Gemeindebüro

Blücherstraße 15-19

55422 Bacharach

06743 965773

vierthaeler@ekir.de

________________________Das Gemeindebüro hat  mittwochs von 9-11 Uhr und freitags von 8-10 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

 

An(ge)dacht

Predigt

für den So. Jubilate (12.05.19)

zu Mk 1,14-15

Konfirmation in Oberdiebach mit S(w)inging People und PosChor

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden! Ein viel bemühtes Wort unserer Zeit ist das Wort „zukunftsfähig“. Alles Mögliche muss sich daraufhin befragen lassen, ob es „zukunftsfähig“ ist - unser Schulsystem, unser Gesundheitssystem, unser Wirtschaftssystem und nicht zuletzt auch unsere Kirche. Jetzt steht Ihr heute am Tag Eurer Konfirmation irgendwie an so einer Schwelle zum Erwachsenwerden, und da stellt sich auch die Frage nach der Zukunftsfähigkeit. „Firm for Future“ steht als Motto auf der Titelseite des Gottesdienstbegleiters. „Firm for Future“. In dem englischen Wort „firm“ steckt ein Teil unseres Wortes Kon-firm-ation. Das hat dieselbe Wurzel, nämlich das lateinische Wort con-firmare. Wir sprachen bei unserem letzten Treffen davon; auf deutsch heißt das „stärken“, bekräftigen“, „festigen“. Konfirmiert sein heißt, stark sein für die Zukunft. Zukunftsfähig eben. Dazu seid Ihr jetzt knapp zwei Jahre zum Konfi-Unterricht gekommen, und dafür seid Ihr heute hier, um Euch stark machen zu lassen für die Zukunft. Wodurch geschieht das?

 

1. Durch Selbstbewusstsein. Dieses Schild aus Eurem Vorstellungsgottesdienst hängt heute nochmal hier, nicht nur, weil es echt schön geworden ist, sondern weil ich möchte, dass Ihr dieses Selbstbewusstsein aus Eurer Konfirmandenzeit mit in Euer Leben nehmt: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin! Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.“ Dass Ihr Euch daran erinnert, wenn Tage kommen, an denen Ihr kein gutes Haar an Euch lassen könnt. Dass Euch diese Worte in den Sinn kommen, wenn Ihr morgens vor dem Spiegel steht: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin!“ Dann fängt der Tag besser an, als wenn man sagt: „Ich kenn Dich zwar nicht, aber ich wasch Dich trotzdem!“ Ihr seid - jede und jeder für sich - bei allen Unzulänglichkeiten, die uns Menschen zueigen sind, ein genialer Gedanke Gottes. Das soll hier heute nochmal bekräftigt werden, und in diesem Selbstbewusstsein sollt Ihr stark gemacht werden für die Zukunft. Für eine Zukunft, die im Ungewissen liegt. Die bedroht ist. Menschen Eurer Generation gehen deshalb seit ein paar Monaten freitags auf die Straße, weil sie gemerkt haben, dass unsere jetzige Art zu leben und zu wirtschaften eben absolut nicht zukunftsfähig ist.

 

„Fridays for Future“… Vielleicht ist es Zufall, vielleicht auch nicht - ich weiß es nicht. Aber die Sache mit dem Friday, dem Freitag lässt mich nicht los. An einem Freitag wurde über unser Leben entschieden. Da hat einer vor Gott und den Menschen für die Rettung unsere Zukunft „demonstriert“. Und der hat dabei nicht nur seine Versetzung riskiert, sondern sein Leben. Es gibt immer Leute, die nicht gerne hören, dass sich was ändern muss, wenn das mit der Zukunft was geben soll. Und man dachte sich, wenn man den Unruhestifter ans Kreuz nagelt, ist Ruhe. Aber das ist gründlich schiefgegangen. Nach drei Tagen war Er wieder da. Auferstanden von den Toten. (Kernsatz unseres Glaubensbekenntnisses.) Mit Seinem Einsatz an eben jenem Freitag, dem Karfreitag, hat Jesus die Rettung unserer Zukunft in die Wege geleitet. Mit Seiner Auferstehung an Ostern hat Er sie perfekt gemacht.

 

Das ist das zweite, was Euch stark machen soll für die Zukunft: Der Glaube an die Auferstehung. Ihr seid nicht wunderbar gemacht für ein paar hoffentlich nette Jahrzehnte auf dieser Erde und dann ist rum. Gott hat noch ein bisschen mehr im Petto… Leben 2.0 würden wir in unsere Digitalsprache sagen. Es gibt sie - Zukunft. „Future for Konfis“. Zukunft für alle, die gefestigt und gestärkt sind in dem Glauben an Jesus Christus, der den Erzfeind der Zukunft erledigt hat: den Tod. So ungewiss die Zukunft sein mag - unsere Welt ist in Gottes Händen. Das hat Annemarie Zahn, der ich bei der Gelegenheit herzlich danken möchte, super dargestellt auf dem Titelmotiv dieses Gottesdienstes.

 

Das ist das dritte, was Euch stark machen soll für die Zukunft: Der Glaube, dass die Welt in Gottes Händen ist und dass darum nichts verloren ist. Und dass wir uns gerade deshalb einsetzen können und sollen für die Zukunft dieser Erde. Deswegen steht auf dem Gottesdienstbegleiter nicht nur „Future for Konfis“ (Drahtbinder-Englisch: Zukunft für Konfis), sondern auch „Konfis for Future“ (Konfis für die Zukunft). Ich bin froh, dass Eure Generation auf die Straße geht. Und ich mache Euch Mut, das auch zu tun. Menschen, die gestärkt sind im Glauben, dürfen und sollen aus diesem Glauben heraus eintreten für eine Zukunft, in der man leben kann. Auch wenn man dafür nicht unbedingt Applaus erwarten darf. Wie die Hyänen fallen einige Zeitgenossen über die 16jährige mit den blonden Zöpfen aus Schweden her, das die ganze Fridays for Future Bewegung angestoßen hat. Sinnigerweise sind das hauptsächlich nicht etwa Altersgenossen, sondern Erwachsene, die es offenbar nicht ertragen, von einem jungen Mädchen den Spiegel vorgehalten zu bekommen. Es ist peinlich, wenn gestandenen Politikern nicht mehr einfällt, als Euch Schülerinnen und Schülern vorzuwerfen, Ihr hättet keine Vorschläge, wie denn eine schnellere Energiewende bewerkstelligt werden soll. Das ist nicht Eure Aufgabe, liebe Konfis. Noch nicht. Das ist Aufgabe meiner Generation. Wir müssen der Tatsache Rechnung tragen, dass Ihr als unsere Kinder geboren seid um zu leben - und dass wir darum verantwortlich sind für den Lebensraum, in dem dieses Leben 1.0 stattfinden soll. Eure Aufgabe ist es, uns so lange wahlweise auf die Füße oder in den Allerwertesten zu treten, bis wir endlich unsere Hausaufgaben gemacht haben.

 

Und natürlich das Eure zu tun, damit Klimaschutz nicht nur ein hohles Wort bleibt. Indem Ihr zum Beispiel darauf achtet, wie viele Elektrogeräte in Eurem Zimmer an sind oder im Standby-Modus, obwohl Ihr sie gerade gar nicht braucht und sie genauso gut auch ganz aus sein könnten. Oder indem Ihr überlegt, ob Ihr wirklich Taxi Mama bemühen müsst, oder ob man dort, wo Ihr hin wollt, nicht vielleicht auch mit dem Rad oder zu Fuß hinkommt. Damit fängt die Umkehr zum Leben an: Der Gedankenlosigkeit und Bequemlichkeit den Kampf anzusagen. Dazu braucht es Stärke. „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ sagt Jesus.

 

Der Glaube an das Evangelium gibt Stärke. Und die wünsche ich Euch. Ich wünsche Euch, dass Ihr „Firm for Future“ seid - stark für die Zukunft - 1. durch das Selbstbewusstsein, das sagen kann: „Gott, ich danke Dir, dass ich wunderbar gemacht bin.“ 2. durch den Glauben, der sagen kann: „Jesus, ich danke dir, dass du Zukunft für mich hast ohne Ende.“ Und der 3. weiß: Die Welt ist in Gottes Händen. Und dieser Gott versetzt mich durch Seinen Geist in die Lage, Verantwortung zu übernehmen. Wenn Ihr damit nicht zukunftsfähig seid, dann weiß ich es auch nicht. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Kirchengemeinde Vierthäler