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Unsere Kirchen

Sanierung der Kirchenmauer in Oberdiebach

 

26.09.2018  Zweieinhalb Jahre nach der Darstellung des Problems mit der zwischen einem und 12 Meter hohen Mauer rund um die Kirche St. Moritz in Oberdiebach ist der erste Teil der Sanierung abgeschlossen. Er allein war auf 213.000 Euro veranschlagt, musste wegen unmittelbarem Gefahrenpotenzials unbedingt in Angriff genommen werden. Silvia Seidler, in der evangelischen Kirchengemeinde Vierthäler ehrenamtlich zuständig für Bau- und Finanzangelegenheiten, gab bei einem Rund- gang Auskunft. Ein SWR-Fernsehteam hatte die Restauration kurzfristig in eine demnächst erscheinende Serie über bedeutende kirchliche Kulturdenkmäler im Südwesten Deutschlands aufgenommen.

 

Bei der Finanzierung waren außer dem Kirchenkreis Koblenz auch die Verbandsgemeinde, die Bürger des Ortes und vor allem die Bundesregierung mit im Boot. Dank derer konnte relativ schnell gehandelt werden, nachdem bemerkt wurde, dass große Steine bereits aus der Mauerkrone gebrochen und auf Nachbargrundstücke gefallen waren.

 

Nach dem Aufstellen des Gerüstes an der am schwersten beschädigten Südseite musste von der Krone ein Meter abgenommen werden, wurden die Fugen freigestellt und bis zu fünf Meter lange Ankerlöcher in die Mauerpfeiler gebohrt.

 

Es folgte das Verfüllen der Fugen mit Mörtel, zudem wurde Beton nach innen gepresst. Den Abschluss bildeten die Entwässerungsbohrungen. „Es war keine Schönheitsreparatur, hier war Gefahr in Verzug“, stellte Silvia Seidler die Dringlichkeit klar.

 

Ehe der Ostteil der Mauer , für den ebenfalls aktuell rund 200000 Euro veranschlagt werden, in Angriff genommen werden kann, stehen laut Seidler die notwendigen Sanierungen und Renovierungen von drei anderen Gotteshäuser n im Gebiet der Kirchengemeinde Vierthäler auf dem Plan, etwa die der Sankt Anna-Kirche in Steeg, deren Dach erneuert werden muss.

 

Ein Voranschlag beziffert die notwendigen Kosten auf rund 900.000 Euro. „Außerdem haben wir noch eine schimmlige Orgel“, ergänzte Pfarrer Timm Harder und wies auf die Finanzierungsnöte beim Erhalt der Kirchengüter und Kulturschätze hin.

 

Auf die Bedeutung des gemeinsamen Handelns und diejenige der ehrenamtlichen Helfer beim Erhalt solch einmaliger Kleinodien am Mittelrhein wies die Bundestagsabgeordnete Ursula Groden-Kranich bei der Ortsbegehung hin.

 

Diese wird auch weiterhin notwendig sein. Harder und Seidler definierten die Einnahmen der Kirchengemeinde auf rund 240.000 Euro jährlich.

 

Unsere vier historischen Kirchen in Bacharach, Steeg, Manubach und Oberdiebach sind wunderbare Schätze“, so Harder, „Sie liegen uns aber leider auch mächtig auf der Tasche.“

 

Der erste Schritt ist in Oberdiebach gemacht. Dass die Fertigstellung der Mauer zu einer Punktlandung wurde, gab der 1125 Jahr-Feier von Oberdiebach am ersten Septemberwochenende den richtigen Rahmen, wertete das Ortsbild mächtig auf.

 

Seidler zeigte dabei auf die „eklatanten Unterschiede“: Auch wenn eine große Summe in ein unscheinbares Gewerk investiert worden sei, sei deutlich sichtbar , was mit dem Geld passierte. Aktuell sieht die Mauer aus wie neu. Seidler versprach aber, „dass sich das Bild noch harmonisiert.“

 

Bericht: Jochen Werner

 

 

Sanierung der Umfassungsmauer an der Kirche St. Moritz, Oberdiebach

Die Arbeiten schreiten voran

In jahrelanger Arbeit haben wir das Geld zusammengetragen und die Maßnahmen geplant, konzeptioniert und die nötigen Genehmigungen für die Arbeiten eingeholt, die mit dem ersten Sanierungsabschnitt nun begonnen haben.

Was wird gemacht:

 

Nach der Einrüstung wird die gelockerte Mauerkrone abgetragen. Zum Teil musste erheblich mehr abgetragen werden, als geplant, da die Mauer von den ehemals angrenzenden Hecken tief durchwurzelt war. Teilweise müssen die Fugen neu ausgestemmt werden (was leider mit erheblicher Lärmbelästigung verbunden ist, sorry). Danach wird neu aufgemauert, dabei alle Beulen entfernt, neu verfugt und in den unteren Bereichen zur Festigung Injektionsmörtel eingespritzt („verpresst“). An kritischen Stellen müssen bis zu 8 m lange Anker eingesetzt werden, dazu werden zuerst die nötigen Löcher gebohrt.

Durch Schläuche wird Mörtel in die Mauer gespritzt, um sie Innen zu festigen, ohne sie ganz abtragen zu müssen. Der Mörtel füllt so auch vorhandene Hohlräume im Inneren des Mauerwerks.

 

Für die Bohrarbeiten für die Maueranker an der Ecke zur Kirchstraße hin muss im Mai die Straße zunächst zum Teil, dann auch komplett gesperrt werden.

 

Aufwändiger werden jedoch die Bohrarbeiten für die Maueranker und Verpressnadeln. Um für die erforderliche Tiefe jeweils ein gerades Loch bohren zu können, wird der Bohrer auf einer Lafette installiert. Diese Konstruktion braucht Platz. Um im Notfall Rettungsfahrzeugen nicht die Durchfahrt zu versperren, wurde sich mit der zuständigen Behörde darauf geeinigt, das Ganze auf einem Bagger zu befestigen. Hierfür wird in der Woche vor Pfingsten ein 12-Tonnen Bagger vor Ort aufgestellt. Die Durchfahrt wird dann nur noch für Feuerwehr und Rettungswagen frei gemacht, alle anderen Verkehrsteilnehmer können an dieser Stelle während der Arbeitszeiten nicht vorbei. Diese Arbeiten sollen in der Woche nach Pfingsten abgeschlossen werden. Wir hoffen, dass es keine Verzögerungen oder böse Überraschungen gibt und bitten alle betroffenen Anlieger um ihr Verständnis.

Das KiTa-Personal ist aufgefordert, die Buskinder am Bus (Marktplatz) abzuholen bzw. hinzubringen.

 

 

Kirchen in unserer Kirchengemeinde, die die Reformation miterlebt haben

Teil 1: Kirche St. Peter, Bacharach

Teil 2: Kirche St. Moritz Oberdiebach

Teil 3: Kirche St. Oswald, Manubach

Dies ist nun der vierte Gemeindebrief, in dem wir anlässlich des Jubiläumsjahres eine unserer

historischen Kirchen vorstellen, die alle zu katholi-schen Zeiten vor der Reformation erbaut wurden. Sie waren und sind Zeugen sowohl der Reform-tion als auch der heutigen Ökumene.

 

Der heilige St. Oswald war einer der ersten christlichen Könige in Northumbria in Britannien, der im Kampf gegen das letzte heidnische Reich der Angelsachsen starb. Er war ein großer Kämpfer, galt dabei aber auch als milde und großzügig gegenüber Pilgern und Armen. Wenige Jahrzehnte nach seinem Tod wurde er heiliggesprochen.

 

Der Auftraggeber

Indem ein Kirchenbau unter das Patrozinium eines Heiligen gestellt wurde, wurde er unter dessen Schutz gestellt. Es kann auch ein Hinweis auf den Auftraggeber und Erbauer der Kirche sein.

St. Oswald war der Hausheilige der Welfen, zu denen der Pfalzgraf Heinrich bei Rhein gehörte, ein Sohn Heinrich des Löwen und Bruder des späteren Kaisers Otto IV. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es dieser Pfalzgraf Heinrich war, der den Bau einer Kirche in Manubach in Auftrag gab. Damit muss dann angenommen werden, dass der Bau der Kirche zwischen 1195 und 1214 begonnen wurde, bevor die Pfalzgrafenschaft an die Wittelsbacher ging. Somit stand in Manubach bereits eine Kirche, bevor in Köln der Grundstein für den Kölner Dom gelegt wurde, das war 1248.

Das Vierthälergebiet war zu jener Zeit reich. Von Bacharach als wichtigem Handelsort und Umladestation am Mittelrhein profitierten auch die anderen Vierthälergemeinden Steeg, Oberdiebach und Manubach. Die Erträge waren wichtige Einnahmequelle des St. Andreasstift zu Köln, dem die Pfarrei mit der Mittelpunktsgemeinde Bacharach gehörte, von dort wurden auch die Pfarrstellen in den übrigen Vierthälergemeinden versorgt. Der 42

Reichtum zog jedoch auch weltliche Herren an, der niedere Landadel war stark im Gebiet vertreten. Aus diesen Familien und reichen Bürgerfamilien stammten meist auch die Chorherren, die in den Kirchen ihre Gebete und Messen hielten. Allerdings fehlt in St. Oswald der geräumige Chorraum. Also keine Chorherrenkirche, sondern Gotteshaus der ansässigen adligen Familien und der Bevölkerung, beauftragt vom Pfalzgrafen.

 

Weltliche Nutzung

Nachdem die Vierthäler gefreit waren und damit unter anderem das Recht zur Befestigung erworben hatten, war die Kirche in die Ortsbefestigung um Manubach mit eingebunden, ähnlich wie St. Moritz in Oberdiebach in die dortige Wehrmauer.

Die Schießscharten im Turm der Kirche St. Oswald verraten uns, dass die Kirche selbst in der Not Zuflucht für die Bevölkerung und auch Verteidigungsanlage war. Das war wohl immer wieder nötig, denn unser Gebiet lag damals zwischen Kurmainzischem Gebiet, das bei Niederheimbach begann und ab Oberwesel Kurtrierischem Gebiet. Noch heute wird von dem damaligen Raubrittertum erzählt

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Die Ausstattung

Die spätromanische Saalkirche bietet große Wandflächen, die sicherlich zum Teil bemalt waren. Frühe Restaurierungsberichte erzählen von gemalten Friesen und Heiligendarstellungen, erhalten sind sie leider nicht. Ebenso ist wahrscheinlich, dass die ein oder andere Skulptur vorhanden war, auch hiervon gibt es keine Nachweise mehr. Aber es war üblich, dass die Bürger und Adligen Malereien, Skulpturen und weitere Ausstattungen in Auftrag gaben und finanzierten, oft ließen sie sich selbst dabei zusammen mit dem dargestellten Heiligen abbilden oder durch eine Inschrift verewigen. Wer sich die erhaltenen Malereien in den anderen Kirchen genau ansieht, wird einiges dazu entdecken. Ob die Malereien und Skulpturen im Zuge der Reformation zerstört wurden oder im Laufe der Jahrhunderte verfielen, ist nicht dokumentiert. Tatsächlich wird es eine fatale Mischung aus beidem sein.

Bekannt ist die zauberhafte Landkirche vor allem durch ihre Holzausstattung, insbesondere die Flachschnitzereien von Erhart Falckener zu Abensberg selbst, auch die späteren Arbeiten aus seiner Werkstatt, wie der Laienstuhl und die im 2. Weltkrieg verloren gegangene Emporenbrüstung. Zusammen mit dem spätromanischen Baustil machen sie die Kirche St. Oswald zu Manubach zu etwas ganz besonderem.

 

200 Jahre Kirchenkreis Koblenz

Durch die Wirren der Reformation blieb die Kirche bestehen, während der Adel im Vierthälergebiet langsam ausstarb, erlebte den dreißigjährigen Krieg, bald danach den Pfälzer Erbfolgekrieg, den wirtschaftlichen Niedergang des Gebietes, zwischendurch immer wieder Pestwellen, Hungersnöte, Plünderungen und war dabei auch selbst immer wieder von Verfall bedroht. Viele Pfarrer sah sie kommen und gehen.

In der preußischen Rheinprovinz ab 1815 waren es dann vier eigenständige Kirchengemeinden im Vierthälergebiet. Als dann 1817, vor genau 200 Jahren, der Kirchenkreis Koblenz gegründet wurde, war es der damalige Pfarrer aus Manubach, Peter Paul Oertel, der sein erster Superintendent wurde.

Dabei handelt es sich um den Vater des späteren Pfarrers Wilhelm Oertel, der bis heute durch seine Schriften unvergessene W.O. von Horn.

 

Silvia Seidler

 

Literatur:

Dagmar Aversano-Schreiber:“ St. Oswald zu Manubach“; Verein für die Geschichte der Stadt Bacha-rach und der Vierthäler e.V. 2008

Peter Bahn: „Die Geschichte des Diebachtals“, Gemeinden Oberdiebach und Manubach, 1989

Ev. Kirchengemeinde Bacharach-Steeg und Ev. Kirchengemeinde Oberdiebach-Manubach: Fest-schrift „450 Jahre evangelische Predigt im Vierthälergebiet 1546 – 1996“, 1996

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