. Wo sind wir  Sklaven geworden - Sklaven unseres Lebensstils und unserer Ansprüche? Sklaven unseres Wohlstands und unserer Erwartung, dass es immer so weiter geht? Wo ist gnädige Befreiung aus gottlosen Bindungen möglich und nötig?

 

Was auf jeden Fall vergleichbar ist: Wir müssen uns persönlich und gesellschaftlich neu aufstellen. Das wird die Aufgabe des Jahres 2021 sein. Ich bin gewiss, dass Gott uns durch diese Wüste hindurchführen wird, wie Er es damals mit Israel getan hat. „Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten“. Wolke und Feuer sind in der Bibel Symbole für die unsichtbare Gegenwart Gottes. Das Feuer kommt ganz am Anfang der Exodusgeschichte schon einmal vor, als Mose noch die Schafe seines Schwiegervaters hütete. Da entdeckt er plötzlich einen Dornbusch, der brennt, aber nicht verbrennt. Als er der Sache auf den Grund gehen will, spricht Gott zu ihm aus dem brennenden Busch und sagt: „Ich habe die Not meines Volks in Ägpyten gesehen. Ich weiß, was sie durchmachen. Damit ist jetzt Schluss. Ich hole sie da raus. Und Du nimmst die Sache in die Hand!“ Mose ist mit diesem unerwarteten Auftrag leicht überfordert und sagt: „Tut mir leid, Gott, das kann ich nicht. Niemand wird auf mich hören. Was soll ich meinen Volksgenossen denn sagen, wer du bist? Wer mich geschickt hat?“ Daraufhin verrät Gott dem Mose Seinen Namen und sagt: „Ich bin der „Ich bin da!““ „Ich bin da!“ Das ist Gottes Name. Und der ist Programm. Gott ist da, wo Menschen leiden. Und Er solidarisiert sich, kommt herab, teilt das Leid und durchbricht es damit. Das hat Er damals in Ägypten getan und rund 1400 Jahre später in Bethlehem, als Er einer von uns wurde. „Siehe, siehe, meine Seele, wie dein Heiland kommt zu dir, brennt in Liebe für und für“, haben wir eben gesungen. Das klingt für mich mit, wenn in der Exodusgeschichte von der Feuersäule die Rede ist, in der Gott das Volk durch seine Nächte begleitet.

 

Und dann ist da noch die Wolke. Aus der spricht Gott nach dieser Geschichte vom Auszug aus Ägypten zu Mose, als Er ihm die Zehn Gebote übergibt. Regeln, die uns dran erinnern, dass wirkliche Freiheit nur in der Rückbindung an Gott möglich ist und dort ihre Grenzen hat, wo die Lebensbedürfnisse der anderen tangiert sind. Das bedeutet: Ein christliches Leben als ein Leben in von Gott geschenkter Freiheit ist ein Leben in Solidarität. Das kann die Notwendigkeit mit einschließen, Verzicht zu üben zum Wohle anderer. Im Moment wird uns abverlangt, auf vieles zu verzichten, was uns lieb und wichtig ist, um Leben zu schützen. Das bringt unser gesellschaftliches Leben an den Rand einer Wüste. Und die Plätze sind - wie gesagt - höchst unterschiedlich verteilt. Wir dürfen diejenigen, die der verordnete Verzicht auf Normalität existenziell trifft, jetzt nicht auf dem Trockenen sitzen lassen. Wie genau das jenseits materieller Hilfen gehen kann, weiß ich auch noch nicht so genau. Ich glaube aber, dass, wenn wir uns von dem an die Hand nehmen lassen, der in Liebe für uns brennt, und Ihm - Jesus - in unserem Miteinander Raum geben, dass Er uns dann den Weg zeigen wird. „Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.“ Gott gibt uns Sein Wort und Seinen Namen. Sein „Ich bin da!“ leuchtet in unseren Nächten. Und Sein Gebot setzt uns Wegweiser und Leitplanken. Wir müssen diese Situation nicht alleine wuppen.

 

So froh manch einer sein mag, dass dieses Jahr jetzt Geschichte ist - auch 2020 war ein Jahr des Herrn. Und 2021 wird es auch sein. Gebe Gott, dass in einem Jahr nicht so viele Menschen sagen müssen: „Gut, dass es rum ist!“ Amen.

 

 

Predigttext 31.12.20
für Sie mit den besten Wünschen für 2021!
Online-Gottesdienst 2020-12-31 Predigtma[...]
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Predigt für den 1. Sonntag nach dem Christfest, (27.12.2020) (Lukas 2, 25 – 38)

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater,

und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

stellen Sie sich vor, Sie erleben einen sonntäglichen Gottesdienst, so wie an diesem Morgen. Bei der Begrüßung durch den Liturgen erfahren Sie, dass in diesem Gottesdienst ein Kind getauft werden soll.

Doch bevor der Gottesdienst so richtig begonnen hat, stehen zwei Gottesdienstbesucher auf und bezeugen, dass das zu taufende Kind der Retter und Erlöser dieser Welt ist! Dass mit dem Täufling Jesus Christus zurückgekehrt ist, um endlich Gericht zu halten!

Was würden Sie in einem solchen Moment denken?

 

Halten Sie diese beiden Menschen für egozentrisch, oder gar verrückt?

Sind Sie empört ob dieser fraglichen Störung des Gottesdienstes?

Springen Sie auf, und gebieten verbal Einhalt?

 

Auf jeden Fall erleben Sie diese Situation mit Sicherheit als befremdlich!

Und nicht nur Sie!

Alle, oder zumindest die Meisten, werden ein Gefühl von „befremdet sein“ spüren, wenn Ihnen ganz plötzlich der Messias präsentiert wird.

 

Und die Eltern des Täuflings?

Auch die werden in diesem Moment von einer Menge Fragezeichen umtanzt werden, weil sie nicht so recht wissen, wie sie das jetzt einschätzen sollen.

 

Genau aber das, liebe Gemeinde, beinhaltet unser heutiger Predigttext:

Simeon und Hanna bezeugen im Tempel zu Jerusalem unabhängig voneinander, dass der Säugling Jesus der erwartete Messias ist.

Und die Eltern, Josef und Maria, wundern sich über das Gesagte.

Hören Sie selbst: LESUNG LUKAS 2, 25 – 38:

 

Und siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser Mann war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der heilige Geist war mit ihm. Und ihm war ein Wort zuteil geworden von dem Heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:

„Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“

Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: „Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen, damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden.“

Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels, aus dem Stamm Asser, die war hochbetagt. Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt, nachdem sie geheiratet hatte, und war nun eine Witwe an die vierundachtzig Jahre; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

 

Auch vor zweitausend Jahren werden sich die Tempelbesucher fragend angeschaut haben, werden den Kopf geschüttelt, zumindest aber mit den Schultern gezuckt haben:

Ein hilfloser Säugling, den niemand kennt, als Retter der Welt? Na ja!

Dieses „na ja“ verwenden auch wir gerne, wenn uns Dinge widerfahren oder erzählt werden, die nicht in unser Schema passen, die all unserer Erfahrung widersprechen.

 

Und mal ehrlich: Wie soll das auch funktionieren?

Wie soll denn ein Kind die Welt retten. Selbst dann, wenn es im Erwachsenenalter stark und mächtig wird:

Die Welt retten, das kann doch niemand!

 

Die Welt retten kann niemand?

Nein, ein Mensch kann das wohl nicht.

Gottes Sohn aber schon!

 

Nur: Damals wie heute gab es unter den Menschen die Zweifel. Zweifel an Gesagtem, Zweifel an der Interpretation von Erlebtem, Zweifel am und im Glauben.

 

Bis zum heutigen Tage plagen auch uns als gläubige Christinnen und Christen immer wieder Zweifel. Kann das wirklich sein, was uns die Bibel, die Evangelien erzählen?

Können wir uns den Worten, dem Leben und Sterben Jesu Christi, wirklich bedingungslos anschließen?

 

Zweifel, liebe Gemeinde, gehören fest zum Glauben dazu. Denn es sind die Zweifel, die uns eine permanente Beschäftigung mit unserem Glauben garantieren.

Wäre alles klar, alles einwandfrei belegbar und nachzuweisen, würden wir die ganze Sache relativ schnell als erledigt ad acta legen.

So aber bleiben wir in dauerndem Zwiegespräch mit Gott, halten Kontakt zu unserem Schöpfer und Retter.

 

Wir haben den Vorteil gegenüber den Zeitzeugen von damals, dass wir die ganze Geschichte kennen. Wir wissen um den Lebenslauf Jesu bis zu seinem Kreuzestod.

Und dieser Kreuzestod ist sogar durch den römischen Geschichtsschreiber Tacitus einwandfrei belegt.

Also zumindest doch ein Beweis für das irdische Leben Jesu aus unabhängiger Quelle.

Dennoch bleiben Fragen unbeantwortet.

 

Die Menschen vor zweitausend Jahren hatten es aber noch einen Tick schwerer. Sie kannten den weiteren Verlauf der Geschichte ja nicht.

Wie eingangs beschrieben:

Ein Säugling als Retter der Welt? Na ja!

 

Vielleicht aber auch: Na klar!

Wer, wenn nicht ein neugeborenes Kind?

 

Die Verknüpfung von „neu“ und Unschuld ist uns nirgends so innerlich, wie angesichts eines hilflosen Säuglings.

Eines in die Welt entlassenen Menschenkindes, dass noch nichts alleine kann, noch nichts weiß, aber dennoch das absolute Wunder entstandenen Lebens verkörpert.

Des Lebens, das Gott uns Menschen schenkt.

Des ewigen Lebens, das Gott uns mit Jesus Christus geschenkt hat.

 

Die Zeitzeugen Simeon und Hanna haben damals, im Tempel von Jerusalem, erkannt und kundgetan, welches Kind dort in den Tempel getragen wurde.

Sie haben Unglauben und Erstaunen hervorgerufen mit ihrer Aussage, waren sich aber absolut sicher.

Und: Sie haben recht behalten!

 

Ich gebe zu: Auch ich kann mir nur schwer vorstellen, wäre ich im Jerusalemer Tempel mit dabei gewesen, dass ich Simeon und Hanna sofort geglaubt hätte.

Genau wie ich auch hier und jetzt die Augenbraue heben würde, wenn ich den zurückgekehrten Messias vorgestellt bekäme.

 

Aber Wunder sind – noch mehr in unseren durch Wissenschaft und Beweispflicht geprägten Zeiten, als vor Jahrhunderten und Jahrtausenden – oft nur äußerst schwer verdaulich.

 

Es wird immer wieder gerne diskutiert, warum heute keine wirklichen Wunder mehr geschehen.

Ist es nicht so, dass unsere aufgeklärte Welt einfach alles negieren muss, was sich in keiner mathematisch-physikalischen Formel abbilden lässt?

 

Andererseits: Gerade unsere permanente Suche nach wissenschaftlichen Beweisen hat dazu geführt, dass wir viel von dem verloren haben, was uns durch Spiritualität und Intuition möglich ist.

 

Spiritualität und Intuition sind im Prinzip andere Augen und Ohren.

So, wie wir als Kinder lernen, mit den Augen optische Eindrücke und mit den Ohren Geräusche zu unterscheiden, so müssen wir auch unsere spirituellen und intuitiven Sinne schulen und trainieren.

 

Gott spricht zu uns gerne in einer Sprache, die wir ein wenig verlernt haben, obwohl sie uns angeboren ist.

 

Mit ein wenig Übung kann es uns gelingen, unser Umfeld und unsere Umwelt auch mit geistlichen Sinnen wahrzunehmen. Beispielsweise durch ein sehr konzentriertes Gebet.

 

Wir haben dann noch einmal einen anderen Zugang zu alledem, was uns umgibt.

Simeon und Hanna, unseren Protagonisten aus dem Tempel, war das noch selbstverständlich.

Indem wir uns mit wirklich allen Sinnen öffnen, erweitern wir auch die Wahrnehmung und den Horizont für unser eigenes Leben.

Für unser eigenes Leben, und für die vielen kleinen Wunder, die uns tagtäglich umgeben.

 

Vor wenigen Tagen haben wir mit dem Weihnachtsfest die Geburt unseres Herrn Jesus Christus gefeiert.

Wir haben daran erinnert, dass Gottes Sohn als Mensch geboren wurde, um uns von unseren Sünden zu befreien, um uns zu retten, um uns das ewige Leben zu schenken.

 

Der heutige Predigttext bestätigt mit dem glaubensstarken Simeon und der Prophetin Hanna, dass Jesus wirklich derjenige ist, auf den die Menschheit gewartet hat.

 

Was vor langer Zeit geschehen ist, wird vermutlich so, liebe Gemeinde, nicht noch einmal geschehen.

Wenn Jesus zurückkommt, um Gericht zu halten, werden wir das, so denke ich, sehr deutlich merken.

 

Wichtig, so finde ich, ist aber, dass wir unsere Sinne schärfen.

Das wir unsere Sinne schärfen nicht nur für das Unglaubliche, was uns Gott mit seinem Sohn Jesus Christus geschenkt hat.

Sondern auch für all das, was uns jeden Tag aufs Neue an Gutem zuteil wird von dem, der uns unendlich liebt.

Ich glaube an Gott und an seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus.

Ich glaube aber auch an die vielen kleinen und großen Wunder des Lebens.

 

Schärfen wir also unsere Sinne und lassen uns einladen zu sehen und zu hören, aber auch zu spüren und zu staunen,

was Gott der Herr für uns bereithält.

Leihen wir uns Simeons und Hannas ganz besondere Augen und Ohren.

 

Sie werden sich wundern!

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete, besinnliche und weiterhin spannende Weihnachtszeit.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Predigttext 27.12.2020
für Sie
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Predigt 24.12.2020 Henschhausen

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

4Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, 5auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe die war schwanger. 6Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

 

 

Na, kommen Ihnen diese Worte bekannt vor? Können sie vielleicht sogar ein paar tze davon mitsprechen? Jedes Jahr am Heiligen Abend werden diese Verse in den meisten Gottesdiensten gelesen oder in einem Krippenspiel vorgeführt. Jedes Jahr, auch dieses Jahr haben wir sie in der Lesung gehört. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich, war es irgendwann immer so, dass ich sie abgenickt habe. Lukasevangelium Kapitel 2, ja halt die Weihnachtsgeschichte, wie Gott Mensch wird. Jedes Jahr sind es doch dieselben Worte mit der derselben Bedeutung. Dieselben hoffnungsvollen Zeilen, die seit fast  2000 Jahren immer noch soviele Menschen weltweit berühren.

Auch dieses Jahr, obwohl wir ja ein anderes, komisches und besonderes Weihnachten. Das Weihnachten 2020… Das habe ich in

 

den letzten Wochen pausenlos gehört, gelesen oder selber gesagt. Aber wenn ich so genau darüber nachdenke, war Weihnachten denn nicht schon immer komisch, anders und besonders? Ein Kaiser  möchte, dass alle in ihre Heimatstadt bzw. In die Heimatstadt ihres Anvertrauten gehen, um sich schätzen zu lassen. Also macht sich Joseph mit Maria, die ein Kind in sich trägt, was nicht von Joseph ist, sondern vom heiligen Geist, ebenfalls auf den Weg. Für mich zumindest klingt das auch nicht gerade nach einer ganz normalen Lebenssituation. Weil sie keinen Platz in einer Herberge finden, muss Maria ihr Kind in einem Stall zur Welt bringen…ja, damals waren Hausgeburten wohl häufiger als heutzutage, aber in einem Stall zwischen Tieren und inmitten von Stroh, weg von zu Hause…ich kann mir kaum vorstellen, dass Maria sich so die Geburt ihres Kindes oder Gottes Sohn vorgestellt hat. Und dann wären da noch die Hirten, die angelaufen kommen, weil sie von Engeln benachrichtigt werden und die drei Weisen, die einem Stern folgen. Diese Geschichte hat zumindest für mich alle Anzeichen von komisch, anders und besonders. Und trotzdem macht es die Geschichte ja nicht wenig schöner oder mindert ihre Bedeutung. „Fürchte euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Nur weil Ereignisse komisch und anders wirken, sind sie meist nicht nur besonders, sondern gerade auch besonders schön. Es kommt auf die Betrachtungsweise an. Natürlich würde ich gerne

 

heute mit Ihnen zusammen Gottesdienst feiern, egal ob draußen oder in der Kirche, aber ich hoffe, dass Sie trotzdem ein schönes Weihnachten haben. Nutzen Sie die vielfältigen Wege um in dieser  Zeit Nähe zu suchen, rufen Sie ihre Lieben an und machen Sie es sich selbst besonders schön an diesem Weihnachten 2020. Weihnachten  ist schon immer ein komisches, anderes, aber besonderes Fest gewesen, denn wäre ist das nicht, dann würden wir wohl heute kaum jedes Jahr die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2 lesen. Dann könnten nicht gewiss sein, dass Gott die Nähe zu uns in seinem Sohn Jesus Christus gesucht hat. Weihnachten 2020 ist wie jedes Weihnachten ein komisches, anderes und besonderes, aber auch schönes Weihnachten.

Amen.

Predigt 24.12.20
aus Henschhausen
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Predigt

für Heiligabend (Do. 24.12.20)

zu Lk 2,10-11

Christvesper für zuhause in Oberdiebach

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

 

Die folgende Predigt wurde am Heiligen Abend bei einem Gottesdienst in Oberdiebach gehalten, bei dem die Dorfbewohner/innen die Möglichkeit hatten, vom Balkon, von der Terasse oder vor dem Haus mitzufeiern. Die Botschaft kam dank der Unterstützung des MMMCD durch drei große Beschallungsanlagen aus den Weinbergen. Die Botschaft des Engels aus der Weihnachtsgeschichte (Lk 2,10-11) liegt der Predigt zugrunde:

 

 

 

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

 

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde! „Alles wird gut!“ Der Satz klingt dieses Jahr Weihnachten noch mal ganz anders… Manchen tut er gut; bei anderen regt sich Widerstand, so nach dem Motto: „Gar nichts ist gut! Ich kann Weihnachten nicht feiern, wie ich will, und jetzt muss ich für die Kerch auch noch hier draußen stehen und mir einen abfrieren!

 

Hätte uns vor einem Jahr jemand gesagt, dass wir den Weihnachtsgottesdienst 2020 auf dem Balkon oder vor dem Haus feiern würden, hätten wir gesagt: „Das ist absurd!“ Stimmt. Aber Weihnachten an sich ist absurd. Dass Gott Mensch wird, ist absurd. Und dann passt es irgendwie wieder. Denn genau diese Absurdität ist der Grund dafür, dass wir mit Fug und Recht sagen können: „Alles wird gut!“ Weil Gott uns mit den Absurditäten unseres Lebens nicht allein lässt.

 

Jesus ist der Immanuel. Der Gott-mit-uns. Nichts Menschliches ist Ihm fern. Für nichts war Er sich zu schade. Jesus ist die totale Solidarität Gottes mit uns. Es wird nicht auf Knopfdruck alles gut an Weihnachten. Aber Weihnachten markiert den Wendepunkt. Gott wird Mensch. Himmel trifft Erde. Und alles kann gut werden, wenn wir uns treffen lassen. Mach’s wie Gott: Werde Mensch. Lass dich berühren von dem, was andere erleben und erleiden.

 

Ich glaube, dass 2021 besser wird. Aber der Weg wird anstrengend werden. Wir müssen uns als Gesellschaft den Problemen stellen, in denen wir stecken und die noch auf uns zukommen. Und das geht nur zusammen. Es wird nicht alles gut, wenn jeder nur an sich denkt. Wenn jeder nur seinen eigenen Wohlstand retten will, koste es die anderen, was es wolle. Solidarität ist geboten, damit nicht in einem Jahr bei den einen wieder alles in bester Ordnung ist, als wäre nie etwas gewesen, und bei den anderen nie mehr etwas so sein wird, wie es mal war - weil sie einen lieben Menschen an Covid 19 verloren haben, oder weil sie ihren Job verloren haben und ihre Existenzgrundlage. Rücksicht ist gefragt - der Gesunden gegenüber den Kranken, der gut Situierten gegenüber den sozial Schwachen, der Jüngeren gegenüber den Älteren.

 

Hinter vorgehaltener Hand hört man immer wieder: „Corona betrifft doch nur Alte und Kranke. Die meisten von denen wären sowieso ein paar Monate später gestorben!“ Was ist das für ein Argument, liebe Gemeinde?! Wenn eine 90jährige Frau überfahren wird, glauben Sie, die Polizei sagt dann zu dem Unfallverursacher: „Ach, wissen Sie was? Fahren Sie weiter! Ist nicht so schlimm, die hätte et eh nicht mehr lange gemacht!“? Und wenn es so wäre, liebe Gemeinde, es macht einen Unterschied. Spätestens in dem Moment, wo es die eigene Mutter oder Oma ist.

 

Probleme löst man nicht, indem man sie von sich wegschiebt. Und erst recht nicht, indem man sie leugnet. Sondern indem man sich ihnen stellt. Und da ist die Botschaft von Weihnachten: „Das braucht Ihr nicht allein zu tun! „Fürchtet euch nicht!““ Gott ist in Jesus an unserer Seite. Er hat sich unseren Problemen gestellt. Nötig gehabt hätte Er das nicht. Aber dadurch, dass Er es getan hat, haben unsere Probleme nun ein Problem mit Gott.

 

Das größte Problem der Menschheit - der Tod - hat mit diesem Menschen, der da in Bethlehem zur Welt kam, ein massives Problem gekriegt. Der hat ihn nämlich seiner Endgültigkeit beraubt. Mit Seiner Auferstehung hat Jesus den Tod zu etwas Vorläufigem degradiert. Wenn das für den Tod als Endstufe aller Probleme gilt, dann gilt das auch für Corona inklusive aller Begleiterscheinungen.

 

Je mehr wir Gott in unserem Handeln zum Zug kommen lassen und es machen wie Er - Mensch werden -, umso größer wird das Problem, das Corona mit uns bekommt - und durch uns mit Gott.

 

Weil Gott Mensch wurde, können wir uns unseren Problemen stellen. Wir brauchen es nicht allein zu tun. Wir haben Gott im Rücken und an unserer Seite. Vertrauen wir auf Ihn und probieren wir’s aus. Dann wird alles gut! Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

Predigt

für Heiligabend (Do. 24.12.20)

zu Lk 2,10-11

Christvesper für zuhause in Oberdiebach

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

 

Die folgende Predigt wurde am Heiligen Abend bei einem Gottesdienst in Oberdiebach gehalten, bei dem die Dorfbewohner/innen die Möglichkeit hatten, vom Balkon, von der Terasse oder vor dem Haus mitzufeiern. Die Botschaft kam dank der Unterstützung des MMMCD durch drei große Beschallungsanlagen aus den Weinbergen. Die Botschaft des Engels aus der Weihnachtsgeschichte (Lk 2,10-11) liegt der Predigt zugrunde:

 

 

 

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

 

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde! „Alles wird gut!“ Der Satz klingt dieses Jahr Weihnachten noch mal ganz anders… Manchen tut er gut; bei anderen regt sich Widerstand, so nach dem Motto: „Gar nichts ist gut! Ich kann Weihnachten nicht feiern, wie ich will, und jetzt muss ich für die Kerch auch noch hier draußen stehen und mir einen abfrieren!

 

Hätte uns vor einem Jahr jemand gesagt, dass wir den Weihnachtsgottesdienst 2020 auf dem Balkon oder vor dem Haus feiern würden, hätten wir gesagt: „Das ist absurd!“ Stimmt. Aber Weihnachten an sich ist absurd. Dass Gott Mensch wird, ist absurd. Und dann passt es irgendwie wieder. Denn genau diese Absurdität ist der Grund dafür, dass wir mit Fug und Recht sagen können: „Alles wird gut!“ Weil Gott uns mit den Absurditäten unseres Lebens nicht allein lässt.

 

Jesus ist der Immanuel. Der Gott-mit-uns. Nichts Menschliches ist Ihm fern. Für nichts war Er sich zu schade. Jesus ist die totale Solidarität Gottes mit uns. Es wird nicht auf Knopfdruck alles gut an Weihnachten. Aber Weihnachten markiert den Wendepunkt. Gott wird Mensch. Himmel trifft Erde. Und alles kann gut werden, wenn wir uns treffen lassen. Mach’s wie Gott: Werde Mensch. Lass dich berühren von dem, was andere erleben und erleiden.

 

Ich glaube, dass 2021 besser wird. Aber der Weg wird anstrengend werden. Wir müssen uns als Gesellschaft den Problemen stellen, in denen wir stecken und die noch auf uns zukommen. Und das geht nur zusammen. Es wird nicht alles gut, wenn jeder nur an sich denkt. Wenn jeder nur seinen eigenen Wohlstand retten will, koste es die anderen, was es wolle. Solidarität ist geboten, damit nicht in einem Jahr bei den einen wieder alles in bester Ordnung ist, als wäre nie etwas gewesen, und bei den anderen nie mehr etwas so sein wird, wie es mal war - weil sie einen lieben Menschen an Covid 19 verloren haben, oder weil sie ihren Job verloren haben und ihre Existenzgrundlage. Rücksicht ist gefragt - der Gesunden gegenüber den Kranken, der gut Situierten gegenüber den sozial Schwachen, der Jüngeren gegenüber den Älteren.

 

Hinter vorgehaltener Hand hört man immer wieder: „Corona betrifft doch nur Alte und Kranke. Die meisten von denen wären sowieso ein paar Monate später gestorben!“ Was ist das für ein Argument, liebe Gemeinde?! Wenn eine 90jährige Frau überfahren wird, glauben Sie, die Polizei sagt dann zu dem Unfallverursacher: „Ach, wissen Sie was? Fahren Sie weiter! Ist nicht so schlimm, die hätte et eh nicht mehr lange gemacht!“? Und wenn es so wäre, liebe Gemeinde, es macht einen Unterschied. Spätestens in dem Moment, wo es die eigene Mutter oder Oma ist.

 

Probleme löst man nicht, indem man sie von sich wegschiebt. Und erst recht nicht, indem man sie leugnet. Sondern indem man sich ihnen stellt. Und da ist die Botschaft von Weihnachten: „Das braucht Ihr nicht allein zu tun! „Fürchtet euch nicht!““ Gott ist in Jesus an unserer Seite. Er hat sich unseren Problemen gestellt. Nötig gehabt hätte Er das nicht. Aber dadurch, dass Er es getan hat, haben unsere Probleme nun ein Problem mit Gott.

 

Das größte Problem der Menschheit - der Tod - hat mit diesem Menschen, der da in Bethlehem zur Welt kam, ein massives Problem gekriegt. Der hat ihn nämlich seiner Endgültigkeit beraubt. Mit Seiner Auferstehung hat Jesus den Tod zu etwas Vorläufigem degradiert. Wenn das für den Tod als Endstufe aller Probleme gilt, dann gilt das auch für Corona inklusive aller Begleiterscheinungen.

 

Je mehr wir Gott in unserem Handeln zum Zug kommen lassen und es machen wie Er - Mensch werden -, umso größer wird das Problem, das Corona mit uns bekommt - und durch uns mit Gott.

 

Weil Gott Mensch wurde, können wir uns unseren Problemen stellen. Wir brauchen es nicht allein zu tun. Wir haben Gott im Rücken und an unserer Seite. Vertrauen wir auf Ihn und probieren wir’s aus. Dann wird alles gut! Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

 

Predigt 24.12.20
Oberdiebach
Predigtmanuskript 24.12.2020 Oberdiebach[...]
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Predigt

für Heiligabend (Do. 24.12.20)

zu Jes 11,1-10

Online-Christvesper aus der St. Oswald Kirche Manubach

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der Online-Gottesdienst zum Heiligen Abend kommt aus der Kirche St. Oswald in Manubach. Die folgende Messiasverheißung aus Jesaja 11,1-10l iegt der Predigt zugrunde:

 

 

Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören, sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften. Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten. Kuh und Bärin werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein kleines Kind wird seine Hand ausstrecken zur Höhle der Natter. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt. Und es wird geschehen zu der Zeit, dass die Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden die Völker fragen, und die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein.

 

 

Liebe Gemeinde! „Alles wird gut!“ Der Satz klingt dieses Jahr Weihnachten noch mal ganz anders… Manch einem tut er gut; bei jemand anderem regt sich vielleicht Widerstand, so nach dem Motto: „Gar nichts ist gut! Ich kann Weihnachten nicht feiern wie sonst, und selbst die Kerch muss ich mir im Internet angucken!“ Es ist nicht zu leugnen, dass da eine gewisse Spannung besteht zwischen Wirklichkeit und Weihnachtsbotschaft - zumal in der Fassung des Propheten Jesaja, die wir gerade gehört haben. Tatsächlich wirken seine Ankündigungen leicht Fakenews-verdächtig. Dass Wolf und Lamm zusammen eine WG gründen zum Beispiel. Klar, dass dem Wolf dieses Wohnmodell gefallen dürfte, ist unbenommen. Allerdings wäre das Zimmer seines Mitbewohners vermutlich ziemlich schnell wieder frei… Ähnlich dürfte es bei der anderen Zweier-WG sein, die Jesaja erwähnt, aus Panther und Böcklein. Die Vorstellung, dass sich das Kalb mit dem Löwen sowie die Kuh mit der Bärin eine Weide teilen, wirft die Frage auf, ob hier eher die Idealisten angesprochen sind, oder die Sadisten. Na ja, und dass der Löwe unter die Veganer geht, setzt dem Ganzen die Krone auf.

 

Andererseits - mal Hand auf’s Herz: Wer würde sich denn nicht wünschen, dass das endlich aufhört mit dem Fressen und Gefressen werden? Mit Rang- und Hackordnungen, die auf der Angst der Schwächeren vor den Stärkeren fußen? Wer sehnt sich denn bitte schön nicht nach Frieden und einem Leben ohne Angst?! Keine Bosheit mehr. Kein Schaden, wie Jesaja sagt. Weder aus Dösigkeit noch aus Vorsatz, weder aus Schlamperei noch aus Unfähigkeit; noch nicht einmal als Kolateralschaden einer Pandemie. Weihnachten ist deshalb emotional so aufgeladen, weil es diese Bilder von einer heilen Welt in sich trägt. Deshalb reagieren wir so empfindlich, wenn uns da was drankommt. Weil wir uns mit und an diesem Fest ein letztes Stück heile Welt bewahren wollen. Die Messiasverheißung aus Jes 11 bedient diese Sehnsucht. Die Spannung zwischen Wirklichkeit und Weihnachtsbotschaft ist unverkennbar, wie gesagt. Trotzdem würden wir es uns zu einfach machen (oder zu schwer, je nachdem, wie man’s sieht), wenn wir das, was der Prophet Jesaja hier sagt, als schwachsinnig abtun.

 

Es gibt einen Unterschied zwischen Fakenews und Visionen. Fakenews sind gezielte Falschmeldungen, mit denen Menschen hinter’s Licht geführt werden. Visionen sind Hoffnungsbilder, die Menschen ins Licht führen. Hoffnungsbilder von einer Welt, die noch nicht offen-sichtlich ist, die aber um Gottes willen werden kann und werden wird. Es gibt einen Unterschied zwischen Fakenews und Visionen. Und Weihnachten macht genau diesen Unterschied, liebe Gemeinde. Gott kommt und spricht in unsere Wirklichkeit hinein. Der, der mit Seinem Wort die Welt aus dem Nichts ins Dasein gerufen hat, der spricht in dieser Nacht erneut. Er projiziert Hoffnungsbilder an unseren Horizont, die sich nicht mit unserer Erfahrung decken, die aber das Potenzial haben, zur Erfahrung zu werden. Der Glaube sieht in dem Kind in der Krippe den Retter der Welt.

 

Normalerweise wird, wenn’s Probleme gibt, der Ruf nach einem starken Mann laut. Der soll’ s richten, soll Ruhe ins Chaos bringen, Zucht und Ordnung herstellen. „Es muss halt einen geben, der sagt, wo’s lang geht!“ heißt es dann. Die Amerikaner haben ihren „starken Mann“ inzwischen wieder abgewählt, weil sie gemerkt haben, dass das doch nicht so’ n tolles Erfolgsmodell ist. Der letzte „starke Mann“, den wir hier in Deutschland hatten, hat 50 Millionen Menschenleben gekostet, Europa in eine Trümmerwüste verwandelt und posthum dafür gesorgt, dass das von ihm ach so beschworene „Deutschland, einig Vaterland!“ für über 40 Jahre in zwei Zeile zerrissen wurde, was bis heute nachwirkt.

 

Ein herzliches „Nein, Danke!“ meinerseits zu jeglicher Form von Wiederholung einer solchen „Lösung“ von politischen und gesellschaftlichen Problemen, liebe Gemeinde. Und ich bitte Sie: Bleiben Sie standhaft. Egal, was Covid 19 uns noch an gesellschaftlichen und politischen Problemen beschert greifen Sie bitte nicht zu „Lösungs“-Modellen dieses Typs.

 

Jesus ist das Gegenteil zum „starken Mann“. Als in Windeln gewickeltes und in Ermangelung einer Wiege in einen Futtertrog gelegtes Kind einer jüdischen Mutter taugt er nicht als Führer. Aber als Heiland  schon. Weihnachten ist der Anfang. Ein kleiner Anfang, aber anders kann es gar nicht sein. Die Bilder einer heilen Welt, einer ge-heilten Welt, wie wir sie im Predigttext hören, lassen sich nicht mit der Keule von oben durchboxen. Dann zerbrechen sie. Sie wachsen still, abseits des Weltgetümmels, dort, wo Menschen sich im Dunkel ihres Alltags, im Dunkel ihrer Nächte sagen lassen: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

 

Weihnachten ist der Anfang. Die Spannung zwischen Wirklichkeit und Weihnachten bleibt. Aber an einer Stelle hat sich die Verheißung von Jesaja schon erfüllt. Jesaja schreibt: „…es wird geschehen zu der Zeit, dass die Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden Völker fragen, und die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein.“ Die Völker fragen nach Ihm. Vielleicht nicht alle. Und auch nicht alle in allen Völkern. Aber zumindest an diesem einen Abend im Jahr bekommt Er Aufmerksamkeit, der Spross aus dem Stamm Isais. Genannt Jesus. Selbst im türkischen Istanbul ist eine der Hauptgeschäftstraßen weihnachtlich geschmückt, liebe Gemeinde. Mein Großcousin lebt dort und hat Fotos geschickt. Selbst in Istanbul ist eine der Hauptgeschäftsstraßen weihnachtlich geschmückt, weil man sich selbst in Erdogans Reich dem Geschehen dieses Abends nicht ganz entziehen kann. Dieses Geschehens damals in Bethlehem, in der Stadt Davids, an das wir uns Jahr für Jahr erinnern, das für uns ganz viele Hoffnungsbilder in sich trägt.

 

Jesajas Verheißung endet mit den Worten: „…die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein.“ Das ist der Punkt, wo Sie Einfluss haben, liebe Gemeinde: Probieren Sie es aus. Lassen Sie Jesus bei sich wohnen. Dann kann Ihre Wohnung heute Abend zu einem herrlichen Ort werden. Und wenn Sie Ihm Dauerwohnrecht geben, wird dieser Zustand anhalten. Noch besser: Geben Sie Ihm Wohnrecht auf Lebenszeit. Das heißt in Seinem Fall: auf ewig. Dann wird Er diese Lebenserwartung mit Ihnen teilen. Probieren Sie es aus. Lassen Sie Ihn bei sich wohnen. Lassen Sie sich anstecken von der Vision einer geheilten Welt. Und die Gewissheit wird sich verfestigen: „Alles wird gut!“ Amen.

 

 

Predigt Heiligabend 2020
Frohe Weihnachten!
Online-Gottesdienst 2020-12-24 Predigtma[...]
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Predigt

für den 4. Advent (So. 20.12.20)

zu 1 Kor 1,27-29

(Online-) Gottesdienst in der St. Oswald Kirche Manubach

(mit Krippenspieleinspielung)

 

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst ist eine Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche St. Oswald in Manubach. Der Predigt geht die Einspielung einer von Konfirmandinnen und Konfirmanden aufgezeichneten Weihnachtserzählung von Saskia Awad und Uwe Hausy (Referent für Spiel und Theater, Zentrum Verkündigung der EKHN) zugrunde. Besonderheit dieser Weihnachtserzählung: Der Verkündigungsengel hat seine Flügel verlegt. Er findet sie nicht rechtzeitig vor seinem großen Auftritt und muss ohne Flügel hinaus zu den Hirten auf dem Feld bei Bethlehem.

 

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde! Ein Engel, der seine Flügel vergessen hat! Vielleicht hat Sie dieses Detail an der eingespielten Weihnachtserzählung vorhin ähnlich irritiert wie mich. Das hat man aus der Weihnachtsgeschichte so nicht unbedingt im Ohr. Da steht, dass die Hirten sich fürchteten, als ihnen der Engel erschien. Dass da ein fahriger Engel ohne Flügel angelatscht kommt und die Hirten ihn für irgendeinen Deppen halten, der ihnen das Feld zertrampelt, steht da nicht. Erst recht nicht, dass sie den Störenfried verjagen wollen.

 

Außerdem ist Schusseligkeit keine Eigenschaft, die man jetzt nicht unbedingt mit einem Engel in Verbindung bringen würde. Mag sein, dass die eine oder der andere unter uns sich da ertappt fühlt und sich sowas zutraut. Leute, die jetzt schon wissen, dass sie, wenn der Lockdown vorbei ist, frustriert feststellen werden, dass sie nichts von dem geschafft haben, was sie sich für diese Zeit vorgenommen hatten. Die ahnen wahrscheinlich, dass sie’ s auch dann nicht gebacken kriegen würden, wenn sie 500 Jahre Zeit hätten… Menschen passiert sowas. Aber doch keinem Engel! Die sind doch vollkommen!

 

Ganz ehrlich, liebe Gemeinde, ich fand die Szene so schräg, dass ich nach dem ersten Lesen drauf und dran war sie wegzulassen. Aber nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen hatte, fiel mir auf: theologisch ist das echt stimmig. Sicher ist die Geschichte an der Stelle etwas frei interpretiert, aber eigentlich liegt sie ganz auf der Linie von Weihnachten. Dass Gott Mensch wird, passt genauso wenig, wie dass ein Engel seine Flügel verschlampt.

 

Wir Menschen stehen auf Heldengeschichten. Auf Leute, die’ s drauf haben. Die ihre Sache niemals vor die Wand fahren würden, sondern gekonnt und furchtlos zu einem guten Ende bringen - am besten noch irgendjemanden retten. Keine Kitschsendung im Fernsehen kommt ohne solche Typen aus. Gott schon. Seine Heldengeschichte gehen anders. „Er ist auf Erden kommen arm, dass er unser sich erbarm“, hieß es in dem Weihnachtslied „Gelobet seist du, Jesu Christ…“ gerade eben. Gott macht sich klein. Das ist Weihnachten, liebe Gemeinde. Gott macht sich klein und stellt sich damit an die Seite derer, die nie groß rauskommen. An die Seite der Normalos, die ihre Aussetzer haben und ihre Totalausfälle. Gott hat ein Herz für die Verpeilten. Für die, nichts auf die Kette kriegen. Mit Vollpfosten und Loosern hat sich Jesus als Erwachsener umgeben.

 

Man muss sich mal anschauen, wen Er zu Seinen Jüngern gemacht hat. Simon Petrus zum Beispiel. Jesus hatte ihm einen Sonderstatus unter den Aposteln gegeben mit den Worten: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen!“ Der kritische Betrachter würde sagen: „Ausgerechnet der. Große Klappe, nichts dahinter“. In der Tat - wer die Geschichte kennt, der weiß, dass eben dieser Petrus beim letzten Abendmahl großspurig ankündigen wird: „Jesus, auch wenn Dich alle im Stich lassen - ich nicht! Ich bin bereit, mit Dir in den Tod zu gehen!“ Als ein paar Stunden später im Morgengrauen der Hahn kräht, hat Petrus Jesus drei Mal verleugnet. Ein Unternehmer oder Politiker hätte so einem Mitarbeiter fristlos gekündigt wegen mangelnder Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber.

 

Dann ist da der „ungläubige Thomas“. Ein geistlicher Wackeldackel, an dem Ostern irgendwie vorbeigezogen ist. Er war nicht da, als Jesus den anderen nach Seiner Auferstehung zum ersten Mal begegnet ist. Als die ihm von ihrer Erfahrung erzählen, sagt Thomas: „Leute, Ihr habt sie nicht alle! Veralbern kann ich mich selbst. Solange ich Jesus nicht mit eigenen Augen gesehen habe, glaube ich hier mal gar nichts!“ Sein Vertrauen in die Lebendigkeit Seines Herrn und in die Glaubwürdigkeit Seiner Mit-Zeugen ist nicht wahnsinnig ausgeprägt.

 

Na ja, und zu Judas brauche ich nicht viel zu sagen. Der Maulwurf unter den Aposteln. Sein Name ist zum Synonym geworden für „Verräter“.

 

Mit solchen Leuten geht Jesus an den Start. Sie sollen Vorboten des Himmelreichs sein. Jeder Personalberater hätte die Hände über’m Kopf zusammengeschlagen. Jeder Wahlkampfmanager hätte gesagt: „Vergiss es, Jesus. Mit dem Chaotenhaufen ist kein Staat zu machen.“ Aber mit diesem semi-professionellen Kompetenzteam baut Jesus Seine Kirche.

 

 

„…was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt […] was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt […] und was gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt“,

 

 

wird der Apostel Paulus später dazu schreiben im 1. Kapitel seines Briefes an die Gemeinde in Korinth.

 

Was töricht ist, was schwach, was gering und was verachtet ist vor der Welt, das hat Gott erwählt - und damit unser Wertesystem auf den Kopf gestellt. Gott sei Dank! Denn das heißt: Jede und jeder darf zur Krippe kommen. Selbst der Engel, der seine Flügel verschludert hat und in der heiligen Nacht zu Fuß zu den Hirten auf’s Feld raus muss, wird seines Amtes nicht enthoben. (Nebenbei bemerkt: Die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2 gibt das her. Da steht nämlich: „…und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen…“. Da steht nicht: „…des Herrn Engel flog zu ihnen“.)

 

Will sagen: Auch wir haben eine reelle Chance, im Zusammenhang mit der frohen Botschaft von Weihnachten eine Rolle spielen zu dürfen - obwohl wir, wie’ s aussieht, alle unsere Flügel vergessen haben. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Predigt 20.12.2020
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Predigt

für den 3. Advent (13.12.20)

zu Lk 1,67-79

(Online-) Gottesdienst in Oberdiebach

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Online-Gottesdienst ist eine Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche St. Moritz in Oberdiebach. Der so genannte Lobgesang des Zacharias aus Lk 1,67-79 liegt der Predigt zugrunde:

 

 

Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David – wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten –, dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund, an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, dass wir, erlöst aus der Hand der Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen. Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

 

 

Liebe Gemeinde! Neun Monate lang war Zacharias zum Schweigen verurteilt. Er hatte es einfach nicht glauben können, dass seine Frau doch noch ein Kind bekommen sollte – nach jahrelangem vergeblichen Hoffen und Warten. Zacharias arbeitete als Priester am Jerusalemer Tempel. Mitten im Gottesdienst, als er gerade allein im Allerheiligsten war und das Opfer darbrachte, war ihm der Engel Gabriel erschienen und hatte ihm angekündigt: „Zacharias, Gott hat Eure Gebete erhört. Du wirst Papa!“ Damit war der arme Zacharias überfordert. „Bei aller Liebe“, hat er gesagt, „ich bin alt, und meine Frau ist längst jenseits von gut und böse. Das gibt nix mehr.“ „Du wirst sehen!“, hatte der Engel geantwortet. „Und damit Du Zeit hast, das zu verdauen, bist Du jetzt erstmal still – bis das Kind da ist.“ Neun Monate – die ganze Schwangerschaft also, war Zacharias stumm. Neun Monate. Die Schwangerschaft für den Mann, sozusagen. Zeit um zu realisieren, welche Rolle Gott in seinem Leben und im Leben dieser Welt wirklich spielt. Er war zwar schon lange Priester. Aber auf einmal erlebt er noch mal ganz neu: Mit Gott hab ich es nicht nur dienstlich zu tun, sondern höchstpersönlich. Mitten in meinem Leben kommt Er auf mich zu.

 

„Gott hat besucht und erlöst sein Volk.“ Das ist die Kernbotschaft seines Loblieds. Dieser Besuch von Gott ist keine Stippvisite, so nach dem Motto: „Ich steck mal eben den Kopf durch die Tür, sag’ „Hallo“, und bin wieder weg.“ Das Wort, das hier im Griechischen für „besuchen“ steht, meint mehr. Das heißt so viel wie „nachsehen, wie es einem geht“. Gott sieht nach uns. Er kümmert sich um uns. Advent heißt, dass Gott ankommt und in unser Leben tritt. Das Lied von Celine Dion, das Denise vorhin gesungen hat, passt irgendwie zu diesem Predigttext: "Then You Look at Me“. „Dann schaust Du mich an“, heißt es da, oder man könnte auch übersetzen: „Dann schaust Du nach mir, und ich sehe, wonach ich immer gesucht habe. Ich bin so verloren […]. Aber du siehst mich an, und meine Verlorenheit ist vorbei. […] Du schaust mich an, und Leben kommt von Dir.“

 

Die Anwesenheit Gottes in seinem Leben ist für Zacharias die Erlösung von allem Kummer, aller Ohnmacht, die ihn gequält hat. Kinderlos zu sein war damals eine echte Schmach. Im Volksglauben galt man (bzw. frau) als verflucht oder von Gott verstoßen, wenn man keine Kinder bekommen konnte. Auch heute ist ungewollte Kinderlosigkeit für viele Paare ein großes Thema. Neben der Trauer über den geplatzten Lebensentwurf kommen oft genug echt saudoofe Sprüche von außen. So nach dem Motto: „Wollt Ihr nicht, oder seid Ihr zu blöd dafür? Muss ich Euch zeigen, wie’ s geht?“ Mich wundert es nicht, dass Zacharias in seinem Lobgesang dankbar davon spricht, dass Gott kommt um uns zu erretten „aus der Hand aller, die uns hassen“. Wer weiß, wen er bei dem Satz vor Augen hatte…

 

Was Menschen anderen Menschen an den Kopf werfen oder über sie sagen - oder schreiben (im Internet), da ist der Gehässigkeit anscheinend keine Grenze gesetzt. Mir wird schlecht, wenn ich höre oder lese, wie an sich intelligente Menschen Corona als Lüge abtun und behaupten, Angela Merkel wolle mit dem Impfstoff Millionen von Deutschen umbringen. Ich finde den Hass, der da zum Vorschein kommt, einfach nur beängstigend. Der grassiert besonders im Internet, es gibt ihn durchaus aber auch in der „realen“ Welt. Immer dann zum Beispiel, wenn auf dem Schulhöfen der Satz zu hören ist: „Boah, ich hasse Dich!“ Selbst wenn es nur so dahergesagt ist - bei dem, dem der Satz gilt, sitzt das. Das geht tief rein und tut lange weh. Und es kostet viel Kraft, cool zu bleiben und nicht zurückzuschießen, sondern sich klarzumachen, dass das nicht hilft. Das gibt vielleicht eine kurzfristige Genugtuung. Aber zu einem nachhaltigen inneren Frieden führt ist das nicht. Das einzige, was hilft, ist ein wirksames Gegengewicht. Jemand, der einem glaubwürdig die gegenteilige Botschaft vermittelt: „Ich find Dich klasse! Ich will mit Dir zu tun haben. Und niemand hat das Recht Dir so zuzusetzen, Dich fertigzumachen und Deine Würde in den Dreck zu ziehen. Deswegen komme ich zu Dir um Dich zu besuchen!“, sagt Gott. Und ist da und sieht uns an und erlöst uns von dem elenden Gefühl, nichts wert zu sein.

 

Zacharias nennt seinen Sohn Johannes - zu deutsch: „Gott ist gnädig“. Gott ist gnädig. Der Name ist Programm. Durch Johannes den Täufer sollen die Menschen vorbereitet werden auf den kommenden Gott, auf die Ankunft Jesu. Von ihm, von Johannes, sollen sie lernen und erfahren, was Heil ist: Nämlich das Geschenk, um Gottes willen angstfrei leben zu dürfen. Mit dieser Botschaft ist Johannes der Täufer als Erwachsener unter die Menschen gegangen: „Gott schenkt Euch einen neuen Anfang! Er kommt zu Euch! Macht Ihm Bahn und lasst Ihn in Euer Leben. Dann kann alles heil werden.“ Manchmal lässt Gottes Heil auf sich warten. Elisabeth und Zacharias haben lange damit leben müssen, dass Gebete unerhört bleiben, Wünsche unerfüllt, dass alles Bemühen – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht fruchtet. Erst, als es nach biologischem Ermessen längst zu spät dafür war, ist der Kinderwunsch der beiden doch noch erfüllt worden. Wer wollte es Zacharias krumm nehmen, dass er sich schwer tat das zu glauben? Die Ankündigung des Engels, dass es so kommen würde, ließ ihn erstmal verstummen. Vielleicht gibt es auch in Ihrem Leben Dinge, die Ihnen die Sprache verschlagen. Womit Sie erstmal schwanger gehen müssen. Manchmal haben wir - wie Zacharias - Ladehemmungen, wenn es darum geht, den Verheißungen Gottes zu vertrauen. Gott zuzutrauen, dass Er die Dinge zum Guten wendet - auch in dieser Zeit. Das ist zugegebenermaßen nicht leicht in diesen Tagen, wo die Infektionszahlen wegrennen und es nicht mehr auszuschließen ist, dass Weihnachten 2020 genauso baden geht wie Ostern. Klar wird Corona irgendwann vorbei sein. Die Frage ist nur: Wann? Und wie viele Schäden wird dieses Virus bis dahin noch angerichtet haben - physischer, psychischer, wirtschaftlicher, sozialer und politischer Art? Manchmal steht Gottes Versprechen sich um uns zu kümmern arg im Widerspruch zu dem, was sich vor unseren Augen abspielt. Wenn das so ist, wenn Sie sagen: „Ich weiß nicht, ich kann mir das alles nicht so richtig vorstellen“, dann sind Sie in guter Gesellschaft. Hat Zacharias auch gesagt. Aber am Ende hat er gesungen. Ein Loblied auf Gott, der uns zwar manchmal warten aber nie im Stich lässt. Der manchmal die Kontrolle verloren zu haben scheint, aber letztlich doch zu Seiner Zeit Unmögliches möglich macht. Amen.

 

 

Predigt 13.12.2020
3. Advent
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2.Adv.2020                                      10.45 Steeg              

                                                           Lk21

 

Gnade sei mit uns

 

".. Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres ...

 

Liebe Gemeinde,

 

manch einer, der das letzte Buch der Bibel aufschlägt, der klappt sie nach diesem Vers erschrocken oder auch verärgert wieder zu. Hier hätte er oder sie etwas anderes erwartet.

 

Da kann man nur sagen: Die Bibel ist kein "Wohlfühl-Buch"! Hier geht es um die Geschichte des großen treuen Gottes mit den kleinen wankelmütigen Menschen, die ihm trotzdem so kostbar sind, dass er seinen eingeborenen Sohn zu ihrer Errettung einsetzt.

 

Also sollte man erst einmal weiterlesen. Vielleicht kommt das Wichtigste ja noch. Und so ist das hier in Jesu Worten, die Lukas im viertletzten Kapitel seines Buches überliefert. Der heutige Abschnitt schließt mit den Worten:

 

"Wenn aber dieses anfängt zu geschehen,

dann seht auf und erhebt eure Häupter,

weil sich eure Erlösung naht."

Wir haben es also hier bei Lukas wirklich mit einem Advents-Thema zu tun; denn unter dem Begriff Advent versteht die Christenheit ja die dreimalige Ankunft des Herrn:

1.   Seine Geburt in Bethlehem als Heiland der Menschen

2.   Jesu Einzug in Jerusalem, wo er am Kreuz um die ganze Welt ringt als unser Erlöser

3.   Jesu Wiederkunft als Weltenrichter am Ende der Zeit,

      am letzten Advent.

 

Wie sind wir 2020 darauf vorbereitet?

Die Zeitungen sind voll von Katastrophen-Meldungen, die ich hier nicht aufzählen will. Dazu kommt die Corona-Pandemie.

 

Viele Menschen leugnen den Ernst der Lage. Sie sind ent-weder blind oder tragen die „Rosa“ Brille, die alles verschönt.  Aber die Jesus-Worte, die heute Gehör finden wollen, die nehmen uns die rosa Brille weg. Unser Herr will, dass wir uns keine heile Welt vortäuschen lassen, sondern wachsam blei-ben.

 

Der Tages-Text gehört zu den so genannten "Reden Jesu  über die Endzeit". Damit hat unser Herr ein ähnliches Sze-

nario beschrieben wie es Jahrhunderte vorher aus Prophe-tenmund schon erklang. Aber durch Jesu Worte bekommen die alten Prophezeiungen ihr göttliches Siegel:

Es werden Zeichen geschehen an den Gestirnen .. verzagen werden die Menschen vor dem alles verzehrenden Meer .. das ganze Universum gerät aus den Fugen ..

Ja, vor so viel Veränderungen, vor dem Zusammenbruch der

Naturgesetze können wir nur zittern. Da ist nichts mehr, wie es war. Das Chaos wie vor der Erschaffung der Welt scheint sich vor ihrem Ende zu wiederholen.

 

Wer jetzt aber die Bibel zuschlägt, der versäumt das Para-dies: Denn wenn diese furchtbaren Ereignisse eingetreten sind, dann kommt der Menschensohn wieder, der, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden! So wie er einst vor den Augen seiner Jünger in die unsichtbare Welt Gottes aufgenommen wurde, so kommt er wieder mit großer Kraft und Herrlichkeit. In einer Wolke, so hat es Lukas festgehalten.

 

Das ist keine Verschleierungstaktik; im Gegenteil: die Wolke ist das Zeichen für die Gegenwart des Allmächtigen Gottes, die wir sonst gar nicht ertragen könnten. Die Wolke macht es möglich, dass wir dann nicht die Augen schließen müssen vor Schmerz. Geschützt durch die Wolke können wir aufsehen! Wir sollen, wenn die Not um uns her am größten ist, unseren Retter kommen sehen!

 

Es sind schlimme Bilder, die der Evangelist Lukas da mit Worten gemalt hat. Er hat sich das nicht selbst ausgedacht; es sind Jesu Reden über die Endzeit. Bei Jesus ist nicht nur vom weltweiten Klimawandel die Rede - er kennt sogar das Ende des ganzen Universums.

 

Wie oft fragen wir selber beim Hören von Verbrechen oder anderen Katastrophen: Wohin soll das alles führen? Für die Bosheit der Menschen ist die Erde schon fast zu klein. Was Menschen einander Böses antun, das ist oft kaum mehr zu überbieten. Es fängt ja schon in den Schulen an. Und wie sehr schmerzt das alles unseren Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, den Liebhaber der Menschen, die er nach seinem Bilde schuf. Muss er dem nicht ein Ende setzen?

 

.. seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Das ist Jesu Antwort - Gottes Reich kommt. Und damit das Ende für viele und ein seliger Neuanfang für die, die sich auf Gott verlassen. Wir haben durch Jesus ein "Frühwarn-system", wie es keine Wissenschaft erfinden kann. Wir haben durch Jesus, den Menschensohn, den jenigen, der nach seinem Einzug in Jerusalem durch alle Bosheit der Menschen und sogar den Tod hindurch gedrungen ist, um uns den Rettungs-weg zu bahnen.

 

In der Parallel-Stelle bei Markus steht noch ein wunderbares Jesus-Wort, das Lukas nicht kannte. Markus zitierte den Herrn, als er vom Weltenrichter sprach so: ... Und dann wird er die Engel senden und wird seine Auserwählten versammeln von den vier Winden, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.

 

Er wird die Engel senden! Das erinnert uns an die Geburt des Gottessohnes in der Welt, an die Hirten auf dem Felde bei Bethlehem. Mit Zittern und Zagen sahen die Ärmsten der Armen, denen immer das Wasser am Halse stand, das "Himmelsbeben", den "Weltenbrand" und das "Gericht" auf sich zukommen. Die Wogen der Angst schlugen über ihren Köpfen zusammen und nahmen ihnen fast den Atem. Sie fühlten sich allein und verloren ...

 

Aber sie erhoben die Häupter, sie hielten sich die Ohren nicht zu, und so drang ihnen die Gute Botschaft bis ins Herz: Fürchtet euch nicht. Sie durften Engel sehen, die sonst in Gottes Unsichtbarkeit sind - die aber in Erfüllung ihres Auftrags - für Menschen Gestalt annehmen: Fürchtet euch nicht.

Halten wir fest: Es gibt nicht nur die Botschaft des unaus-weichlichen Endes allen Lebens! Es gibt die Verheißung des neuen Lebens, des geretteten und erlösten Menschen! Und in diesem letzten Advent werden die Engel ausgesandt in alle Himmelsrichtungen, um die treu gebliebenen zu sammeln. Es gibt keine Entfernungen mehr, es gibt nur noch Gottes Nähe in seinem Sohn. Darum: Seht auf! All das Tosen und Vergehen darf euch nicht ängstigen oder gar verzweifeln lassen.

 

Liebe Gemeinde, 

uns wird auch dieses Jahr wieder verkündet, dass Gott in seinem Sohn hernieder kam und den Sund, die sonst unüber-windliche Kluft zwischen Himmel und Erde überwand. Der Gottessohn sucht in unserem Leben einen Platz, nur grade mal so groß wie eine Krippe, damit wir durch ihn ein Stück Himmel haben - nicht erst am Ende der Zeiten, sondern jetzt im Advent 2020 schon.

 

Wenn die Welt in unseren Tagen auch schlimm aussieht und wir uns als Einzelne machtlos fühlen: Wir haben als Christen den Stärksten in Rufweite, den, der Mensch wurde, um die Liebe des Vaters zu dieser Welt zu bezeugen. Wir müssen für alle, die ihn nicht wahrnehmen, die Frühwarner sein, nicht die ängstlichen Duckmäuser sondern die Auf-Seher! Wir müssen für die anderen mit glauben und mit beten! Und damit sind wir nicht auf verlorenem Posten. 

 

Denn unser Herr Jesus Christus hat bei seinem Abschied aus dem Sichtbaren versprochen: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende! Advent - unser Herr kommt!

Amen

 

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