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An(ge)dacht

Predigt

für den So. Judica (29.03.20)

zu Hebr 13,12-14

Online-Gottesdienst aus der Kirche St. Peter in Bacharach

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde! Wussten Sie, dass Sie heilig sind? Bevor Sie jetzt zum Smartphone greifen um mir zu schreiben, dass da ein Irrtum vorliegen muss, warten Sie bitte einen Moment. Ihre Bescheidenheit ehrt Sie, wenn Sie sich damit überbewertet fühlen sollten. Aber - es ist so. Sie sind heilig. Weil Sie Gott heilig sind. Ob das überbewertet ist, müssen Sie Ihn fragen. Aber ich glaube, ich kann Ihnen sagen, was Er antworten wird: „Nein, es ist nicht überbewertet!“ Liegt Ihnen wiederum dann auf der Zunge zu sagen: „Gott, das kann nicht Dein Ernst sein!“, wird Er Ihnen antworten: „Doch, es ist mein Ernst!“

 

Wobei Sein „Ernst“ eigentlich Jesus heißt. In Ihm hat Gott die Wertfrage ein für allemal geklärt. „Jesus hat, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor“, heißt es im Predigttext. Wie ist es dazu gekommen, und was ist damit gemeint?

 

Das ist das Wesen der Liebe, liebe Gemeinde. Sie kennen das aus dem menschlichen Kontext. Die meisten Leute laufen ja, wenn sie eine Beziehung eingehen, nicht mit einer Checkliste durch die Gegend, machen Häkchen und sagen: „Okay, passt, die genügt meinen Vorstellungen, die ist es wert, dass ich mich in sie verliebe.“ Bei den meisten ist es umgekehrt: Man verliebt sich, und mit einem Mal ist einem dieser Mensch alles wert. Das ist das Wesen der Liebe. Genauso geht es Jesus mit uns. Wir sind Ihm alles wert. Er hat im Himmel alles stehen und liegen gelassen und ist auf die Erde gekommen - für uns. Um uns nah zu sein. Um uns zu zeigen: „Du bist, so wie Du bist, unendlich wertvoll! Ich gebe alles für Dich!“

 

Alles - das kann im Extremfall das eigene Leben sein. Bei Jesus war es der Extremfall. Aus Leidenschaft für uns ist Jesus ans Kreuz gegangen, „…damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut.“ Im Blut sitzt nach biblischem Denken das Leben. Heißt also: Indem Jesus Sein Leben für uns gegeben hat, hat Er uns heilig gemacht. Die Tatsache, dass Er alles für uns in die Waagschale geworfen hat, gibt uns den Wert, der es rechtfertigt zu sagen: Wir sind heilig. So wie wir sind. Was aber nicht heißt, dass wir so bleiben müssen, wie wir sind. Gott reicht uns die Hand, hochzukommen aus dem Sumpf unserer Minderwertigkeitskomplexe, und abzusteigen von dem hohen Ross unserer Eitelkeit. „So lasst uns nun zu Jesus hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen“, geht es weiter im Text (also: im Predigttext). Jesus war sich nicht zu schade. Und der Verfasser des Hebräerbriefes sagt seinen Adressaten jetzt: „Also seid Ihr Euch bitte auch nicht zu schade.“ Nicht zu schade, anderen Liebe zu erweisen, für andere Entbehrungen auf Euch zu nehmen. Schmach zu teilen; will sagen, Dinge zu tun, von denen man vielleicht denkt: „Das ist unter meiner Würde!“

 

Es ist bemerkenswert, was in diesen Tagen auf einmal möglich ist an Verzicht, an Einschränkungen, an Entbehrungen. Hätten Sie im Februar jemandem gesagt, dass es vier Wochen später ein Kontaktverbot gibt in Deutschland, keine Restaurantbesuche mehr, keine Partys, kein Kino, keine Disco, keine Gottesdienste, kein Theater, keine Konzerte; dass das gesamte öffentliche Leben derart runter gefahren und die Wirtschaft lahmgelegt wird - der hätte Ihnen gesagt: „Ei, Du hast zu viele Horrorfilme geguckt!“ Dass solche Maßnahmen jetzt ergriffen wurden, um Menschenleben zu schützen, entspricht dem Wert des Lebens eines jeden einzelnen Menschen. Seiner Heiligkeit.

 

Und die damit verbundene plötzliche Vollbremsung, dieses Gezwungen Sein zum Innehalten stellt uns vor die Frage, was wirklich zählt. Auf einmal merkt man, dass man Menschen vermisst. Jetzt, wo wir uns nicht jederzeit treffen können, wird uns bewusst, wie viel sie uns wert sind. Am Ende sind es die Beziehungen, die unser Leben ausmachen. Unsere Beziehungen zu einander und unsere Beziehung zu Gott.

 

„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“, lautet der letzte Satz unseres Predigttextes. „Wir haben hier keine bleibende Stadt.“ Wir vergessen das manchmal. Wir haben uns eingerichtet. Wir haben aufgehört zu suchen - nach dieser neuen Stadt. Wir suchen das perfekte Glück im Hier und Jetzt und erschlagen mit dieser Erwartung alles. Wir haben an unser Leben den Anspruch, dass es der Himmel auf Erden sein soll. Und wir waren nah dran, liebe Gemeinde. Gemessen am Lebensstandard früherer Generationen oder anderer Erdteile waren wir nah dran am Himmel auf Erden - und sind es immer noch, zumindest im Moment. Und trotzdem hat uns dieser ganze Wohlstand nicht wirklich satt gemacht. Wir kleben Event an Event, stressen uns sogar im Urlaub noch: in zehn Tagen fünf verschiedene Ziele, jeder einzelne Tag voll gespickt mit Action, sodass man anschließend, wenn man wieder zuhause ist, das Gefühl hat: „Jetzt muss ich mich erstmal erholen!“ Und das alles, weil wir meinen, wir müssten so viel mitnehmen wie möglich.

 

Wozu? Wir nehmen nichts mit. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Wenn wir eines Tages vor unserem Schöpfer stehen - ich mein, ich weiß es natürlich nicht, aber - ich glaube nicht, dass Er uns fragen wird: „Wie viel hast Du von der Welt gesehen?“ Aber vielleicht fragt Er uns: „Wie hast Du die Welt gesehen? Und wie bist Du mit ihr umgegangen?“ Ich glaube nicht, dass Er uns fragen wird: „Wie oft hast Du’s so richtig krachen lassen?“ Aber vielleicht fragt Er uns: „Wie hast Du Dein Leben gefeiert? Mit anderen? Oder auf ihre Kosten?“

 

Manchmal rückt es die Maßstäbe zurecht, wenn wir uns klarmachen: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Das hat etwas ungeheuer Entlastendes. Denn dann müssen wir uns nicht dem Mordsstress unterziehen, den man hat, wenn sich das Leben in den paar Jahrzehnten zwischen Kreißsaal und Friedhofskapelle erschöpft. Wenn man meint, man müsste alles rausholen, weil es am Ende heißt: „Das war’s!“

 

Ist ja nicht so, liebe Gemeinde. Wenn Gott Seine Liebe erklärt, dann steht da kein Verfallsdatum dran. Diese Liebe reicht über unseren Tod hinaus. Gott hat da noch was im Petto, sozusagen ein Leben 2.0. Deswegen muss Leben 1.0 nicht schon alles hergeben. Ich sagte letzte Woche: Vielleicht ist die Corona-Pandemie ein Ruf zur Umkehr. Vom Thema des heutigen Sonntags her gesehen, heißt das konkret: uns bewusst zu machen, dass alles, was jetzt ist, nur vorläufig ist und dass das Eigentliche noch kommt. Und uns wieder auf die Suche machen. Nach Gott, dem wir alles bedeuten, und der allein unsere Sehnsucht stillen kann - nach Leben, nach Glück, nach Liebe, wie nur Er sie geben kann und - geben will. Und wissen Sie noch, warum? Weil Sie Ihm heilig sind! Amen.

 

 

Predigtmanuskript 2020-03-29
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Online-Gottesdienst 2020-03-29 Predigtma[...]
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Online-Gottesdienst am 22.03.2020

So. Laetare

St. Moritz Kirche Oberdiebach

 

 

ORGEL

 

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Begrüßung

Liebe Gemeinde, eigentlich hatte ich mir unter „Sieben Wochen ohne“ etwas anderes vorgestellt. Zumindest nicht sieben Wochen ohne Gottesdienste. Hätten Sie mir das vor zweieinhalb Wochen erzählt, hätte ich gesagt: „Niemals! Und wenn sonst nichts mehr geht - unsere Gottesdienste fallen nicht aus! Wir feiern weiter!“

 

Dass es mal nötig werden würde, aus Nächstenliebe die Kirchen zuzulassen, auf so eine paradoxe Idee wäre ich nicht gekommen. Aber wie die Bundeskanzlerin in ihrer Ansprache sagte: „Abstand ist die beste Fürsorge!“ Mit Blick auf die älteren und gesundheitlich vorbelasteten Mitbürgerinnen und Mitbürger, mit Blick auf das Personal in Arztpraxen, Gesundheitsämtern und Krankenhäusern und mittlerweile auch in den Lebensmittelgeschäften kann man nur sagen: Die massiven Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Corona-Virus sind „alternativlos“.

 

Für uns als Kirchengemeinde heißt das aber nicht, dass es für die nächsten Wochen keine Gottesdienste mehr gibt. Wenn Sie nicht zur Kirche kommen dürfen, dann kommt die Kirche eben zu Ihnen. Und damit herzlich willkommen zum ersten Online-Gottes-dienst der Ev. Kirchengemeinde Vierthäler, hier aus der St. Moritz Kirche Oberdiebach. Dieser Gottesdienst wurde am Freitag aufgezeichnet, da wir zumindest im Moment nicht die technischen Voraussetzungen für eine Live-Übertragung haben.

 

Solange das Versammlungsverbot gilt, werden wir Ihnen, sofern noch schärfere Einschränkungen uns nicht auch das unmöglich machen, jeden Sonntag einen Gottesdienst nach Hause bringen - via Youtube, Instagram und Facebook, oder einfach ganz analog als Ausdruck des Predigtmanuskripts. Auch wenn wir physisch voneinander getrennt sind, sind wir virtuell und im Geist zusammen, und ich bin gewiss, dass das, was Jesus gesagt hat, auch für Online-Gottesdienste gilt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20) Seine Gegenwart wollen wir feiern, mit Ihm reden und gerade auch in dieser schwierigen Zeit hören, was Gott uns sagen will. Ich wünsche uns dazu Seinen Geist.

 

ORGEL                       Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

 

Schriftlesung              Jes 66,10.12a.13

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.

 

ORGEL                       Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

 

Predigt                         Jes 66,10.12a.13

Liebe Gemeinde! Die Freude, die Zuversicht, die aus diesen Worten spricht, steht ganz klar in Spannung zu dem, was gerade so um uns rum passiert - oder eben auch nicht passiert, je nachdem, von welcher Seite her man es sieht. Trotzdem merke ich, dass mir das gut tut, was der Prophet da von sich gibt. Damals vor grob 2.500 Jahren war auch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Israel stand unter der Fremdherrschaft der Perser. Hohe Abgaben drückten das Land nieder. Viele Leute waren hoffnungslos verarmt.

 

Gemessen daran geht es den meisten von uns trotz allem noch gut. Wir haben zu Essen, zu Trinken, wir haben Strom, Heizung, Wasser, und wenn nicht ein paar Experten meinen würden, sie müssten sich Vorräte für die nächsten zehn Jahre zulegen, dann hätten wir auch noch Klopapier! Trotzdem: Viele machen sich Sorgen. Sorgen, was noch kommt - an Krankheitsfällen, an Einschränkungen, an Versorgungsproblemen möglicherweise, an wirtschaftlichen Folgen. Und viele haben an Angst. Angst vor Einsamkeit, Isolation, oder davor, selber an Corona zu erkranken.

 

In alles das hinein höre ich Gott sagen: „Ich will euch trösten.“ „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Ein starkes Bild, und - man merke wohl - ein Bild, in dem Gott sich von Seiner weiblichen, von Seiner mütterlichen Seite zeigt. „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Stellt sich die Frage: Wie tröstet eine Mutter denn eigentlich? Was hat Mama, was andere nicht haben? Ich glaube, es kommt gar nicht so sehr drauf an, was die Mutter sagt. Es ist mehr die Art der Beziehung. Die Mutter ist der erste Mensch, den man im Leben vorfindet, lange bevor man geboren wird. In ihrem Bauch geschützt hat sich unser Leben entwickelt. Die Mutter-Kind-Beziehung ist die engste unter allen menschlichen Beziehungen – für beide, für Mutter und Kind. Wenn das Kind, das man neun Monate lang im Bauch getragen hat, weint, dann rührt das das Mutterherz an. Und ich glaube, die Art und Weise, wie sie darauf anspringt, signalisiert dem Kind: „Da ist einer (oder besser gesagt: eine), die würde alles für mich tun um mir zu helfen.“

 

Gott nimmt diese Rolle ein Leben lang ein. Auch, wenn unsere leibliche Mutter nicht mehr so für uns da sein kann. Bei Ihm dürfen wir Kind sein, egal wie alt wir sind. Wir brauchen uns unserer Sorgen nicht zu schämen und auch nicht der Tränen, die manch eine und einer in diesen Tagen heimlich weint. Gott lässt unsere Angst gelten. Bei Ihm heißt es nicht: „Stell Dich nicht so an!“ Er sagt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Wir dürfen Gott - gerade in diesen Tagen - bei dieser mütterlichen Seite behaften, dürfen sicher sein: Da ist einer, der würde alles für uns tun, um uns zu helfen. Und Er würde nicht nur, Er hat! Gott hat Sein Mutterherz sprechen lassen und ist Mensch geworden. Als in Bethlehem eine junge Mutter namens Maria ihren Sohn Jesus in die Krippe gelegt hat, da war niemand Geringeres zur Welt gekommen, als der lebendige Gott persönlich. Er ist einer von uns geworden und hat unser Leben geteilt – und mit ihm auch unsere Ängste, unseren Kummer, unsere Tränen. Und sogar unseren Tod. Das heißt, Er ist da. Jetzt und hier, heute und morgen, komme, was wolle.

 

Jeder, der an seine Kindheit zurückdenkt, weiß aber auch: Mama kann nicht nur trösten. Mama kann auch anders - wenn’s sein muss... Jetzt, wo die Kinder den ganzen Tag zuhause sind, wird mir noch mal bewusst, wie oft am Tag beides vorkommt: Die Momente, wo ein herzzerreißendes Weinen das Mutterherz (und auch das Vaterherz) auf den Plan ruft, wo man sich das Kind auf den Schoß nimmt, Tränen abwischt, Köpfchen streichelt und 'nen Kühlakku holt. Und die Momente, wo die Kids mit ihrer ausgeprägten Gabe, nicht zu hören, den Zorn in einem hochtreiben und einen zwingen, klare Ansagen zu machen, die dann vom Tonfall her anders klingen als „trösten“. Beides ist Mama. Und beides ist gleichermaßen ernst gemeint und ernst zu nehmen.

 

Eltern müssen ihren Kindern Grenzen setzen. Sonst verlieren sie sich in Maßlosigkeit und in Beziehungslosigkeit. Und an beidem werden Menschen krank. Die Betroffenen selbst und die, die mit ihnen leben müssen. So paradox das klingt: Auch der Zorn, der gelegentlich in einem aufsteigt, ist eine Wesenäußerung von Liebe. Man regt sich auf, weil einem die Kids nicht egal sind.

 

Wenige Verse nachdem Gott diese anrührend-tröstenden Worte sagt in Jes 66, kommen auch bei Ihm „klare Ansagen“. Sie lassen erkennen, dass auch Gott zornig sein kann. Ich weiß, dass sich einige in diesen Tagen fragen, ob Corona eine Straße Gottes ist. Wer mich kennt, der weiß, dass ich mit solchen Thesen sehr zurückhaltend bin. Eine Strafe Gottes? Dann stellt sich sofort die Frage nach der Gerechtigkeit - wen trifft es, wen trifft es nicht? Und warum? Damit gerät man in eine Sackgasse. Die Frage nach dem Warum ist nicht zielführend. Ich finde es sinnvoller zu fragen: Wozu? Was können, was sollen wir möglicherweise aus dieser Krise lernen? Ich glaube schon, dass Gott uns etwas sagen will. Er will uns eigentlich immer was sagen, mit unserem ganzen Leben. Bloß hören wir die meiste Zeit nicht hin.

 

Wir haben lange gut gelebt. Sehr gut. Oft ohne uns dessen bewusst zu sein. An manchen Punkten auch über unsere Verhältnisse - auf Kosten unseres Planeten und auf Kosten von Menschen in anderen Erdteilen. Jetzt sind wir plötzlich ausgebremst. Können nicht mehr so, wie wir wollen, sind quasi zum Innehalten gezwungen. Zeit, gewisse Dinge zu überdenken. Dazu waren die „Sieben Wochen ohne“, die Fasten- oder Passionszeit eh gedacht. Corona - eine Strafe? Kein zielführender Gedanke. Aber ein Ruf zur Umkehr schon. Zurück zu Gott. Zeit, Ihn wieder zu entdecken als Mutter, als Ansprechpartner für alles. Zeit, bei Ihm Trost zu finden und Seinen Ruf zur Besinnung. Für mich ist Gott die wichtigste Corona-Hotline. Auch, wenn wir unter Umständen mehr als sieben Wochen ohne „normale“ Gottesdienste leben müssen sollten. Amen.

 

ORGEL                       Gut, dass wir einander haben

 

Fürbittengebet

Herr, unser Gott, du weißt, was sich im Moment abspielt. Noch vor wenigen Wochen hätten wir das niemals für möglich gehalten, dass ein Virus die ganze Welt auf den Kopf stellt. Zunächst einmal möchten wir Dir danken, dass es uns so lange so gut ging. Manches davon fangen wir erst jetzt richtig an zu schätzen, wo wir darauf verzichten müssen. Wir bitten dich für alle, die von dieser Krise besonders hart getroffen sind:

 

Für die, die sich zuhause mit der Krankheit herumschlagen. Für die, die in den Krankenhäusern und auf Intensivstationen mit ihr kämpfen. Bei manchen von ihnen geht es um Leben und Tod. Heile und bewahre sie alle.

Wir bitten dich: Herr, erhöre uns!

 

Für die, die sich um die Kranken kümmern: Ärztinnen und Ärzte, Krankenpfleger und -schwestern und alle, die im Gesundheitssektor beschäftigt sind. Schenke ihnen die nötige Kraft. Lass sie angesichts der dramatischen Lage nicht verzweifeln und vor allem nicht selbst krank werden. Hilf, dass unser Gesundheitssystem nicht kollabiert.

Wir bitten dich: Herr, erhöre uns!

 

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Lebensmittelgeschäften bitten wir: Schenke ihnen Ausdauer, Gelassenheit, aber auch Durchsetzungskraft, um Menschen, die aus Panik oder Eigensinn nur an sich denken, in die Schranken zu weisen. Hilf, dass die Lebensmittelversorgung nicht kollabiert.

Wir bitten dich: Herr, erhöre uns!

 

Für die, die in diesen Tagen besonders einsam sind: Ältere und kranke Menschen, die alle Kontakte meiden müssen. Lass sie spüren, dass sie nicht vergessen sind. Schenke uns die Kreativität und die Möglichkeit, ihnen auf andere Weise nah zu sein und sie zu unterstützen.

Wir bitten dich: Herr, erhöre uns!

 

Für die, denen die Corona-Pandemie wichtige und schöne Pläne durchkreuzt haben, die ihren lang ersehnten Urlaub abbrechen mussten oder nicht antreten können, die ihren Geburtstag, ihr Konfirmations- oder Ehejubiläum nicht feiern können. Tröste sie und hilf, dass ihnen das, worauf sie sich gefreut haben, dennoch nicht verloren geht.

Wir bitten dich: Herr, erhöre uns!

 

Für die, die wirtschaftlich von dieser Pandemie besonders betroffen sind: Selbstständige im Kleingewerbe, Künstler- und Musikerinnen, Restaurant- und Cafébetreiber. Lass sie nicht in Panik geraten, und hilf, dass die staatliche Hilfe schnell greift und ausreicht.

Wir bitten dich: Herr, erhöre uns!

 

Wir bitten dich für die Länder, in denen die Situation noch viel schlimmer ist als bei uns. Behüte die Menschen. Hilf den Helfenden. Schenke ein Ende dieses Wahnsinns. Und lass alle zur Vernunft kommen, hier wie dort, damit wir das Unsere dazu beitragen, die Folgen von Corona so gering zu halten wie möglich.

Wir bitten dich: Herr, erhöre uns!

 

VATER UNSER

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

Im Focus

Montag, 16.03.2020

 

Ein merkwürdiger Sonntagmorgen war das. Alle Gottesdienst abgesagt. Das gab’s noch nie. Ratlosigkeit. Was nun? Wie geht es weiter?

 

Dann der Blick in die Losungen. Abgelenkt, unkonzentriert, nicht richtig bei der Sache. Welchen Sonntag haben wir heute noch gleich? Okuli. Ach ja. Zu Deutsch: Augen. Wie war noch mal der Zusammenhang? Okay, da steht’s: Der alte Sonntagspsalm, Psalm 25,15: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“ Mit einem Mal bin ich bei der Sache.

 

„Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“

 

Das tut irgendwie gut in diesen Tagen, wo alle Blicke nur auf ein einziges Thema gerichtet sind: Corona. Klar, wegschauen geht nicht. Man muss hinsehen. Alles andere wäre unverantwortlich. Aber die Absolutheit, mit der dieses Virus das gesamte Denken beherrscht, ist nicht not-wendig. Im wahrsten Sinne des Wortes: Sie wendet die Not nicht. Dafür gibt es eine andere Adresse. Fängt auch mit „C“ an, aber ist aufbauender als Corona: Christus. Wir brauchen um Gottes willen vor Corona nicht zu erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir müssen es im Blick haben, dürfen die Gefahr auch nicht herunterspielen. Aber unseren Focus können wir anders setzen.

 

„Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“

 

Ihm dürfen wir alles anvertrauen. Mit Ihm können wir alles teilen: Unsere Sorgen, unsere Ängste, unsere Unruhe. Von Ihm dürfen wir alles erbitten: Hilfe, Beistand und Trost. Stets. Also immer, in jeder Situation. Auch jetzt, gerade jetzt, oder vielleicht auch jetzt (wieder) neu. Die Einladung steht.

 

 

Timm Harder, Pfarrer

 

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